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Jüdische Kultur

... Bar Mizwa, Heirat und Tod. Sie kommen zusammen, um Themen jüdischer Kultur und ihre Beziehung zu anderen Kulturen, im havurot, Kulturvereinen und weltlichen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und geschichtlicher Rahmen
  2. 2. Sprachen und Literatur
  3. 3. Film, Radio und Fernsehen
  4. 4. Tanz und Musiktheater
  5. 5. Bildende Kunst

Grundbegriff und geschichtlicher Rahmen

Jüdische Kultur bezeichnet keine einheitliche, nur religiöse Kultur, sondern eine Reihe miteinander verbundener Phänomene. Dazu gehören die weltliche Kultur jüdischer Gemeinschaften, Beiträge säkularer Juden und auch Leistungen religiöser Juden in Bereichen, die nicht unmittelbar als Religion verstanden werden. Seit dem Beginn der jüdischen Geschichte entstanden kulturelle Formen mit erkennbar jüdischen Zügen. Manche stammen direkt aus dem Judentum, andere aus dem Zusammenleben mit nichtjüdischen Umgebungen oder aus der inneren Dynamik jüdischer Gemeinschaften.

Bis ins 19. Jahrhundert lebten Juden weitgehend in der Diaspora, also zerstreut außerhalb eines gemeinsamen Herkunfts- oder Siedlungszentrums. In Europa waren vor allem die Aschkenasim verbreitet. Sephardim lebten unter anderem in Nordafrika, in der Türkei und in kleineren Gemeinschaften anderer Regionen. Mizrachim lebten hauptsächlich in der arabischen Welt. Weitere jüdische Gruppen gab es zum Beispiel in Äthiopien, im Kaukasus als Bergjuden und in Indien. Viele dieser Gruppen waren in unterschiedlichem Grad von den umgebenden Kulturen abgegrenzt oder ghettoisiert. Vom Ende des Mittelalters bis zum Holocaust war die Mehrheit der jüdischen Weltbevölkerung aschkenasischer Herkunft.

In Osteuropa entwickelten jüdische Gemeinden über Jahrhunderte eigene kulturelle Merkmale. Mit der europäischen Aufklärung und der jüdischen Haskalah, einer jüdischen Aufklärungsbewegung, verstanden sich viele jiddischsprachige Juden zunehmend als eigene ethnische oder nationale Gruppe, deren Identität nicht notwendig religiös begründet war. Die Haskalah sollte Juden in Mittel- und Westeuropa den Zugang zur weltlichen Gesellschaft erleichtern. Gleichzeitig führten Pogrome in Osteuropa zu einer großen Auswanderung, besonders in die USA; zwischen 1880 und 1920 wurden dort 2 Millionen jüdische Einwanderer gezählt. In den 1940er Jahren vernichtete der Holocaust den größten Teil des europäischen Judentums. Nach der Entstehung Israels führte die Auswanderung von Juden aus arabischen und islamischen Ländern zu einer weiteren geographischen Verschiebung jüdischen Lebens.

Die Trennung von Religion und Kultur ist im jüdischen Zusammenhang oft schwierig. Besonders im orthodoxen Judentum ist das kulturelle Leben stark von religiösen Traditionen durchdrungen. Gary Tobin betonte, zwischen Religion und Kultur bestehe kein wirklicher Gegensatz: religiöse Merkmale seien kulturell gefüllt, kulturelle Akte hätten religiöse Seiten, und die Synagoge bilde selbst ein Zentrum jüdischer Kultur. Yaakov Malkin beschreibt zugleich, dass viele säkulare Juden jüdische Feiertage, Lebensfeste und kulturelle Themen in weltlicher Form begehen und dabei moralische Werte aus jüdischer und allgemeiner Literatur mit dem Ideal von Gerechtigkeit und Nächstenliebe verbinden.

