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Relativpronomen

Das Relativpronomen – auch: Relativ[um], bezügliches Fürwort – ist ein Wort, das einen Relativsatz einleitet und damit diesen Satztyp markiert.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Funktion
  2. 2. Deutsche Formen
  3. 3. Gebrauch und Satzbau im Deutschen
  4. 4. Pronomen und Konjunktionen
  5. 5. Lateinische Relativpronomen
  6. 6. Relativpronomen im Englischen

Begriff und Funktion

Ein Relativpronomen, auch Relativum oder bezügliches Fürwort, leitet einen Relativsatz ein und kennzeichnet damit diesen Satztyp. Zugleich übernimmt es innerhalb des Relativsatzes die Funktion einer Substantivgruppe, etwa als Subjekt oder Objekt.

Relativpronomen sind von Relativadverbien zu unterscheiden: Nur Pronomen werden nach den substantivtypischen Merkmalen Kasus, Numerus und Genus gebeugt. Sie sind nur eine von mehreren Möglichkeiten, Relativsätze zu bilden. Obwohl sie in europäischen Sprachen verbreitet sind, stellen sie im weltweiten Sprachvergleich ein eher seltenes Phänomen dar. Die meisten Sprachen verwenden uneingeleitete Relativsätze; außerdem gibt es nicht flektierbare Einleitungselemente.

Deutsche Formen

Das häufigste deutsche Relativpronomen ist der, die, das. Seine Beugung stimmt vollständig mit der des gleichlautenden Demonstrativpronomens und weitgehend mit der des bestimmten Artikels überein. Die Formen lauten:

• Nominativ: der, das, die; im Plural die. • Akkusativ: den, das, die; im Plural die. • Dativ: dem, dem, der; im Plural denen. • Genitiv: dessen, dessen, deren oder derer; im Plural deren oder derer.

Die ältere Regel, im Genitiv Plural des Relativpronomens ausschließlich deren zu verwenden, gilt als überwunden. Deren und derer sind frei austauschbar, etwa: „Er hatte einige Zaubersprüche, deren/derer er sich nicht mehr ganz entsinnen konnte.“ Bemerkenswert ist im Femininum die Unterscheidung zwischen dem Dativ der und dem Genitiv deren.

Auch welcher, welche, welches kann als Relativpronomen dienen. Im Nominativ stehen welcher, welches, welche und im Plural welche; im Akkusativ welchen, welches, welche und welche; im Dativ welchem, welchem, welcher und welchen. Im Genitiv fehlen Formen für Maskulinum und Neutrum; welcher kommt im Femininum und Plural nur selten vor. Diese Pronomen vermeiden vor allem störende Wiederholungen, beispielsweise: „Der Mann, welcher der Straßenbahn nachlief“ statt „Der Mann, der der Straßenbahn nachlief“. Sie erscheinen fast nur in der Schriftsprache und werden manchmal als veraltet, gestelzt oder stilistisch unschön bewertet. Im Schweizerhochdeutschen ist der relative Anschluss mit welch- vergleichsweise beliebt.

Wer und was werden ebenfalls als Relativpronomen verwendet. Die Formen von wer sind wer, wen, wem und wessen beziehungsweise veraltet wes; bei was lauten Nominativ und Akkusativ was, der Dativ was ist nur eingeschränkt gebräuchlich, der Genitiv lautet ebenfalls wessen beziehungsweise veraltet wes.

Gebrauch und Satzbau im Deutschen

Ein deutsches Relativpronomen übernimmt Numerus und Genus von dem Substantiv, auf das es sich bezieht. Sein Kasus richtet sich dagegen nach seiner grammatischen Funktion im Relativsatz.

Im Satz „Der Mann, dem ich noch Geld schulde, hat mir gestern einen Brief geschickt“ ist Mann das Bezugswort und „dem ich noch Geld schulde“ der Relativsatz. Das Pronomen dem steht im Maskulinum Singular, weil es sich auf Mann bezieht. Es steht im Dativ, weil das Verb schulden diese Ergänzung im Dativ verlangt.

