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Die Geschichte von Judentum und Judenverfolgung | Terra X
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Transkriptautomatisch erstellt · 67 Zeilen
- Die Geschichte der Juden in Europa ist eine Geschichte der Ausgrenzung, der Unterdrückung, des Mordens. Doch sie ist auch eine Überlebensgeschichte eines Volkes und einer Religion, die vor 3000 Jahren in Kanaan begann und Weltgeschichte geprägt hat.
- Nach der Zerstörung ihrer Tempel lebten sie in der Diaspora. Nach dem Holocaust kehrten Hunderttausende in ihre Heimat zurück und gründeten 1948 den Staat Israel. Frieden gibt es bis heute nicht. Wir begeben uns für Euch auf die Spuren jüdischer Geschichte und gehen der Frage nach: Warum wurden Juden immer wieder verfolgt? Und was hat das Christentum damit zu tun?
- Die Geschichte des Judentums wird in der Hebräischen Bibel beschrieben. Ein wichtiger Bestandteil ist die Tora mit den fünf Büchern Mose. Wissenschaftler datieren die wesentlichen biblischen Handschriften auf das 6. Jahrhundert vor Christus. Einige Fragmente wurden in den Höhlen von Qumran entdeckt.
- Es sind keine zeitgenössischen Erzählungen, sondern das Ergebnis eines mündlichen Überlieferungsprozesses, der schließlich verschriftlicht, kopiert und um 100 vor Christus zusammengestellt wurde. Den Verfassern ging es nicht um Geschichtsschreibung im wissenschaftlichen Sinn, sondern darum, religiöse Schriften zu sammeln und weiterzugeben.
- Bis heute werden die Erzählungen im Gottesdienst in der Synagoge oder in der jüdischen Lehre verwendet. Charismatische Persönlichkeiten wie Abraham oder Mose stehen dabei im Mittelpunkt. Abraham und Mose sind Erzählfiguren. Ob sie historische Persönlichkeiten sind, lässt sich nicht nachweisen. Sie haben als Erzählfiguren bestimmte religiöse Bedeutungen.
- Abraham ist der Träger der Verheißung, als solcher ist er wichtig im Judentum, Christentum und Islam. Mose ist vor allem im Judentum wichtig, als derjenige, der die Tora vermittelt. Bei den Erzählungen über die Anfänge des Judentums spielen Abraham und Mose eine entscheidende Rolle.
- Auch, wenn es die beiden wohl nicht gegeben hat, sind sie identitätsstiftend für das Judentum. Abraham gilt als Stammvater. Ihm hat Gott Nachkommen und Land verheißen. Mose kennt man als Befreier des Volkes Israel aus der Knechtschaft in Ägypten. Wo das Volk Israel her kommt, ist wissenschaftlich jedoch nicht eindeutig bewiesen.
- Der Name „Israel“ als Volksstamm lässt sich allerdings archäologisch belegen. Auch dessen Präsenz in Kanaan, einem Gebiet am östlichen Mittelmeer. David, der König über das Volk Israel wird, ist eine historische Gestalt. Er wird in einer Inschrift auf der sogenannten Tel-Dan-Stele erwähnt, datiert zwischen dem 9. und 8. Jahrhundert vor Christus.
- In der Bibel wird sein Aufstieg mit der Legende von David und Goliath in Zusammenhang gebracht: in einer entscheidenden Schlacht standen sich die Philister und die Israeliten gegenüber. Unter den Philistern war ein riesengroßer Kämpfer, Goliath. Der junge David, damals noch ein Hirtenjunge, besiegte ihn mit einer Steinschleuder.
- Bei der Geschichte von David und Goliath wird Goliath sehr intensiv beschrieben als der typische Vertreter der philistäischen Kultur: hochgerüstet, technologisch überlegen, und der kleine David hingegen, der mit Klugheit und mit Gottvertrauen über ihn siegt.
- Die Zeit Davids war geprägt durch den Verlust der Macht der Großreiche, wie Ägypten oder den anatolischen und mesopotamischen Reichen und nicht nur das Reich Davids entstand in der Zeit, sondern auch seine Nachbarstaaten.
- Im Laufe der Zeit entstehen zwei israelitische Staaten: Im Süden der Stadtstaat Judäa mit Jerusalem und im Norden Israel mit der Hauptstadt Samaria. Zwischen 722/21 vor Christus wird Samaria von den Assyrern erobert.
