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Kapitalist
Kapitalist meint meist eine Person, die über ökonomische Werte (Kapital) verfügt, die sie planmäßig dazu einsetzt, um einen größeren Wert zurückzuerhalten.
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Grundbedeutung
Ein Kapitalist ist meist eine Person, die über ökonomische Werte, also Kapital, verfügt und diese planmäßig einsetzt, um einen größeren Wert zurückzuerhalten. Sie trägt dabei das Risiko des Investitionsprozesses. Der Ausdruck kann auch einen Anhänger des Kapitalismus bezeichnen und wird häufig abwertend verwendet.
Wie Kapitalist und Kapital verstanden werden, hängt von der jeweiligen Wirtschaftstheorie ab. Wiederkehrend ist die Unterscheidung zwischen Arbeitern, die Lohn erhalten, Kapitalbesitzern, die Profit oder Zins erhalten, und Grundbesitzern, die Grundrente erhalten.
Kapitalbesitzer bei Adam Smith und David Ricardo
Adam Smith unterscheidet in Der Wohlstand der Nationen die Einkommensquellen Arbeit, Kapital und Grundbesitz. Dazu gehören Lohn, Profit beziehungsweise Zins und Grundrente. Kapital ist für ihn ein profitabler Vorrat: Nur der Teil eines ausreichend großen Vorrats, der zur Erzielung eines Einkommens eingesetzt wird, ist Kapital; der unmittelbar verbrauchte Teil ist keines.
In Smiths Darstellung stellt der Kapitalbesitzer Arbeitern Material bereit und zahlt Lohn. Die Arbeiter fügen dem Material neuen Wert hinzu; einen Teil davon eignet sich der Kapitalbesitzer als Profit an. Dieser Ansatz wird als Lohnabzugstheorie bezeichnet. Die Höhe des Profits richtet sich nach der Höhe des investierten Kapitals, nicht nach der eigenen Leitungs- oder Überwachungsarbeit. Kapitalbesitzer und Grundbesitzer können bei Lohnverhandlungen leichter als Arbeiter durchhalten und sich organisieren. Smith zufolge fördert das Gewinnstreben der Kapitalbesitzer über die „unsichtbare Hand“ unbeabsichtigt Produktivität, Reallöhne und eine möglichst gewinnbringende Verwendung von Kapital und Ressourcen.
David Ricardo unterscheidet Grundbesitzer, Kapitalbesitzer und Arbeiter. Kapital ist für ihn der in der Produktion angelegte Teil des Vermögens eines Landes, etwa Nahrung, Kleidung, Rohmaterial, Werkzeuge und Maschinerie. Profit ist ein Residualeinkommen: Er bleibt übrig, nachdem Lohn und Grundrente abgezogen wurden. Ricardo erwartet eine tendenziell sinkende Profitrate, wenn bei Bevölkerungswachstum weniger fruchtbare Böden bebaut werden, die Grundrente steigt und der Profit gegen Null tendiert. Dann werde die Kapitalbildung schon vorher eingestellt. Unklar bleibt bei ihm, woraus genau der Kapitalzins gewonnen wird. Er verweist unter anderem darauf, dass langfristige Produktionsprozesse einen höheren Warenwert und damit eine Entschädigung für die Zeit ohne realisierbaren Gewinn bedeuten können.
Kapitalist bei Marx und Engels
Karl Marx versteht Kapital als abstrakten Wert, der sich selbst verwertet. Seine allgemeine Formel lautet G - W - G': Mit Geld (G) werden Waren (W) gekauft, um mehr Geld (G') zu erhalten. Der Kapitalist macht diese Wertvermehrung zu seinem Ziel. Er muss möglichst stark verwerten und reinvestieren, um in der Konkurrenz bestehen zu können. Marx bezeichnet ihn daher als „personifiziertes Kapital“: Das Kapital selbst ist als „automatisches Subjekt“ die leitende Bewegung, während der einzelne Kapitalist unter ihren Zwängen handelt.
Der Kapitalist besitzt Geld oder Produktionsmittel. Ihm steht der „doppelt freie“ Arbeiter gegenüber: Dieser kann seine Arbeitskraft frei verkaufen, besitzt aber keine Subsistenzmittel und muss deshalb gegen Lohn arbeiten. Im Produktionsprozess überträgt der Arbeiter den Wert der verbrauchten Produktionsmittel auf die Waren und schafft neuen Wert. Er erhält als Lohn den Wert seiner Arbeitskraft, also den Wert der für ihre Reproduktion notwendigen Lebensmittel; den übrigen Mehrwert eignet sich der Kapitalist an. Was als notwendig gilt, kann sich zwischen Ländern und im Zeitverlauf unterscheiden.
