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Johannes Gutenberg

Gutenbergs Buchdruck breitete sich schnell in Europa und später in der ganzen Welt aus (siehe Ausbreitung des Buchdrucks) und wird als ein Schlüsselelement …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Erfinder des modernen Buchdrucks
  2. 2. Leben und gesicherte Daten
  3. 3. Herstellung und Druckverfahren
  4. 4. Bibel und weitere Drucke
  5. 5. Bedeutung und Erinnerung

Erfinder des modernen Buchdrucks

Johannes Gutenberg, ursprünglich Johannes Gensfleisch beziehungsweise Johannes Gensfleisch zur Laden genannt, wurde um 1400 wahrscheinlich in Mainz geboren und starb dort vor dem 26. Februar 1468. Er gilt als Erfinder des modernen Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern, auch Mobilletterndruck genannt, sowie der dazugehörigen Druckerpresse.

Seine wichtigste Leistung bestand nicht in einer einzelnen Erfindung, sondern in der Verbindung mehrerer Techniken zu einem leistungsfähigen Produktionssystem. Gutenberg entwickelte gegossene, wiederverwendbare Metalllettern, ein Handgießinstrument, eine geeignete Legierung aus Zinn, Blei, Antimon und etwas Wismut, eine zähflüssige schwarze Druckfarbe und eine angepasste Presse. Dadurch konnten Bücher erstmals in einer Art Manufaktur schneller, billiger, in größeren Mengen und mit identischem Text hergestellt werden.

Der Einsatz beweglicher Lettern ab etwa 1450 veränderte die Buchproduktion grundlegend. Gedruckte Bücher ersetzten zunehmend die von Hand abgeschriebenen Texte. Das Verfahren verbreitete sich rasch in Europa und später weltweit. Es gilt als wichtiger Bestandteil der Medienrevolution am Ende des Spätmittelalters und als Schlüsselelement der Renaissance. Sein bekanntestes Werk ist die zwischen 1452 und 1454 entstandene 42-zeilige Gutenberg-Bibel.

Leben und gesicherte Daten

Gutenberg war vermutlich das dritte Kind des Mainzer Patriziers und Kaufmanns Friedrich, genannt Friele, Gensfleisch und dessen zweiter Frau Else Wirich. Das genaue Geburtsjahr ist unbekannt und wird auf den Zeitraum 1394 bis 1408 eingegrenzt. Die Gutenberg-Gesellschaft legte es Ende des 19. Jahrhunderts für die Feier seines 500. Geburtstags auf 1400 fest. Ein Schulbesuch an einer Latein- oder Klosterschule und ein Universitätsstudium sind möglich, aber nicht sicher nachgewiesen.

Die erste namentliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1420 und betrifft einen Erbstreit. In den 1420er Jahren sind Gutenbergs Aufenthaltsort und Tätigkeit weitgehend unbekannt. 1430 hielt er sich nachweislich nicht in Mainz auf und lehnte ein Angebot zur Rückkehr in die Stadt ab.

Von 1434 bis 1444 lebte Gutenberg in Straßburg oder dessen Umgebung. Gerichtsakten zeigen, dass er Andreas Dritzehn unter anderem im Polieren von Edelsteinen unterrichtete und mit mehreren Partnern technische und wirtschaftliche Projekte betrieb. Für die Aachen-Wallfahrt sollten Wallfahrtsspiegel aus einer Blei-Zinn-Legierung hergestellt werden. Ein weiteres Vorhaben wurde als „aventur und kunst“ bezeichnet, wobei „Kunst“ damals handwerkliches Können bedeutete. Aussagen über den Einkauf von Blei und den Bau einer Presse könnten auf frühe Arbeiten am späteren Druckverfahren hindeuten.

Ab Oktober 1448 ist Gutenberg wieder in Mainz belegt. Er erhielt zunächst von seinem Vetter Arnold Gelthus 150 Gulden Kredit und um 1449 vom Kaufmann Johannes Fust ein zinsloses Darlehen von 800 Gulden. Wahrscheinlich baute er damit eine Druckwerkstatt auf. Um 1450 begann er mit dem Satz und Druck von Einblattdrucken und Büchern. 1452 lieh Fust weitere 800 Gulden für das vermutlich auf die 42-zeilige Bibel bezogene „Werck der Bucher“.

1455 kam es zum Rechtsstreit. Nach dem Helmaspergerschen Notariatsinstrument vom 6. November warf Fust Gutenberg vor, zweckgebundene Mittel für andere Druckvorhaben eingesetzt zu haben. Als vorgestreckte Summe werden 1550 Gulden genannt, die Fust selbst zu sechs Prozent verzinsen musste; Gutenberg hätte insgesamt 2020 Gulden zurückzahlen sollen. Weil er dies nicht konnte, musste er die Werkstatt und die fast fertigen Bibeln an Fust abtreten. Fust führte das Geschäft anschließend mit Gutenbergs Mitarbeiter Peter Schöffer fort. Gutenberg gründete vermutlich eine neue Druckerei und arbeitete möglicherweise mit dem Mainzer Juristen Konrad Humery zusammen.

