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Ausbreitung des Buchdrucks
Jahrhundert hatte der Buchdruck alle Weltgegenden erreicht. Ausbreitung im 15. Jahrhundert: Bis zum Jahr 1500 wurde der Buchdruck an 271 Orten aufgenommen …
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Grundlagen und Überblick
Der Buchdruck mit beweglichen Lettern begann um 1450 mit der Erfindung der Druckpresse durch Johannes Gutenberg in Mainz. Bis zum Jahr 1500 wurde der Buchdruck an 270 weiteren Orten in Europa aufgenommen (insgesamt 271 Orte). Bücher aus der Zeit bis 1500 nennt man Inkunabeln. Bis zum Stichjahr 1501, dem Erscheinungsjahr, bis zu dem ein Druck als Inkunabel gilt, wurden Druckereien in 236 verschiedenen europäischen Städten eingerichtet. Für diese Zeit wird geschätzt, dass in Europa rund 20 Millionen Bücher für eine Bevölkerung von vielleicht 70 Millionen Menschen gedruckt wurden. Im 19. Jahrhundert hatte der Buchdruck alle Weltgegenden erreicht. Die Ausbreitung verlief in Europa ungleichmäßig: In Italien entstanden im 15. Jahrhundert Druckereien in 77 Städten, bis Ende des 16. Jahrhunderts in insgesamt 151 Orten, von denen 130 (86 %) nördlich von Rom lagen. Insgesamt waren dort 2894 Buchdrucker tätig, nur 216 davon in Süditalien. Etwa 60 % der Druckereien befanden sich in sechs Städten (Venedig, Rom, Mailand, Neapel, Bologna und Florenz), allein in Venedig etwa 30 %.
Deutschland und Westeuropa
Deutschland: Nach Gutenberg in Mainz (Gutenberg-Bibel, 1452–53, mit Peter Schöffer und dem Investor Johannes Fust) folgten Bamberg (~1457, Albrecht Pfister, erste Holzschnitt-Illustration um 1461), Straßburg (bis 1460, Johannes Mentelin), Köln (~1465, Ulrich Zell), Augsburg (1468, Günther Zainer), Nürnberg (bis 1469, u. a. Anton Koberger 1473–1513) sowie bis 1491 viele weitere Städte wie Ulm, Leipzig (1480), Wien (1482), München (1482), Heidelberg (1482) und Hamburg (~1488). In Breslau druckte Kasper Elyan 1475–1483 insgesamt 11 Titel. Frankreich: Paris 1470 (Ulrich Gering, Martin Crantz, Michael Friburger), Lyon 1473, danach Toulouse, Rouen, Dijon, Tours u. a.; dazu kamen kleinere Städte. Spanien: Sevilla 1472–73, Segovia, Barcelona, Valencia (Lambert Palmart), Saragossa, Salamanca (~1480) bis Madrid (1500). Belgien: Aalst 1473 (Dirk Martens), Löwen, Brügge (William Caxton, Colard Mansion), Antwerpen (1481); dort errichtete Christoffel Plantijn 1555 eine Druckerei, die mit bis zu 16 Pressen die größte ihrer Zeit war und 1567–1572 die fünfsprachige Biblia Polyglotta (Lateinisch, Griechisch, Hebräisch, Altsyrisch, Chaldäisch) druckte. Niederlande: Utrecht 1473, Gouda und Deventer 1477, Leiden 1583 als Filiale von Plantijns Antwerpener Druckerei. Portugal: erster Druck 1487 in Faro durch Samuel Gacon, der vor der Inquisition aus Spanien geflohen war – ein hebräischer Pentateuch; das erste portugiesischsprachige Buch ist laut der Forscherin Horch das Sacramental (1488, Chaves), nicht mehr wie zuvor angenommen das Livro de Vita Christi von 1495. England: William Caxton, der zuvor auf dem Kontinent gedruckt hatte, errichtete 1476 eine Presse in Westminster; erste Drucke sind ein Ablass vom 13. Dezember 1476 und die 1477 fertiggestellten Dicts or Sayings; danach Oxford (1478), St Albans (~1479, acht Titel) und London (1480). Schottland: 1507 durch Walter Chepman und Andrew Millar. Irland: 1551 durch Humphrey Powell.