Wer und was treten in freien Relativsätzen auf, die kein ausdrücklich genanntes Bezugswort benötigen: „Wer noch Fragen hat, soll sich melden“ bedeutet „Derjenige oder diejenige, der oder die noch Fragen hat, soll sich melden“. Ebenso heißt es: „Ich kaufe, was mir fehlt, nach der Arbeit ein.“

Was kann sich außerdem auf Pronomen und substantivierte Adjektive neutralen Genus beziehen, etwa in „Das ist alles, was ich dir anbieten kann“ und „Das ist das Schönste, was (oder das) ich je erlebt habe“. Es kann auch einen ganzen übergeordneten Satz aufnehmen: „Wir machten den ganzen Tag frei, was uns eigentlich nicht erlaubt war.“ Umgangssprachlich steht was teilweise dort, wo die Standardsprache das verlangt, beispielsweise „Das Kind, was sich beim Spielen verletzt hat“.

Pronomen und Konjunktionen

In älteren Sprachstufen und heutigen regionalen Varietäten des Deutschen gibt es Relativsatz-Konjunktionen, traditionell auch Relativpartikeln genannt. Sie können ein Relativpronomen begleiten oder ersetzen. Anders als Pronomen sind sie unveränderlich und werden nicht an Genus, Numerus oder Kasus angepasst.

In alemannischen Dialekten und regionaler Umgangssprache, unter anderem im Schwäbischen und Schweizerdeutschen, kann wo einen Relativsatz einleiten. In dieser Verwendung ist wo kein Adverb, sondern eine Konjunktion.

In Dialekten wie dem Wienerischen erscheint was ebenfalls als unveränderliche Konjunktion, etwa in der Verbindung „den was“. Die beiden Wörter besetzen verschiedene satzeinleitende Positionen: das „Vorfeld“ und die nachfolgende „linke Klammer“, in der Linguistik auch „Spezifikator“ und „Komplementierer“ genannt. Sowohl diese Position als auch die fehlende Anpassung von was an das Bezugswort sprechen für seine Einordnung als Konjunktion.

Das ältere Deutsche verwendet außerdem das unveränderliche so, das traditionell Nota relationis heißt, zum Beispiel in „die, so ihn fürchten“. Auch dieses so ist kein Pronomen.

Lateinische Relativpronomen

Das Lateinische besitzt die Relativpronomen qui („der, welcher“), quicumque („jeder, der; wer auch immer“) und quisquis („jeder, der; wer auch immer“). Wie im Deutschen werden sie nach Kasus, Numerus und Genus gebeugt.

Für qui lauten wichtige Singularformen: Nominativ qui, quod, quae; Genitiv für alle Genera cuius; Dativ cui; Akkusativ quem, quod, quam; Ablativ quo für Maskulinum und Neutrum sowie qua für Femininum. Im Plural stehen unter anderem qui beziehungsweise quae im Nominativ, quorum beziehungsweise quarum im Genitiv, quibus im Dativ und Ablativ sowie quos, quae, quas im Akkusativ.

Relativpronomen im Englischen

Im Englischen verwendet man bei Personen who als Subjekt, who oder whom als Objekt und whose als Possessivform. Bei Sachen steht which als Subjekt und Objekt; Besitz wird mit whose oder of which ausgedrückt. Hinzu kommen who-, which- und what(so)ever. Vor allem bei Sachen kann auch that stehen. Ob that ein Relativpronomen beziehungsweise eine Relativpartikel oder stattdessen ein Complementizer beziehungsweise eine Konjunktion ist, wird in der Fachliteratur unterschiedlich beurteilt.

Für den Gebrauch ist die Unterscheidung zwischen notwendigen und nicht notwendigen Relativsätzen entscheidend. Notwendige, auch bestimmende oder restriktive Relativsätze enthalten Informationen, die für das Verständnis des übergeordneten Satzes unentbehrlich sind. Sie werden weder durch ein Komma noch durch eine Sprechpause abgetrennt. Als Subjekt steht für Personen who, für Sachen stehen which oder that: „The man who lives next door is very nice.“ Bei Superlativen kann sich that auch auf Personen beziehen: „She was the best cook that ever lived in our town.“ Vertritt das Relativpronomen ein Objekt, kann es häufig entfallen. Ein solcher Satz heißt Kontaktsatz, zum Beispiel: „Today I’ve finally received the letter (that/which) I had been expecting for weeks.“

Nicht notwendige oder ergänzende Relativsätze liefern entbehrliche Erläuterungen. Sie werden durch ein Komma und eine Sprechpause vom Hauptsatz getrennt. Ein Relativpronomen ist immer erforderlich, sodass kein Kontaktsatz gebildet werden kann. Alle genannten Pronomen außer that sind möglich: „My mother, who is a very intelligent woman, is interested in English literature.“ Für Sachen steht beispielsweise which: „My car, which always breaks down after a few miles, is now in a garage for repairs.“

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