Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Investition
Unter einer Investition (lateinisch investire ‚einkleiden') versteht man in der Wirtschaft allgemein den Einsatz von Kapital oder Sachgütern für einen …
Inhalt5 Abschnitte
Begriff und Bedeutung
Eine Investition ist in der Wirtschaft der Einsatz von Kapital oder Sachgütern für einen bestimmten Verwendungszweck bei dem investierenden Wirtschaftssubjekt selbst oder bei anderen Wirtschaftssubjekten. Ziel ist meist, durch heutige Investitionsausgaben künftig Einnahmen beziehungsweise einen Return on Investment zu erzielen. Der Gegensatz ist die Desinvestition, also die Freisetzung von Kapital, etwa durch den Verkauf von Investitionsgütern.
Investierende Wirtschaftssubjekte heißen Investoren. Dazu zählen Privathaushalte, Unternehmen und der Staat einschließlich seiner Gebietskörperschaften und Staatsunternehmen. Je nach Investor unterscheidet man private und öffentliche Investitionen. Eine Mischform ist die öffentlich-private Partnerschaft. Auslandsinvestitionen werden entweder im Ausland oder durch andere Staaten im Inland vorgenommen. Für eine Volkswirtschaft sind sowohl die Gesamthöhe der Investitionen als auch ihre Verteilung auf die Wirtschaftssubjekte wichtig.
Die Betriebswirtschaftslehre untersucht vor allem Investitionsentscheidungen einzelner Unternehmen. Die Volkswirtschaftslehre betrachtet dagegen das zusammengefasste Investitionsverhalten aller Wirtschaftssubjekte. Bei Privathaushalten wird meist von Kapitalanlage gesprochen.
Investitionsarten im Unternehmen
In der Betriebswirtschaftslehre werden Investitionen nach ihrem Gegenstand in Sachinvestitionen, Finanzinvestitionen und immaterielle Investitionen eingeteilt. Sachinvestitionen betreffen beispielsweise Grundstücke, Gebäude, technische Anlagen, Maschinen, Fahrzeuge oder Kunstwerke. Finanzinvestitionen umfassen etwa Aktien, Anleihen, Investmentzertifikate und Beteiligungen. Immaterielle Investitionen beziehen sich unter anderem auf Konzessionen, Lizenzen, Marken, Patente, Schutzrechte, Forschung und Entwicklung, Geschäfts- oder Firmenwerte sowie käuflich erworbenes Wissen. Im engeren und gebräuchlichsten Sinn meint Investition langfristige Sachanlagen; als langfristig gilt ein Produktionsmittel, wenn es das laufende Geschäftsjahr überdauert.
In der Bilanz stehen Investitionen auf der Aktivseite als Sachanlagevermögen, Finanzanlagen oder immaterielle Vermögensgegenstände. Ihre Finanzierung erscheint auf der Passivseite als Eigenkapital oder Fremdkapital.
Nach dem Zweck werden mehrere Arten unterschieden:
• Bruttoinvestitionen sind die Summe aus Ersatz- und Nettoinvestitionen.
• Ersatzinvestitionen gleichen Abnutzung, Verschleiß oder technischen Fortschritt aus und erhalten dadurch die vorhandene Kapazität.
• Nettoinvestitionen sind Neuinvestitionen nach Abzug der Abschreibungen, die dem Ersatz des Verschleißes bestehender Produktionsanlagen dienen.
• Erweiterungsinvestitionen sollen durch zusätzliche Produktionsmittel und/oder Arbeitskräfte eine höhere Produktion ermöglichen.
• Rationalisierungsinvestitionen sollen mit derselben oder einer geringeren Menge an Arbeitskräften oder Maschinen mehr oder gleich viel Produktion ermöglichen.
• Gründungsinvestitionen fallen bei einer Unternehmensgründung an.
Investitionen lassen sich außerdem nach betrieblichen Funktionen ordnen, beispielsweise in Forschungs-, Fertigungs- und Vertriebsinvestitionen. Direktinvestitionen sind Investitionen in ausländische Unternehmensbeteiligungen, Tochtergesellschaften oder Niederlassungen und damit eine Form des Kapitalexports. Substitutive Direktinvestitionen verdrängen dort heimische Unternehmen; komplementäre Direktinvestitionen ergänzen das nationale Investitionsvolumen des Ziellandes.
Strategische Investitionen betreffen wesentliche Teile des Vermögens, nämlich mehr als 20 %, und beispielsweise neue Technologien, Produkte oder Märkte sowie umfangreiche Kapazitätserweiterungen. Operative oder taktische Investitionen erfolgen laufend und betreffen etwa Ersatz, Rationalisierung oder Fertigungsverfahren.