Sprachen und Literatur

Jüdische Kultur kann in spezifisch jüdischen Sprachen und in den Sprachen der jeweiligen Umgebung ausgedrückt werden. Zu den jüdischen Sprachen gehören Hebräisch, Jiddisch und Ladino. Daneben schrieben und spielten Juden auch auf Englisch, Russisch, Deutsch und anderen Sprachen ihrer Umgebung. Welche Sprache eine Gemeinschaft verwendete, hing stark von ihrer regionalen Situation ab. Im polnischen Schtetl und in der Lower East Side New Yorks am Anfang des 20. Jahrhunderts war Jiddisch wichtig. Assimilierte Juden in Deutschland im 19. Jahrhundert sprachen dagegen im Allgemeinen Deutsch, Juden in den USA heute meist Englisch.

Die weltliche jiddische Literatur und das jiddische Theater stiegen im 19. Jahrhundert auf und verloren Mitte des 20. Jahrhunderts an Bedeutung. Die Wiederbelebung des Hebräischen über den liturgischen Gebrauch hinaus war ein besonderes Phänomen des beginnenden 20. Jahrhunderts und eng mit dem Zionismus verbunden.

Jüdische Autoren schufen einerseits eine eigene jüdische Literatur und trugen andererseits zu den nationalen Literaturen vieler Länder bei. Die jiddischen Werke von Scholem Alejchem, dessen Werk 28 Bände umfasst, und Isaac Bashevis Singer, Nobelpreisträger von 1978, bilden einen eigenen Kanon. Sie spiegeln jüdisches Leben in Osteuropa und Amerika. In den USA zählen Autoren wie Philip Roth und Saul Bellow zu den großen amerikanischen Schriftstellern; viele ihrer Werke thematisieren das Judentum. Weitere bekannte Autoren aus jüdischen Familien sind Isaak Babel, Franz Kafka, Lion Feuchtwanger und Heinrich Heine, der früh zum Protestantismus konvertierte. Bei vielen von ihnen blieb die jüdische Erfahrungswelt ein wichtiges Grundmotiv ihres künstlerischen Schaffens.

Film, Radio und Fernsehen

Der jiddische Film knüpfte an die Bedeutung des jiddischen Theaters an. Insgesamt wurden über 100 Filme auf Jiddisch gedreht, viele sind heute verschollen. Schon in der Stummfilmzeit entstanden mit Filmen wie Ost und West von 1923 Ansätze des späteren jiddischen Tonfilms, inspiriert von jiddischen Dramen und Komödien. Wichtige Werke waren Shulamith von 1931, das erste jiddische Film-Musical, Der jiddische König Lear von 1934, Yidl mitn Fidl von 1936 als größter jiddischer Filmerfolg, Der Dybbuk von 1937, Lang ist der Weg von 1948 und Gott, Mensch und Teufel von 1950. Bedeutende Regisseure waren Sidney M. Goldin, Joseph Seiden und Edgar G. Ulmer.

In der englischsprachigen US-Filmindustrie spielten jüdische Filmunternehmer eine große Rolle. Nach dem Artikel brachten jedoch nur wenige, etwa Steven Spielberg, ausdrücklich jüdische Themen oder ein erkennbar jüdisches Bewusstsein ein. Eine stärker jüdisch geprägte Sensibilität wird Filmen der Marx Brothers, Mel Brooks’ und Woody Allens zugeschrieben. Weitere Beispiele sind Yentl mit Barbra Streisand von 1983 und John Frankenheimers Der Fixer von 1968. Außerdem schrieben jüdische Filmkomponisten Musik zu vielen bedeutenden Filmen des 20. Jahrhunderts.

Auch im Rundfunk und Fernsehen waren jüdische Akteure früh wichtig. Die ersten Rundfunkanstalten RCA und Columbia Broadcasting System wurden von den jüdischen Amerikanern David Sarnoff beziehungsweise William S. Paley gegründet. In jüdischen Einwanderergemeinden der USA gab es ein jiddischsprachiges Radio, dessen „Goldenes Zeitalter“ von den 1930er bis in die 1950er Jahre reichte. Ein ausdrücklich jüdisches Fernsehprogramm war in den USA selten; National Jewish Television hatte nur drei Sendestunden pro Woche für religiöse Themen.

