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Kirche (Bauwerk)

Eine Kirche oder ein Kirchengebäude ist ein von einer oder mehreren christlichen Konfession(en) zum Gottesdienst, zum Gebet und zur stillen Einkehr …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Nutzung
  2. 2. Kirchenarten und Bezeichnungen
  3. 3. Grundformen und Aufbau
  4. 4. Standort, Material und Sonderformen
  5. 5. Historische Entwicklung
  6. 6. Moderne und gegenwärtiger Wandel

Bedeutung und Nutzung

Eine Kirche oder ein Kirchengebäude ist ein christlicher Sakralbau, der dem Gottesdienst, dem Gebet und der stillen Einkehr dient. Dort versammelt sich die Glaubensgemeinschaft zur Andacht, zur Verkündigung des Wortes Gottes sowie zur Spendung und zum Empfang von Sakramenten und Sakramentalien. Offene Kirchen ermöglichen außerdem persönliches Gebet, Innehalten und Ruhe. Sie können auch für Gemeindeversammlungen, Konzerte, Lesungen, Vorträge und soziale Aktivitäten genutzt werden. Kirchenbau bezeichnet die architektonische Disziplin, die sich mit Entwurf, Neubau, Umbau und Erhalt solcher Gebäude beschäftigt.

Das Verständnis des Gebäudes unterscheidet sich zwischen den Konfessionen. Nach katholischem Kirchenrecht ist eine Kirche ein heiliges, für den Gottesdienst bestimmtes Gebäude, zu dem die Gläubigen freien Zugang zur vornehmlich öffentlichen Ausübung des Gottesdienstes haben. Martin Luther und Heinrich Bullinger betrachteten dagegen den gottesdienstlichen Gebrauch durch die Gemeinde als entscheidend; das Bauwerk selbst besitzt demnach keine eigenständige Heiligkeit. Katholische Kirchen werden durch den Bischof geweiht beziehungsweise dediziert oder gesegnet, evangelische Kirchen ihrer Bestimmung übergeben oder gewidmet. Vor einer Aufgabe erfolgt katholisch die Profanierung, evangelisch meist die Entwidmung.

Eine katholische Kirche erhält bei der Weihe einen Titel oder titulus ecclesiae. Dieses Patrozinium stellt sie unter einen oder mehrere Patrone oder bezieht sie auf ein Glaubensgeheimnis, Jesus Christus, den Heiligen Geist, Maria oder die Engel. Der entsprechende Gedenktag wird als Hochfest begangen.

Kirchen sind häufig Baudenkmäler, Kulturgüter und Bestandteile des kulturellen Erbes. In Deutschland bestanden 2025 etwa 44.400 katholische und evangelische Kirchengebäude; ungefähr 90 Prozent standen unter Denkmalschutz. Dies erschwert kreative Umnutzungen leer stehender Gebäude. Initiativen für offene Kirchen setzen sich dafür ein, Gotteshäuser auch außerhalb der Gottesdienste zugänglich zu halten; manche bedeutenden Kirchen verlangen jedoch Eintritt.

Kirchenarten und Bezeichnungen

Die Bezeichnungen können sich auf kirchliche Funktion, Rang, Größe oder Nutzung beziehen. Eine Pfarrkirche, im Protestantismus auch Gemeindekirche, ist die Hauptkirche einer Pfarrei oder Kirchengemeinde. Ihr können Filialkirchen, Kapellen und Einrichtungen wie Pfarramt, Kindergarten oder Schule zugeordnet sein. Die Volkskirchen gliedern ihre Gemeinden meist nach dem Parochialprinzip, also nach räumlich abgegrenzten Gebieten; Freikirchen folgen diesem Prinzip nicht.

Eine Klosterkirche gehört zu einem Kloster und kann je nach Gemeinschaft Abteikirche, Prioratskirche, Katholikon oder Münster heißen. Eine Stifts- oder Kollegiatkirche gehört dagegen zu einem von Stiftsherren oder Stiftsdamen bewohnten Stift. Kathedralen sind in katholischen, anglikanischen und orthodoxen Kirchen Bischofskirchen. Ein Dom ist ein wegen Größe und Gestaltung herausragendes, meist bischöfliches Kirchengebäude. Münster kann eine Kloster-, Stifts- oder Domkirche bezeichnen. Eine Dorfkirche ist eine in der Regel alte, kleine Kirche mit ländlichen Architekturmerkmalen; nicht jede Kirche auf dem Land erfüllt diese kunstgeschichtliche Definition. Kleine Kirchen heißen Kapellen, private oder teilöffentliche Gebetsräume Oratorien.