Am 17. Januar 1465 ernannte Erzbischof Adolf II. von Nassau Gutenberg zum Hofedelmann. Er erhielt ein Hofkleid, 2180 Liter Korn und 2000 Liter Wein und wurde von Diensten und Steuern befreit. Sein genauer Todestag ist unbekannt. Das oft genannte Datum 3. Februar 1468 beruht wahrscheinlich auf einer gefälschten Quellenangabe. Sicher ist nur, dass Konrad Humery bereits vor dem 26. Februar 1468 eine Druckerpresse aus Gutenbergs Nachlass erhalten hatte. Gutenberg wurde in der später abgerissenen Mainzer Franziskanerkirche beigesetzt; sein Grab ist nicht erhalten.

Herstellung und Druckverfahren

Gutenberg passte bekannte Techniken wie Metallguss, Spindelpresse, Holztafeldruck, Modeln und Stempeln an und verband sie mit eigenen Verbesserungen. Entscheidend war, dass die einzelnen Buchstaben als haltbare Metalltypen getrennt hergestellt, zu Texten zusammengesetzt und nach dem Druck erneut verwendet werden konnten.

Für jedes Zeichen fertigte Gutenberg zunächst aus hartem Metall eine erhabene, seitenverkehrte Form an, die Patrize. Diese wurde in Kupfer eingeschlagen und erzeugte dort die vertiefte negative Form, die Matrize. Die Matrize wurde in ein hölzernes Handgießinstrument mit zwei metallenen Backen eingesetzt und durch einen Metallbügel festgehalten. Anschließend goss man eine flüssige Legierung aus Zinn, Blei, Antimon und etwas Wismut hinein. Nach dem Erkalten brachte man die Lettern auf eine einheitliche Länge und sortierte sie in Setzkästen. Das Verfahren erlaubte eine schnelle und genaue Herstellung vieler gleichartiger Zeichen.

Die Druckerpresse war wahrscheinlich eine umgebaute Spindelpresse, wie sie bereits bei der Papier- und Weinherstellung verwendet wurde. Beim Drehen der Spindel mit einem Pressbengel bewegte sich eine senkrechte Metallplatte, der Tiegel, nach unten. Sie verteilte den Druck gleichmäßig auf den eingefärbten Satz. Dieser lag auf einem beweglichen Karren, der aus der Presse herausgezogen werden konnte.

Beim Satz wurden die Lettern in einem Winkelhaken zu Zeilen und danach in einem Setzschiff zu Seiten oder Spalten zusammengestellt. Blindmaterial, also nicht druckende Abstandsstücke, regelte die Abstände. Für den gleichmäßigen Blocksatz der Gutenberg-Bibel nutzte man unterschiedlich breite Typen, Ligaturen – Verbindungen mehrerer Buchstaben – und Abkürzungszeichen. In der Bibel wurden insgesamt 290 verschiedene Typen festgestellt.

Ein Druckerballen, ein mit Pferdehaar gefülltes Ledersäckchen, verteilte die Farbe auf dem Satz. Das Papier wurde vor dem Druck befeuchtet, damit sich seine Poren öffneten und die Farbe aufnahmen. Punkturen befestigten das Papier und ermöglichten, den Druck der Rückseite genau an der Vorderseite auszurichten. Ein Holzrahmen schützte Flächen, die keine Farbe erhalten sollten. Beim Hochdruckverfahren übertrugen nur die erhabenen Teile der Lettern die Farbe. Nach dem Trocknen schlossen sich die Papierporen wieder und hielten die Farbe fest.

Die für Holztafeln gebräuchliche dünnflüssige Farbe haftete nicht gut genug auf Metalllettern. Gutenberg entwickelte daher eine schnell trocknende, zähflüssige Emulsion aus Leinölfirnis und Ruß. Sie erlaubte den Druck auf Vorder- und Rückseite eines Bogens. Weitere mögliche Bestandteile waren unter anderem Terpentin, Harzpech, schwarzes Pech, Schwefelkies, Zinnober, Galläpfel, Vitriol und Schellack. Zunächst druckte die Presse nur die schwarzen Textelemente; rote Hervorhebungen wurden anschließend von Hand eingetragen.