- Die Israeliten müssen die Flucht ergreifen. Sie ziehen nach Süden und suchen Schutz in der Tempelstadt Jerusalem. Der Tempel wird zu dem zentralen Ort, an dem Jahwe, der Gott Israels, verehrt wird. Doch dann steht die nächste Großmacht vor den Toren der Stadt: die Babylonier.
- 587 vor Christus zerstören sie den Jerusalemer Tempel. 10 Jahre später verschleppen sie die jüdische Oberschicht nach Babylon, ins sogenannte Babylonische Exil. Nicht ganz Israel ging ins Exil. Das Leben in Jerusalem nach der Zerstörung ging weiter. Dort lebten noch Menschen.
- Ein Kult fand statt, zwar in einem sehr bescheidenen Maße: es fanden weiterhin Beerdigungen statt. In den Grabhöhlen von Ketef Hinnom kann man das belegen. Was aber zu Ende war, war der Staat, der jüdische Staat. Es gab aber weiterhin eine jüdische Identität.
- Im Exil, in Babylon, ist das Judentum mit einer fremden Großmacht und Kultur konfrontiert. Der babylonische Herrscher Nebukadnezzar II. lässt in Babylon einen gewaltigen Stufenturm bauen und Gott Marduk verehren.
- Die Auseinandersetzung mit der mesopotamischen Hochkultur führt zu einer jüdischen Geschichtsschreibung, der es darum geht, die eigene Identität in der Fremde zu wahren. Der Tempelkult in Jerusalem wird abgelöst:
- Jetzt verändert sich das Judentum dahingehend, dass aus einer Kultreligion eine ethische Religion wird. Im Zentrum steht nicht mehr der Kult, sondern der Mitmensch. Aus der Kultgemeinschaft wird eine Wertegemeinschaft.
- Anstelle der Opferkulte im Jerusalemer Tempel treten nun Gebete, die in der Gemeinschaft in den Synagogen abgehalten werden. Im Mittelpunkt steht die Tora – das Herzstück des jüdischen Glaubens. Das hebräische Wort Tora bedeutet so viel wie „Lehre“ oder „Gesetz“.
- Sie ist für das Judentum die von Gott Jahwe gegebene Ordnung an sein Volk. Als der Perser Kyros II, auch der Große genannt, 539 vor Christus Babylon mit seinen Streitkräften erobert, beginnt eine Zeit der Gnade und Toleranz.
- Die exilierten Juden dürfen zurückkehren, und einige tun das auch – und bauen den zerstörten Tempel in Jerusalem wieder auf. Anders als mit den anderen Großmächten machen die Juden mit den Persern sehr gute Erfahrungen. Die Zeit unter persischer Herrschaft ist eine gute Zeit.
- Die Perser sind eine Schutzmacht. Sie garantieren die jüdische Lebensweise sowohl in der Heimat als auch in der Diaspora. Doch dann erobert Alexander der Große das Perserreich und Babylon, das Zeitalter des Hellenismus beginnt.
- Das führt dazu, dass sich die Kulturen des Orients und Okzidents nachhaltig miteinander verschmelzen. Es entsteht eine bisher nie dagewesene kosmopolitische und multikulturelle Gesellschaft, die auch für viele Juden attraktiv ist.
- Als er 331 vor Christus Alexandria gründet, entstehen auch hier eine große jüdische Gemeinde und Synagogen. Die Hebräische Bibel wird ins Griechische übersetzt – ein Meilenstein: Ihr Name „Septuaginta“. Er bezieht sich auf die Übersetzungsleistung von angeblich „70“ jüdischen Gelehrten.
- In der Diaspora, fern der Heimat, entwickeln die jüdischen Gemeinden ein großes Autonomiestreben. In Judäa, in der alten Heimat, sieht es anders aus. Das Judentum spaltet sich gewissermaßen in der Frage, ob man den Hellenismus übernimmt oder ob man ihn bekämpft.
- Darüber gibt es dann einen Bürgerkrieg, den man etwas verharmlosend meist als Makkabäer-Aufstand bezeichnet. In dieser Zeit kommt es zum ersten Mal dazu, dass die Juden wegen ihrer Religion verfolgt werden.
- Ab 21 vor Christus beginnt der von Rom eingesetzte König Herodes der Große mit dem Bau eines prächtigen Tempels in Jerusalem. Er entwickelt sich zu dem religiösen Zentrum und Pilgerort. Der Tempel steht jedoch unter römischer Oberaufsicht. Herodes baut aus politischem Kalkül. Die alteingesessenen Priester garantieren ihm eine innenpolitische Stabilität.
