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Davidstern

Chr. angenommenen König David, ist ein Hexagramm-Symbol mit religiöser Bedeutung. Er gilt heute vor allem als Symbol des Volkes Israel und des Judentums. Die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Definition und Aufbau
  2. 2. Religiöse Deutungen
  3. 3. Frühe Verwendung
  4. 4. Wandel zum jüdischen Zeichen
  5. 5. Politische Bedeutung und Israel
  6. 6. Weitere Verwendungen

Definition und Aufbau

Der Davidstern, hebräisch Magen David und auf Deutsch „Schild Davids“, ist ein Hexagramm-Symbol mit religiöser Bedeutung. Er ist nach dem um 1000 v. Chr. angenommenen König David benannt und gilt heute vor allem als Symbol des Volkes Israel und des Judentums. Die Bezeichnung geht auf eine mittelalterliche Legende zurück. Vorher und teilweise auch später wurde das Zeichen auch „Siegel Salomons“ oder „Salomos Siegel“ genannt.

Das Symbol besteht aus zwei ineinander verwobenen gleichseitigen Dreiecken. Ein Dreieck weist nach oben, das andere nach unten; beide haben denselben Mittelpunkt. Dadurch entsteht in der Mitte ein regelmäßiges Sechseck. An dessen Seiten liegen sechs kleine gleichseitige Dreiecke. Die Seitenlänge dieser kleinen Dreiecke und des mittleren Sechsecks beträgt jeweils ein Drittel der Seitenlänge der beiden großen Grunddreiecke.

Religiöse Deutungen

Die Bedeutung des Davidsterns hängt von Zweck und Verwendung ab. Eine wichtige Deutung versteht ihn als Symbol für die Beziehung zwischen Menschen und Gott. Das nach unten weisende Dreieck bedeutet dabei: Der Mensch hat sein Leben von Gott erhalten. Das nach oben weisende Dreieck bedeutet: Der Mensch wird zu Gott zurückkehren.

Auch die Form wird symbolisch gedeutet. Der Umriss hat sechs äußere Spitzen und sechs nach innen geknickte Ecken; zusammen ergeben sie zwölf Ecken. Diese zwölf Ecken sollen die Zwölf Stämme Israels darstellen. Die sechs kleinen Dreiecke stehen außerdem für die sechs Schöpfungstage. Das große Sechseck in der Mitte steht für den siebenten Tag, den Schabbat, also den jüdischen Ruhetag.

Frühe Verwendung

In der hellenistischen Welt war das Hexagramm zunächst ein allgemeines dekoratives Motiv. Es wurde von Juden und Nichtjuden verwendet und hatte offenbar keinen direkten Bezug zum Judentum.

Im Frühmittelalter erhielt das Hexagramm, besonders unter der Bezeichnung „Siegel des Salomon“, eine abwehrende Bedeutung. Es wurde von Muslimen, Christen und Juden als Talisman gegen Dämonen und Feuergefahr genutzt. Ein Talisman ist ein Gegenstand oder Zeichen, dem schützende Wirkung zugeschrieben wird. Das Symbol erschien auf Kirchengebäuden, Bibelmanuskripten sowie auf christlichen und jüdischen Unterschriften in amtlichen Dokumenten.

Wandel zum jüdischen Zeichen

Um das 14. Jahrhundert verbanden jüdische mystische Texte das Hexagramm als Talisman mit älteren Vorstellungen von einem Schild, der durch Gottes Macht geschützt gewesen sein und einst König David bewahrt haben soll. Mit dem Buchdruck im 15. Jahrhundert nutzten einige jüdische Verleger in Europa das Hexagramm für ihre Imprimatur, also für die Kennzeichnung ihrer Drucke.

Eine häufig zitierte Behauptung lautet, Kaiser Karl IV. habe 1357 den Prager Juden erlaubt, eine Flagge mit dem Davidstern zu tragen. Der tschechische Historiker Alexander Putík widerlegte diese Darstellung 1993. Er führte sie auf den Chronisten Wenzel Hagek von Libotschan zurück, dessen 1541 erschienene Chronik Kronyka Czeská als ausgeschmückt und unzuverlässig gilt. Die Legende blieb dennoch verbreitet; ein rotes Banner mit goldenem Davidstern findet sich im großen Wappen der Stadt Prag als Symbol für Josefov, die Josefstadt.

Nach Putík verwendete die jüdische Gemeinde von Prag den Magen David auf einem Banner erstmals 1490 bei öffentlichen Feierlichkeiten zur Krönung von Vladislav II. zum König von Ungarn. Das Banner ähnelte den Bannern der Gilden und durfte vermutlich mit Zustimmung Vladislavs II. öffentlich getragen werden. Es wurde in der Altneu-Synagoge aufbewahrt. 1598 erlaubte Kaiser Rudolf II. dem Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Prag, Mordechai Meisel, ein gleich gestaltetes Banner für seine Privatsynagoge anfertigen zu lassen. Solche Banner wurden nur zu besonderen Anlässen gezeigt, etwa bei Krönungen, Besuchen des Königs in Prag oder bei der Geburt eines Thronfolgers.

Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde in den Davidstern ein Judenhut eingefügt. Seit 1623 durfte die Prager jüdische Gemeinde ein Siegel verwenden, dessen erhaltene Abdrücke Davidstern und Judenhut zeigen. Diese Zeichen erschienen auch als Schmuck an Gebäuden wie der Altneu-Synagoge und dem Jüdischen Rathaus. Von Prag aus verbreitete sich der Gebrauch des Hexagramms seit dem 17. Jahrhundert in jüdischen Gemeinden Europas. Putík erklärt dies mit der messianistischen Bedeutung des Symbols.

Im 17. Jahrhundert markierte in Wien ein Grenzstein die Trennung zwischen christlichem Viertel und jüdischem Viertel: Das christliche Viertel wurde durch ein Kreuz, das jüdische durch ein Hexagramm gekennzeichnet. Dort wurde das Hexagramm erstmals als ein dem Kreuz gleichwertiges Zeichen religiöser Identifikation verwendet. Zugleich zeigt die Verwendung des „Siegels Salomons“ in Flaggen vorosmanischer Reiche an der Ägäis, etwa bei Candar und Karaman, dass der Stern im Mittelalter nicht ausschließlich als Symbol jüdischer Gemeinden galt.

Politische Bedeutung und Israel

Vom 18. Jahrhundert an galt das Hexagramm zunehmend als allgemeines Glaubenssymbol des Judentums. In der Aufklärung wuchs bei vielen europäischen Juden die Hoffnung auf Emanzipation, also rechtliche Gleichstellung und volle Staatsbürgerschaft in den entstehenden Nationalstaaten. Für integrationsbewusste Juden, die das Judentum als Religion vertreten wollten, wurde ein Symbol wichtig, das ähnlich wie das Kreuz für das Christentum die eigene Religion sichtbar machen konnte. Dafür bot sich der Davidstern, der Magen David, an. Auch nichtjüdische Architekten verwendeten ihn beim Synagogenbau, um Synagogen von Kirchen zu unterscheiden.

Eine frühe Abbildung eines als „Scutum Davidicum“ bezeichneten Hexagramms findet sich als Frontispiz in der 1724 in Berleburg erschienenen Schrift „Natvrae Naturantis & [et] Naturatae Mysterivm, in Scvto Davidico exhibitum […] D. i. [Das ist] Geheimniß Der Schaffenden und Geschaffenen Natur; im Schilde Davids enthalten […]“. Die Schrift wurde von Goethe zitiert.

Als europäische Juden Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend gleichberechtigt wurden und stärker am politischen Leben teilnahmen, nahm zugleich der Antisemitismus in nichtjüdischen Kreisen zu. Als Antwort darauf entstand der Zionismus, die Bewegung zur Errichtung eines selbstständigen jüdischen Nationalstaates. Die Zionisten übernahmen den Magen David eher als weltliches politisches Symbol als als rein religiöses Zeichen. Dadurch gelangte der Davidstern schließlich auf die Flagge des Staates Israel.

In der Zeit des Nationalsozialismus mussten Personen, die nach den Rassegesetzen als Juden galten, aufgrund der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 eine abgewandelte Form des Magen David tragen: den „Judenstern“ oder „Gelben Stern“. Er diente der öffentlichen Kennzeichnung an der Kleidung. Der Artikel vergleicht dies mit mittelalterlichen Anordnungen christlicher Fürsten, nach denen Juden einen Gelben Fleck tragen mussten, damit Christen sie erkennen konnten.

Mit der Gründung des Staates Israel am 14. Mai 1948 wurde der Magen David zum Emblem der Nationalflagge Israels.

Weitere Verwendungen

Der Davidstern ist auch als Schriftzeichen festgelegt. Im Unicode-Block Dingbats trägt er das Zeichen „✡“, die Unicode-Nummer U+2721 (10017) und den dezimalen HTML-Code ✡.

Arthur Stephen Mavrogordato bestimmte den Davidstern zum Symbol der Polizei in Trinidad und Tobago. Dieselbe geometrische Form hat außerdem der Brauerstern, ein Zunftzeichen der Brauer und Mälzer.

Die Krankenrettungsorganisation Magen David Adom verwendet den Stern in Rot als Organisationszeichen, in Anlehnung an das Rote Kreuz. Auch die Makkabi-Sportbewegung nutzt den Davidstern: Ihr Symbol verbindet grafisch den Stern mit dem Namen Makkabi in hebräischer Schrift (מכבי). Dieses Makkabi-Symbol ist Bestandteil der Logos der Maccabi World Union sowie einzelner Makkabi-Vereine und -Verbände, zum Beispiel Makkabi Deutschland. Das ursprüngliche, bis 1969 verwendete Logo der Makkabiade war ebenfalls eine Variante des Davidsterns.

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