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Buchdruck

1 Geschichte des Buchdrucks. 1.1 Früher Buchdruck in Asien; 1.2 Johannes Gutenberg; 1.3 Ausbreitung des Buchdrucks · 2 Technik der klassischen Buchdruckkunst.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Entwicklung in Asien und Europa
  3. 3. Arabische Schrift und technische Weiterentwicklung
  4. 4. Typen, Setzen und Seitenaufbau
  5. 5. Druck, Korrektur und Nacharbeit

Grundidee und Bedeutung

Der Buchdruck, historisch auch Buchdruckerkunst genannt, ist ein mechanischer Prozess zur Herstellung von Büchern. Schriften und Bilder werden dabei in großer Anzahl auf Papier oder eine andere ebene Fläche reproduziert. Vorher wurden Bücher als Handschriften kopiert, im Mittelalter fast ausschließlich in den Skriptorien der Klöster.

Der moderne Buchdruck mit auswechselbaren Lettern, also einzelnen Schriftzeichen, und einer Druckpresse wird Typendruck genannt. Er ermöglichte eine flexible, relativ kostengünstige und schnelle Herstellung größerer Auflagen. In Ostasien gab es bereits im 8. Jahrhundert gedruckte Werke; in Europa entwickelte Johannes Gutenberg den modernen Typendruck um 1440. Der Buchdruck ist Teil der Verlagsherstellung.

Die gedruckten Bücher waren deutlich billiger als handschriftliche Kopien. Eine manuell angefertigte Kopie der Platonischen Dialoge kostete in Venedig vor dem Buchdruck 1 Florin. 1483 berechnete eine Druckerei für 1.025 Kopien desselben Werks nur 3 Florin. Dadurch verbreiteten sich Schriften stärker, Wissen wurde zugänglicher, und eine allgemeine Alphabetisierung begann. Der Buchdruck trug zur humanistischen Bildungsrevolution, zur Entwicklung der Wissenschaften, zur Renaissance, zur Aufklärung und zum Aufstieg des Bürgertums bei.

Die Bewertung seiner Bedeutung ist umstritten. Elizabeth L. Eisenstein bezeichnete den Buchdruck als „Revolution“. Martyn Lyons spricht dagegen vom „Mythos Gutenberg“ und bestreitet, dass Gutenbergs Erfindung revolutionär gewesen sei. Hagen Keller betrachtet die Zeit vom 14. Jahrhundert bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts trotz der Veränderungen als unter vielen Gesichtspunkten relativ einheitliche Phase. Der Buchdruck verbreitete Wissen, Nachrichten und Meinungen, schuf aber zugleich Grundlagen für staatliche und kirchliche Bürokratien, Zensur und die Verfolgung unbequemer Publizisten und Drucker.

Entwicklung in Asien und Europa

Die Buchdrucktechnik entstand zunächst unabhängig in Asien und Europa. In China wurde am 11. Mai 868 die erste Druckversion des Diamant-Sutra mit Holztafeldruck hergestellt. Dabei wurden die Zeichen spiegelverkehrt in einen Holzstock geschnitten. Die erhabenen Linien wurden eingefärbt und auf Papier abgerieben. Dieses Hochdruckverfahren blieb in China bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gebräuchlich. Der Schmied Bi Sheng entwickelte bereits um 1040 bewegliche Druckstempel aus Keramik. Das koreanische Jikji wurde 1377 mit Metalllettern gedruckt und ist das älteste erhaltene Buch dieser Technik. Bewegliche Lettern wurden in Fernost jedoch nur sporadisch verwendet und verschwanden im 19. Jahrhundert mit der Einführung westlicher Drucktechnik.

Gutenberg entwickelte im 15. Jahrhundert mehrere Verfahren und Geräte, die zusammen einen effizienten Druck mit beweglichen Metalllettern ermöglichten: das Prinzip der beweglichen Lettern, ein Handgießinstrument, die Weiterentwicklung der Spindelpresse zur Druckpresse, Setzkasten und Winkelhaken sowie verbesserte Druckfarbe. Das Setzen vorgefertigter Lettern war schneller und einfacher als die Herstellung von Druckplatten für den Blockdruck. Bücher wurden dadurch zu erschwinglichen Massenartikeln.

Von Mainz aus verbreitete sich der Buchdruck im 15. Jahrhundert rasch. Weitere Druckereien entstanden unter anderem in Bamberg 1457, Straßburg um 1460, Subiaco und Köln 1465 sowie Rom 1467. Die erste Druckerei der Schweiz wurde um 1468 in Basel gegründet, die erste französische 1470 in Paris. Spanien und England erreichte der Buchdruck 1473, Österreich und Wien 1482. Im Jahr 1500 gab es rund 270 Druckorte, mehr als 60 davon im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.

