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Adverb

Adverb (Plural: die Adverbien), auch Umstandswort, in Texten des 18./19. Jahrhunderts auch Nebenwort, bezeichnet in der Grammatik eine Wortart.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Satzfunktion
  2. 2. Bedeutungs- und Funktionsklassen
  3. 3. Abgrenzung zum Adjektiv
  4. 4. Grenzen zu Präposition, Substantiv und Partikel
  5. 5. Bildung deutscher Adverbien
  6. 6. Adverbformen in anderen Sprachen und weitere Verwendungen

Grundbegriff und Satzfunktion

Ein Adverb (Plural: Adverbien; auch Umstandswort) ist in der deutschen Sprachwissenschaft meist ein Wort, das (1) unveränderlich, also unflektierbar, ist und (2) schon allein ein Satzglied bilden kann. Typische Beispiele sind „oft“, „gerne“ und „glücklicherweise“: „Wir essen oft im Restaurant“, „Ich gebe gerne ein Trinkgeld“ und „Glücklicherweise war noch ein Tisch frei.“

Die Unflektierbarkeit zeigt sich im Unterschied zu attributiven Adjektiven: Man sagt nicht „die ??gernen / ??often Restaurantbesuche“, aber „die häufigen Restaurantbesuche“. Als Satzglieder sind Adverbien vorfeldfähig, können also vor dem finiten Verb stehen: Aus „Wir essen oft im Restaurant“ wird „Oft essen wir im Restaurant“. Sie können auch zu Adverbphrasen erweitert werden, etwa „sehr oft“ oder „glücklicherweise für sie“.

Am häufigsten dienen Adverbien als Adverbiale Bestimmungen. Wortart und Satzfunktion müssen jedoch getrennt werden: Ein Adverb ist eine Wortart, ein Adverbial eine Funktion im Satz. Auch Substantive, Adjektive, Präpositionalphrasen oder andere Ausdrücke können Adverbiale sein. Adverbien können außerdem etwa Präpositionen ergänzen („seit gestern“), ein unflektierbares Rechtsattribut bilden („das Haus nebenan“), prädikativ verwendet werden („Der ist anders“) oder Objekt eines Verbs sein („darauf warten“).

Bedeutungs- und Funktionsklassen

Die Einteilung nach Bedeutung beschreibt eigentlich Arten von Adverbialen und entscheidet daher nicht sicher, ob ein Ausdruck zur Wortart Adverb gehört. Besonders Orts- und Zeitangaben sind relativ einheitlich; Modaladverbien bilden dagegen teilweise eine Restklasse.

Eine Systematik mit fünf Klassen unterscheidet:

  • Lokaladverbien für Orte, Richtungen oder Wege: „hier“, „draußen“, „rechts“, „dort“.
  • Temporaladverbien für zeitliche Lage, Ausdehnung oder Beziehung: „damals“, „nachher“, „gestern“.
  • Modaladverbien für Art und Weise („flugs“), Intensität („sehr“), Begleitumstände („insgeheim“) oder Einstellungen („gerne“). Sie bezeichnen nicht Modalität im Sinn von Möglichkeit oder Notwendigkeit.
  • Kausaladverbien für Ursachen, etwa „dadurch“, „deshalb“; im weiteren Sinn gehören häufig auch „nämlich“, „sonst“, „trotzdem“ und „dennoch“ dazu.
  • Satz-, Kommentaradverbien oder Modalwörter für Bewertungen des Sprechers („unglücklicherweise“), Einschätzungen von Wahrheit oder Möglichkeit („vielleicht“) und andere Sprechereinstellungen („ehrlich gesagt“).

Nach ihrer Funktion gibt es Inhaltswörter, auch „absolute Adverbien“, und verweisende Pro-Adverbien. Demonstrativadverbien verweisen deiktisch auf die Sprechsituation oder anaphorisch auf etwas bereits Genanntes, etwa „So möchte ich auch tanzen können!“ und „Dort brüten viele Pinguine.“ Frage- und Relativadverbien ersetzen Adverbiale in Frage- beziehungsweise Relativsätzen. Dazu gehören Formen wie „wo“, „wann“, „wie“, „warum“ sowie Pronominaladverbien wie „wozu“ und „womit“.

