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Die Kirche im Nationalsozialismus

MrWissen2go Geschichte | Terra X12:45 478.445 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 145 Zeilen
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  1. Hier seht ihr zwei Symbole: das Kreuz Jesu, das Symbol für das Christentum,
  2. und das Hakenkreuz, das Symbol, das die Nationalsozialisten sich selber nehmen.
  3. Kennt ihr das höchste Gebot für die Christen? Jesus sagt: "Liebe Gott und deinen Nächsten."
  4. Und die Nationalsozialisten, sie sagen: "Du sollst Adolf Hitler gehorchen und dich für ihn opfern."
  5. Können beide Gebote zusammenpassen? Wie war das für deutsche Christen zur Zeit der NS-Diktatur?
  6. Das erklären wir euch in diesem Video in einer fiktiven Geschichte, die aber auf historischen Hintergründen beruht.
  7. (Sausende Geräusche, Rattern, Klingeln) Vorab: Es geht in diesem Video nicht um die Kirchen,
  8. um die protestantische und die katholische, nicht um Bischöfe, Widerstandskreise, Gesetze und so weiter.
  9. Zumindest nicht im Wesentlichen. Ich gebe zu, als wir dieses Video zur Kirche in der NS-Zeit
  10. zunächst konzipiert haben, da ging es genau darum. Dabei haben wir gemerkt:
  11. Man kann zu diesem komplexen Thema so unendliche viele komplizierte Fakten und Details erzählen
  12. und ein richtig langes Video machen, von dem am Ende wahrscheinlich wenig hängen bleibt.
  13. Aber Glauben, das ist ja vor allem eine ganz persönliche Sache. Und wir haben uns viel mehr gefragt:
  14. Wie haben sich junge Christen zur Zeit des Dritten Reichs gefühlt? Welche inneren Konflikte mussten sie aushalten?
  15. Wie sind sie mit dem Regime der Nationalsozialisten zurechtgekommen? Das ist natürlich schwierig nachzuvollziehen.
  16. Deshalb haben wir uns eine Figur ausgedacht, von der ich euch ein bisschen erzählen will.
  17. Marlene Möller. Eine junge Frau, die irgendwo in Süddeutschland wohnt,
  18. aus einer christlichen Familie stammt und die an Gott glaubt. Noch mal: Diese Marlene ist erfunden.
  19. Aber das, was sie erlebt hat, könnte durchaus so stattgefunden haben. Und vielleicht gibt es auch Menschen,
  20. die das so oder zumindest ganz ähnlich tatsächlich erlebt haben. Unsere Marlene wird vielleicht im Jahr 1919 geboren.
  21. Christliches Elternhaus, evangelisch, bürgerlich. Mit dem neuen Staat, der Weimarer Republik,
  22. können die Möllers nichts anfangen. Sie sind politisch konservativ-national eingestellt.
  23. Der Vater zog mit viel Überzeugung in den Ersten Weltkrieg, aus dem er schwerverletzt zurückgekehrt ist.
  24. Die Eltern waren immer brave Untertanen des deutschen Kaisers. Sie erzählen oft von dieser Zeit.
  25. Sie vermissen die klaren Strukturen von damals. Sie denken, die demokratischen Politiker in der Republik
  26. haben das Vaterland verraten. Die Sozialdemokraten sind für sie kommunistische Atheisten.
  27. Die katholische Zentrumspartei gilt ihnen als papsthörig. Marlene bekommt als Kind natürlich mit,
  28. wie die Eltern mit Freunden über Politik reden. Ohne dass sie aktiv darüber nachdenkt,
  29. wird ihre Grundeinstellung zu dem neuen Staat vom Elternhaus geprägt. Dieser Österreicher, Adolf Hitler, der 1923 einen Putsch versucht,
  30. und der so aggressive Reden hält, der ist auch nichts für die Möllers. Zu schrill, zu brutal.
  31. Außerdem geht es ja einige Jahre in der Weimarer Republik aufwärts. Erst als 1929 die Weltwirtschaftskrise hereinbricht
  32. und Hitlers Warnungen vor dem bevorstehenden Untergang plötzlich gar nicht mehr weltfremd,
  33. sondern gradezu prophetisch erscheinen, hören die Möllers seinen Reden zu.
  34. Der Vater macht jetzt bei Hitlers NSDAP sogar sein Wahlkreuz. Er hat seine Arbeitsstelle verloren und hofft einfach,
  35. dass Hitler alles besser machen wird. 1933 kommen die Nationalsozialisten an die Macht.
