Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Produktion

Produktionstechnik · Unter Fertigung versteht man die Herstellung und Montage von zählbaren festen Teilen mit geometrisch bestimmter Gestalt (so genannte …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Bedeutung
  2. 2. Abgrenzungen und Dienstleistungen
  3. 3. Produktion in der Betriebswirtschaft
  4. 4. Produktion in der Volkswirtschaft
  5. 5. Politische Ökonomie und Technik

Grundbegriff und Bedeutung

Produktion bedeutet in Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre die Herstellung von Gütern und Dienstleistungen durch die Kombination von Produktionsfaktoren in einem Transformationsprozess. Produktionsfaktoren sind Mittel, die für die Herstellung eingesetzt werden, etwa Arbeit, Betriebsmittel oder Kapital. Der Gegensatz zur Produktion ist der Verbrauch.

Der Begriff wird unterschiedlich weit verstanden. Eine sehr weite Definition umfasst alle Güter und Dienstleistungen, die durch einen Umwandlungsprozess entstehen. Günter Wöhe fasst Produktion enger als betriebliche Leistungserstellung. Erich Gutenberg formulierte, der Sinn aller betrieblichen Betätigung bestehe darin, „Güter materieller Art zu produzieren oder Güter immaterieller Art bereitzustellen“.

Das Wirtschaftssubjekt, das produziert, heißt Produzent; rechtlich wird auch von Hersteller gesprochen. Hersteller unterliegen der Produzentenhaftung. In der angloamerikanischen Fachliteratur wird zwischen „manufacturing“ als Fertigung und „production“ als Produktion unterschieden, wobei Fertigung ein Teilbereich der Produktion ist. In der deutschsprachigen betriebswirtschaftlichen Literatur gelten „Fertigung“ und „Produktion“ nach herrschender Meinung meist als Synonyme.

Abgrenzungen und Dienstleistungen

Die Begriffe Herstellung, Verarbeitung und Bearbeitung überschneiden sich teilweise. Bearbeitung meint vor allem die Veränderung der äußeren Gestalt eines Werkstücks. Verarbeitung liegt vor, wenn ein Rohteil verbraucht wird und danach in chemisch-physikalisch anderer Form vorliegt, zum Beispiel bei Brennstoffen durch Verbrennen oder bei der Verarbeitung von Erzen zu Metallen durch Ausschmelzen. Herstellung und Verarbeitung werden in der Praxis aber nicht immer scharf getrennt.

Auch in der Landwirtschaft gibt es unterschiedliche Fälle: Tafelobst kann direkt als Handelsware produziert werden, ohne verarbeitet zu werden. Die Lebensmittelherstellung umfasst dagegen vor allem die Verarbeitung von Tieren und Pflanzen.

Dienstleistungen werden ebenfalls produziert. Bei ihnen fallen Produktion und Konsum zeitlich zusammen, weil sich der Konsument oder ein anderer externer Produktionsfaktor in die Leistung einbringt, etwa der Kunde beim Friseur. Um deutlich zu machen, dass sowohl Sachgüter als auch Dienstleistungen gemeint sind, verwenden manche Wissenschaftler den Begriff Leistungserstellung. Entsprechend spricht man beim Vertrieb auch von Leistungsverwertung.

Diese Abgrenzung ist wichtig, weil Sachgüter heute oft zusammen mit Dienstleistungen verkauft werden. Ein Hersteller einer komplexen Maschine kann zum Beispiel zusätzlich Schulung, Programmierung, Wartung und Ersatzteillieferung anbieten. Nicht lagerbare Wirtschaftsgüter wie Elektrizität oder Druckluft werden eher bereitgestellt oder geliefert. Umgangssprachlich wird „Produktion“ auch im künstlerischen Bereich verwendet, etwa bei Fernsehproduktion, Filmproduktion oder Musikproduktion.

Produktion in der Betriebswirtschaft

In der Betriebswirtschaftslehre gilt Produktion als wichtigste betriebliche Funktion. Ohne sie wären andere Funktionen wie Beschaffung, Finanzierung, Verwaltung oder Vertrieb überflüssig. Der Produktionsprozess ist ein auf das Unternehmensziel gerichteter Transformationsprozess: Aus eingesetzten Faktoren entsteht eine Leistung.

Dabei werden betriebswirtschaftliche Produktionsfaktoren kombiniert. Zu den Elementarfaktoren gehören Werkstoffe, Betriebsmittel und Arbeit. Werkstoffe sind die Materialien, die in Produkte eingehen; Betriebsmittel sind zum Beispiel Maschinen oder Anlagen; Arbeit ist die menschliche Arbeitsleistung. Zu den dispositiven Faktoren gehören Unternehmensleitung, Planung, Organisation und Kontrolle. Gutenberg definierte faktorbezogen: „Eine Leistungserstellung, die außer Arbeitsleistungen und Betriebsmitteln auch den Faktor Werkstoffe enthält, bezeichnen wir als ‚Produktion‘“.