Bibel und weitere Drucke

Gutenbergs Hauptwerk ist die nach einer lateinischen Vulgata gedruckte 42-zeilige Bibel, kurz B42. Sie entstand zwischen 1452 und 1454 und gilt wegen ihrer sorgfältigen Gestaltung sowie der hohen Qualität von Papier beziehungsweise Pergament bis heute als herausragendes Werk der Druckkunst. Für ihr Erscheinungsbild waren besonders die an Textura und Schwabacher erinnernde Schrifttype und deren Komposition wichtig. Die 2003 von Bruno Fabbiani vertretene These, sie sei mit ganzen Druckplatten statt mit Einzellettern hergestellt worden, fand in der Forschung keine Zustimmung und wurde vom Gutenberg-Museum zurückgewiesen.

Weitere frühe Drucke können Gutenberg meist nur anhand der verwendeten Typen und anderer Indizien zugeschrieben werden, weil Druckermarken und Namensangaben fehlen. Viele davon waren kleinere, rasch herstellbare Werke für unterschiedliche Leserkreise. Meist wurde die größere und gröbere Donat-Kalender-Type verwendet.

Besonders häufig entstanden Ausgaben der etwa 28 Seiten umfassenden lateinischen Schulgrammatik Ars minor des Aelius Donatus. Bis 1468 sind 24 nicht satzidentische Auflagen mit 26, 27, 28 oder 30 Zeilen nachweisbar; erhalten blieben nur Fragmente. Die einseitigen Ablassbriefe von 1454 und 1455 wurden zunächst auf Pergament gedruckt. Käufer trugen ihren Namen ein und gaben den Brief bei der Beichte ab, um einen Erlass von Sündenstrafen zu erhalten.

Der „Türkenkalender“ für 1455 war eine Propagandaschrift, die nach der Eroberung Konstantinopels 1453 zum Widerstand gegen die Türken und zur Unterstützung eines Kreuzzugs aufrief. Von der durch Papst Calixtus III. am 29. Juni 1455 verkündeten „Türkenbulle“ entstanden zwischen Juni 1455 und April 1456 lateinische und deutsche Ausgaben. Weitere zugeschriebene Drucke sind das kirchliche Verzeichnis Provinciale Romanum von 1457, ein medizinischer Aderlass- und Laxierkalender für 1457, ein deutscher Cisianus zum Einprägen von Kirchenfesten, ein astronomischer Kalender von 1457 und das nur fragmentarisch erhaltene Sibyllenbuch.

Gutenbergs Beteiligung an der Bibel mit 36 Zeilen, der B36, ist umstritten. Sie entstand wahrscheinlich zwischen 1458 und 1460, umfasste 1768 Seiten und wurde mit einer weiterentwickelten Donat-Kalender-Type gedruckt. Von ihr sind 13 Exemplare und einige Fragmente erhalten. Papier aus Bamberger Mühlen und die Herkunft vieler Exemplare aus der Bamberger Region sprechen für eine Verbindung nach Bamberg. Der dortige Drucker Albrecht Pfister verwendete die Type ab 1461; wegen Qualitätsunterschieden gilt er jedoch nicht sicher als Drucker der Bibel.

Auch Gutenbergs Mitarbeit am Catholicon ist weder bewiesen noch ausgeschlossen. Dieses lateinische Lehr- und Nachschlagewerk umfasst 726 zweispaltig bedruckte Seiten. Eine Ausgabe nennt Mainz und das Jahr 1460, aber keinen Drucker. Unterschiedliche, teilweise erst nach 1468 hergestellte Papiere stehen einem sehr ähnlichen Satz und Typenbestand gegenüber. Die Druckgeschichte ist deshalb bis heute nicht eindeutig geklärt.

Bedeutung und Erinnerung

Gutenbergs Verfahren leitete eine Medienrevolution ein. Bücher konnten schneller, preiswerter, in größeren Auflagen und mit gleichbleibendem Text hergestellt werden. Druckerzeugnisse wurden Teil des Alltags und verdrängten handschriftliche Bücher. Texte und Bildung erreichten dadurch wesentlich mehr Menschen, was zur Alphabetisierung beitrug. Auch die weite Verbreitung von Humanismus und Reformation wurde durch den Buchdruck wesentlich unterstützt.

An Gutenberg erinnern unter anderem die 1900 gegründete Gutenberg-Gesellschaft und das 1900 gegründete, 1901 eröffnete Gutenberg-Museum in Mainz. Denkmäler stehen beispielsweise in Mainz, Frankfurt am Main und Straßburg. Die Mainzer Universität trägt seit ihrer Wiedergründung 1946 den Namen Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Außerdem wurden unter anderem der Asteroid (777) Gutemberga, der Mondkrater Gutenberg sowie zahlreiche Straßen und Plätze nach ihm benannt. Mainz begeht seit 1968 im Rahmen der Johannisnacht jährlich ein Fest zu seinem Gedenken.

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