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Manifest der Kommunistischen Partei

Das Manifest der Kommunistischen Partei, auch Das Kommunistische Manifest genannt, ist ein programmatischer Text aus dem Jahr 1848, in dem Karl Marx und …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und Entstehung
  2. 2. Klassenkampf und Entwicklung des Kapitalismus
  3. 3. Kommunistische Ziele und Maßnahmen
  4. 4. Abgrenzung und politische Strategie
  5. 5. Verbreitung, Ausgaben und kulturelle Spuren

Werk und Entstehung

Das Manifest der Kommunistischen Partei, auch Das Kommunistische Manifest, ist ein programmatischer Text von Karl Marx und Friedrich Engels aus dem Jahr 1848. In ihm entwickelten die Autoren große Teile der später als „Marxismus“ bezeichneten Weltanschauung. Das 23-seitige Werk besteht aus einer Einleitung und vier Kapiteln. Es beginnt mit „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus“ und endet mit dem Aufruf: „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!“

Den Anstoß gab der Bund der Kommunisten: Bereits sein erster Kongress forderte ein Statut. An den Vorarbeiten waren neben Marx und Engels auch Moses Hess beteiligt. Engels verfasste die Skizze Grundsätze des Kommunismus und schlug die Bezeichnung „Manifest“ vor. Beim zweiten Kongress am 29. November 1847 nahmen die Gründungsmitglieder den Entwurf einstimmig an und beauftragten Marx und Engels mit der endgültigen Fassung. Das Manuskript traf Anfang Februar 1848 in London ein und wurde am 21. Februar gedruckt, kurz vor der Februarrevolution in Frankreich und den Märzrevolutionen im Deutschen Bund, Österreich und Preußen.

Klassenkampf und Entwicklung des Kapitalismus

Das erste Kapitel deutet die bisherige Gesellschaftsentwicklung als Geschichte offener oder verborgener Klassenkämpfe, etwa zwischen „Freier und Sklave, Patrizier und Plebejer, Baron und Leibeigener“. Marx und Engels stellen dem Feudalismus die moderne bürgerliche Gesellschaft gegenüber. Als Bourgeoisie bezeichnen sie die kapitalistische Eigentümerklasse, als Proletariat die modernen Lohnarbeiter.

Durch die Entdeckung Amerikas, Industrie und Welthandel sei die moderne Bourgeoisie entstanden. Ausbeutung erscheine nun vor allem als kapitalistische Bereicherung; soziale und sogar familiäre Beziehungen würden zu Geldverhältnissen. Auch Angehörige des Mittelstands wie Ärzte, Juristen, Pfaffen, Poeten und Wissenschaftler würden zu bezahlten Lohnarbeitern. Der Staat sei ein „Ausschuss“, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der Bourgeoisie verwalte.

Die Bourgeoisie revolutioniere fortwährend Produktionsverhältnisse und Gesellschaft. Weltmarkt, Rohstoffe aus aller Welt und internationale Abhängigkeiten überwänden nationale Beschränkungen. Ihr wird zugleich eine historisch fortschrittliche und revolutionäre Rolle gegenüber den feudalen Ständen zugeschrieben. Die Entwicklung konzentriere Eigentum in wenigen Händen, mache kleine Handwerker zu Proletariern und führe zu Überproduktionskrisen: Die bürgerlichen Verhältnisse seien für den Warenabsatz zu eng geworden.

Arbeitskraft werde wie eine Ware gehandelt. Maschinen und Arbeitsteilung vereinfachten die Arbeit, machten sie aber zur belastenden, leicht ersetzbaren Teilarbeit; der Lohn reiche nach dieser Darstellung nur für Lebenserhalt und Fortpflanzung. Arbeiter wehrten sich zunächst einzeln, später gemeinsam. Aus Konkurrenz und wachsendem Druck entstehe Klassenbewusstsein. Der Klassenkampf werde politisch, das Proletariat organisiere sich als Partei und erkämpfe einzelne Gesetze wie den Zehnstundentag in England. Weil die Arbeiter trotz industriellen Fortschritts verarmen („Pauper“), produziere die Bourgeoisie ihre „eigenen Totengräber“: ein kampffähiges Proletariat.

Kommunistische Ziele und Maßnahmen

Kommunisten seien laut Manifest keine besondere Partei gegenüber anderen Arbeiterparteien. Sie verträten die Interessen des gesamten Proletariats und seien dessen entschiedenster Teil. Das Manifest unterscheidet persönliches Eigentum von bürgerlichem Klasseneigentum. Kapital soll in gemeinschaftliches Eigentum aller Gesellschaftsmitglieder verwandelt werden; dadurch verliere Eigentum seinen Klassencharakter.