Produktion verursacht Herstellungskosten. Ihr Ergebnis sind Produkte und Dienstleistungen. Je nach Fertigungsgrad unterscheidet man Vorleistungsgüter, Halbfabrikate, Zwischenprodukte und Endprodukte. Vorleistungsgüter werden in weiteren Produktionsprozessen verwendet, Endprodukte sind für den abschließenden Gebrauch oder Verkauf bestimmt.

Zentral ist die Produktionsfunktion. Sie beschreibt die funktionale Beziehung zwischen Ausbringungsmenge („output“) und eingesetzten Produktionsfaktoren („input“) bei gegebener Technologie. Produktionsstrategien behandeln unter anderem Fertigungstiefe, Just-in-time-Produktion sowie die Entscheidung zwischen Eigenfertigung und Fremdbezug („make or buy“). Der Produktionsprozess braucht Produktionsmanagement und umfasst Arbeitsabläufe, Fertigungsverfahren und das Zusammenwirken von Arbeits- und Betriebsmitteln. Dazu gehören Produktentwicklung, Konstruktion, Arbeitsvorbereitung, Fertigung und Montage.

Das Produktionsprogramm legt fest, welche Produkte und wie viele Produkte hergestellt werden sollen, etwa in einem Einprodukt- oder Mehrproduktunternehmen. Produktionssysteme bestimmen die Organisationseinheiten, in denen produziert wird. Wissenschaftlich befassen sich Produktionstheorie sowie Produktionsplanung und -steuerung mit diesen Fragen.

Produktion kann auch als Wertschöpfungsprozess verstanden werden. Wertschöpfung bedeutet, dass durch die Produktion ein höherer Wert entsteht als der Wert der eingesetzten Ausgangsstoffe. Deshalb können auch Prozesse wie eine Müllverbrennungsanlage zur Produktion zählen, wenn aus Abfällen nutzbare Produkte entstehen.

Produktion in der Volkswirtschaft

In der Volkswirtschaftslehre wird Produktion gesamtwirtschaftlich betrachtet. Nach Gutenberg ist Urproduktion keine Produktion im engeren Sinne, weil Rohstoffe dort nicht hergestellt, sondern gewonnen oder abgebaut werden. Diese Sicht entsprach der klassischen Nationalökonomie, etwa Jean-Baptiste Say, der 1803 zwischen Produktion, Zirkulation, Distribution und Konsumtion unterschied. Die moderne Wirtschaftstheorie verwendet den Begriff weiter: Zur Produktion zählen auch Urproduktion mit Agrarproduktion, Fischerei und Forstwirtschaft, Bergbau, Industrie, Handwerk sowie die Verteilung der Güter durch Handel und Verkehr.

Volkswirtschaftlich werden die Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital kombiniert, um Knappheit zu verringern. Boden meint natürliche Ressourcen und Flächen, Arbeit die menschliche Arbeitsleistung, Kapital die eingesetzten Produktionsmittel. Produktionsmittel werden dem Faktor Kapital als Sachkapital zugeordnet. Investitionsgüter dienen der Produktion und ersetzen oder erhöhen den Kapitalstock der Unternehmen.

Arbeitsteilung ist dabei wichtig, weil verschiedene Menschen oder Betriebe unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Diese Arbeitsteilung muss koordiniert werden. Die Transformationskurve zeigt, welche Arten und Mengen von Gütern mit vorhandenen Ressourcen und vorhandenen Technologien produziert werden können.

Produktion wirkt auf Märkte: Durch die Nachfrage nach Produktionsfaktoren auf dem Faktormarkt entsteht Einkommen. Mit diesem Einkommen kann auf dem Gütermarkt das Güterangebot gekauft werden. Die Produkte bilden das Güterangebot, das auf Güternachfrage trifft. Angebot und Nachfrage werden durch den Preismechanismus zum Ausgleich gebracht. Das produzierende Gewerbe schafft insgesamt den Produktionswert.

Das Produktionspotenzial beschreibt, welche Produktionsmenge bei vollständiger Kapazitätsauslastung der Produktionsfaktoren möglich wäre. Der Sachverständigenrat sieht eine Normalauslastung als gegeben an, wenn die vorhandenen Produktionsfaktoren zu 96,75 % ausgelastet sind.

Politische Ökonomie und Technik

In der Politischen Ökonomie betrachtete Karl Marx Produktion in einem breiteren gesellschaftlichen Zusammenhang. Ähnlich wie Say ordnete er sie neben Distribution, Verteilung beziehungsweise Aneignung und Konsumtion ein. Für Marx ist der Charakter der kapitalistischen Produktion durch die Verwertung des vorgeschossenen Kapitalwerts bestimmt, also zuerst durch die „Produktion von möglichst viel Mehrwert“ und danach durch die „Produktion von Kapital“, das heißt durch die Verwandlung von Mehrwert in Kapital.