Nord-, Ost- und Südosteuropa
Schweiz: Basel ~1468 (Berthold Ruppel), Beromünster 1470, Genf 1478 (Adam Steinschaber), Zürich ~1479, später Schaffhausen (1577) und St. Gallen (1578). Italien: Subiaco 1465 (Arnold Pannartz und Konrad Sweynheym), Rom 1467, Venedig 1469 (Johann von Speyer erhielt ein fünfjähriges Monopol, starb aber bald; 1469 erschien dort der lateinische Erstdruck der Historiae naturalis libri XXXVII), Florenz 1471 mit dem frühesten Buchdruck auf Griechisch; 1501 druckte Ottaviano Petrucci in Venedig erstmals Notenblätter mit beweglichen Lettern. Dänemark: Odense 1482 (Johann Snell, der auch in Schweden den Buchdruck einführte), Kopenhagen 1493 (Gottfried von Ghemen); für 200 Jahre beschränkte staatliche Politik den dänischen Buchdruck weitgehend auf Kopenhagen. Schweden: Stockholm 1483, Vadstena vor 1495, Uppsala 1510. Norwegen: Trondheim Mitte des 16. Jahrhunderts, Oslo 1644. Island: um 1530 in Hólar, auf Initiative von Bischof Jón Arason; erster bekannter einheimischer Druck ist das Breviarium Holense von 1534. Polen: Krakau 1473 (Kasper Straube; ältestes Druckwerk ist der Calendarium Cracoviense von 1474); 1491 druckte Schweipolt Fiol das erste Buch auf Kyrillisch; endgültig etablierte sich der Buchdruck in Polen erst nach 1503. Böhmen: Pilsen ~1475–76, Brünn 1486, Prag 1487 (1488 die ganze tschechische Bibel); die Trojanische Chronik trägt zwar das Datum 1468, wurde aber wegen einer gleich datierten handschriftlichen Vorlage von den meisten Forschern später datiert. Ungarn: Buda 1473 (Andreas Hess?), erste Veröffentlichung die Chronica Hungarorum vom 5. Juni 1473; instabile politische Verhältnisse zwangen Drucker oft zum Standortwechsel, im 16. Jahrhundert waren 20 Druckereien an 30 Orten aktiv. Preußen: Marienburg 1492 (Jakob Karweyse, nur zwei Titel), Danzig 1499, Königsberg 1523 (Johann Weinreich, ab 1549 Konkurrenz durch Hans Lufft). Kroatien: Kosinj 1483–1493 mit dem Missale Romanum Glagolitice als erstem im Land gedruckten Buch; Senj 1494–1508 (Blaž Baromić, erstes Messbuch in glagolitischer Schrift). Serbien und Montenegro: Kloster Obod 1493–94 (Makarije, u. a. die erste Bibel in Kirchenslawisch serbischer Redaktion); wegen der osmanischen Herrschaft fand der Druck serbischer Bücher bis ins frühe 19. Jahrhundert vorwiegend in Venedig und Wien statt. Russland: Moskau 1553–54, 1564 erschien mit Iwan Fjodorows Apostol das erste datierte russische Buch; bis Peter I. blieb der Buchdruck auf die Moskauer Druckerei beschränkt, die Jahresproduktion stieg im 18. Jahrhundert von 147 Titeln (1724) auf 435 (1787), gehemmt durch Zensur und Analphabetentum. Weitere späte Orte: Lettland (Riga 1588), Rumänien (Târgoviște 1508, Makarije), Georgien (Tiflis 1701), Grönland (Godthaab 1860), Griechenland (Korfu 1817; griechische Bücher erschienen zuvor vor allem in Italien, Konstantinopel und Smyrna).