- Das ändert sich nach seinem Tod. Der römische Präfekt Pontius Pilatus regiert mit harter Hand. In seine Regierungszeit fällt auch die Kreuzigung des jüdischen Wanderpredigers Jesus von Nazareth an Passah zwischen 30 und 34 nach Christus.
- In den Passionsgeschichten wird von einer Beteiligung der jüdischen Priesteraristokratie, dem Hohen Rat und der Bewohner Jerusalems am Tod Jesu gesprochen. Sie sollen ihn an Pilatus ausgeliefert haben, damit er ihn verurteile und kreuzigen lasse. Das bietet späteren Generationen den Anlass für antijüdische Deutungen.
- Historisch ist die Lage eindeutig. Die Römer als Besatzungsmacht sind verantwortlich für Prozess und Hinrichtung Jesu. Dass die Evangelisten das anders geschrieben haben, liegt natürlich auch daran, dass sie zu ihrer Zeit, im Römischen Reich, jetzt den Römern nicht die Schuld am Tode Jesu geben wollten.
- Stattdessen schrieben sie eine innerjüdische Argumentation, wonach die Elite, die Oberschicht, versagt hat. Nach Jesu Tod glauben seine Anhänger, dass Gott den Gekreuzigten auferweckt hat. In Jerusalem entsteht die erste christliche Gemeinde.
- Danach wird der neue Glaube vor allem vom Apostel Paulus im Römischen Reich verbreitet. Er verzichtet auf jüdische Gebote wie die Beschneidung und die gesetzliche Einhaltung der Tora. Stattdessen verkündet er das Evangelium für alle Menschen, auch für Heiden. Den Bund Gottes mit seinem Volk Israel stellt er aber nicht in Frage.
- Für Paulus war Jesus schließlich der in der jüdischen Tradition erwartete Messias, altgriechisch „Christos“. Im Jahre 70 nach Christus zerstören die Römer wegen jüdischer Aufstände Jerusalem und den von König Herodes gebauten Zweiten Tempel. Es ist die Zäsur in der jüdischen Geschichte.
- Man zahlt jetzt seine Steuern nicht mehr an den Tempel, sondern an den römischen Staat. Das ist auf der einen Seite durchaus demütigend, auf der anderen Seite gibt es den Juden aber eine gewisse Rechtssicherheit. Das Judentum verschwindet nicht aus dem Heiligen Land.
- Der Schwerpunkt der jüdischen Gemeinden befindet sich jetzt aber im Norden des Landes, in Galiläa und oft in Golan. Dort hat man Unmengen Synagogen gefunden, die vom 3. Jahrhundert an dort entstehen bis weit in die Spätantike hinein.
- In den folgenden Jahrhunderten siedeln die Juden auch im Mittleren Osten, in Nordafrika, in Europa und auf der Iberischen Halbinsel. Das Wichtigste, was sie ins Exil mitnehmen und was sie als Gemeinschaft zusammenhält, sind ihre Schriften und die Tradition ihrer Väter.
- Doch sie werden angefeindet und beschuldigt, vor allem von den Christen. Obwohl das Todesurteil historisch gesehen von den Römern ausgesprochen wurde, rückt diese Tatsache immer weiter in den Hintergrund. Stattdessen wird die jüdische Beteiligung immer stärker hervorgehoben und damit den Juden die Schuld zugesprochen.
- Im 2. Jahrhundert nach Christus wirft Bischof Melito von Sardes den Juden Gottesmord vor: Zitat: „Ein nie dagewesener Mord geschah in Jerusalem“. Ob Melito von Sardes seine verhängnisvollen Aussagen wirklich so gemeint hat, wie man sie ihm unterstellt, das ist historisch umstritten.
- Sicher ist aber, man hat sich auf ihn bezogen und man hat diesen Gedanken weiterentwickelt, dass es den Juden schlecht geht, weil Gott an ihnen seinen Strafhandel vollzogen hat. Damit wird der Judenhass christlich.
- Mit dem römischen Kaiser Konstantin gewinnt das Christentum politisch zunehmend an Bedeutung und damit auch die Deutungshoheit: der Gottesmord wird jetzt zum festen Stereotyp der christlichen Lehre. Auf dem Konzil von Nicäa wird 325 nach Christus ein christliches Bekenntnis formuliert, das den Bruch zum Judentum weiter vertieft:
- Die Judenfeindschaft wird letztlich getragen auf der Ebene der offiziellen Beschlüsse. Die Bekenntnisse legen fest, wer dazu gehört und wer nicht dazu gehört und hier ist die Göttlichkeit Jesu der Punkt, an dem das Judentum nicht mitkann.