Im engen Sinn ist jemand erst Kapitalist, wenn er nicht selbst zur Sicherung seines Lebensunterhalts produzieren muss, sondern den Produktionsprozess organisiert, kontrolliert und den Verkauf betreut. Bei wachsendem Kapital können Manager und Aufseher diese Leitungs- und Kontrollaufgaben als Lohnarbeiter übernehmen. Der industrielle Kapitalist durchläuft den Kreislauf G - W … P … W' - G': Er kauft Arbeitskräfte und Produktionsmittel, lässt im Produktionsprozess P Waren W' mit höherem Wert herstellen und verkauft sie für G'. Dabei nimmt das Kapital nacheinander die Formen Geldkapital, produktives Kapital und Warenkapital an. Auch Dienstleistungen können Mehrwert schaffen; dann lautet der Kreislauf G - W … P - G'.
Nur industrielles Kapital schafft nach Marx Mehrwert. Handels- und Geldkapitalisten eignen ihn sich an. Der Handelskapitalist organisiert den Wechsel zwischen Geld und Ware; seine Arbeiter schaffen keinen Mehrwert. Beim zinstragenden Kapital gilt G - G - W - G' - G'': Ein Geldkapitalist verleiht Geld an einen fungierenden Kapitalisten. Der Bruttoprofit wird in Unternehmergewinn und Zins geteilt. Ein fungierender Kapitalist kann selbst kein Kapital besitzen, etwa ein Vorstandsvorsitzender ohne Aktienanteile, wenn er über Wert verfügen und ihn als Kapital anwenden kann.
Eine Person kann mehrere Kapitalistenfunktionen verbinden; auch mehrere Personen können als kombinierter Kapitalist auftreten, etwa in einer Aktiengesellschaft. Marx nennt die Kapitalistenklasse auch Bourgeoisie und unterscheidet sie von Grundbesitzern sowie vom Kleinbürgertum, beispielsweise Kleinbauern, Handwerkern und Kleinhändlern. Für ihn ist der Kapitalist eine historische Erscheinung, die mit dem Kapital vergehen wird. Friedrich Engels bezeichnete den Staat als „ideellen Gesamtkapitalisten“, wenn dieser Bedingungen der Kapitalverwertung wie Infrastruktur, Bildung oder wertstabiles Geld sichert.
Kapitalist und Unternehmer bei Schumpeter
Joseph Alois Schumpeter trennt Kapitalist und Unternehmer. Der Kapitalist besitzt Kapital, investiert es und trägt das Risiko. Der Unternehmer hat dagegen die besondere Funktion, Innovationen einzuführen, also neuartige Kombinationen von Produktionsfaktoren. Dazu zählen neue Waren, Produktionsweisen, Rohstoffe oder Absatzgebiete sowie die Neuordnung einer Industrie, etwa durch Schaffung oder Aufbrechen einer Monopolstellung. Kapitalbesitz, Risiko und Erfinden sind für die Unternehmerfunktion nicht notwendig.
Schumpeter definiert Kapital als Fonds von Kaufkraft beziehungsweise Zahlungsmittel. Damit kauft der Unternehmer die für seine Unternehmung benötigten Güter, etwa Land, Rohstoffe, Maschinen oder Arbeitsleistungen. Diese gekauften Güter selbst sind nach dieser Definition kein Kapital. Innovationen schaffen Marktungleichgewichte: Wer etwa als Erster kostengünstiger produzieren und dennoch zum Marktpreis verkaufen kann, erzielt einen Unternehmergewinn und vorübergehend eine Monopolstellung. Diese verschwindet, wenn Konkurrenten die Innovation übernehmen.
Die Kapitalistenklasse ist bei Schumpeter nicht statisch. Erfolgreiche Unternehmer oder ihre Dynastien können zu Kapitalisten aufsteigen, während andere im Wettbewerb absteigen. Er betrachtet Kapitalisten und Unternehmer als historische Erscheinungen. In einem langen Transformationsprozess zum Sozialismus würden Unternehmer zunehmend durch routiniert arbeitende Spezialisten und Büroarbeit ersetzt; die Kapitalistenklasse verliere damit ihre Funktion.
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