Weitere Namen erklären den Zweck: Votivkirchen entstehen aufgrund eines Gelübdes aus Dank, als Bitte oder zur Sühne. Gedenk- und Gedächtniskirchen erinnern an Ereignisse oder Personen und können bei negativen Ereignissen zugleich Mahnmale sein. Wallfahrts-, Spital-, Krankenhaus-, Anstalts-, Friedhofs- und Autobahnkirchen sind mit besonderen Einrichtungen oder Aufgaben verbunden. Werktagskirchen dienen kleineren Gottesdiensten, Profilkirchen einem eng bestimmten Schwerpunkt wie Jugend, Meditation oder Trauerseelsorge. Simultankirchen werden von mindestens zwei Konfessionen genutzt. Notkirchen sind provisorische oder in einer Notlage errichtete, teilweise dennoch dauerhaft vorgesehene Sakralbauten. Wehrkirchen besitzen Befestigungen; eine Kirchenburg ist zusätzlich von eigenen Verteidigungsanlagen wie Mauern und Türmen umgeben.

Grundformen und Aufbau

Der frühzeitliche und mittelalterliche Kirchenbau folgt hauptsächlich fünf Grundrissen; nach der Reformation kam die Querkirche hinzu. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ist die Formenvielfalt deutlich größer.

• Die Basilika besitzt mehrere durch Säulenreihen getrennte Längsschiffe. Meist ist sie dreischiffig: Das Mittelschiff liegt höher als die Seitenschiffe und erhält durch die darüberliegende Wandzone eigene Fenster. Fünfschiffige Basiliken sind selten. Im Mittelalter entwickelte sich die antike Form durch ein Querhaus zur Kreuzbasilika weiter. „Basilika“ ist außerdem ein katholischer Ehrentitel; unterschieden werden sechs Basilicae maiores und inzwischen über 1800 Basilicae minores.

• Bei der Hallenkirche sind die Längsschiffe gleich oder annähernd gleich hoch und unter einem gemeinsamen Satteldach vereinigt. Anders als bei der Basilika besitzt das Mittelschiff deshalb keine eigenen Fenster.

• Die Saalkirche besteht aus einem einzigen saalartigen Raum, meist mit eingezogenem Chor und häufig mit einem Dachreiter als Glockenträger. Sie ist seit der Vorromanik besonders bei ländlichen Kirchen und Kapellen verbreitet. Bei der meist als Saalkirche ausgeführten Chorturmkirche steht der Turm über dem Altarraum.

• Im Zentralbau sind die Hauptachsen gleich lang. Dadurch entstehen kreisförmige, ovale, quadratische oder kreuzförmige Grundrisse. Diese Form ist besonders in Italien und bei östlich-orthodoxen Kirchen verbreitet.

• Die protestantische Querkirche richtet die Gemeinde auf eine Kanzel an der Längsseite aus. Der Altar kann unter der Kanzel oder rechtwinklig zu ihr stehen. Eine Predigtkirche ist allgemeiner durch möglichst gute Sicht und Hörbarkeit zur Kanzel bestimmt; kurze Entfernungen und ein stützenfreier Raum sind wichtig.

Hauptteile eines traditionellen europäischen Kirchenbaus sind Langhaus, Querhaus und Chor beziehungsweise Altarhaus. Das Langhaus kann ein Mittelschiff und zwei oder vier Seitenschiffe besitzen; die Kreuzung von Lang- und Querhaus heißt Vierung. Türme stehen häufig an der Fassade. Mittelalterliche Kirchen waren meist geostet: Der Hauptaltar lag in Richtung des Sonnenaufgangs und damit symbolisch zum Licht Christi sowie von Europa aus in Richtung Jerusalem. Eine bedeutende Ausnahme ist der nach Westen ausgerichtete Petersdom. In der Neuzeit verlor die Ostung an Bedeutung.