  36. Marlene ist da ein Teenager. Sie besucht die Gruppenstunden der Evangelischen Jugend.
  37. Diese Jugendorganisation wird von der neuen Reichsregierung zwangsweise in die Hitlerjugend, in die HJ, eingegliedert.
  38. In Marlenes Fall natürlich in den sogenannten "Bund Deutscher Mädel", BDM abgekürzt. Die Organisation für junge Frauen.
  39. Die Heimabende findet Marlene meistens langweilig. Aber ihre Mutter schickt sie trotzdem hin.
  40. Marlene besucht auch weiterhin die Sonntagsschule in der Kirche, wo sie die Geschichte von Jesus hört. Sie lernt die zehn Gebote.
  41. Oder: Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten. Aber beim BDM sagt man ihr,
  42. dass sie Adolf Hitler lieben und ihm gehorchen soll. Marlene ist hin und her gerissen, weil sich das ja widerspricht.
  43. Sie fragt ihre Eltern und die erklären ihr, dass gute Christen einer rechtmäßigen Regierung gehorchen.
  44. So steht es in der Bibel. Und die Nationalsozialisten sind ja auch
  45. auf verfassungsmäßigem Weg an die Macht gekommen. Dass sie eine Diktatur aufbauen,
  46. in der alle, die anderer Meinung sind, verfolgt und weggesperrt werden,
  47. das sehen Marlenes Eltern nicht ganz so kritisch. Oder sie verdrängen es.
  48. Denn eingesperrt werden Kommunisten, also Feinde des Christentums. Verfolgt werden Juden.
  49. Die evangelische Kirche bezieht sich auf den Reformator Martin Luther. Der hat sich ja auch extrem judenfeindlich geäußert.
  50. Klar, das war vor 400 Jahren, vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten.
  51. Aber es bietet ihnen natürlich einen willkommenen Anknüpfungspunkt. In seinem Buch "Mein Kampf" wirbt Adolf Hitler,
  52. der selbst Katholik ist, um die Christen beider Konfessionen, da ja beide Kirchen bereits jahrhundertelang
  53. einen Kampf gegen das Judentum geführt hätten. Jetzt ist es so, dass der Nationalsozialismus
  54. im Kern seiner Ideologie natürlich antikirchlich und antichristlich ist. Aber Hitler weiß, dass er die Stimmen der Christen wie Marlenes Familie
  55. bei den Wahlen braucht. Der Glaube spielt im Alltag
  56. und der Weltanschauung der Menschen zu der Zeit noch eine deutlich größere Rolle als heute.
  57. Deshalb gibt sich Adolf Hitler betont bürgerlich. Und er greift die Kirchen auch nicht an, zumindest nicht direkt.
  58. Und Marlenes arbeitsloser Vater findet es sowieso gut, dass die Nationalsozialisten mehr Arbeitsstellen schaffen wollen.
  59. In der Kirchengemeinde aber gibt es Streit. Denn nicht alle Christen arrangieren sich mit dem Regime.
  60. Adolf Hitler will jetzt eine einheitliche, von oben kontrollierte Reichskirche schaffen.
  61. Dagegen stemmen sich die Mitglieder der sogenannten "Bekennenden Kirche". Sie leisten Widerstand.
  62. Nicht gegen den Nationalsozialismus, sondern gegen die staatliche Gleichschaltung der Kirche.
  63. Auch in Marlenes Gemeinde gibt es solche Leute. Sie geraten ins Visier der Geheimen Staatspolizei, der Gestapo.
  64. Wer sich den Nazis widersetzt, der bekommt Repressalien zu spüren. Mit der katholischen Kirche, mit dem Vatikan, gibt es einen Deal.
  65. Selbstbestimmung, Geld und katholischer Schulunterricht gegen die Garantie, dass sich die Katholiken
  66. aus Hitlers Politik heraushalten. Nach dem Abschluss des Vertrages,
  67. dem sogenannten "Reichskonkordat" im Sommer 1933 beendet Hitler zumindest vorübergehend
  68. die Zwangsmaßnahmen gegen die katholische Kirche. Und auch den Gleichschaltungsversuch der evangelischen Kirche
  69. gibt Hitler auf. Denn im Geheimen bereitet er sich schon auf den Krieg vor.