Die bürgerliche Gesellschaft wird als krisenhaft beschrieben: Lebendige Arbeit diene dort dazu, aufgehäufte Arbeit, also Kapital, zu vermehren. In einer kommunistischen Gesellschaft solle aufgehäufte Arbeit dagegen den Lebensprozess der Arbeiter erweitern, bereichern und fördern. Die Autoren weisen Vorwürfe zurück, Kommunisten wollten Familie, Vaterland, Religion oder Moral willkürlich abschaffen. Diese Formen und Ideen seien vielmehr an die bestehenden Produktions- und Eigentumsverhältnisse sowie an die Herrschaft einer Klasse gebunden.

Als erster Schritt der Arbeiterrevolution gilt die Erhebung des Proletariats zur herrschenden Klasse und die „Erkämpfung der Demokratie“. Die Produktionsmittel sollen in den Händen des Staates als „herrschende Klasse organisierten Proletariats“ zentralisiert werden. Genannt werden unter anderem Enteignung des Grundeigentums, starke Progressivsteuer, Abschaffung des Erbrechts, eine staatliche Nationalbank, Verstaatlichung des Transportwesens, gleicher Arbeitszwang, öffentliche unentgeltliche Erziehung aller Kinder und die Abschaffung der Kinderarbeit in ihrer damaligen Form. Ziel ist die Aufhebung der Klassen und Klassengegensätze. An die Stelle der bürgerlichen Gesellschaft soll eine Assoziation treten, „worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist“.

Im Vorwort von 1872 erklärten Marx und Engels diese konkreten revolutionären Maßnahmen in vieler Hinsicht für veraltet. Ihre praktische Anwendung müsse jeweils von den geschichtlichen Umständen abhängen.

Abgrenzung und politische Strategie

Im dritten Kapitel grenzt sich das Manifest von anderen sozialistischen und kommunistischen Strömungen ab. Der reaktionäre Sozialismus umfasst den feudalen Sozialismus, der nach Marx und Engels zwar die Bourgeoisie kritisiere, praktisch aber Gewaltmaßnahmen gegen das Proletariat unterstütze. Der kleinbürgerliche Sozialismus beschreibe zutreffend die Folgen von Maschinen, Arbeitsteilung und Verelendung, wolle jedoch alte Produktions-, Verkehrs- und Besitzverhältnisse wiederherstellen. Der deutsche oder „wahre“ Sozialismus werde als philosophisch-abstrakt, antiliberal und von realen Klassenverhältnissen abgelöst kritisiert.

Der konservative oder Bourgeoissozialismus wolle soziale Missstände verwalten und die Lage der Arbeiter verbessern, ohne die bürgerliche Gesellschaft grundsätzlich zu verändern. Er wolle, so die Formel des Manifests, „die Bourgeoisie ohne das Proletariat“. Der kritisch-utopistische Sozialismus und Kommunismus, etwa bei Saint Simon, Fourier und Owen, wird für seine Kritik an der bestehenden Gesellschaft anerkannt. Seine späteren Anhänger würden jedoch als rückwärtsgewandte Sekten kritisiert, weil sie Klassenkampf und politische Arbeiterbewegung vermitteln oder verhindern wollten.

Im vierten Kapitel erklären die Kommunisten, für unmittelbare Interessen der Arbeiterklasse und zugleich für „die Zukunft der Bewegung“ zu kämpfen. Sie wollten mit progressiven Kräften Bündnisse schließen, besonders in Deutschland zunächst mit der Bourgeoisie gegen feudale Ordnung und Kleinbürgerei. Nach einer bürgerlichen Revolution solle dort unmittelbar die proletarische Revolution beginnen. Ihre Ziele könnten nach dem Manifest nur durch den „gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung“ erreicht werden.

Verbreitung, Ausgaben und kulturelle Spuren

Das Manifest wurde in mehr als 200 Sprachen übersetzt. Seine Gesamtauflage wird auf 500 Millionen Exemplare geschätzt; der Artikel zählt es nach Bibel und Mao-Bibel zu den am häufigsten verlegten Büchern der Geschichte. Der Schlussaufruf wurde später Wahlspruch der Sowjetunion und erschien auf Wappen sozialistischer und kommunistischer Staaten in ihrem Einflussbereich, 1923 auch auf dem Wappen der UdSSR. Seit Juni 2013 gehört das Werk zum Weltdokumentenerbe der UNESCO.

Es erschienen zahlreiche deutschsprachige Ausgaben seit der Londoner Erstausgabe von Februar 1848; neuere Editionen, Übersetzungen etwa ins Plattdeutsche und Kölsche sowie eine illustrierte Ausgabe zeigen die fortdauernde Veröffentlichungsgeschichte. In der Sowjetischen Besatzungszone erschien es 1945 im Dietz-Verlag, später auch in der DDR. Das Manifest war zudem eine agitatorische Grundlage der Bolschewiki.

Zur künstlerischen Verarbeitung zählen Erwin Schulhoffs Kantate Das Kommunistische Manifest / Nach Marx-Engels (op. 82) von 1932 für Solo, Chor und Bläser sowie Lea Grundigs elfteiliger Bild-Zyklus von 1967/68, der erstmals im November 2020 publiziert wurde.

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