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Die Kirche im Nationalsozialismus
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 145 Zeilen
- Hier seht ihr zwei Symbole: das Kreuz Jesu, das Symbol für das Christentum,
- und das Hakenkreuz, das Symbol, das die Nationalsozialisten sich selber nehmen.
- Kennt ihr das höchste Gebot für die Christen? Jesus sagt: "Liebe Gott und deinen Nächsten."
- Und die Nationalsozialisten, sie sagen: "Du sollst Adolf Hitler gehorchen und dich für ihn opfern."
- Können beide Gebote zusammenpassen? Wie war das für deutsche Christen zur Zeit der NS-Diktatur?
- Das erklären wir euch in diesem Video in einer fiktiven Geschichte, die aber auf historischen Hintergründen beruht.
- (Sausende Geräusche, Rattern, Klingeln) Vorab: Es geht in diesem Video nicht um die Kirchen,
- um die protestantische und die katholische, nicht um Bischöfe, Widerstandskreise, Gesetze und so weiter.
- Zumindest nicht im Wesentlichen. Ich gebe zu, als wir dieses Video zur Kirche in der NS-Zeit
- zunächst konzipiert haben, da ging es genau darum. Dabei haben wir gemerkt:
- Man kann zu diesem komplexen Thema so unendliche viele komplizierte Fakten und Details erzählen
- und ein richtig langes Video machen, von dem am Ende wahrscheinlich wenig hängen bleibt.
- Aber Glauben, das ist ja vor allem eine ganz persönliche Sache. Und wir haben uns viel mehr gefragt:
- Wie haben sich junge Christen zur Zeit des Dritten Reichs gefühlt? Welche inneren Konflikte mussten sie aushalten?
- Wie sind sie mit dem Regime der Nationalsozialisten zurechtgekommen? Das ist natürlich schwierig nachzuvollziehen.
- Deshalb haben wir uns eine Figur ausgedacht, von der ich euch ein bisschen erzählen will.
- Marlene Möller. Eine junge Frau, die irgendwo in Süddeutschland wohnt,
- aus einer christlichen Familie stammt und die an Gott glaubt. Noch mal: Diese Marlene ist erfunden.
- Aber das, was sie erlebt hat, könnte durchaus so stattgefunden haben. Und vielleicht gibt es auch Menschen,
- die das so oder zumindest ganz ähnlich tatsächlich erlebt haben. Unsere Marlene wird vielleicht im Jahr 1919 geboren.
- Christliches Elternhaus, evangelisch, bürgerlich. Mit dem neuen Staat, der Weimarer Republik,
- können die Möllers nichts anfangen. Sie sind politisch konservativ-national eingestellt.
- Der Vater zog mit viel Überzeugung in den Ersten Weltkrieg, aus dem er schwerverletzt zurückgekehrt ist.
- Die Eltern waren immer brave Untertanen des deutschen Kaisers. Sie erzählen oft von dieser Zeit.
- Sie vermissen die klaren Strukturen von damals. Sie denken, die demokratischen Politiker in der Republik
- haben das Vaterland verraten. Die Sozialdemokraten sind für sie kommunistische Atheisten.
- Die katholische Zentrumspartei gilt ihnen als papsthörig. Marlene bekommt als Kind natürlich mit,
- wie die Eltern mit Freunden über Politik reden. Ohne dass sie aktiv darüber nachdenkt,
- wird ihre Grundeinstellung zu dem neuen Staat vom Elternhaus geprägt. Dieser Österreicher, Adolf Hitler, der 1923 einen Putsch versucht,
- und der so aggressive Reden hält, der ist auch nichts für die Möllers. Zu schrill, zu brutal.
- Außerdem geht es ja einige Jahre in der Weimarer Republik aufwärts. Erst als 1929 die Weltwirtschaftskrise hereinbricht
- und Hitlers Warnungen vor dem bevorstehenden Untergang plötzlich gar nicht mehr weltfremd,
- sondern gradezu prophetisch erscheinen, hören die Möllers seinen Reden zu.
- Der Vater macht jetzt bei Hitlers NSDAP sogar sein Wahlkreuz. Er hat seine Arbeitsstelle verloren und hofft einfach,
- dass Hitler alles besser machen wird. 1933 kommen die Nationalsozialisten an die Macht.