Abgrenzung zum Adjektiv

Adjektive können attributiv, prädikativ oder adverbial verwendet werden: „Das schnelle Auto überholte“, „Das Auto ist/scheint schnell“, „Das Auto beschleunigt schnell“. In allen drei Fällen kann „schnell“ dieselbe Wortart, nämlich ein Adjektiv, sein. Nur seine Funktion ist jeweils verschieden. Attributive Adjektive werden im Deutschen flektiert und stimmen mit dem Substantiv in Kasus, Numerus und Genus überein; daher heißt es „das schnelle Auto“. Prädikative und adverbiale Adjektive sind dagegen unflektiert.

Nach der heute mehrheitlich vertretenen Analyse wird ein flektierbares Wort wie „langsam“ oder „spät“ auch in „langsam fahren“ und „spät zurückkehren“ nicht zum Adverb. Es bleibt ein Adjektiv in adverbialer Funktion. Zur Wortart Adverb gehören gegenüber Adjektiven Wörter, die nie attributiv flektiert vorkommen: „Er verkauft vielleicht sein Auto“, aber nicht „*Der vielleichte Verkauf des Autos“ und nicht „*Der Verkauf ist vielleicht“.

Die Bezeichnung „Adjektivadverb“ wird mehrheitlich abgelehnt. Sie kann entweder nur ein anderes Wort für „adverbielles Adjektiv“ sein oder einen nicht sichtbar markierten Wechsel vom Adjektiv zum Adverb, eine Konversion, behaupten: „schnell (Adj.) → schnell-∅ (Adv.)“. Ein unabhängiger Nachweis für diesen Kategoriewechsel im Deutschen liegt laut Artikel nicht vor.

Einige ausschließlich adverbielle Wörter können gesteigert werden, oft mit Suppletion: „bald – eher – am ehesten“, „wohl – wohler – am wohlsten“, „gern – lieber – am liebsten“, „oft – öfter – am häufigsten“; selten auch „am öftesten“. Formen wie „öftere Kontrollen“ und „die ehere Verfügbarkeit“ zeigen aber, dass manche Komparative als Adjektive flektiert werden können. Wörter wie „egal“ oder „quitt“ kommen nur prädikativ vor. Ihre Wortart ist umstritten: Sie werden als Adverbien, als verwendungsbeschränkte Adjektive oder als eigene Wortart „Adkopula“ analysiert.

Grenzen zu Präposition, Substantiv und Partikel

Die Gruppe der Adverbien ist heterogen. Manche Adverbien ähneln Adjektiven, etwa englisch „well“ im Vergleich zu „good“ oder deutsch „oft“ im Vergleich zu „häufig“. Andere ähneln Substantiven, etwa „yesterday / gestern“, „morgens“ und „nachts“. Präpositionsähnlich sind beispielsweise „gegenüber“, „abseits“ und „links“.

Bei Präpositionen wird oft angenommen, dass sie Ergänzungen regieren, Adverbien aber nicht. Daher werden „links“ oder „gegenüber“ manchmal doppelt klassifiziert: allein als Adverb, mit Ergänzung wie in „links der Straße“ als Präposition. Diese Grenzziehung ist jedoch nicht einheitlich. Pronominaladverbien wie „damit“ (= „mit diesem“), „darauf“ (= „auf das / auf dem“) und „hiervon“ (= „von hier“ oder „von diesem“) werden traditionell oft Adverbien genannt, in der Fachliteratur aber häufig den Präpositionen zugeordnet. „Darauf“ kann zudem Präpositionalobjekt sein: „auf etwas warten / darauf warten“.

Für die Rechtschreibung ist die Grenze zum Substantiv wichtig: Mit Artikel gilt ein Ausdruck als Substantiv und wird großgeschrieben, ohne Artikel als Adverb: „des Abends – abends“. Das -s ist im ersten Fall Genitivflexion, im zweiten ein Wortbildungselement. Bei „nachts“ kann -s kein Genitiv sein; auch „des Nachts“ wird trotz Großschreibung nicht als Genitiv gedeutet. Deshalb schreibt man auch „des Öfteren“.

Im engeren Sinn sind Partikeln unflektierbare Wörter, die weder allein Satzglieder noch verknüpfende Wörter sind. Sie können nicht allein im Vorfeld stehen. Steigerungswörter wie „sehr“, „ziemlich“ und „ungemein“ werden deshalb in der Germanistik meist als Partikeln behandelt: „Widerwärtig hat das gestunken“, aber nur fraglich „Ziemlich hat das gestunken“. Andere Ansätze nennen solche Wörter Gradadverbien.