- Die normalen Menschen hingegen haben durchaus länger noch Kontakt miteinander, auch hier wird noch gemeinsam gefeiert vor Ort und auch hier gibt es noch Kirchen und Synagogen in einem Ort nebeneinander. Im Römischen Reich unter Theodosius I. wird das Christentum 380 nach Christus zur Staatsreligion und die Juden zu Heiden erklärt.
- Das Christentum bestreitet jetzt den Bund, den Gott einst mit seinem Volk Israel geschlossen hat. Er sei vielmehr auf die Kirche übergegangen. Unter Berufung auf angesehene Kirchenlehrer, wie Augustinus von Hippo, erklärt die Kirche die Juden zu Ungläubigen,
- die folgerichtig Demütigungen als Strafe Gottes hinnehmen müssen, auch weil sie Christus ausgeliefert hätten. Im 4. und 5. Jahrhundert nach Christus siedeln Juden schon überall in Europa. Auf der Iberischen Halbinsel – dem Sepharad, können sie unter der relativ toleranten islamischen Herrschaft meist unbehelligt leben.
- In Cordoba und anderen Städten entwickelt sich später ein „Goldenes Zeitalter“ für die jüdische Kultur. Aber auch dort gab es Verfolgungen zu einzelnen Zeiten. Allerdings insgesamt haben die Juden viel mehr Anteil an der Kultur dort haben können, viel größere Gestaltungsmöglichkeiten.
- Heute würde man sagen, die muslimischen Herrscher hatten eine höhere Ambiguitätstoleranz. Sie besaßen die Offenheit Ungewohntes zuzulassen. Auch im sogenannten Aschkenas in Mitteleuropa kann sich jüdischen Leben etablieren.
- Die drei jüdischen Gemeinden Mainz, Worms und Speyer, freie Reichsstädte des Heiligen Römischen Reiches, gelten im frühen Mittelalter als „Jerusalem am Rhein". An den drei Bischofssitzen befördern Bischöfe und Kaiser die Ansiedlung von Juden. Aus dieser Zeit finden sich noch heute viele Zeugnisse, die die Geschichte des Judentums lebendig werden lassen.
- Dazu gehören auch die Mauern der alten Synagoge in Speyer und das jüdische Ritualbad in der Innenstadt. Grund für die Offenheit war der Fernhandel, den Juden damals erfolgreich betrieben. Die Städte profitierten wirtschaftlich und kulturell von den weltgewandten Juden. Doch dann kommen die Kreuzzüge.
- Als Papst Urban II. 1095 zum Kreuzzug nach Jerusalem in Israel aufruft, um die christlichen Heiligen Stätten aus der Hand der Muslime zu befreien, löst er eine Massenbewegung aus. Viele schließen sich an. Auf dem Weg zur Heiligen Stadt ziehen christliche Kreuzritter auch durch Speyer, Worms und Mainz. Es kommt zu massiven Angriffen auf Juden. Auch zu Mordanschlägen.
- Der Judenhass in dieser speziellen Situation kam nicht von oben, sondern aus der Mitte der Gesellschaft. Es waren nicht die Päpste, die gepredigt haben, man möge einen Kreuzzug gegen die Juden führen. Viel mehr hat das aufstrebende Bürgertum die Gelegenheit genutzt, während der Propaganda zu Kreuzzugsbewegung die Juden als Feinde des christlichen Europas im eigenen Land darzustellen und dadurch zu verfolgen.
- Synagogen werden zerstört und jüdische Schriften verbrannt. Verschwörungstheorien machen die Runde: Juden sollen christliche Kinder quälen, foltern und sogar töten. Die Ritualmordlegende entsteht, die besagt, Juden würden für rituelle Zwecke das Blut getöteter Knaben trinken.
- Demütigende „Judensau“-Darstellungen verbreiten sich. Auch der Reformator Martin Luther wird zum glühenden Judenhasser. Ab dem 13. Jahrhundert kommt das bis in die Moderne wirkende Stereotyp vom jüdischen „Wucherer“ hinzu. Die Wahrheit ist: zu den christlichen Kaufmannsgilden und Handwerkszünften sind sie nicht zugelassen.