Standort, Material und Sonderformen

Kirchen können frei in der Landschaft, auf einem Platz, Dorfanger oder einer Grünanlage stehen. Sie können aber auch in eine Häuserfront, einen Kloster- oder Gebäudekomplex, ein Krankenhaus oder einen Hinterhof integriert sein. Nach ihrer auffälligen geometrischen Form heißen sie etwa Rund-, Oval-, Kreuz-, Stern- oder Pyramidenkirche. Nach dem prägenden Baustoff unterscheidet man unter anderem Holz-, Beton-, Feldstein-, Stahl- und Backsteinkirchen.

Sonderformen verbinden besondere Konstruktionen und Nutzungen. Bettelordenskirchen entsprechen dem Armutsideal ihrer Orden und haben gewöhnlich einen Dachreiter statt eines Turms. Doppelkirchen enthalten zwei voneinander getrennte Kirchenräume. Emporenkirchen besitzen erhöhte Galerien; bei basilikaähnlichen Bauten können diese über den Seitenschiffen liegen. Eisenkirchen bestehen aus vorgefertigtem Wellblech oder Gusseisen, Felsen- beziehungsweise Höhlenkirchen sind in den Fels geschlagen. Rundturmkirchen in England, dem Elsass und Norddeutschland sind trotz ihres Turms Langbauten. Skandinavische Stab- oder Mastenkirchen entstanden im 12. und 13. Jahrhundert aus Holz. Winkelkirchen haben zwei rechtwinklig zusammentreffende Seitenschiffe, wobei Altar oder Kanzel im Winkel stehen. Zeltdachkirchen tragen polygonale, meist unregelmäßige Dächer. Eine Wegekirche richtet Raum, Gemeinde und Liturg nach vorn zum Altar und zum Licht aus; diesen im katholischen Kirchenbau verbreiteten Begriff prägte Rudolf Schwarz im 20. Jahrhundert.

Historische Entwicklung

Aus den ersten beiden christlichen Jahrhunderten sind keine Sakralbauten archäologisch nachgewiesen; wahrscheinlich fanden Gottesdienste meist in Privaträumen statt. Seit dem frühen 2. Jahrhundert wurden jedoch besondere Stätten wie das Petrusgrab verehrt. Die älteste nachgewiesene Kirche ist die Hauskirche von Dura Europos, ein 232/233 zum Gottesdienstraum mit Baptisterium umgebautes Wohnhaus.

Nach dem Toleranzedikt des Galerius und der Mailänder Vereinbarung Konstantins und Licinius wurde das Christentum legitimiert und unter Theodosius I. Staatsreligion des Römischen Reiches. Mit staatlicher Unterstützung entstanden unter anderem der Trierer Dom und die Grabeskirche in Jerusalem. Die Christen übernahmen die mehrschiffige römische Basilika mit Säulen, Atrium und Apsis. Später erzeugte das vor der Apsis eingefügte Querhaus einen kreuzförmigen Grundriss. Kirchtürme standen zunächst als Campanile frei. Bildschmuck blieb anfangs selten; neutestamentliche Malereien verbreiteten sich ab dem 4. Jahrhundert, das Kreuz gewann nach dem Konzil von Ephesos 431 an Bedeutung. Im Osten dominierten Kuppelbasiliken und Kreuzkuppelkirchen. Die Hagia Sophia entstand 532–537. Kleine Zentralbauten dienten häufig als Memoria, Baptisterium oder Mausoleum.

Im Frankenreich waren zunächst Holzbau und einfache geostete Saalkirchen verbreitet. Iroschottische Wandermönche brachten diesen Baustil im 6. Jahrhundert auf das Festland; nach der römisch geprägten Neuordnung durch Bonifatius setzte sich stärker die Basilika mit Querhaus und Apsis durch. Die Vorromanik begann je nach Einordnung um 500 mit den Merowingern oder im späten 8. Jahrhundert mit der karolingischen Renaissance. Sie entwickelte Chor, Krypta, zusätzliche Altäre und Westwerk weiter. Seit der Jahrtausendwende wurden Kirchen zunehmend aus Stein gebaut.

