Zum Inhalt springen
L

Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).

Karl Marx | Religionskritik

Ethik-Abi by BOE15:58 75.465 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 115 Zeilen
Herunterladen
  1. „Religion ist das Opium des Volkes.“ Dieser berühmte Satz stammt von Karl Marx, einem der bekanntesten Philosophen und Religionskritiker der Geschichte.
  2. Was meint Marx mit diesem Satz? Und welches Ziel verfolgt er mit seiner Religionskritik?
  3. Karl Marx (1818-1883) war ein deutscher Philosoph, Ökonom, Gesellschaftstheoretiker und Journalist. 1818 wird er in Trier als Jude geboren, aus den Familien seiner Eltern stammen mehrere
  4. Rabbiner. Als Trier nach dem Wiener Kongress (1814-15) nicht mehr zu Frankreich, sondern zu Preußen
  5. gehört, ist die Familie erstmals mit Antisemitismus konfrontiert. Sein Vater Heinrich darf auf einmal nicht mehr als Rechtsanwalt arbeiten und konvertiert
  6. deshalb zum Christentum, wird evangelisch. Damit Karl das Gymnasium besuchen kann, wird auch er im Alter von sechs Jahren getauft.
  7. Ein Jahr später konvertiert die Mutter. 1835 beginnt Marx sein Studium.
  8. Er macht Bekanntschaft mit linken Anhängern des Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel, den sogenannten Junghegelianern, und lernt die Religionskritik Ludwig Feuerbachs kennen.
  9. Marx wird Atheist. Mit 24 Jahren wird er Chefredakteur der liberaldemokratischen „Rheinischen Zeitung für Politik, Handel
  10. und Gewerbe“ in Köln und kommt erstmals mit der sozialen Frage in Berührung. Marx gerät mit der Zensur in Konflikt, die Zeitung wird schließlich von der preußischen
  11. Regierung verboten. 1843 verlässt er Deutschland und zieht nach Paris.
  12. Dort lernt er die Ideen des Frühsozialismus kennen und wird auf das Elend des Industrieproletariats aufmerksam.
  13. Er schließt Freundschaft mit Friedrich Engels (1820-1895) und widmet sich zusammen mit ihm intensiv der politischen Ökonomie.
  14. Marx und Engels erarbeiten gemeinsam das politische Konzept des Kommunismus. Ihr „Kommunistisches Manifest“ erscheint 1848 und ist bis heute eines der meistgelesenen
  15. Bücher der Welt. 1867 veröffentlicht Marx den ersten Band seines Hauptwerks „Das Kapital.
  16. Kritik der politischen Ökonomie“. 1845 wird Marx aus Frankreich ausgewiesen.
  17. Er gibt seine preußische Staatsangehörigkeit auf und bleibt Zeit seines Lebens staatenlos. Er lebt in Belgien und Deutschland, zieht schließlich nach England, wo er bis zu seinem
  18. Tod 1883 lebt. Marx gilt als einer der einflussreichsten Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus,
  19. aber auch als berühmter Vertreter eines radikalen Atheismus und einer fundamentalen Religionskritik. Marx‘ Religionskritik ist stark von Ludwig Feuerbach beeinflusst.
  20. Er schreibt: „Feuerbach ist unser größter Prophet, es gibt keinen anderen Weg zur Wahrheit als durch den Feuerbach."
  21. Marx formuliert seine Religionskritik vor allem in der Einleitung seines Werks „Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“ (1843).
  22. Darin verändert und verschärft er die Religionskritik von Ludwig Feuerbach (1806-1872). Dieser hatte Gott als Projektion menschlicher Wünsche beschrieben.
  23. Auch Marx hält Gott für eine Projektion des Menschen. Er schreibt: „Das Fundament der irreligiösen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion,
  24. die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewusstsein und das Selbstgefühl des Menschen (...)".
  25. In Gott sieht der Mensch nur sich selbst und zwar in idealisierter, ins Unendliche vergrößerter Form.
  26. Im Unterschied zu Feuerbach vertritt Marx aber keine anthropologische, sondern eine gesellschaftskritische Religionskritik.
  27. Der Mensch ist nämlich für Marx „kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen", sondern existiert nur in Gesellschaft.
  28. Er ist immer in einen politischen und sozio-ökonomischen Kontext eingebunden und lebt in einer bestimmten gesellschaftlichen Situation.