  70. Da kann er solche Konflikte nicht gebrauchen. Und die Kirchen? Die schweigen.
  71. Selbst als die Nationalsozialisten die Juden aus dem Alltagsleben und dem Berufsleben hinausdrängen.
  72. Selbst als in Pogromen vom 9. November 1938 die Synagogen brennen, jüdische Geschäfte zerstört werden
  73. und Jüdinnen und Juden misshandelt, verhaftet und sogar getötet werden, sagt der Pfarrer von Marlenes Gemeinde nichts dazu.
  74. Vereinfacht gesagt hält dieses Schweigen der Kirchen bis zum Schluss.
  75. Öffentlich protestieren sie nicht gegen die Vernichtung der Juden. Oder nur verklausuliert.
  76. Damit, das muss man im Rückblick so beurteilen, haben sie sich mitschuldig gemacht.
  77. Auch wenn es immer schwierig ist, pauschale Aussagen zu treffen. Die Kirchen wollen schon, dass Christen
  78. bei den verbrecherischen Aktionen der Nationalsozialisten nicht mitmachen. Aber Christen, die sich in der NSDAP engagieren,
  79. werden auch nicht aus der Gemeinde rausgeworfen oder exkommuniziert. Immerhin stärken einige Pfarrer und Priester damals mit ihren Predigten
  80. und im Beichtgespräch Menschen, die gegen den Nationalsozialismus sind. Vereinzelt gibt es auch Protest,
  81. zum Beispiel gegen die Ermordung von behinderten Menschen, etwa durch den Bischof von Münster Clemens August von Galen.
  82. Jetzt muss man sehen, dass sich die Kirchen nicht als politische Organisationen sehen,
  83. sondern als Organisation, die fürs Seelenheil, wenn man so will, verantwortlich ist.
  84. Angesichts der bis mindestens 1940 immer stärker werdenden Popularität des NS-Regimes
  85. wollen sie nicht den Anschluss an die Mehrheit der Deutschen verlieren, in dem sie sich gegen Hitler stellen.
  86. Außerdem fürchten die Kirchen mögliche Sanktionen. Eine schwierige Gemengelage.
  87. Vor allem auch für eine junge Christin. Marlene hat von klein auf gehört,
  88. dass die Juden Jesus ans Kreuz geschlagen haben. Marlene hat nichts persönlich gegen Juden.
  89. Ihr kennt solche Sprüche. Aber sie nimmt die Aktionen der Nationalsozialisten
  90. stillschweigend hin. Aus der Politik hält sie sich heraus.
  91. Als Verwundeter im Ersten Weltkrieg muss Marlenes Vater nicht in den Krieg ziehen, den Hitler 1939 entfesselt.
  92. Die anfänglichen Siege der deutschen Wehrmacht begeistern ihn. Auch Marlene ist stolz.
  93. Der Vater sagt, dass die Erfolge der Armee zeigen, dass Gott auf Seiten der Deutschen ist.
  94. Hitler wird immer populärer. Und er ist 1940 auf dem Höhepunkt seines Ansehens.
  95. Auch Marlenes Eltern hängen Hakenkreuzfahnen aus den Fenstern ihres Hauses,
  96. zum Beispiel zum Geburtstag Adolf Hitlers am 20. April. Die Kirchen sind Teil der deutschen Kriegsgesellschaft.
  97. Es gibt einen Patriotismus, der Menschen und Material für den Kriegseinsatz mobilisiert.
  98. Hunderte Pfarrer oder Ordensfrauen sind als Militärseelsorger oder im Sanitätsdienst tätig.
  99. Auch in kirchlichen Einrichtungen werden Zwangsarbeiter eingesetzt. Den Kriegsdienst verweigert kaum jemand.
  100. Als dann der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion 1941 beginnt, sind viele in Marlenes Gemeinde begeistert.
  101. Dass das gottlose Reich der Kommunisten vernichtet werden soll, das findet insgesamt große Zustimmung.
  102. Als sich das Kriegsglück dann ab dem Jahr 1942 gegen die Deutschen wendet, betet Marlene noch intensiver für den Sieg.
  103. In den Kirchen wird viel darüber gesprochen, dass das Leid der eigenen Bevölkerung wirklich schlimm sei,
  104. als die Alliierten die deutschen Städte bombardieren. Aber das Leid der anderen, der Angegriffenen,
  105. das kommt meistens zu kurz Marlene ist mittlerweile eine junge Frau.