- Auch Landbesitz und Ackerbau sind nur eingeschränkt möglich. Viele nutzen deshalb das christliche Zinsverbot und werden Geldverleiher, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. So entsteht das Feindbild vom „geldgierigen“ Juden. Als 1347 die Pest ausbricht, kommt es zu Verfolgungen. Die Juden haben die Brunnen vergiftet, heißt es.
- Der von den Kirchen betriebene Judenhass führt zur größten Verfolgungs- und Vernichtungswelle in der Geschichte vor dem Holocaust. Einige versuchen sich zu retten, indem sie konvertieren. Auch wenn Juden sich haben taufen lassen, hat das nicht ihr Leben gerettet, sondern, zynisch gesprochen, nur ihre Seele.
- Man hat Juden grundsätzlich eine Verschlagenheit unterstellt. Man hat ihnen nicht geglaubt, wenn sie konvertiert sind. Man hat immer gedacht, sie agieren im Heimlichen und hat sie deswegen weiterverfolgt.
- 1492 werden die sephardischen Juden aus Spanien vertrieben. Sie ziehen nach Portugal, in den Maghreb, das Osmanische Reich, bis Damaskus und Jerusalem. Die meisten Juden aus dem Aschkenas wandern nach Osteuropa, wo bald mehr als zwei Drittel aller europäischen Juden leben.
- Der Französischen Revolution gelingt es den Einfluss der Kirche auf den Staat zurückzudrängen. In der Menschenrechtserklärung von 1789 ist von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit die Rede. In Zeiten der europäischen Aufklärung beginnen sich die Juden zunehmend zu assimilieren.
- Der deutsch-jüdische Philosoph Moses Mendelsohn ist der Wegbereiter. Das traditionelle Judentum öffnet sich und beginnt sich zu reformieren. Es entsteht das liberale Judentum. Doch die Anfeindungen hören nicht auf. Vor allem der aufkeimende Nationalismus befördert den Judenhass in Europa.
- Als Reaktion entsteht im späten 19. Jahrhundert der Zionismus als jüdische Nationalbewegung. Kopf dieser Gruppe ist der Wiener Journalist Theodor Herzl. In seinem Programm beschreibt er die Notwendigkeit einen eigenen jüdischen Staat zu gründen. Das Ziel ist „Zion“.
- Damit ist der Berg Zion in Jerusalem gemeint, der Ort, wo einst der Jerusalemer Tempel stand. Herzl sieht keine Alternative. Es geht wohl um den Wunsch, in einer jüdisch geprägten Mehrheitsgesellschaft zu leben und nicht mehr Angst vor Verfolgung und Vertreibung zu haben.
- Der Begriff Volk wird jetzt nicht mehr allein eine religiöse Metapher sein, sondern beginnt eine politische Realität zu werden. Tausende Juden wandern aus bevor in den 30iger Jahren das dunkelste Kapitel in der Geschichte des Judentums beginnt.
- Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird Hitlers rassistische Ideologie zur Triebkraft der Regierungspolitik. Im Kampforgan der Nationalsozialisten „Der Stürmer“ findet sich auch die christliche Ritualmord-Propaganda wieder.
- Am 1. April 1933 kommt es zum Boykott jüdischer Geschäfte und anderen Ausschreitungen. 1935 werden die „Nürnberger Gesetze“ erlassen. Sie sind die Legitimationsgrundlage für die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung und eine Vorbereitung auf den Holocaust, dem perfidesten Massenmord der Menschheitsgeschichte.
- Bei der Judenfeindschaft ist die entscheidende Brücke zwischen Antike und Moderne der Aspekt der Bedrohung. Juden wurden nicht einfach als Andere verstanden, als Fremde, sondern als Menschen, die den Bestand der eigenen Gesellschaft bedrohen und in Frage stellen.
- Man hat sie phasenweise dämonisiert. Dieser Gedanke trägt sich durch bis in die Moderne mit der jüdischen Weltverschwörung bis zum Rassenwahn der Nationalsozialisten. Für Überlebende des Völkermords wird Israel zum Zufluchtsort, an dem sie hoffen vor Verfolgung, Anfeindung und Mord geschützt leben zu können.
- Doch die Region hat eine komplizierte Geschichte, hier leben mittlerweile auch arabische Bevölkerungsgruppen. Als Ben Gurion am 14. Mai 1948 den Staat Israel im Gebiet von Palästina ausruft, wird daraus Krieg.
- Bis heute gibt es keine Aussicht auf Frieden. Wenn ihr Euch für Geschichte interessiert, wir haben Euch hier noch ein paar Videos verlinkt. Und damit ihr nichts verpasst, abonniert den Kanal.
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