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Kriege, Krisen, Knappheit: Was ist schuld an der Inflation? | ZDF heute-journal

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Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 64 Zeilen
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  1. Die Spedition Wenekamp im Hässischen Steinbach. Drinnen checkt Firmenchef Christoph Wenekamp gerade, wie die Dieselpreise seit 2025 gestiegen sind.
  2. Vergleich zum Jahr 46,9% und im Dreimonatsvergleich 18,1%. Das ist ganz schön viel.
  3. Mit 40 LKW fährt WNEamps Firma vor allem für die großen Discounter und eine Supermarktkette. Zwar erstatten diese Kunden steigende Dieselpreise über
  4. regelmäßig angepasste Frachtentgelte, aber immer zeitversetzt. Bis ich das Geld habe von den höheren Fracht Raten, da vergeht noch mal 40 bis
  5. 60 Tage. Das heißt also, ich muss mindestens 3 Monate die hohen Dieselkosten vorfinanzieren und das nagt an der Liquidität eines jeden
  6. Unternehmens. Aus den weltweiten Rohölpreisen lassen sich die hohen Dieselpreise nicht erklären, denn die Rohölpreise zeigten seit Jahresbeginn
  7. weit weniger starke Anstiege als die Preise bei Dieselkraftstoff. Zuletzt lag in Deutschland der Preis für Diesel sogar über den Preisen für Benzin,
  8. obwohl das höher besteuert wird. Die Gründe: Die anhaltende Krise am persischen Golf und die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerie.
  9. Russland äh ist der zweitgrößten Produzent von Diesel weltweit und deswegen ist die Dieselpuktion äh sehr verknarpt worden und die Dieselpreisen
  10. sie gestiegen. Weltweit ist Diesel also knapper und teurer geworden. Doch in Deutschland droht vorerst keine Dieselknappheit. Die
  11. Raffinerien laufen auf Hochtouren. Die Dieselproduktion stieg von Januar bis Mai auf über 13 Millionen Tonnen, rund 800.000 Tonnen mehr als im
  12. Vorjahreszeitraum. Damit könnte der deutsche Bedarf vollständig gedeckt werden. Wäre da nicht der lukrative Export.
  13. Wir haben es aber mit einem sehr regen Welthandel zu tun. Die Weltmarktpreise schwanken stark. Deswegen exportieren wir auch in Länder, die zeitweise noch
  14. einen höheren Bedarf haben, als wir. Wir importieren gleichzeitig Diesel so, dass wir den Bedarf im Innland decken können und gleichzeitig noch exportieren
  15. können. Und weil Diesel von der Landwirtschaft über den Bau bis zur Logistik für den täglichen Einkauf vieles am Laufen hält,
  16. fließen seine Preissteigerungen in die Inflation mit ein. Die Dieselpreise beeinflussen die Inflation, aber sie sind nur ein Faktor
  17. von sehr vielen. Insofern würde ich sagen, sie sind kein starker Treiber, aber sie sind ein Faktor, der die Inflation hochhält.
  18. Gerade für Spediteure wie Christoph Wennekamp bleiben die hohen Dieselpreise eine Herausforderung in einer Branche, deren Gewinnspanne bei nur 0,5 bis 1%
  19. liegt. Unser Wirtschaftsexperte ist bei uns Florian Neuharn. Florian, hallo. Guten Abend. Die Inflation zieht an in
  20. Deutschland. Aktuelle Zahl 2,9% im August. Was ist der Preistreiber? Woran liegt das? Es gibt einen ganz klaren Schuldigen,
  21. wenn man so will. Das sind die Energiepreise. Aktuelle Statistik von heute sagt: "Eergiepreise in Jahresfrist vom August letzten Jahres bis zu heute
  22. 10,5% gestiegen. Das heißt, das ist ganz eindeutig der Treiber für diese diesen Inflationsanstieg. Andere äh Warengruppen sind sogar in der
  23. Inflationsrate gesunken, z.B. auch die Dienstleistung, da ist die Inflationsrate etwas gesunken. Lebensmittel, wichtiger Punkt, da ist
  24. die sind die Preise nur in 0,1% gestiegen, also wirklich minimal in einem Jahr. Wir erleben hier also gerade einen Energiepreisschock,
  25. Auslöser ganz klar, die Schließung der Straße von Hormous und bedingt dadurch eben die Tatsache, dass wir zu wenig haben auf dem Weltmarkt. Mm.
  26. Das heißt, die gute Nachricht ist, es ist bisher begrenzt auf nur einen kleinen Bereich, aber der ist auch nicht ganz unwichtig für uns. Also, die
  27. Energie. Jetzt hast du gerade das schöne Wort bisher gesagt. In diesem Zusammenhang nicht so wahnsinnig schön allerdings, denn es hieß ja immer, dass
  28. die Energiepreise sich früher oder später durch die gesamte Wirtschaft durchfressen werden. Kommt denn das noch? Ist das noch zu befürchten?
  29. Das ist in der Tat interessant. Mit dieser Kettenreaktion, mit diesen Folgewirkungen hatten die meisten Volkswirte bereits viel früher
  30. gerechnet, dass ich eben die höheren Benzinpreise durch die ganze Wirtschaft fressen, weil ja für alle Produkte etwas transportiert werden muss und deshalb
  31. eben auch Benzin gezahlt werden muss. Das ist bisher spannenderweise nicht so wirklich passiert, wenn man sich eben auch die Lebensmittelpreise ansieht.