- Marlene ist da ein Teenager. Sie besucht die Gruppenstunden der Evangelischen Jugend.
- Diese Jugendorganisation wird von der neuen Reichsregierung zwangsweise in die Hitlerjugend, in die HJ, eingegliedert.
- In Marlenes Fall natürlich in den sogenannten "Bund Deutscher Mädel", BDM abgekürzt. Die Organisation für junge Frauen.
- Die Heimabende findet Marlene meistens langweilig. Aber ihre Mutter schickt sie trotzdem hin.
- Marlene besucht auch weiterhin die Sonntagsschule in der Kirche, wo sie die Geschichte von Jesus hört. Sie lernt die zehn Gebote.
- Oder: Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten. Aber beim BDM sagt man ihr,
- dass sie Adolf Hitler lieben und ihm gehorchen soll. Marlene ist hin und her gerissen, weil sich das ja widerspricht.
- Sie fragt ihre Eltern und die erklären ihr, dass gute Christen einer rechtmäßigen Regierung gehorchen.
- So steht es in der Bibel. Und die Nationalsozialisten sind ja auch
- auf verfassungsmäßigem Weg an die Macht gekommen. Dass sie eine Diktatur aufbauen,
- in der alle, die anderer Meinung sind, verfolgt und weggesperrt werden,
- das sehen Marlenes Eltern nicht ganz so kritisch. Oder sie verdrängen es.
- Denn eingesperrt werden Kommunisten, also Feinde des Christentums. Verfolgt werden Juden.
- Die evangelische Kirche bezieht sich auf den Reformator Martin Luther. Der hat sich ja auch extrem judenfeindlich geäußert.
- Klar, das war vor 400 Jahren, vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten.
- Aber es bietet ihnen natürlich einen willkommenen Anknüpfungspunkt. In seinem Buch "Mein Kampf" wirbt Adolf Hitler,
- der selbst Katholik ist, um die Christen beider Konfessionen, da ja beide Kirchen bereits jahrhundertelang
- einen Kampf gegen das Judentum geführt hätten. Jetzt ist es so, dass der Nationalsozialismus
- im Kern seiner Ideologie natürlich antikirchlich und antichristlich ist. Aber Hitler weiß, dass er die Stimmen der Christen wie Marlenes Familie
- bei den Wahlen braucht. Der Glaube spielt im Alltag
- und der Weltanschauung der Menschen zu der Zeit noch eine deutlich größere Rolle als heute.
- Deshalb gibt sich Adolf Hitler betont bürgerlich. Und er greift die Kirchen auch nicht an, zumindest nicht direkt.
- Und Marlenes arbeitsloser Vater findet es sowieso gut, dass die Nationalsozialisten mehr Arbeitsstellen schaffen wollen.
- In der Kirchengemeinde aber gibt es Streit. Denn nicht alle Christen arrangieren sich mit dem Regime.
- Adolf Hitler will jetzt eine einheitliche, von oben kontrollierte Reichskirche schaffen.
- Dagegen stemmen sich die Mitglieder der sogenannten "Bekennenden Kirche". Sie leisten Widerstand.
- Nicht gegen den Nationalsozialismus, sondern gegen die staatliche Gleichschaltung der Kirche.
- Auch in Marlenes Gemeinde gibt es solche Leute. Sie geraten ins Visier der Geheimen Staatspolizei, der Gestapo.
- Wer sich den Nazis widersetzt, der bekommt Repressalien zu spüren. Mit der katholischen Kirche, mit dem Vatikan, gibt es einen Deal.
- Selbstbestimmung, Geld und katholischer Schulunterricht gegen die Garantie, dass sich die Katholiken
- aus Hitlers Politik heraushalten. Nach dem Abschluss des Vertrages,
- dem sogenannten "Reichskonkordat" im Sommer 1933 beendet Hitler zumindest vorübergehend
- die Zwangsmaßnahmen gegen die katholische Kirche. Und auch den Gleichschaltungsversuch der evangelischen Kirche
- gibt Hitler auf. Denn im Geheimen bereitet er sich schon auf den Krieg vor.
- Da kann er solche Konflikte nicht gebrauchen. Und die Kirchen? Die schweigen.