Amerika
Lateinamerika: Die erste Druckerpresse wurde 1539 in Mexiko-Stadt von Juan Pablos aus Brescia (im Auftrag von Hans Cromberger aus Sevilla) betrieben. Bis 1600 entstanden dort 300 Ausgaben, im 17. Jahrhundert 2007 Titel. Im 16. Jahrhundert waren über 31 % der vor Ort hergestellten Bücher in einheimischen Indianersprachen verfasst (v. a. religiöse Texte, Grammatiken und Wörterbücher), im 17. Jahrhundert sank ihr Anteil auf 3 %. Weitere frühe Orte: Lima/Peru (1581; 1106 Titel zwischen 1584 und 1699), Puebla (1640), Guatemala-Stadt (1660; erstes Buch Tratado sobre el cultivo del añil, gedruckt in blauer Druckfarbe), Jesuiten-Mission in Paraguay (1700; Presse aus örtlichem Material, von getauften Guaraní hergestellt), Havanna (1707), Bogotá (1736), Quito (1759), Santiago de Chile (1776; dauerhafter Betrieb erst ab 1818), Buenos Aires (1780), Montevideo (1807), Rio de Janeiro (Mai 1808, königliche Druckerei) und Caracas (1808). Nordamerika: Cambridge (USA) 1638 (John Daye, ab 1649 Samuel Green), Philadelphia 1686 und New York 1693 (jeweils W. Bradford), Germantown 1735 (Christoph Sauer), Halifax/Kanada 1766, 1828 gab Elias Boudinot in New Echota den Cherokee Phoenix als erste Zeitung der Cherokee heraus, später folgten San Francisco (1846), Oregon (1853) und Vancouver Island (1858).
Asien
Südasien: Goa (Indien) 1556 durch Jesuiten, Tarangambadi 1569 (London Missionary Company), Madras 1772, Kalkutta 1778 (Charl. Wilkins), Bombay 1792; Sri Lanka 1737. Südostasien: Manila (Philippinen) 1590, Batavia (Indonesien) 1668, Sumatra 1818. Innerasien: Isfahan (Iran) 1637 durch Armenier aus Neu-Julfa, später Teheran (1820) und Täbris. Naher Osten: 1483 verbot Sultan Bayezid II. das Drucken auf Arabisch im Osmanischen Reich bei Todesstrafe; nur jüdische (ab 1515 Saloniki, 1554 Adrianopel, 1552 Belgrad, 1658 Smyrna), griechische und armenische Gemeinschaften durften in ihren Alphabeten drucken. 1727 erlaubte Sultan Ahmed III. die erste Presse mit arabischen Lettern: 1729 richtete İbrahim Müteferrika in Konstantinopel gegen starken Widerstand der Kopisten und teilweise moslemischer Religionsgelehrter die erste arabische Presse des Reiches ein; sie arbeitete bis 1742, gab ausschließlich nicht-religiöse Werke heraus (insgesamt 17). Ein erneuter Versuch durch den Briten James Mario Matra 1779 scheiterte. Ferner Osten: In China (Macau 1833) wurden die ersten Pressen von westlichen Priestern für Missionsarbeit importiert; die älteste bekannte, eine Albionpresse, stand in der portugiesischen Kolonie Macao. In Korea stellten Japaner offenbar schon 1881 in Pusan eine Presse auf, um die zweisprachige Zeitung Chosen shinpo zu drucken; 1883 brachte Inoue Kakugoro eine Presse aus Japan für Koreas erste koreanischsprachige Zeitung Hansong Sunbo, kehrte nach ihrer Zerstörung durch Konservative zurück und gab die Zeitung als Hansong Chubo neu heraus; 1885, 1888 und 1891 eröffneten westliche Missionare Druckereien in Seoul.
Afrika und Ozeanien
Afrika: Portugiesen betrieben ab dem 16. Jahrhundert Pressen in ihren Besitzungen, u. a. in Mosambik, Luanda (Angola) und Malindi (Kenia). 1798 folgte Kairo durch die Franzosen, 1806 Kapstadt, um 1825 Madagaskar, 1833 Mauritius. 1855 brachte der deutsche Missionar Franz Heinrich Kleinschmidt in Scheppmansdorf (heute Rooibank, Namibia) 300 Kopien von Luthers Katechismus im Khoekhoegowab heraus, die ersten Druckwerke in dieser Sprache; Unruhen beendeten offenbar die weiteren Aktivitäten, die Presse war 1868 noch funktionsfähig, doch ob der Betrieb wieder aufgenommen wurde, ist unbekannt. Australien und Ozeanien: Erste Pressen in Australien 1795, 1802 in Sydney (George Howe), 1818 in Hobart (Tasmanien) und auf Tahiti (Französisch-Polynesien); 1821 auf Hawaii, 1836 auf Maui.