In den Ingenieurwissenschaften wird genauer zwischen verschiedenen technischen Formen der Produktion unterschieden. Fertigung meint dort eine zusammenbauende Produktion, während bei chemischer Produktion von Erzeugung gesprochen wird. Von Fabrikaten spricht man nur, wenn neue Produkte Eigenschaften haben, die sich wesentlich von den verwendeten Grundstoffen unterscheiden. Ist die Abweichung nicht wesentlich, handelt es sich um Veredelung.

Die industrielle Produktionstechnik unterscheidet drei große Bereiche: Fertigung, Verfahrenstechnik und Energietechnik. Fertigung bezeichnet die Herstellung und Montage zählbarer fester Teile mit geometrisch bestimmter Gestalt, also sogenannter Stückgüter. Die Fertigungstechnik beschreibt Verfahren wie Fräsen, Gießen, Schmieden oder Schweißen.

Die Energietechnik befasst sich mit Gewinnung, Umwandlung, Transport, Speicherung und Verbrauch von Energie in allen Energieformen. Die Verfahrenstechnik betrachtet vor allem die Verarbeitung von Rohmaterialien zu Produkten unter Nutzung chemisch-physikalischer oder biologischer Vorgänge. Sie steht zwischen Rohstoffabbau und fertigem Produkt. Dabei unterscheidet man kontinuierliche und diskontinuierliche Prozesse. Der Güterausstoß wird hier oft nach Masse oder Volumen gemessen, weil die Produkte nicht oder nur schwer zählbar sind, zum Beispiel Mehl, Salz, Eisen oder Medikamentenpillen. Wichtige Anwendungsgebiete sind die chemische Industrie, die Nahrungsmittelindustrie, Rohstoffförderung sowie Fließ- und Schüttgüter wie Zement.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht werden Produktionsverfahren außerdem nach der Anzahl der gefertigten Teile unterschieden: Einzelfertigung, Serienfertigung oder Massenfertigung. Nach der Fertigungsorganisation unterscheidet man unter anderem Werkstattfertigung und Reihenfertigung.

Lernvideos zu Produktion

Weiterlesen

Betriebswirtschaftslehre Gegenstand und wesentliche Untersuchungsgebiete ; Finanzierung · betriebswirtschaftliche Kennzahlen, Finanzierungsregeln, Rechnungswesen, Finanzplanung, … Volkswirtschaftslehre Ökonomische Modelle ... Besonders kritisiert wurden vor allem die vorherrschenden DSGE-Modelle, die als umfassende Makro-Modelle der Wirtschaft entwickelt wurden. Produktionsfaktor Als Produktionsfaktor bezeichnet man in der Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre jene in der Produktion verwendeten materiellen und … Gut (Wirtschaftswissenschaft) Besitzt der Anbieter eines Gutes mehr Informationen über das Gut als der Nachfrager, herrscht Informationsasymmetrie. Such- bzw. Inspektionsgüter (englisch … Leistung (Rechnungswesen) Leistung (englisch output) ist in der Betriebswirtschaftslehre und im Rechnungswesen die Ausbringungsmenge von Gütern oder Dienstleistungen aus dem … Erich Gutenberg Mai 1984 in Köln) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler. Er gilt als Begründer der modernen deutschen Betriebswirtschaftslehre (BWL) nach dem Zweiten … Synonym Wörter mit gegensätzlicher Bedeutung sind Antonyme. Inhaltsverzeichnis. 1 Begriff der Synonymie; 2 Strikte und partielle Synonymie. 2.1 Strikte Synonymie … Konsum Unter Konsum (von lateinisch consumere „verbrauchen“) wird allgemein der Verzehr oder Verbrauch von Gütern oder die Inanspruchnahme von Dienstleistungen … Kunde Ein solches Geschäft ist beispielsweise ein Kaufvertrag, Miete oder Leasing, eine Dienstleistung oder ein Werkvertrag. Meist zahlt der Kunde dafür Geld, seine … Vertrieb Neben der Beschaffung und der Produktion ist der Vertrieb die dritte betriebliche Grundfunktion, die in jedem Unternehmen vorhanden ist. Im Vertrieb ist die … Maschine eine einfache Maschine besteht nur aus einem oder sehr wenigen Elementen und kann häufig auch als Werkzeug bezeichnet werden · eine Kraftmaschine stellt … Papier Geschichte · Frühe Schriftträger · Erfindung des Papiers · Ostasien · Islamische Welt · Indien · Europa · Verbreitung der Papierherstellung in Europa · Technische …