Planung, Bewertung und Entscheidung
Investitionen erfordern eine Investitionsplanung, deren Kern die Investitionsrechnung ist. Ihre Ergebnisse bilden die Grundlage der Investitionsentscheidung. Vor der Entscheidung, also ex ante, wird angenommen, dass die Erwartungen des Investitionsplans eintreffen. Zeigt sich später, also ex post, eine andere Marktentwicklung, kann eine Fehlinvestition entstanden sein. Nicht beseitigte, unbrauchbare Anlagen oder Bauwerke werden Investitionsruinen genannt.
Rationalisierungs- und Erweiterungsinvestitionen werden bewertet, indem man den bisherigen Geschäftsprozess mit dem neuen oder zukünftigen Prozess vergleicht. Eine Änderungsmatrix erfasst die Wirkungen auf Inputfaktoren, also eingesetzte Produktionsfaktoren, und Outputfaktoren, also Ergebnisse wie Produkte sowie immaterielle, soziale und ökologische Auswirkungen. Untersucht werden Änderungen der Quantität, Qualität, des Raums und der Zeit. Beispielsweise kann eine neue Maschine die Bearbeitungsdauer verkürzen, ein Hochregal weniger Lagerfläche benötigen oder ein schonenderes Verfahren die Produktqualität erhöhen und den Lärm vermindern. Anschließend müssen die Wirkungen monetarisiert, also mit Geldwerten versehen werden, damit sie in die Investitionsrechnung eingehen können.
Investitionsentscheidungen sind schwierig, weil sie oft viel Kapital langfristig binden, schwer umkehrbar sind und erst nach einem time-lag verwirklicht werden. Zudem beziehen sich die verfügbaren Informationen meist auf eine unsichere Zukunft. Neben Nutzungsdauer, Kapitaleinsatz und Rentabilität können Gesetze, technische Machbarkeit und Abhängigkeiten von anderen Unternehmensbereichen entscheidend sein. Als Kennzahlen dienen unter anderem Anlagenintensität, Vorratsintensität und Investitionsquote. Die Realoptionsanalyse bewertet Investitionen mit Mitteln der Optionspreistheorie.
Eine wichtige Entscheidungsgröße ist die Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals. Das ist der Zinssatz, bei dem die Anschaffungskosten einer Investition dem Gegenwartswert, also dem Barwert ihrer Nettoerlöse, entsprechen. Ein Unternehmen investiert, wenn diese Investitionsrendite den aktuellen Marktzins übersteigt. Für eine Maschine mit zwei Jahren erwarteter Lebensdauer lautet die angegebene Formel: AK = Q₁ + Q₂/(1 + R). Dabei sind AK die Anschaffungskosten, Q₁ und Q₂ die Nettoeinnahmen im ersten und zweiten Jahr und R die Grenzleistungsfähigkeit.
Kostet eine Maschine 1.000 Euro und bringt sie im ersten Jahr 500 Euro sowie im zweiten Jahr 540 Euro Nettoeinnahmen, beträgt die Grenzleistungsfähigkeit 8 %. Bei einem Marktzins von 7 % wird investiert; liegt er über 8 %, unterbleibt die Investition.
Nach der Entscheidung werden die Investitionsgüter auf dem Investitionsgütermarkt beschafft und durch Investitionsausgaben bezahlt. Nach Fertigstellung beginnt die Payback-Periode: Die Umsatzerlöse sollen die vorfinanzierten Ausgaben decken und möglichst überschreiten.
Investitionen in der Volkswirtschaft
Volkswirtschaftlich bezeichnet Investition den langfristigen Erwerb von Sachkapital zur Güterproduktion. Im engen Sinn zählt nur Sachkapital, das in derselben Abrechnungsperiode hergestellt wurde, in der es beschafft wird. Es dient der Erhaltung, Verbesserung oder Erweiterung der Produktionsausrüstung und damit des Kapitalstocks. Wichtige Einflussgrößen sind Marktzins, laufendes Einkommen, laufende Produktion und die Zukunftserwartungen der Investoren. Beispiele sind Betriebsgebäude, technische Anlagen, Maschinen und Werkzeuge. Langlebige Konsumgüter und der Erwerb von Kenntnissen zählen nicht dazu. Militärische Waffensysteme, die die allgemeine Definition von Vermögensgütern erfüllen, werden seit Einführung des ESVG 2010 allerdings den Bruttoanlageinvestitionen und nicht mehr den Vorleistungen zugerechnet.
Bruttoinvestitionen umfassen alle Investitionen einer Periode. Reinvestitionen oder Ersatzinvestitionen erhalten den Produktionsapparat und sollen den Abschreibungen entsprechen. Sind beide gleich, bleibt der Wert des Produktionsmittelbestands unverändert. Nettoinvestitionen sind die Differenz zwischen Brutto- und Reinvestitionen. Nur wenn die Investitionen größer als die Abschreibungen sind, wächst der Kapitalstock. Anlageinvestitionen sind langfristig nutzbare Produktionsmittel. Lager- oder Vorratsinvestitionen erfassen Bestandsänderungen bei Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen sowie Handelswaren; sie gelten außerhalb des wirtschaftlichen Gleichgewichts als ungeplante Investitionen. Umweltschutzinvestitionen dienen langfristig dem Aufbau ökologisch verträglicherer Produktionsweisen.
