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Feldermodell des deutschen Satzes

Es handelt sich um ein Beschreibungsraster, in das verschiedene Sätze nach ihrem Erscheinungsbild eingeordnet werden können, in dem aber weitergehende Aspekte …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Aufbau
  2. 2. Satzklammer, Mittelfeld und Verben
  3. 3. Vorfeld, Nachfeld und Außenfelder
  4. 4. Satztypen und Felderbesetzung
  5. 5. Erklärung in der Syntaxtheorie

Grundidee und Aufbau

Das topologische Modell, auch Stellungsfeldermodell oder kurz Feldermodell genannt, beschreibt den deutschen Satzbau, indem es Sätze in feste Bereiche, sogenannte Felder, einteilt. Regeln legen fest, welche Bestandteile abhängig von der Satzart in diesen Feldern stehen. Das Modell ist ein Beschreibungsraster für die sichtbare Wortstellung, aber keine vollständige Analyse aller Satzglieder oder Konstituenten. „Topologische Felder“ haben nichts mit Wortfeldern zu tun, bei denen Wörter nach ihrer Bedeutung geordnet werden.

Die heute übliche Grundform umfasst fünf Felder: Vorfeld, linke Klammer, Mittelfeld, rechte Klammer und Nachfeld. Ausgangspunkt ist die für das Deutsche typische Satzklammer: Das finite, also nach Person und Zahl bestimmte Verb kann weit vorne stehen, während andere Teile des Prädikats erst am Satzende folgen. In „Gestern hat die Katze eine Maus vor die Tür gelegt“ steht „Gestern“ im Vorfeld, „hat“ in der linken Klammer, „die Katze eine Maus vor die Tür“ im Mittelfeld und „gelegt“ in der rechten Klammer. Das Nachfeld bleibt leer.

Eine frühe Dreiteilung in „Vorfeld“, „Mitte“ und „Nachfeld“ entwickelte Erich Drach 1937. Die moderne Fünffeldergliederung entstand wesentlich durch die genauere Unterteilung seines damaligen Nachfeldes. Paul Diderichsen entwickelte 1946 eine einflussreiche Variante für das Dänische. Darstellungen können unterschiedlich viele zusätzliche Felder verwenden; wichtiger als deren bloße Zahl ist häufig die umstrittene Zuordnung einzelner Bestandteile, etwa die genaue Grenze des Mittelfelds.

Satzklammer, Mittelfeld und Verben

Das Mittelfeld liegt zwischen linker und rechter Satzklammer. Dort stehen grundsätzlich die Satzglieder, die nicht aufgrund besonderer Regeln einem anderen Feld zugeordnet werden. Dazu gehört meist auch das Subjekt, sofern es nicht ins Vorfeld gestellt wird. Eine häufige Grundreihenfolge lautet: Subjekt < indirektes Objekt < direktes Objekt < Präpositionalobjekt. Die genaueren Regeln und möglichen Umstellungen innerhalb des Mittelfelds erklärt das Feldermodell selbst jedoch nicht.

Die linke Klammer enthält im Hauptsatz das finite Verb oder im eingeleiteten Nebensatz eine Konjunktion. Beide gelten als Konkurrenten um dieselbe Position, weil ein vorangestelltes finites Verb nicht gleichzeitig mit einer dort stehenden Konjunktion vorkommen kann. Das zeigt der Vergleich „Er tat so, als ob nichts wäre“ und „Er tat so, als wäre nichts“. Außer einer Konjunktion kann die linke Klammer nur ein finites Verb aufnehmen; bei einem Infinitivsatz ohne Konjunktion bleibt sie leer.

Die rechte Klammer enthält im Nebensatz das finite Verb in Endstellung. Außerdem werden ihr die übrigen Teile des Prädikats, besonders der gesamte Verbalkomplex, zugeordnet. Dieser kann aus mehreren Verben bestehen, etwa „Er hat nicht gesehen werden wollen“. Bei nichtverbalen Prädikatsbestandteilen kann die Zuordnung strittig sein.