Bildung deutscher Adverbien

Adverbien können einfache lexikalische Wörter sein, etwa „oft“ und „gern“, oder undurchsichtige komplexe Wörter wie „vielleicht“ und „immerhin“. Daneben gibt es zusammengezogene Ausdrücke wie „miteinander“, „dergestalt“ und „dahinter“.

Abgeleitete Adverbien entstehen im Deutschen häufig durch Endungen, die bestimmte Bedeutungen markieren. „-weise“ bildet meist bewertende oder kommentierende Satzadverbiale, etwa „glücklicherweise“; „-wärts“ bildet Richtungsadverbiale wie „seitwärts“ und „ostwärts“. Solche Verfahren machen Adverbien zu einer offenen lexikalischen Klasse.

Adjektive erhalten im Deutschen keine allgemeine Markierung allein für ihre adverbiale Funktion. Wortbildung erzeugt vielmehr spezielle Adverbtypen, zum Beispiel „dumm → dummerweise“, „erwiesen → erwiesenermaßen“ und „Vorsicht → vorsichtshalber“. Historisch beruhen diese Formen auf Zusammenrückungen; darin können alte Flexionselemente oder Fugenlaute erhalten sein, etwa „vorsicht.s-halber“ und „dumm-er-weise“. Die Bildung auf „-weise“ ist heute sehr produktiv.

Weitere Wortbildungen sind „rückwärt-s / rückwärt-ig“, „abwärt-s / abwärt-ig“ und „beiderseit-s / beiderseit-ig“. Nicht regelhafte Reste adverbieller Markierung sind „fern – ferne“, „lang – lange“ sowie „sicher – sicherlich“ und „bitter – bitterlich“. Sie verhalten sich heute als einzelne Adverbien.

Adverbformen in anderen Sprachen und weitere Verwendungen

Im Lateinischen können als Adverbien erstarrte Formen vorkommen, etwa „hodiē“ („heute“, ursprünglich „an diesem Tag“), „grātīs“ („kostenlos“, ursprünglich Ablativ von „grātia“) und „tantum“ („nur“, ursprünglich Akkusativ von „tantus, -a, um“). Regelmäßig gebildete adverbielle Formen hängen von der Deklinationsklasse des Adjektivs ab: Adjektive der o/a-Deklination erhalten „-ē“, zum Beispiel „clar-us, -a, -um → clar-ē“ und „pulcher, pulchra, pulchrum → pulchr-ē“. Adjektive der dritten Deklination erhalten „-(i)ter“, etwa „celer → celer-iter“, „fort-is, fort-e → fort-iter“ und „vehemens → vehemen-ter“. Der adverbielle Komparativ entspricht dem Neutrum Singular auf „-ius“: „fortior – fortius“. Beim Superlativ steht etwa „vehementissim-ē“. Ob solche Formen Flexionsformen von Adjektiven oder abgeleitete Adverbien sind, ist strittig.

In romanischen Sprachen erscheinen adverbielle Adjektive entweder als neutrale beziehungsweise endungslose Adjektivformen, etwa spanisch „trabajan duro“ und katalanisch „treballen dur“, oder mit Affixen auf „-ment(e)“. Auch dort wird diskutiert, ob „-ment(e)“ Wortbildung oder Flexion ist. Im Englischen wird „-ly“ produktiv angehängt: „beautiful-ly“, „stupid-ly“, „quick-ly“. Dass adverbielles „-ly“ in Komposita oft wegfällt („to spread widely“, aber „widespread“) und nicht weiter Wortbildung zulässt („rarely → *rareliness“, aber „seldom → seldomness“), wird als Hinweis auf Flexion statt Wortbildung gedeutet. Die Einordnung bleibt umstritten.

Adverbien können auch nach einem Substantiv als unflektierte Attribute stehen: „Das Auto dort“, „Die Versammlung gestern“. Vor dem Substantiv ist dagegen nur eine adjektivische Ableitung möglich: „Die gestrige Versammlung“. Wörter wie „umsonst“ und „allein“ können außerdem prädikativ verwendet werden: „Diese Bemühungen waren umsonst“ und „Er ist / bleibt allein“.

Die Definition des Adverbs als unflektierbar gilt nicht uneingeschränkt für alle Sprachen. Im Artschinischen kann das Adverb mit dem Subjekt kongruieren: „buwa dez dītaru x_{o}alli barʃi erdi“ bedeutet „Die Mutter hat mir früh das Brot gebacken“; sowohl Hilfsverb als auch „früh“ stehen dabei im Femininum Singular.

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