  32. es eine Vermutung ist, dass in der Tat großen Konzerne diese Preise nicht mal ebenso weiterreichen können an die Konsumenten, einfach weil wir eine
  33. Wirtschaftskrise haben, weil deshalb die Fähigkeit und auch die Bereitschaft von Verbraucherinnen und Verbrauchern mehr zu zahlen nicht so groß ist. Das heißt
  34. aber nicht, dass wir uns ausruhen können, sondern wahrscheinlich wird es zu diesen Kettenreaktionen noch kommen. Also wahrscheinlich ist es da ist davon
  35. auszugehen, dass auch die Preise auf längere Sicht steigen, vor allem wenn die Straße von Hormus weiterhin geschlossen bleibt.
  36. Du hast gesagt, Straße von Hormus, also weltstrategische Ereignisse, die betreffen ja alle Länder. Das ist ja nicht nur auf Deutschland bezogen. Jetzt
  37. ist es aber so, dass in Schweden z.B. der Benzinpreis aktuell bei so rund 1,40 € ist. Ich wiederhole noch mal 1,40 €. Was läuft da in Deutschland schief?
  38. Ich würde sagen, die Antwort sind zwei Worte, nämlich Steuern und Abgaben. Die sind eben in Deutschland auf Benzin, auf Diesel und Kraftstoffe sehr viel höher
  39. als in allen anderen, fast allen anderen EU-Ländern. Und das erklärt zum großen Teil diesen Unterschied, den wir da haben. Deutschland hatte ja bereits
  40. einmal kurz diese Pre diese diese Steuern gesenkt, die Energiesteuer auf Kraftstoffe mit diesem berühmten Tankrabatt. 17 Cent Monate. Die Effekte
  41. waren eher zweifelhaft, nicht alles kam an, es war sehr teuer und es war auch nicht sehr zielgerichtet. Schweden hat in großem Stil diese Steuern gesenkt und
  42. auch für einen viel größeren, viel längeren Zeitraum. Eine sehr teure Maßnahme. Ob das wirklich ein Vorbild für uns ist, die meisten Volkswirte
  43. würden sagen eher nicht. Wenn du sagst, was läuft schief bei uns, würde ich noch ein einen Punkt sagen. Wir haben ja in Deutschland keinen funktionierenden
  44. Wettbewerb auf dem Markt für Benzin und für Diesel. Wir haben fünf große Konzerne, die alles abdecken. Die Raffinerien, den Großhandel und die
  45. Tankstellen. Da gibt es keinen echten Wettbewerb und wo es keinen Wettbewerb gibt, da sind die Preise meistens höher als woanders.
  46. Und da komme ich wieder mit meinem Lieblingssprichwort. Das Geld ist nicht weg. Es hat nur jemand anderes. So sieht's aus. Es gibt die 12 Uhr Regel
  47. aber nach wie vor bei uns. Also, sprich die Tankstellen dürfen nur einmal am Tag die Preise erhöhen. Damit wollte die Regierung eigentlich die Spritpreise in
  48. den Griff bekommen. Jetzt scheint aber das gehen Gegenteil zu passieren. Ich glaube, da ist in der Kommunikation auch von der Politik einiges
  49. schiefgelaufen, denn das Ziel war nicht wirklich damit die Preise zu senken. Das ist vielleicht so verstanden worden, aber das ist falsch. Das Ziel war
  50. eigentlich nur für mehr Transparenz zu sorgen auf dem Markt, wo es üblich war, dass man am Tag Dutzendfach die Preise mal ebenso geändert hat. Und dieses Ziel
  51. ist erreicht worden. Was die Preise betrifft, gibt es verschiedene Studien. Einige, die sagt, dass die Preise dadurch erhöht worden sind, weil
  52. natürlich es ein Anreiz gibt, dass man die Preise etwas höher setzt, um am Ende nicht doof dazustehen, aber es gibt auch andere Studien. Insofern das wird man
  53. sich noch mal anschauen müssen. Guter Punkt dafür wäre der 1.427. Im Gesetz ist vorgesehen, dass nach einem Jahr diese Tank dieser 12 Uhr
  54. Regel überprüft werden soll. Das wäre dann im 1. April. Dann wird man sich genau anschauen, was die gebracht hat. Es ist viel transparenter geworden, aber
  55. wir wissen halt jetzt auch immer ganz genau, dass es dann doch häufig in eine Richtung geht, nämlich nach oben. Wir haben jetzt viel Florian negatives
  56. besprochen auch was die Zukunft angeht. Gibt's denn eine Idee, wie wir aus allem wieder rauskommen? Nicht nur eine Idee. Wenn man ganz
  57. konkret auf die Inflation schaut, dafür ist ja eigentlich die Europäische Zentralbank zuständig. Die trifft sich, der Rat trifft sich am nächsten
  58. Donnerstag außerplanmäßig in Berlin. Die wird wahrscheinlich wird man dort den Leitzins erhöhen und damit die Inflation bekämpfen. Darauf werden die Märkte
  59. gerade schon vorbereitet. Das wäre eine Maßnahme, die durchaus wirken kann. Wenn du jetzt sagst Schlamassel, ja, das stimmt. Ich will auch die Probleme
  60. keinesfalls beschönigen. Wir stehen vom riesigen Berg an wirtschaftlichen Herausforderungen, aber es gibt gerade ein paar Indikatoren, paar Anzeichen,
  61. dass es etwas besser läuft. Also, erstens das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal etwas höher als gedacht, 0,3 % immerhin. Zweitens, der Export ist
  62. deutlich angestiegen, vor allem in andere europäische Länder. Und drittens, ein wichtiger Index, der IFO Geschäftsklimaindex, Mist, die Stimmung
  63. in der Wirtschaft ist zum vierten Mal in Folge gestiegen. Also kleiner Hoffnungsstimmer, wir sind nicht über den Berg, aber es könnte vielleicht
  64. besser werden, sagt unser Wirtschaftsexperte Florian Neuern. Florian, herzlichen Dank. Ah.

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