In bestimmten Verbfolgen steht das finite Verb am Satzende vor den übrigen Verben. Dafür wird innerhalb des Endbereichs ein zusätzliches „Oberfeld“ angesetzt: In „dass er es mich hat machen lassen“ steht „hat“ im Oberfeld und „machen lassen“ in der rechten Klammer. Die Infinitive gehören nicht ins Nachfeld, weil sie eine kohärente Konstruktion bilden, also nicht selbst satzwertig sind.

Vorfeld, Nachfeld und Außenfelder

Das Vorfeld steht vor der linken Klammer. Es nimmt gewöhnlich genau eine Phrase auf, die als bereits bekannte Information beziehungsweise Topik dienen oder kontrastiv hervorgehoben werden kann. Fast alle Arten von Satzteilen außer dem finiten Verb können dort stehen: ein Adverb wie „Gestern“, ein Subjekt wie „Die Katze“ oder ein Objekt wie „Eine Maus“. Der betreffende Bestandteil fehlt dann an seiner üblichen Stelle im Mittelfeld. Dadurch kann das Mittelfeld sogar vollständig leer werden, etwa in „Die Katze schlief“.

Auch komplexe Satzteile und vollständige Nebensätze können das Vorfeld besetzen, beispielsweise „Eine Maus vor die Tür gelegt“ in „Eine Maus vor die Tür gelegt hat sie uns noch nie“ oder der Subjektsatz „Dass so was geht“ in „Dass so was geht, ist unglaublich“. Ein Nebensatz im Vorfeld besitzt selbst wiederum eine eigene Felderstruktur; Felderstrukturen können also verschachtelt sein.

Das Pronomen „es“ kann als Expletivum das Vorfeld nur formal füllen: „Es hat gestern hier eine Maus gehustet.“ Dann bleiben alle inhaltlichen Satzglieder im Mittelfeld. Dieses „es“ ist kein Subjektpronomen. Das zeigt zugleich, dass das Vorfeld keine feste Subjektposition ist.

Das Nachfeld folgt auf die rechte Klammer und dient vor allem der Auslagerung langer Satzglieder. Dies wird auch Ausklammerung genannt. Besonders häufig stehen dort Nebensätze, etwa „dass mir das nicht gefällt“ in „Er wird es ja auch gemerkt haben, dass mir das nicht gefällt“. Ein solcher Satz kann im Mittelfeld durch das Korrelatpronomen „es“ vertreten werden. Steht der Nebensatz stattdessen im Vorfeld, ist dieses Korrelat nicht möglich. Auch nachgeschobene Präpositionalphrasen, satzwertige Infinitivkonstruktionen mit „zu“ und ausgelagerte Relativsätze können im Nachfeld stehen.

Jenseits von Vor- und Nachfeld lassen sich zusätzliche, nicht zum eigentlichen Satz integrierte Außenfelder ansetzen, oft Vor-Vorfeld und Nach-Nachfeld genannt. Dort erscheinen unter anderem Anreden, koordinierende Konjunktionen sowie Links- und Rechtsversetzungen. Das versetzte Material wird im Satz durch ein Pronomen wiederaufgenommen, etwa „Diese ABM-Maßnahme, die wird bei der Stadt Dahlhausen sein.“ Solche Konstruktionen sind besonders, aber nicht ausschließlich, in gesprochener Sprache verbreitet.

Satztypen und Felderbesetzung

Satztypen werden im Deutschen durch das Zusammenspiel von Verbmodus, Intonation und der Besetzung von Vorfeld und linker Klammer gekennzeichnet. Das Mittelfeld ist dagegen für die Satztypmarkierung neutral. Traditionell unterscheidet man drei Satzformen; mit „Verb“ ist dabei das finite Verb gemeint.