- Selbst als die Nationalsozialisten die Juden aus dem Alltagsleben und dem Berufsleben hinausdrängen.
- Selbst als in Pogromen vom 9. November 1938 die Synagogen brennen, jüdische Geschäfte zerstört werden
- und Jüdinnen und Juden misshandelt, verhaftet und sogar getötet werden, sagt der Pfarrer von Marlenes Gemeinde nichts dazu.
- Vereinfacht gesagt hält dieses Schweigen der Kirchen bis zum Schluss.
- Öffentlich protestieren sie nicht gegen die Vernichtung der Juden. Oder nur verklausuliert.
- Damit, das muss man im Rückblick so beurteilen, haben sie sich mitschuldig gemacht.
- Auch wenn es immer schwierig ist, pauschale Aussagen zu treffen. Die Kirchen wollen schon, dass Christen
- bei den verbrecherischen Aktionen der Nationalsozialisten nicht mitmachen. Aber Christen, die sich in der NSDAP engagieren,
- werden auch nicht aus der Gemeinde rausgeworfen oder exkommuniziert. Immerhin stärken einige Pfarrer und Priester damals mit ihren Predigten
- und im Beichtgespräch Menschen, die gegen den Nationalsozialismus sind. Vereinzelt gibt es auch Protest,
- zum Beispiel gegen die Ermordung von behinderten Menschen, etwa durch den Bischof von Münster Clemens August von Galen.
- Jetzt muss man sehen, dass sich die Kirchen nicht als politische Organisationen sehen,
- sondern als Organisation, die fürs Seelenheil, wenn man so will, verantwortlich ist.
- Angesichts der bis mindestens 1940 immer stärker werdenden Popularität des NS-Regimes
- wollen sie nicht den Anschluss an die Mehrheit der Deutschen verlieren, in dem sie sich gegen Hitler stellen.
- Außerdem fürchten die Kirchen mögliche Sanktionen. Eine schwierige Gemengelage.
- Vor allem auch für eine junge Christin. Marlene hat von klein auf gehört,
- dass die Juden Jesus ans Kreuz geschlagen haben. Marlene hat nichts persönlich gegen Juden.
- Ihr kennt solche Sprüche. Aber sie nimmt die Aktionen der Nationalsozialisten
- stillschweigend hin. Aus der Politik hält sie sich heraus.
- Als Verwundeter im Ersten Weltkrieg muss Marlenes Vater nicht in den Krieg ziehen, den Hitler 1939 entfesselt.
- Die anfänglichen Siege der deutschen Wehrmacht begeistern ihn. Auch Marlene ist stolz.
- Der Vater sagt, dass die Erfolge der Armee zeigen, dass Gott auf Seiten der Deutschen ist.
- Hitler wird immer populärer. Und er ist 1940 auf dem Höhepunkt seines Ansehens.
- Auch Marlenes Eltern hängen Hakenkreuzfahnen aus den Fenstern ihres Hauses,
- zum Beispiel zum Geburtstag Adolf Hitlers am 20. April. Die Kirchen sind Teil der deutschen Kriegsgesellschaft.
- Es gibt einen Patriotismus, der Menschen und Material für den Kriegseinsatz mobilisiert.
- Hunderte Pfarrer oder Ordensfrauen sind als Militärseelsorger oder im Sanitätsdienst tätig.
- Auch in kirchlichen Einrichtungen werden Zwangsarbeiter eingesetzt. Den Kriegsdienst verweigert kaum jemand.
- Als dann der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion 1941 beginnt, sind viele in Marlenes Gemeinde begeistert.
- Dass das gottlose Reich der Kommunisten vernichtet werden soll, das findet insgesamt große Zustimmung.
- Als sich das Kriegsglück dann ab dem Jahr 1942 gegen die Deutschen wendet, betet Marlene noch intensiver für den Sieg.
- In den Kirchen wird viel darüber gesprochen, dass das Leid der eigenen Bevölkerung wirklich schlimm sei,
- als die Alliierten die deutschen Städte bombardieren. Aber das Leid der anderen, der Angegriffenen,
- das kommt meistens zu kurz Marlene ist mittlerweile eine junge Frau.
- Sie betet für Hans, den sie liebt. Und der auch in Russland kämpft.