Die Romanik von etwa 1000 bis 1200 wirkt massiv und verwendet Rundbögen, kompakte Westwerke, runde oder oktogonale Türme, Würfelkapitelle und später Kreuzgratgewölbe. Basiliken erhielten Chorumgänge und Kapellenkränze. Die um 1140 in der Île-de-France entstandene Gotik nutzte Spitzbögen, Kreuzrippengewölbe und Strebepfeiler. Dadurch konnten Mauern leichter, Fenster größer und Räume höher werden. Viele gotische Großbauten blieben lange unvollendet; der Kölner Dom und der Prager Veitsdom wurden annähernd zur Hälfte erst im 19. Jahrhundert gebaut.

Renaissance und Reformation vereinfachten die gotische Formensprache und stärkten Hallen-, Saal-, Predigt- und Querkirchen. Der ab etwa 1575 von Italien aus verbreitete Barock gestaltete Kirchen als reich dekorierte Gesamtkunstwerke mit Kuppeln, Stuck, Fresken und vereinheitlichten Räumen; um 1720 steigerte sich die Ornamentik zum Rokoko. Klassizismus und Historismus folgten seit dem späten 18. und 19. Jahrhundert: Antike Formen, Portiken und Kolonnaden standen neben Neuromanik, Neugotik und Neurenaissance. Kolonialbehörden und Missionare verbreiteten diese europäischen Stile weltweit.

Moderne und gegenwärtiger Wandel

Der moderne Kirchenbau wurde durch neue Bautechnik, veränderte Kunstvorstellungen, Religionsfreiheit, Entkirchlichung, neue Gemeindearbeit und liturgische Reformen geprägt. Erste als modern geltende Sakralbauten entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts; die Hochphase lag in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg. Häufig werden Beton, Glas, Eisen und Stahl sichtbar eingesetzt, Ornamente reduziert und klassische Formen durch unregelmäßige Grundrisse oder freie Baukörper ersetzt. Der Stahlskelettbau ermöglichte effiziente Konstruktionen; Otto Bartning errichtete 1928 eine Stahlkirche. Sichtbeton wurde besonders im Brutalismus zum Gestaltungsmittel.

Neue Innenräume reichen von plastisch-ausdrucksvollen Bauten bis zu funktionalistischen, minimalistischen oder kubistischen Entwürfen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts rückte der Altar teilweise in die Raummitte. In St. Laurentius in Buchbach steht er genau im Zentrum eines sechseckigen Raums. Multifunktionale Kirchen können Gottesdienst, Gemeindeversammlung, Gruppenarbeit, Lesung und Konzert aufnehmen. Gemeindezentren vereinen teils Gottesdienstraum, Säle, Gruppenräume, Büro und Pfarrwohnung unter einem Dach.

Das Zweite Vatikanische Konzil von 1962 bis 1965 lehnte im katholischen Kirchenbau einen verpflichtenden Historismus ab. Kunst aller Zeiten, Völker und Länder sollte zugelassen sein, sofern sie Gotteshäusern und Riten mit Ehrfurcht dient. Gefordert wurden „edle Schönheit“ statt bloßen Aufwands sowie Räume, die für liturgische Feiern und die tätige Teilnahme der Gläubigen geeignet sind.

Säkularisierung und schrumpfende Gemeinden führen zu Umbauten, Schließungen, Profanierungen und neuen Nutzungen. Manche Gemeinden integrieren weitere Aufgaben in das Kirchengebäude; andere, besonders Freikirchen und Neugründungen, nutzen ehemalige Fabriketagen oder Ladenlokale. Gleichzeitig wachsen Gemeinden in Teilen Südamerikas, Südkoreas, Indiens und Afrikas. Dort entstanden evangelikale „Megakirchen“ für 50.000 bis 75.000 Besucher. Für die 1958 gegründete Yoido Full Gospel Church in Seoul werden angeblich 230.000 sonntägliche Gottesdienstbesucher genannt. Diese Zahl wird im Artikel ausdrücklich nur als Behauptung wiedergegeben.

Geostete Kirchen besitzen häufig eine südlich ausgerichtete Dachseite, die sich technisch gut für Photovoltaik eignet. Bei deren Nutzung kann jedoch der Denkmalschutz entgegenstehen.

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