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Rattenfängerkonstruktion
In der Sprachwissenschaft ist Rattenfängerkonstruktion eine Bezeichnung für eine bestimmte Klasse von Fragesätzen und Relativsätzen. In ihnen fungiert das …
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Begriff und Funktion
Eine Rattenfängerkonstruktion ist in der Sprachwissenschaft eine besondere Form von Frage- und Relativsätzen. Normalerweise steht nur das Fragewort oder Relativpronomen am Satzanfang. Bei einer Rattenfängerkonstruktion nimmt dieses Wort zusätzliches sprachliches Material mit in die satzeinleitende Position.
So kann ein Relativpronomen nicht nur allein vorangestellt werden wie in „Die Ratten, die Hubert erfolglos zu fangen versucht hatte“, sondern zusammen mit dem Infinitiv: „Die Ratten, die zu fangen Hubert erfolglos versucht hatte.“ Weitere Formen sind etwa „An wessen gute Eigenschaften denkst du?“, „Mir ist unklar, einen wie großen Anteil er übernehmen will“ und „Wie schnell gefahren ist er denn?“.
Grammatische Erklärung und Sprachunterschiede
Für Frage- und Relativsätze gilt normalerweise: Ein Fragewort beziehungsweise Relativpronomen muss an den Satzanfang gestellt werden. In der generativen Grammatik heißt diese satzeinleitende Stelle Position des Komplementierers. Dort können auch unterordnende Konjunktionen stehen. Die Position trägt ein Merkmal „Fragesatz“, das mit dem entsprechenden Merkmal des Frageworts abgeglichen werden muss; für Relativsätze gilt dies entsprechend.
Die Schwierigkeit entsteht, weil das Frage- oder Relativpronomen in Rattenfängerkonstruktionen innerhalb einer größeren Phrase eingebettet sein kann. In „einen wie großen Anteil er übernehmen will“ wird die gesamte Nominalphrase „einen wie großen Anteil“ vorangestellt. Das Frage-Merkmal trägt aber nur „wie“. Dieses Wort bestimmt lediglich das Adjektiv-Attribut „großen“ näher und ist nicht der grammatische Kopf der Nominalphrase. Nach herkömmlichen Vorstellungen kann sein Frage-Merkmal daher nicht auf die ganze Phrase projiziert werden. Dann wäre nicht erklärbar, weshalb die gesamte Nominalphrase von der Voranstellungsregel erfasst wird.
Als Lösung wird vorgeschlagen, die Merkmalsweitergabe so zu verändern, dass sich das Frage- oder Relativmerkmal ausnahmsweise auf die größere Phrase ausbreiten kann. Die ganze Phrase wird dann wie ein Fragewort oder Relativpronomen behandelt.
Welche Rattenfängerkonstruktionen möglich sind, unterscheidet sich je nach Sprache. Im Englischen ist „Reports [the height of the lettering on the covers of which] the government prescribes …“ möglich, während die entsprechende deutsche Konstruktion „* Berichte, [die Höhe der Beschriftung auf deren Umschlägen] die Regierung vorschreibt …“ nicht zulässig ist. Umgekehrt ist im Deutschen „Eine Sonate, [die zu spielen] Freude macht“ möglich, im Englischen aber nicht: „* A sonata [which to play] is fun“.