Trotzdem prägten Juden das amerikanische Fernsehen stark, besonders in der Komödie. Jüdische Stand-Up-Comedians wie Sid Caesar, Milton Berle, Joan Rivers, Gilda Radner, Andy Kaufman, Billy Crystal und Jerry Seinfeld gehörten zu den Ikonen des Fernsehens. Die Goldbergs war eine der ersten im Fernsehen übertragenen Situationskomödien und spielte in einem deutlich jüdischen Milieu der Bronx; ein späteres Beispiel war Brooklyn Bridge von 1991 bis 1993. Auch als Autoren waren Juden wichtig: Woody Allen, Mel Brooks, Selma Diamond, Larry Gelbart, Carl Reiner und Neil Simon schrieben für Sid Caesar; Larry David und Jerry Seinfeld begründeten den Erfolg von Seinfeld; Lorne Michaels, Al Franken, Rosie Shuster und Alan Zweibel prägten Saturday Night Live in den 1970er Jahren.

Tanz und Musiktheater

Tanz war in jüdischen Traditionen lange ein Ausdruck von Freude und Gemeinschaftsgefühl. Der Artikel zitiert die Einschätzung, Tanz sei eine Lieblingsbeschäftigung der Juden gewesen, „die nie asketisch waren“, und habe seinen Platz in der Religion gehabt. In der Antike war Tanz wie in anderen alten Kulturen eng mit Religion und Alltag verbunden. In der Diaspora entwickelte jede Gemeinde eigene Tanztraditionen, besonders für Hochzeiten und andere wichtige Lebensereignisse.

Bei den Aschkenasim in Osteuropa waren Tänze, deren Namen Formen der Klezmermusik entsprachen, Teil der Hochzeitszeremonie im Schtetl. Jüdische Tänze wurden sowohl von nichtjüdischen Umgebungskulturen als auch von älteren jüdischen Quellen beeinflusst. Als charakteristisch beschreibt der Artikel eine ausdrucksvolle Körpersprache, besonders mit Händen und Armen, bei jüngeren geschickteren Männern auch mit den Beinen. In traditionell religiösen Gemeinschaften wurde gemeinsames Tanzen mit Partnern des anderen Geschlechts meist misstrauisch betrachtet.

Der Volkstanz in Israel entstand erst mit den Einwanderern des 20. Jahrhunderts. Er sollte das Leben des „in sein Land zurück kommenden Volkes“ ausdrücken. Wichtige frühe Gestalten waren Einwanderinnen aus Deutschland und Österreich, etwa Gertrud Kaufmann, auch Gurit Kadman genannt, und Rivka Sturman, beide aus Leipzig. Die ersten „israelischen“ Volkstänze werden auf etwa 1940 datiert; spätestens 1944 fand das erste Volkstanzfest im Kibbuz Dalia statt. Die Hora ist ein Rundtanz in Israel und anderen Ländern, wobei derselbe Name auch einen rumänischen Nationaltanz bezeichnet. Im Jemen, wo Juden öffentliches Tanzen verboten war, entwickelten sich Tanzformen mit Hüpfen auf der Stelle und bestimmten Körperhaltungen, die wenig Raum brauchten.

Juden trugen stark zur Entwicklung von Ballett, modernem Tanz, Tanz des Musiktheaters und Broadwaytanz bei, besonders in Europa, den USA und Israel. In Israel entstand eine lebendige Tanzszene mit Ensembles wie dem Israel Ballett, der Kibbuz Contemporary Dance Company, dem Inbal Dance Theater, der Bat-Dor Dance Company und der Batsheva Dance Company. In den USA nennt der Artikel unter anderem Jerome Robbins, Anna Sokolow, Michael Bennett, Michael Kidd, Arthur Murray, Helen Tamiris und Pearl Lang als wichtige Persönlichkeiten. Lincoln Kirstein war Gründer oder Mitbegründer der School of American Ballet, des American Ballet und des New York City Ballet.