Im einfachen Modell der Güternachfrage wird die Investition häufig als exogene, also von außen vorgegebene Variable behandelt. Das ist problematisch, weil sie auf Produktionsänderungen reagiert und vom Zinssatz abhängt. Für eine geschlossene Volkswirtschaft mit Staat gilt I = Z − C − G. Für eine offene Volkswirtschaft gilt I = Z − C − G − X + IM. Dabei ist Z die gesamte Güternachfrage, C der private Konsum, G sind die Staatsausgaben ohne staatliche Investitionen, X ist der Export und IM der Import.
Wirkungen und gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge
Nettoinvestitionen können einen Kapazitätseffekt auslösen: Verbesserte oder vergrößerte Produktionsmöglichkeiten erlauben die Herstellung von mehr oder besseren Gütern. Positive Nettoinvestitionen erhöhen deshalb das gesamtwirtschaftliche Produktionspotenzial.
Der Einkommenseffekt beschreibt die Wirkung von Investitionen auf Nachfrage und Volkseinkommen. Steigende Investitionsausgaben erhöhen zunächst die Güternachfrage, die Produktion und die Beschäftigung. Die dadurch entstehenden Einkommen bilden den primären Effekt. Ein Teil des höheren Einkommens wird zusätzlich konsumiert, wodurch weitere Einkommen entstehen; dies ist der sekundäre Effekt. Mit dem Volkseinkommen steigt zugleich das Sparen.
Der Multiplikatoreffekt zeigt, um wie viel das Einkommen bei einer bestimmten zusätzlichen Investition steigt. Führt eine Investition von 50 Millionen € während eines Anpassungsvorgangs zu 100 Millionen € zusätzlichem Volkseinkommen, beträgt der Multiplikator 2,0. Solche Anpassungen an veränderte Rahmenbedingungen erfolgen meist über mehrere Perioden und nicht automatisch.
Zwischen Investitionen und Zinsen besteht grundsätzlich ein negativer Zusammenhang: Sinkende Zinsen fördern, steigende Zinsen dämpfen Investitionen. Die Geldpolitik kann daher über das Zinsniveau die Investitionsausgaben beeinflussen. Steigt das Bruttoinlandsprodukt, nehmen gewöhnlich Investitionen und Sparen zu. Auch höhere Konsumnachfrage kann zusätzliche Investitionen auslösen. Steuern wirken tendenziell dämpfend, weil die dafür verwendeten Mittel nicht für Konsum oder Investitionen zur Verfügung stehen. Die Keynes’sche Investitionsgleichung verlangt nach Ablauf einer Rechnungsperiode I = S, also die Gleichheit von Investition und Ersparnis. In einer geschlossenen wie offenen Volkswirtschaft müssen die Nettoinvestitionen den Ersparnissen entsprechen, weil Ersparnisse den nicht verbrauchten Teil des Einkommens und damit der Produktion darstellen. Die Übereinstimmung besteht nicht zwingend im Voraus; nachträglich können erzwungene Investitionen oder Ersparnisse entstehen.
Investitionen verbinden Konjunktur und langfristiges Wachstum. Als Bestandteil der Nachfrage können höhere Investitionen das Wirtschaftswachstum beleben. Abschwünge gehen häufig mit geringerer, Aufschwung und Hochkonjunktur meist mit hoher Investitionstätigkeit einher. Investitionen gelten daher als Voraussetzung für gleichmäßiges Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen.
Weil private Investitionen stark auf die Konjunktur reagieren, fördert oder lenkt der Staat sie etwa durch Subventionen oder das Investitionszulagengesetz. Zudem investiert er selbst, beispielsweise in Verkehrsinfrastruktur; diese Staatsinvestitionen sind Teil des Staatsverbrauchs.
Lernvideos zu Investition
29:14
Investition & Finanzierung Teil 1 (Unterschied, Investitionsarten, statische & dynamische Verfahren)
ZumFachwirt · 144.449 Aufrufe
5:41
Investition und Finanzierung [Definition und Zusammenhang]
JL Education · 42.646 Aufrufe
4:51
Eigenkapitalquote, Fremdkapitalquote und Verschuldungsgrad Investition und Finanzierung
ZumFachwirt · 39.132 Aufrufe
22:32
Investition und Finanzierung Wirtschaftsfachwirt/Fachwirt IHK - Demokurs
ZumFachwirt · 7.312 Aufrufe