Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Druckpresse

1 Geschichte. 1.1 Spindelpressen; 1.2 Gutenbergs Presse; 1.3 Eiserne Druckpressen; 1.4 Druckkapazitäten · 2 Buchdruck-Revolution. 2.1 Ausbreitung des Buchdrucks …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundprinzip und Bedeutung
  2. 2. Vorläufer und technische Entwicklung
  3. 3. Druckleistung und Beschleunigung
  4. 4. Ausbreitung und Massenproduktion
  5. 5. Buchdruck und Wissensgesellschaft

Grundprinzip und Bedeutung

Eine Druckpresse, auch Druckerpresse genannt, ist eine mechanische Presse. Sie überträgt Texte, Bilder oder andere grafische Elemente von einer eingefärbten Druckform auf Papier oder einen anderen Bedruckstoff. So entsteht ein Abdruck. Die genaueren Bezeichnungen Buchdruckpresse und Buchdruckerpresse beziehen sich auf den Buchdruck.

Der Buchdruck in der von Johannes Gutenberg um 1440 in Mainz entwickelten Form beruhte auf zwei Bestandteilen: der Druckpresse und beweglichen Lettern aus Metall. Gutenberg verband bereits bekannte Techniken, besonders die Spindelpresse, mit eigenen Erfindungen. Dazu gehörten das Handgießinstrument zum Gießen der Lettern und eine verbesserte Druckfarbe. Seit Gutenberg geht dem Drucken das Setzen voraus, also das Anordnen der einzelnen Lettern zu einer Druckform.

Zahlreiche Verbesserungen führten im 19. Jahrhundert zu dampfgetriebenen und später elektrisch angetriebenen Druckmaschinen. Mit der Erfindung der Zylinderpresse und der Rotationsmaschinen entstand die industrielle Massenproduktion. Die Drucktechnik verbreitete sich weltweit und wurde zur Grundlage des modernen Massendrucks.

Vorläufer und technische Entwicklung

Die Spindelpresse konnte direkten Druck auf eine ebene Fläche ausüben. Die Römer führten sie im 1. Jahrhundert n. Chr. ein. Sie wurde zunächst als Kelter in der Landwirtschaft verwendet, um Saft aus Weintrauben sowie Öl aus Olivenkernen und anderen Ölsamen zu gewinnen. Außerdem setzte man Spindelpressen früh im städtischen Textilgewerbe als Tuchpressen ein. Gutenberg könnte auch durch Papierpressen angeregt worden sein, die sich seit dem späten 14. Jahrhundert in den deutschen Landen verbreiteten und nach demselben mechanischen Prinzip arbeiteten.

Gutenberg übernahm die Grundbauweise der Spindelpresse, passte sie aber an die besonderen Anforderungen des Druckens an. Der Tiegel musste den Pressdruck gleichmäßig und zugleich federnd auf das Papier ausüben. Ein flacher, beweglicher Untertisch ermöglichte den schnellen Wechsel der Papierbogen und beschleunigte den Arbeitsablauf.

Um 1800 baute Charles Stanhope eine erste eiserne Druckpresse, die Stanhope-Presse. George Clymer erfand 1813 die ähnliche Columbia-Handpresse. Sie ließ sich wegen ihres Hebelmechanismus leichter bedienen.

Druckleistung und Beschleunigung

Die Druckpresse steigerte die Leistung gegenüber dem Handdruck und dem Abschreiben erheblich. Eine einzelne Druckpresse konnte um das Jahr 1600 an einem Arbeitstag 3600 Seiten drucken. Im Handdruckverfahren mit Reiberdruck waren es im Vergleich 40 Seiten; Kopisten schrieben nur einige Seiten pro Tag ab.

Die in der Quelle genannten maximalen Druckleistungen pro Stunde lauten:

  • Gutenberg-Presse um 1600: 240 Seiten
  • Stanhope-Presse um 1800: 480 Seiten
  • Koenig & Bauer 1812: 800 Seiten
  • Koenig & Bauer 1813: 1100 Seiten
  • Koenig & Bauer 1814: 2000 Seiten
  • Koenig & Bauer 1818: 2400 Seiten

Die Werte zeigen die Entwicklung von handbetriebenen Pressen zu dampfgetriebenen Maschinen und damit die zunehmende technische Grundlage für eine industrielle Massenproduktion.

Ausbreitung und Massenproduktion

Die Erfindung des mechanischen Buchdrucks mit beweglichen Lettern löste innerhalb weniger Jahrzehnte eine starke Ausweitung der europäischen Druckaktivitäten aus. Von einer Druckerei in Mainz aus verbreitete sich die Druckkunst bis zum Ende des 15. Jahrhunderts auf mindestens 271 Städte in Mittel- und Westeuropa. Bereits um 1480 arbeiteten Drucker an 110 Orten in Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Belgien, der Schweiz, England, Böhmen und Polen.