- Eine Welt bricht für sie zusammen, als sie erfährt, dass Hans in Stalingrad gefallen ist.
- In jenem Kessel, in dem die Wehrmacht untergeht. In der barbarischen Schlacht von Stalingrad,
- die Hunderttausende Soldaten das Leben kostet. Marlene findet Halt in ihren Glauben.
- Und weil sie schon als Jugendliche der nationalsozialistischen Propaganda ausgesetzt war,
- betet sie auch weiterhin für den Führer. Als sie im Sommer 1944 die Nachricht hört,
- dass ein Attentat auf Hitler verübt worden ist, ist sie ehrlich erschüttert.
- Damit ihr das richtig versteht, noch ein paar Worte dazu. Wir haben ja schon gesehen, dass es Christen gibt,
- die von Anfang an für Hitler sind. Und andere sind gegen ihn. Auch Widerständler des 20. Juli
- handeln aus christlichen Motiven heraus. Und trotzdem können viele deutsche Christen
- mit den Plänen der Attentäter nichts anfangen. Dass Hitler in seinem Hauptquartier, der Wolfsschanze,
- den Sprengstoffanschlag von Oberst Stauffenberg nur leicht verletzt überlebt,
- das führen nicht wenige Christen auf den Willen Gottes zurück. Das ist übrigens eines von vielen Attentaten, das scheitert.
- Und auch diejenigen Christen, die Hitler für einen Tyrannen halten, sind oft gegen das Attentat.
- "Du sollst nicht töten!" Das Gebot gilt auch im Falle Hitlers für sie.
- Ein Mord bleibt eben ein Mord, auch wenn er an einem Verbrecher begangen wird.
- Und so lehnen die Kirchen dann auch wieder die Todesstrafe ab, die gegen die Attentäter verhängt wird.
- Ist ziemlich kompliziert. Unsere Marlene ist nicht im Widerstand aktiv,
- wie die allermeisten Deutschen eben auch. Aber es gibt natürlich Christen, die für ihre Überzeugungen kämpfen.
- So wie Dietrich Bonhoeffer. Schon früh hatte der evangelische Pfarrer
- vor den Nationalsozialisten gewarnt und sich als einer der Ersten in der Kirche
- gegen die Judenverfolgung gestellt. Im April 1945 wird er von den Nationalsozialisten
- im KZ Flossenbürg ermordet. Auch Marlene hört von seinem Widerstand.
- Genauso wie sie davon hört, dass die Juden im Osten umgebracht werden. Sie fängt sogar an, für die Juden zu beten.
- Aber sie schafft es eben nicht, sich konsequent von Hitler abzuwenden.
- Als der Krieg endet, ist Marlene 26 Jahre alt. Sie hat als Christin das Dritte Reich durchlebt.
- Auch wenn sie keine Verbrechen begangen hat, fühlt sie sich danach irgendwie schuldig.
- Aber irgendwie auch als Opfer. Ein Gefühl, das sie noch den Rest ihres Lebens begleiten wird.
- Die evangelische Kirche veröffentlicht im Oktober 1945 die Stuttgarter Schulderklärung.
- Darin heißt es: (Er liest vor.)
- Bis heute ist die Schuldaufarbeitung der Kirchen nicht abgeschlossen. Eine Bewertung wie bei so vielem ist schwierig.
- Auch aus Sicht der Kirchen. Marlenes Geschichte war der Versuch,
- damit ihr euch besser diese Zeit vorstellen könnt, die bis heute so unvorstellbar ist.
- Dass es eben nicht so einfach ist, zu sagen: Diese Menschen, die waren gegen Hitler,
- diese dafür und alle Christen haben sich etwa so oder so verhalten, weil sie so eingestellt waren.
- Wie ist es bei euch? Beschäftigt ihr euch mit der Vergangenheit eurer Vorfahren
- im Nationalsozialismus? Wisst ihr da eventuell was drüber? Oder interessiert euch das nicht?
- Schreibt das gerne unten in die Kommentare. Hier neben mir findet ihr ein Video zur Jugend
- im sogenannten Dritten Reich allgemein. Und darunter ein Video zu den historischen Fakten der Bibel.
- Danke euch für Zuschauen und bis zum nächsten Mal.
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