  29. Seine Wirklichkeit ist durch wirtschaftliche und soziale Faktoren geprägt. Somit hat Marx‘ Ansicht nach nicht der einzelne Mensch, sondern die Gesellschaft die Religion
  30. gemacht. Das gesellschaftliche Sein bestimmt nämlich das Bewusstsein des Menschen.
  31. Religion basiert damit nicht wie bei Feuerbach nur auf persönlichen Erfahrungen und Wünschen, sondern auf gesellschaftlichen und politischen Zuständen.
  32. Religion ist eine Reaktion auf die konkreten gesellschaftlichen Verhältnisse. Sie ist eine Projektion der Gesellschaft, das Produkt wirtschaftlicher und sozialer
  33. Rahmenbedingungen. Marx teilt außerdem Feuerbachs Überzeugung, dass der Mensch sich durch Religion von sich
  34. selbst entfremdet. Im Gegensatz zu Feuerbach betrachtet Marx jedoch die gesellschaftlichen Gründe dieser
  35. religiösen Entfremdung. Ursache dafür, dass der Mensch Gott und weitere religiöse Inhalte erfindet, ist laut Marx
  36. die verkehrte soziale Welt. Die ungerechte Gesellschaft erzeugt das verkehrte religiöse Bewusstsein.
  37. Marx schreibt: „Dieser Staat, diese Sozietät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewusstsein, weil sie eine verkehrte Welt sind."
  38. Das religiöse Bewusstsein ist bei Marx also entfremdetes Bewusstsein in einer entfremdeten Welt.
  39. In dieser Welt erfindet sich nicht der einzelne Gläubige seine Religion, sondern diese wird ihm gesellschaftlich vermittelt.
  40. Religion lässt sich laut Marx daher nur verstehen, wenn wir ihre Rolle innerhalb der Gesellschaft verstehen.
  41. Für Marx sind alle vorkommunistischen Gesellschaften Klassengesellschaften. Die Frage lautet also: „Welche Rolle spielt Religion innerhalb des Systems der Klassengesellschaft?“
  42. Für Marx ist die Antwort ganz klar. Religion täuscht über das Elend der realen Verhältnisse hinweg, legitimiert es nachträglich
  43. und stützt die bestehenden Machtverhältnisse. Damit nützt sie vor allem der herrschenden Klasse.
  44. Religion verklärt beispielsweise die ungerechten Besitzverhältnisse zum Willen Gottes oder vertröstet die Gläubigen auf ein besseres Jenseits, sofern sie ihre schlechten Lebensbedingungen
  45. im Diesseits akzeptieren. Hierbei handelt es sich aber nicht um einen bewussten Betrug.
  46. Religion ist ganz einfach das Produkt einer bestimmten Gesellschaftsordnung. Niemand muss sie bewusst erfinden oder für seine Zwecke missbrauchen.
  47. Priester und Kapitalisten durchschauen selbst nicht, dass die Religion eigentlich ein bloßes Konstrukt ist, das nur dazu dient, eine Gesellschaftsordnung zu stützen, von der sie profitieren.
  48. Die religiöse Illusion betrifft laut Marx die gesamte Gesellschaft inklusive der herrschenden Klasse.
  49. Demzufolge ist auch die Lösung, die Marx vorschlägt, eine andere als bei Feuerbach. Während Feuerbach für einen radikalen Humanismus und persönliches Engagement plädiert, lässt
  50. sich laut Marx die religiöse Entfremdung nur durch gesellschaftliche Revolution überwinden. „Die Entfremdung wird durch Gott sanktioniert und nur durch die revolutionäre Praxis aufgehoben,
  51. die die lähmende Wirkung des Gottesglaubens entmachtet und daher atheistisch ist.“ schreibt Marx.
  52. Er ist davon überzeugt, dass ein tiefgreifender gesellschaftlicher und politischer Wandel nötig ist, genauer der Übergang zur sozialistischen und später kommunistischen Gesellschaft.
  53. Religion verhindert seiner Ansicht nach diesen notwendigen Wandel, da sie die Menschen vom realen Elend ablenkt und auf ein besseres Leben im Jenseits vertröstet.
  54. Unter den veränderten - besseren - wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen würde Religion Marx’ Ansicht nach überflüssig werden und absterben.