In der frühen europäischen Buchproduktion wurden Bibeln, Fachliteratur, Belletristik, Ablassbriefe, Kalender und Donate gedruckt. Der erste Druck nach der Bibel war ein Aderlass-Kalender für 1457. Frühdruckereien erreichten durchschnittlich 150 bis 250 Exemplare pro Auflage; etwa 77 % der Inkunabeln, also der Drucke aus der Frühzeit des Buchdrucks, erschienen auf Latein. Im 16. Jahrhundert machte der Druck der Schriften Martin Luthers fast ein Drittel der gesamten Auflage aus.

Die Werkstätten wurden größer und stärker arbeitsteilig. Anton Koberger beschäftigte in Nürnberg bis zu 100 Arbeiter an 24 Pressen. Drucker beschafften Geld und Material, stellten Arbeiter ein, beobachteten den Buchmarkt und verbreiteten Rundschreiben und Flugblätter. Zunächst kümmerten sie sich auch um den Verkauf; später übernahmen dies Buchführer.

Arabische Schrift und technische Weiterentwicklung

Die ersten Drucke mit beweglichen Lettern in arabischer Schrift erschienen im 16. Jahrhundert in Venedig. Die Technik eignete sich jedoch schlecht für die kunstvolle arabische Schrift mit ihren vielen Ligaturen und Oberlängen. Die Ergebnisse wirkten deshalb oft unästhetisch und möglicherweise unleserlich.

1727 erlaubte der osmanische Sultan Ahmed III. İbrahim Müteferrika die Einrichtung einer Druckerei, verbot aber den Druck religiöser islamischer Schriften. Bücher in armenischer oder hebräischer Schrift durften gedruckt werden. Das Verbot wurde bis 1803 befolgt. Der Druck islamischer Schriften gewann deshalb erst ab 1817 an Bedeutung. Außerdem wurde die Übersetzung westlicher wissenschaftlicher Literatur ins Arabische verzögert, und die Zahl der Exemplare arabischer oder türkischer Autoren blieb trotz Zehntausender Schreiber in Konstantinopel begrenzt. Massenauflagen wurden erst durch Aloys Senefelders Erfindung der Lithographie möglich, mit der beispielsweise der Koran in Handschrift gedruckt werden konnte.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blieb das Setzen von Hand mit beweglichen Lettern weitgehend unverändert. Ab 1886 veränderten praxisgerechte Setzmaschinen, besonders die Linotype-Setzmaschine, vor allem den Druck von Zeitungen und Büchern. Bleisetzmaschinen konnten Text schneller und in unbegrenzter Menge für Hochdruckmaschinen herstellen; Einzellettern, etwa für Überschriften, konnten weiterhin mit Maschinenzeilen kombiniert werden.

Heute werden Bücher meistens im Offsetdruck gedruckt, selten im Tiefdruck. Der Tiefdruck wird vor allem für Zeitschriften und Versandhauskataloge verwendet. Der Digitaldruck, der im Artikel für den Stand von 2007 als neuestes Verfahren bezeichnet wird, benötigt keine physischen Druckvorlagen. Offsetdruck arbeitet dagegen weiterhin mit Druckplatten. Beide Verfahren schaffen Voraussetzungen für Book-on-Demand. In der Druckbranche wird außerdem auf energie- und ressourceneffizienten Druck geachtet, etwa durch Ökostrom, Recyclingpapier, den Verzicht auf mineralölhaltige Farben und CO2-Kompensation. Die CSRD-Richtlinie der EU und die ESRS verpflichten Unternehmen ab einer bestimmten Größe zu Nachhaltigkeitsberichten.

Typen, Setzen und Seitenaufbau

Typen oder Lettern sind einzelne Druckzeichen. Sie werden unter anderem in Fraktur-, Antiqua- und Kursivschrift sowie in Interpunktions- und Sonderzeichen eingeteilt. Nach ihrer Verwendung unterscheidet man Brot- und Zierschriften, nach ihrer Zeichnung etwa gotische, Fraktur- und Groteskschriften. Die Kegelgröße wird beispielsweise mit 8 Punkt oder 24 Punkt angegeben.