Italien entwickelte sich früh zu einem Zentrum des Buchdrucks. Bis 1500 wurden dort Druckereien in 77 Städten eröffnet. Bis zum Ende des folgenden Jahrhunderts waren an 151 verschiedenen Orten insgesamt beinahe 3000 Drucker tätig. Ein Drittel der italienischen Drucker arbeitete von Venedig aus.

Um 1500 hatten die Druckpressen in Westeuropa über 20 Millionen Druckwerke hergestellt. Im 16. Jahrhundert stieg die Gesamtproduktion um das Zehnfache auf geschätzte 150 bis 200 Millionen Exemplare. Bis 1800 wuchs der europäische Buchausstoß auf rund eine Milliarde Exemplare, ungefähr das Zweihundertfache der Handschriftenproduktion vor dem Buchdruck.

In Deutschland nahm die Buchproduktion zwischen 1518 und 1524 um das Siebenfache zu. Zwischen 1518 und 1520 zirkulierten 300.000 Druckexemplare von Luthers Traktaten. Von den Werken des Erasmus wurden zu dessen Lebzeiten mindestens 750.000 Stück verkauft. Gedruckt wurden außerdem andere Informationen. Der Buchdruck bereitete damit die Herausgabe der ersten Zeitungen vor; die Druckpresse wurde namensgebend für den Medienzweig der Presse. Erhaltene Druckwerke des 15. Jahrhunderts heißen Inkunabeln.

Buchdruck und Wissensgesellschaft

Die Buchdruck-Revolution bezeichnet nicht nur die schnelle Verbreitung des Buchdrucks, sondern auch die stetig zunehmende Massenproduktion von Büchern. Dadurch konnten Informationen und Ideen rasch und zu erschwinglichen Preisen verbreitet werden. Dies förderte die Bildung breiter Bevölkerungsschichten und legte den Grundstein für die moderne Wissensgesellschaft.

Im Europa der Renaissance leitete der Buchdruck mit beweglichen Lettern das Zeitalter der Massenkommunikation ein. Der vergleichsweise ungehinderte Zugang zu Informationen und revolutionären Ideen überwand Staatsgrenzen, erreichte während der Reformation große Teile der Bevölkerung und bedrohte die traditionelle Macht politischer und religiöser Eliten. Die stark steigende Alphabetisierungsrate beendete das Monopol der lesekundigen Oberschicht auf geistige Bildung und Erziehung und stärkte das Mitspracherecht der aufstrebenden Mittelschicht.

Der Buchdruck revolutionierte Kommunikation und Informationsverbreitung und trug maßgeblich zur Einleitung der Frühmoderne bei. Für diese tiefgreifenden Veränderungen prägte Marshall McLuhan den Ausdruck „Gutenberg-Galaxis“.

Lernvideos zu Druckpresse

Weiterlesen

Papier Geschichte · Frühe Schriftträger · Erfindung des Papiers · Ostasien · Islamische Welt · Indien · Europa · Verbreitung der Papierherstellung in Europa · Technische … Buchdruck 1 Geschichte des Buchdrucks. 1.1 Früher Buchdruck in Asien; 1.2 Johannes Gutenberg; 1.3 Ausbreitung des Buchdrucks · 2 Technik der klassischen Buchdruckkunst. Johannes Gutenberg Gutenbergs Buchdruck breitete sich schnell in Europa und später in der ganzen Welt aus (siehe Ausbreitung des Buchdrucks) und wird als ein Schlüsselelement … Römisches Reich Die altrömische Überlieferung datiert die Gründung Roms zwischen 814 und 728 v. Chr., meist jedoch um das Jahr 750 v. · Der letzte römische bzw. etruskische … Heiliges Römisches Reich Das Reich bildete sich im 10. Jahrhundert unter der Dynastie der Ottonen aus dem ehemals karolingischen Ostfrankenreich heraus. ... Mit seiner Kaiserkrönung am 2. Ausbreitung des Buchdrucks Jahrhundert hatte der Buchdruck alle Weltgegenden erreicht. Ausbreitung im 15. Jahrhundert: Bis zum Jahr 1500 wurde der Buchdruck an 271 Orten aufgenommen … Martin Luther Martin Luther (* 10. November 1483 in Eisleben, Grafschaft Mansfeld; † 18. Februar 1546 ebenda) war ein deutscher Augustinereremit und Theologieprofessor, … Inkunabel Wiegendrucke waren in Format, Typografie und Illustration zunächst vom Erscheinungsbild mittelalterlicher Handschriften geprägt, das sich mit der technischen … Renaissance Die Spätrenaissance als Epoche der Kunstgeschichte wird auch als Manierismus bezeichnet und wurde Anfang des 17. Jahrhunderts in Italien durch den Barock … Reformation Ihr Beginn wird traditionell auf den 31. Oktober 1517 datiert, als Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Tür der Schlosskirche zu … Frühe Neuzeit ... Lehnsherr oder Vasall des Monarchen und deren Besitz leibeigener Bauern beruhte. Weiterhin bedeutet es das Ende des bisherigen Zunft- und Ständewesens in …