Beim Verbzweitsatz oder Kernsatz ist das Vorfeld obligatorisch besetzt, notfalls durch ein Expletivpronomen, und das finite Verb steht anschließend in der linken Klammer. Diese Form verwenden selbstständige Aussagesätze und Ergänzungsfragen beziehungsweise W-Fragen. Deshalb folgen „Was hat sie uns vor die Tür gelegt?“ und „Eine Maus hat sie uns vor die Tür gelegt!“ demselben Schema.

Beim Verberstsatz oder Stirnsatz bleibt das Vorfeld obligatorisch leer, während das finite Verb die linke Klammer besetzt. Dieses Muster kennzeichnet unter anderem Ja/Nein-Fragen und Imperative: „Hat sie eine Maus gefangen?“ und „Tu das in den Müll!“ Eine Konjunktion oder Partikel vor dem Satz, etwa „und“, füllt dabei nicht automatisch das Vorfeld.

Beim Verb-End-Satz oder Spannsatz steht das finite Verb in der rechten Klammer. In einem mit „dass“, „ob“ oder „weil“ eingeleiteten Nebensatz besetzt die Konjunktion die linke Klammer, während das Vorfeld leer bleibt. Bei indirekten W-Fragen und Relativsätzen wird nach überwiegender Lehrmeinung dagegen das Frage- beziehungsweise Relativpronomen dem Vorfeld zugerechnet; die linke Klammer bleibt leer, obwohl das finite Verb am Ende steht. Daneben gibt es selbstständige Verb-End-Sätze, besonders Exklamativsätze wie „Wie niedlich der ist!“ Die genaue Einordnung der einleitenden Pronomen wurde diskutiert, weil das Feldermodell allein nicht festlegt, welche Wortarten welche Positionen besetzen dürfen.

Erklärung in der Syntaxtheorie

In erklärenden Syntaxtheorien, etwa der generativen Grammatik, gilt das Feldermodell nicht als Konkurrenztheorie, sondern als Sammlung von Beobachtungen, die durch abstrakte Satzstrukturen hergeleitet werden sollen.

Das Vorfeld enthält in der Regel genau eine Phrase. Deshalb dient die Vorfeldprobe traditionell als Satzgliedtest: Was gemeinsam ins Vorfeld verschoben werden kann, gilt als zusammengehöriges Satzglied. Die Kategorie der Phrase ist dabei nicht festgelegt. Das Mittelfeld allein ist dagegen keine Konstituente, da es meist mehrere Satzglieder enthält. Zusammen mit dem Prädikat beziehungsweise der rechten Klammer kann es jedoch als Verbalphrase oder satzwertige Konstituente analysiert werden.

Da fast alle nichtprädikativen Bestandteile grundsätzlich im Mittelfeld stehen können, wird die Vorfeldbesetzung als Bewegung aus einer Grundposition im Mittelfeld erklärt. Möglicherweise gilt Entsprechendes für bestimmte Nachfeldbesetzungen. Auch die Verteilung des Prädikats auf beide Klammern wird als Bewegung analysiert: Die Grundposition deutscher Verben wird in der rechten Klammer angenommen; das finite Verb bewegt sich in Hauptsätzen in die linke Klammer. Bei einem trennbaren Verb kann dabei die Partikel zurückbleiben, wie in „legte … ab“.

Vorfeld und linke Klammer liegen nach dieser Analyse außerhalb der Verbalphrase und können deshalb den Satztyp markieren. Die linke Klammer entspricht der Position des Komplementierers, in der sowohl Konjunktionen wie „ob“ als auch ein vorangestelltes finites Verb stehen können. Der Gesamtaufbau des deutschen Hauptsatzes lässt sich damit als Komplementierer-Phrase (CP) nach der X-Bar-Theorie auffassen: Das Vorfeld bildet den Spezifikator, die linke Klammer den Kopf und der aus Mittelfeld und rechter Klammer bestehende Bereich das Komplement.

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