  106. Sie betet für Hans, den sie liebt. Und der auch in Russland kämpft.
  107. Eine Welt bricht für sie zusammen, als sie erfährt, dass Hans in Stalingrad gefallen ist.
  108. In jenem Kessel, in dem die Wehrmacht untergeht. In der barbarischen Schlacht von Stalingrad,
  109. die Hunderttausende Soldaten das Leben kostet. Marlene findet Halt in ihren Glauben.
  110. Und weil sie schon als Jugendliche der nationalsozialistischen Propaganda ausgesetzt war,
  111. betet sie auch weiterhin für den Führer. Als sie im Sommer 1944 die Nachricht hört,
  112. dass ein Attentat auf Hitler verübt worden ist, ist sie ehrlich erschüttert.
  113. Damit ihr das richtig versteht, noch ein paar Worte dazu. Wir haben ja schon gesehen, dass es Christen gibt,
  114. die von Anfang an für Hitler sind. Und andere sind gegen ihn. Auch Widerständler des 20. Juli
  115. handeln aus christlichen Motiven heraus. Und trotzdem können viele deutsche Christen
  116. mit den Plänen der Attentäter nichts anfangen. Dass Hitler in seinem Hauptquartier, der Wolfsschanze,
  117. den Sprengstoffanschlag von Oberst Stauffenberg nur leicht verletzt überlebt,
  118. das führen nicht wenige Christen auf den Willen Gottes zurück. Das ist übrigens eines von vielen Attentaten, das scheitert.
  119. Und auch diejenigen Christen, die Hitler für einen Tyrannen halten, sind oft gegen das Attentat.
  120. "Du sollst nicht töten!" Das Gebot gilt auch im Falle Hitlers für sie.
  121. Ein Mord bleibt eben ein Mord, auch wenn er an einem Verbrecher begangen wird.
  122. Und so lehnen die Kirchen dann auch wieder die Todesstrafe ab, die gegen die Attentäter verhängt wird.
  123. Ist ziemlich kompliziert. Unsere Marlene ist nicht im Widerstand aktiv,
  124. wie die allermeisten Deutschen eben auch. Aber es gibt natürlich Christen, die für ihre Überzeugungen kämpfen.
  125. So wie Dietrich Bonhoeffer. Schon früh hatte der evangelische Pfarrer
  126. vor den Nationalsozialisten gewarnt und sich als einer der Ersten in der Kirche
  127. gegen die Judenverfolgung gestellt. Im April 1945 wird er von den Nationalsozialisten
  128. im KZ Flossenbürg ermordet. Auch Marlene hört von seinem Widerstand.
  129. Genauso wie sie davon hört, dass die Juden im Osten umgebracht werden. Sie fängt sogar an, für die Juden zu beten.
  130. Aber sie schafft es eben nicht, sich konsequent von Hitler abzuwenden.
  131. Als der Krieg endet, ist Marlene 26 Jahre alt. Sie hat als Christin das Dritte Reich durchlebt.
  132. Auch wenn sie keine Verbrechen begangen hat, fühlt sie sich danach irgendwie schuldig.
  133. Aber irgendwie auch als Opfer. Ein Gefühl, das sie noch den Rest ihres Lebens begleiten wird.
  134. Die evangelische Kirche veröffentlicht im Oktober 1945 die Stuttgarter Schulderklärung.
  135. Darin heißt es: (Er liest vor.)
  136. Bis heute ist die Schuldaufarbeitung der Kirchen nicht abgeschlossen. Eine Bewertung wie bei so vielem ist schwierig.
  137. Auch aus Sicht der Kirchen. Marlenes Geschichte war der Versuch,
  138. damit ihr euch besser diese Zeit vorstellen könnt, die bis heute so unvorstellbar ist.
  139. Dass es eben nicht so einfach ist, zu sagen: Diese Menschen, die waren gegen Hitler,
  140. diese dafür und alle Christen haben sich etwa so oder so verhalten, weil sie so eingestellt waren.
  141. Wie ist es bei euch? Beschäftigt ihr euch mit der Vergangenheit eurer Vorfahren
  142. im Nationalsozialismus? Wisst ihr da eventuell was drüber? Oder interessiert euch das nicht?
  143. Schreibt das gerne unten in die Kommentare. Hier neben mir findet ihr ein Video zur Jugend
  144. im sogenannten Dritten Reich allgemein. Und darunter ein Video zu den historischen Fakten der Bibel.
  145. Danke euch für Zuschauen und bis zum nächsten Mal.

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