  55. Marx kritisiert an Feuerbach vor allem, dass dessen Lehre rein theoretisch und viel zu abstrakt bleibt.
  56. So schreibt er am Ende seiner „11 Thesen über Feuerbach“: „ Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“
  57. Und warum nennt Marx Religion das „Opium des Volkes“? Marx schreibt: „Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer
  58. herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.“ (Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie 1843)
  59. In diesem Zitat sind die eben schon erwähnten elenden Zustände angesprochen, die Marx verändern möchte.
  60. Dabei hat er vor allem die Arbeiter - das Proletariat - im Blick, das durch Industrialisierung und Landflucht im Elend und in völliger Abhängigkeit von den Fabrikanten - den Kapitalisten - lebt.
  61. Opium ist eine stark beruhigende, schmerzstillende Droge, von der v.a. im 19. Jahrhundert Millionen Menschen weltweit abhängig waren.
  62. Auf dem ersten Bild siehst du die Zeichnung einer sogenannten Opiumhöhle aus dem 19.Jahrhundert auf dem zweiten Bild ein Foto einer Opiumhöhle aus dem 20.Jahrhundert.
  63. Die Menschen rauchten dort das Opium, um sich in einen Rauschzustand zu versetzen. Opium wurde und wird aber auch in der Medizin als Betäubungs- und Schmerzmittel verwendet.
  64. Ebenso wie Opium wirkt auch Religion als Beruhigungs- und Betäubungsmittel, das „illusorisches" statt „wirkliches Glück" verschafft.
  65. Sie lenkt den Menschen vom Elend in der diesseitigen Welt ab und vertröstet ihn auf ein besseres Leben im Jenseits.
  66. Dadurch gleicht sie dieses Elend aus, kompensiert es. (Kompensationsthese) Religion trägt damit zur Unterstützung der
  67. bestehenden Verhältnisse bei und verhindert die Emanzipation der Unterdrückten. (Repressionsthese) Laut Marx betrügen die Menschen sich mit
  68. der Religion selbst. Auch Lenin benutzt - im Gegensatz zu einem sehr weit verbreiteten Übersetzungsfehler
  69. - die Formulierung „Opium des Volkes“. Er versteht Opium jedoch tatsächlich als Opium für das Volk.
  70. Seiner Ansicht nach wird das Volk durch Religion mit Absicht betäubt. Er propagiert einen kämpferischen Atheismus, der bereits unter Lenin zu Schließungen und
  71. unter Stalin dann zu zahlreichen Abrissen von Kirchen in Russland führt. Marx hingegen geht es um Freiheit und Selbstbestimmung.
  72. Er will Religion nicht verbieten, sondern dass sie überflüssig wird, dass ihre opiumhafte Wirkung nicht länger nötig ist.
  73. Er schreibt: „Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks.
  74. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf.“ Für Marx ist Religion ein „ideologischer
  75. Überbau“. Sie wächst auf dem Boden des gesellschaftlichen Elends und ist zugleich der Protest gegen
  76. dieses Elend. Er schreibt: „Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes
  77. und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend.“ Religion ist also ambivalent, hat einen Doppelcharakter.
  78. Sie festigt bestehende gesellschaftliche Missstände, indem sie diese rechtfertigt (Repressionsthese) und den Menschen mit erwarteten Belohnungen im Himmelreich über die Missstände in seinem
  79. Leben hinwegtröstet. (Kompensationsthese/ Trostfunktion) Sie ist der „Trost- und Rechtfertigungsgrund
  80. […] einer herzlosen Welt.“ Andererseits formuliert sie ein Idealbild der Welt, welches im scharfen Gegensatz zur Realität steht, und fordert damit den Menschen
  81. heraus. Sie ist Protest gegen die unmenschlichen sozialen Verhältnisse.
  82. (Protestfunktion) Doch dieser Protest der Religion bleibt wirkungslos und ohnmächtig.
  83. Denn Religion lenkt von der diesseitigen Welt und den notwendigen Veränderungen ab, indem sie den Menschen auf eine bessere Welt im Jenseits vertröstet.
  84. Sie wirkt als Opium, als Beruhigungs- und Betäubungsmittel. Dadurch verhindert Religion die Bereitschaft zur Emanzipation des Menschen und zur Rebellion
  85. gegen die realen Missstände. Religionskritik ist für Marx also die Voraussetzung für eine reale revolutionäre Veränderung
  86. der Gesellschaft. Marx möchte mit seiner Religionskritik den Einzelnen, die Umwelt und die Gesellschaft
  87. verändern. Damit eine solche Veränderung möglich ist, muss Religion kritisch betrachtet werden.
