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Mangel (Quantität)
Bei einem Mangel fehlt es einem Wirtschaftssubjekt an bestimmten Gütern oder Dienstleistungen, es liegt Unterversorgung vor. Gegensatz ist der Überfluss.
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Grundbegriff
Ein Mangel liegt vor, wenn einem Wirtschaftssubjekt bestimmte Güter oder Dienstleistungen fehlen und dadurch Unterversorgung besteht. Das Gegenteil ist Überfluss. Nach Wilfried Berg ist Mangel ein Zustand, „bei dem die Befriedigung bestimmter wichtiger Bedürfnisse zu vertretbaren Preisen unbehebbar unmöglich ist“.
Für das Verständnis ist die Kette Mangel → Bedürfnis → Bedarf → Nachfrage wichtig. Diese Begriffe werden im Alltag oft ähnlich verwendet, müssen wirtschaftswissenschaftlich aber unterschieden werden. Ein objektiver Mangel kann bei Privathaushalten, Unternehmen oder dem Staat auftreten. Zum Bedürfnis wird er erst, wenn ein Wirtschaftssubjekt ihn subjektiv wahrnimmt und ein Anreiz entsteht, ihn zu beseitigen.
Vom Bedürfnis zur Nachfrage
Ein Bedürfnis ist die Empfindung eines Mangels mit dem Streben nach seiner Beseitigung. Friedrich Benedikt Wilhelm von Hermann definierte Bedürfnis als „das Gefühl eines Mangels mit dem Streben, ihn zu beseitigen“. Entscheidend ist also nicht nur der objektive Mangel, sondern der subjektiv empfundene Mangel.
Bedürfnisse können zu Kaufmotiven werden, wenn sie stark genug sind. Bedarf entsteht, wenn Bedürfnisse konkretisiert und auf bestimmte Güter oder Dienstleistungen bezogen werden. Bedarf ist die Art und/oder Menge der zur Bedürfnisbefriedigung notwendigen Güter und Dienstleistungen. Wird dieser Bedarf mit Kaufkraft, also verfügbaren Zahlungsmitteln, und Zahlungsbereitschaft verbunden, entsteht Nachfrage.
Arten von Mangel
Es gibt physiologische Mangelzustände wie Hunger, Durst oder Müdigkeit. Sie können durch Nahrung, Getränke und Schlaf beseitigt werden. Daneben gibt es psychologische Mangelzustände, zum Beispiel Mangel an Sozialkontakten, Mangel an Zuwendung oder Mangel an Wertschätzung.
Der materiell bedeutsamste Mangel ist der Geldmangel. Eine besondere wirtschaftliche Form ist die Mangelwirtschaft. Damit ist das systemische Problem von Zentralverwaltungswirtschaften gemeint, die Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen dauerhaft sicherzustellen.
Ökonomische Bedeutung
Horst Siebert beschreibt die Ökonomie als die „Kunst des Mangels“ oder die „Lehre von der Knappheit“. Mangel oder Knappheit entsteht aus der Diskrepanz zwischen vielen Wünschen, Zielen, Bedürfnissen und Anliegen der Wirtschaftssubjekte einer Gesellschaft und der vorhandenen Menge an Gütern und Dienstleistungen.
Mangel und Knappheit sind nicht dasselbe, auch wenn sie manchmal als Synonyme verwendet werden. Knappheit kann durch Wirtschaften verringert werden; Mangel kann durch Nachfrage beseitigt werden. Ökonomisch ist Mangel die Diskrepanz zwischen einem Bedürfnis und dessen Befriedigung. Ein nicht kaufkräftiger Mangel, etwa Mangel an sauberem Trinkwasser in Slums, ist ökonomisch nicht relevant, weil er sich nicht in kaufkräftige Nachfrage verwandelt.
Bei Höchstpreisen ist die Nachfrage größer als das Angebot; je preiselastischer beide Seiten reagieren, desto größer wird der Mangel. Bei Mindestpreisen entsteht dagegen ein Überschuss. Eine häufige Methode, mit Mangel umzugehen, ist Rationierung. In extremen Notlagen wie Kriegen oder großen Naturkatastrophen kann der Staat knappe Güter durch Bezugsscheine direkt den Verbrauchern zuteilen.
Typische Beispiele
Hunger zeigt, wie aus einem Mangel Nachfrage entstehen kann. Nach einigen Stunden ohne Nahrung signalisiert Hunger, dass Nahrungsaufnahme nötig wird. Daraus entsteht zunächst ein unkonkretes Bedürfnis nach Nahrung. Der konkrete Wunsch nach einer Pizza ist Bedarf. Erst wenn Kaufkraft vorhanden ist, das Angebot erreichbar ist, die Qualität genügt und das Bedürfnis wichtig genug ist, wird daraus Nachfrage. Reicht die Kaufkraft nicht aus, kann aus Bedarf keine Nachfrage werden.
Auch Gesundheit zeigt den Unterschied zwischen objektivem Mangel und subjektivem Bedürfnis. Ein naturwissenschaftlich feststellbarer Mangel an Gesundheit führt nicht automatisch zu einem Bedürfnis nach Gesundheitsleistungen. Der Kranke muss den Mangel wahrnehmen, etwa durch Schmerz oder ärztliche Beratung. Vitamin-C-Mangel kann Skorbut verursachen, Vitamin-D-Mangel Rachitis und Vitamin-B1-Mangel Beriberi. Wird der Mangel wahrgenommen, kann ein Bedarf an Medikation entstehen, der durch Kaufkraft oder ein Rezept in Nachfrage umgesetzt wird.
Rechtliche und sprachliche Abgrenzung
Im Kaufrecht ist die Mankolieferung, also eine Minderlieferung, seit der Schuldrechtsreform vom Januar 2002 einem Sachmangel gleichgestellt (§ 434 Abs. 3 Alternative 2 BGB). Das bedeutet: Es wurde weniger geliefert als vertraglich vereinbart. Erforderlich ist eine Mindermenge; die Menge richtet sich vor allem nach Stückzahl und Gewicht.
Sprachlich wird der quantitative Mangel nur im Singular verwendet. Den Plural findet man dagegen bei Fehlern oder im Recht, etwa bei Formmängeln, Sachmängeln oder Rechtsmängeln.