Bildende Kunst

In der bildenden Kunst gab es im Vergleich zu Musik oder Theater zunächst weniger spezifisch jüdische Traditionen. Der Artikel erklärt dies vor allem damit, dass jüdische Kultur vor der Emanzipation stark religiös geprägt war und viele rabbinische Autoritäten das Zweite Gebot als Hindernis für bildliche Kunst verstanden. Daher blieb die Zahl jüdischer Künstler bis zur weitgehenden europäischen Assimilation Ende des 18. Jahrhunderts verhältnismäßig gering.

Gleichzeitig gab es jüdische Kunst schon in der Antike und im Mittelalter. Der Tanach nennt sakrale Kunst: Im salomonischen Tempel gab es nach 1 Kön 6,29 Darstellungen von Cheruben und Palmen, im Allerheiligsten zwei monumentale goldene Cheruben nach 1 Kön 6,23–28 und im Vorhof ein auf zwölf Rindern ruhendes Ehernes Meer nach 1 Kön 7,23–26. In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten verbreitete sich jüdische religiöse Kunst in Mittelmeerregionen wie Syrien und Griechenland, etwa in Mosaikfußböden und Fresken von Synagogen sowie in jüdischen Katakomben in Rom. Mittelalterliche rabbinische und kabbalistische Literatur enthielt kalligrafische und grafische Darstellungen. Für Juden im europäischen Ghetto war solche künstlerische Betätigung jedoch eingeschränkt oder untersagt.

Die jüdische weltliche Kunst entwickelte sich besonders mit dem Modernismus des 20. Jahrhunderts. Zwar gab es im 19. Jahrhundert Künstler wie Moritz Daniel Oppenheim, doch eine stärkere jüdische künstlerische Entfaltung setzte vor allem gegen Ende des Ersten Weltkrieges ein. Nadine Nieszawer beschreibt dies als jüdisch-kulturelle Wiedergeburt: Juden seien bis 1905 vor allem „in ihre Bücher gestoßen“ worden, hätten sich nach der russischen Revolution aber emanzipiert, politisch engagiert und seien Künstler geworden.

Jüdische Künstler wirkten in vielen modernen europäischen Kunstströmungen mit, darunter Art déco, Bauhaus, Konstruktivismus, Kubismus, Expressionismus, Impressionismus, Minimalismus, Orphismus, Realismus, Surrealismus, die Wiener Schule des Phantastischen Realismus und Vortizismus. Der Artikel nennt zahlreiche Künstler, darunter Tamara de Lempicka, László Moholy-Nagy, El Lissitzky, Jacques Lipchitz, Max Liebermann, Camille Pissarro, Sonia Delaunay, Meret Oppenheim, Man Ray, Amedeo Modigliani, Charlotte Salomon, Lucian Freud, Frank Auerbach, Roy Lichtenstein und Judy Chicago. Mark Chagall wird als der große Künstler beschrieben, der dem Judentum am tiefsten verpflichtet gewesen sei.

Auch in Grafik, Comic und populärer Bildkultur waren Juden bedeutend. Genannt werden Leonard Baskin, Al Hirschfeld, Ben Shahn, Art Spiegelman und Saul Steinberg. Im goldenen Zeitalter des amerikanischen Comics wird die jüdische Rolle als besonders wichtig dargestellt: Joe Shuster und Jerry Siegel, die Schöpfer von Superman, waren jüdisch; ebenso Bob Kane, Martin Goodman, Joe Simon, Jack Kirby und Stan Lee von Marvel-Comics sowie William Gaines und Harvey Kurtzman, die mit dem MAD-Magazin verbunden waren.

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