  88. In einer veränderten, verbesserten Welt wird Religion Marx’ Ansicht nach absterben, da sie als Trostmittel nicht mehr gebraucht wird.
  89. Der Mensch muss laut Marx die Religion - sein Opium - aufgeben, da sie die wahre Sicht auf das tatsächliche Elend vernebelt.
  90. Doch es hätte keinen Sinn, den Menschen nur ihr Opium wegzunehmen, aber die Zustände unverändert zu lassen, die dieses Trost- und Betäubungsmittel nötig machen.
  91. Der Kampf gegen Religion ist bei Marx gleichzeitig der Kampf gegen eine Welt, die Religion braucht. Soziale Missstände und die Entfremdung durch den Kapitalismus müssen bekämpft werden.
  92. Doch was passiert nun genau, wenn der Mensch die Religion aufgibt? Zu Anfang ist der Mensch enttäuscht und leidet.
  93. (> Opiumentzug) Er sieht nun klar die tatsächlichen gesellschaftlichen und politischen Missstände.
  94. Er erkennt, in welchem Elend, in welcher Entfremdung er lebt. Nun muss er seine Enttäuschung überwinden, seine Vernunft gebrauchen und die für sein
  95. Leiden verantwortlichen Missstände abschaffen. Der Mensch ist nämlich laut Marx - ebenso wie für Feuerbach - selbst das höchste Wesen
  96. für den Menschen: „Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei.“ Der Mensch muss daher alle Verhältnisse umwerfen,
  97. in denen er ein erniedrigtes und geknechtetes Wesen ist. Damit der Mensch nicht mehr von sich selbst und anderen entfremdet ist, braucht es eine
  98. Veränderung der Produktionsverhältnisse, also eine Aufhebung der Arbeitsteilung und des Privateigentums.
  99. Letztes Ziel der von Marx angestrebten gesellschaftlichen und politischen Veränderung und damit auch seiner Religionskritik ist der Kommunismus.
  100. Einige Kritikpunkte, die man gegen Marx‘ Religionskritik vorbringen kann, kennen wir schon von der Kritik an Feuerbach.
  101. Ebenso wie Feuerbach nimmt auch Marx nur das Christentum seiner Zeit in den Blick. Zudem überschätzt er die Bedeutung der materiellen und wirtschaftlichen Grundlagen für die Wesensbestimmung
  102. des Menschen. Veränderte sozioökonomische Bedingungen, wie Marx sie sich wünscht, haben nicht den
  103. von ihm vorhergesagten Effekt. Religionen starben z.B. in der UdSSR, in der DDR oder in China nicht von selbst.
  104. Außerdem übersieht Marx, dass sich nicht alle menschlichen Probleme auf gesellschaftliche Defizite, genauer die Selbstentfremdung durch den Kapitalismus zurückführen lassen.
  105. Auch Erfahrungen von Krankheit, Scheitern und Tod prägen den Menschen und lassen ihn Trost in der Religion suchen.
  106. Außerdem kann der Glaube an Gott - entgegen Marx’ These - sehr wohl auch eine revolutionäre Kraft entfalten.
  107. Religiöse Menschen engagieren sich häufig aktiv sozialpolitisch und kämpfen gerade auf Grund ihres Glaubens für gesellschaftliche und politische Veränderungen.
  108. Der letzte Kritikpunkt bezieht sich auf Marx’ Weltbild. Seiner Ansicht nach wird Religion in der klassenlosen Gesellschaft überflüssig.
  109. Zu Anfang der Menschheitsgeschichte existierte seiner Ansicht nach bereits eine solche klassenlose Gesellschaft.
  110. Man geht heute jedoch in den Religionswissenschaften stark davon aus, dass es religiöse Kultformen zu allen Zeiten, auch in der Urzeit, gab.
  111. In allen kommunistischen Staaten wird - ausgehend von Marx - Religion bis heute unterdrückt. Gläubige werden verfolgt oder praktizieren ihren Glauben im Untergrund.
  112. Ist dies deiner Meinung nach berechtigt? Und: Kannst du aus heutiger Sicht nachvollziehen, dass Marx Religion für das „Opium des Volkes“
  113. hält? Schreibe deine Meinung sehr gerne unten in die Kommentare.
  114. Mit dem Quizlet-Lernset „Karl Marx (Klassische Religionskritik)“ kannst du dein Wissen jetzt überprüfen.
  115. Viel Spaß beim Lernen und bis bald!

Zum Nachlesen