Zum Satz gehören auch Ausschlüsse: Metallstückchen ohne Schriftbild, die etwa ein Fünftel niedriger als die Typen sind. Spatien, Viertel-, Drittel-, Halbgevierte, Gevierte und Quadrate trennen Wörter oder füllen leere Zeilen. Der Durchschuss besteht aus Metallplättchen von 1 bis 10 typographischen Punkt Stärke. Regletten sind längere Plättchen, die zwischen die Zeilen gelegt werden und den Zeilensatz auseinanderziehen.

Jede Type besitzt eine Signatur, eine Einkerbung zur richtigen Erkennung. In Finnland und Frankreich befindet sie sich an der Rückseite, sonst an der Vorderseite des Körpers. Vermischte Typen verschiedener Gattungen oder ähnlicher Typen heißen „Zwiebelfische“. Die Lettern liegen in hölzernen Setzkästen mit etwa 116 Fächern für Fraktur und 125 Fächern für Antiqua. Orientalische Sprachen sowie Musiknoten, mathematische und chemische Formeln benötigen noch mehr Fächer.

Der Schriftsetzer nimmt die Lettern aus dem Setzkasten und ordnet sie im Winkelhaken zu Zeilen. Ist eine Zeile voll, wird sie ausgeschlossen: Ihre Breite wird durch Verkleinern oder Vergrößern der Wortzwischenräume genau an das Format angepasst. Dabei wird die Zeile korr gelesen. Fertige Zeilen werden aus dem Winkelhaken auf ein Schiff gehoben und zu Seiten oder Spalten zusammengesetzt. Unterschläge geben dem Satz Halt; anschließend wird die Seite mit einer Kolumnenschnur umwunden.

Die Seiten werden für einen Druckbogen in der richtigen Reihenfolge ausgeschossen, also angeordnet. Holz- oder Metallstege bilden Seitenränder und Einbindungsräume. Danach wird die Form mit Rahmen, Schrauben, Keilen und Stegen so geschlossen, dass sie angehoben werden kann, ohne dass Lettern herausfallen. Speziell dafür zuständige Setzer heißen Metteurs en pages; ihre Tätigkeit wird Mise en pages genannt. Buchformate wurden nach der Zahl der Blätter eines gefalteten Bogens bezeichnet, etwa Folio, Quart, Oktav, Duodez, Sedez und Oktodez. Diese Bezeichnungen werden heute nur noch selten verwendet.

Druck, Korrektur und Nacharbeit

Der erste Abdruck einer geschlossenen Form heißt Korrekturabzug. Der Korrektor markiert Fehler, danach werden weitere Abzüge für Verfasser und Verleger hergestellt. Nach den Korrekturen, der Kontrolle der Seitenstellung und der Imprimatur, also der Genehmigung zum Druck, beginnt der eigentliche Druck. Die äußere Form mit erster und letzter Seite heißt Prima- oder Schöndruckform; die andere wird innere, Sekunda- oder Widerdruckform genannt.

Beim klassischen Druck konnte Papier befeuchtet werden, damit es geschmeidiger wurde und die Farbe besser aufnahm. Für feinen Druck wurde es anschließend satiniert. Vor dem Druck wurde die Form zugerichtet: Ungleichheiten im Abdruck wurden durch feine Papiereinlagen ausgeglichen. Walzen verrieben und verteilten die Farbe. Sie verdrängten nach der Erfindung der Schnellpresse die früher verwendeten Ballen aus Rosshaar mit Überzug aus Kalb- oder Hundeleder.

Bei der Handpresse legte eine Person das Papier ein, schloss Rahmen und Deckel, bewegte den Karren, drückte und legte den Bogen aus. Eine zweite Person verrieb die Farbe und schwärzte die Form ein. Die Schnellpresse erledigte diese Vorgänge, abgesehen vom Einlegen, selbsttätig; der Maschinenmeister überwachte nach der Zurichtung den Ablauf, die Färbung und die Druckqualität.

Gedruckte Bogen wurden, sofern sie nicht sofort ausgeliefert wurden, getrocknet und in Glättpressen eingelegt. Die Satzformen wurden mit scharfer Lauge gereinigt und mit Wasser abgespült. Nicht weiter benötigte Formen wurden auseinandergenommen: Die Lettern kamen zurück in ihre Kastenfächer. Häufig verwendete Titel und kurze Zeilen konnten als Stehsatz erhalten bleiben. Übriger Satz wurde aufgebunden, getrocknet, etikettiert und im Magazin aufbewahrt. Abgenutzte Typen wurden als „Zeug“ an Schriftgießereien zum Umguss verkauft.

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