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Erlösung
Wesentlich sind dabei drei Aspekte: Sittliches Handeln, Meditation und Einsicht. Wenn der Mönch im Zuge solcher Praxis jegliche „Unreinheit des Geistes …
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Grundidee der Erlösung
Erlösung ist in mehreren Religionen ein Zentralbegriff für das letztgültige Ziel, Menschen, die Menschheit und/oder die Welt von allem Negativen zu befreien. Der Begriff hat keine einheitliche Bedeutung. Er bezeichnet eher eine passiv erfahrene Befreiung vom Leid; davon wird die aktiv herbeigeführte Erleuchtung unterschieden, die etwa Hinduismus und Buddhismus betonen.
In der Antike meinte „erlösen“ zunächst den Freikauf und die Freilassung von Sklaven. Hebräisch stehen dafür ga'al („Loskauf“) und padah („Auslösen“), griechisch lytrọō. Weitere Begriffe beschreiben machtvolles Helfen (rhyomai) oder Rettung aus Lebensgefahr, etwa im Krieg, auf See oder bei Krankheit (sōzō). Sōtær bedeutet Retter oder Heiland. Als endzeitliche Retterfiguren werden der Messias im Judentum und der Mahdi im Islam genannt. Moksha bezeichnet im Sanskrit die Befreiung aus Samsara, dem Kreislauf der Wiedergeburten, durch das Erreichen des Nirwana.
Erlösung im Judentum
Für Israels Selbstverständnis sind die Verheißung an die Erzväter, der Bund mit Abraham und besonders die Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft grundlegend. Israel versteht seine Entstehung als Erwählung, Errettung und Erlösung durch JHWH. Gottes Name wird bei der Berufung Mose mit ehje ascher ehje (Ex 3,14) verbunden. Wegen der Zeitformen des Hebräischen sind verschiedene Übersetzungen möglich, etwa „Ich bin da, als der ich da bin“ oder nach Martin Buber „Ich werde dasein, als der ich dasein werde“. Der Name wird als Zusage eines gegenwärtigen, leitenden, helfenden, stärkenden und befreienden Gottes verstanden.
Rettungserfahrungen wie der Exodus und die Rückführung aus dem Exil prägen die Tradition Israels. Das Schema bekennt: „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einzig!“ (Dtn 6,4). Laut Talmud nennt Sefer HaMitzwot von Maimonides 613 Mitzwot der Thora: 248 Gebote und 365 Verbote. Im Achtzehnbittengebet wird für einen goél, einen Erlöser oder Messias, gebetet. Die Erlösung Israels wird mit dem Ende allen Unheils verbunden.
Einige Reformgemeinden verwenden Geullah („Erlösung“). Tikkun oder Tikkun Olam bedeutet „Reparatur der Welt“: Menschen verbessern Gottes Schöpfung im Diesseits. Diese Idee ist besonders in der Kabbala wichtig.
Christliche Erlösungslehre und Debatten
Im Christentum ist Erlösung vor allem Gottes Handeln zugunsten erlösungsbedürftiger Menschen. Die Soteriologie ist die Lehre von Erlösung oder Errettung. Erlösung steht als Gegenbegriff zu Sündhaftigkeit und Verlorenheit und hängt mit Rettung, Heil, Befreiung, Neuschöpfung, Gnade und Versöhnung zusammen.
Das Neue Testament verkündet, dass Gott in Person und Werk Jesu Christi endgültig zum Heil der Menschen gehandelt habe. Das Apostelkonzil lehnte ab, dass Heiden zuerst zum Judentum konvertieren müssten, um Christen zu werden (Apostelgeschichte 15,1–29). Paulus stellte die Erlösung auf Kreuz und Auferstehung Jesu Christi: Christus sei „für unsere Sünden“ gestorben und „um unserer Rechtfertigung willen“ auferweckt worden (1 Kor 15,1–5; Röm 4,25). Erlösung sei allen möglich, die an Christus glauben.
Pelagianismus lehnte die Abhängigkeit des Menschen von Gottes Gnade ab; Donatismus wollte bestimmte Gruppen vom Heil ausschließen. Beide Lehren sowie die Allversöhnung wurden als Häresien verurteilt. Augustinus prägte die westkirchliche Erbsündenlehre: Seit dem Sündenfall sei jeder Mensch von seiner Zeugung an mit einem Makel behaftet, der zur Trennung von Gott und zur Neigung zur Sünde (Konkupiszenz) führe. Die Taufe reinige durch die Heilstat Christi. Seine Annahme, ungetaufte Kinder könnten keinesfalls in den Himmel kommen, übernahm das katholische Lehramt jedoch nicht.
In der Reformation lehrte Martin Luther Rechtfertigung „allein durch den Glauben“ (sola fide). Calvin vertrat die doppelte Prädestination: Gott erwähle einen Teil zum Heil und einen anderen zur Verdammnis; Christus sei nur für die Geretteten gestorben. Der Jansenismus lehrte im 17. Jahrhundert, Menschen sündigten, weil ihnen nicht genügend Gnade zum Widerstand gegen die Sünde gegeben sei.
Konfessionelle Unterschiede im Christentum
Katholische, orthodoxe und orientalische Kirchen verstehen die von Christus eingesetzte Kirche und ihre Sakramente als Werkzeuge göttlicher Gnade. Taufe oder der ausdrückliche beziehungsweise unausdrückliche Wunsch danach („Wunschtaufe“) gelten als heilsnotwendig. Die Gnade ermöglicht ein gottgefälliges Leben und ewiges Heil; zugleich kann der Mensch sich frei von Gott abwenden und das Heil verfehlen.
Zwischen West- und Ostkirchen bestehen Unterschiede: Im Westen wird Erbsünde eher als Makel, im Osten eher mit dem Tod verbunden. Der Westen betrachtet die menschliche Natur als mangelhaft und Erlösung als übernatürlich; der Osten sieht die Natur als gut und Erlösung als Wiederherstellung ihres verlorenen Zustands. Die Erlösung der gesamten Schöpfung durch Christus ist im Osten spirituell zentraler. Die nichtreformatorischen Kirchen berücksichtigen sowohl menschliche Freiheit als auch Gottes Allmacht und Freiheit bei der Erwählung; in der katholischen Kirche bestehen etwa Thomismus, Molinismus und Augustinismus nebeneinander.
Traditionelle protestantische Kirchen hielten ebenfalls die Taufe für heilsnotwendig, betonten mit sola fide aber die persönliche Beziehung zu Gott. Täuferbewegungen sowie später Baptisten und Adventisten praktizieren die Gläubigentaufe meist als äußeres Zeichen einer für das Heil wesentlichen inneren Umkehr. Die Rettung beginnt bei der Bekehrung und wird beim Wiederkommen Jesu vollendet. Die Lehre von der „Unverlierbarkeit des Heils“ erklärt, dass Wiedergeborene ihr Heil nicht verlieren können; sie gehört zu den fünf Punkten des Calvinismus. Die Gegenposition heißt Arminianismus.
Erlösung im Islam
Im Islam bedeutet Erlösung den zukünftigen Eingang in das Paradies für Menschen, die an den einen Gott und seine Botschaft glauben. Wer nicht an Gott allein glaubt, bleibt ausgeschlossen. Ob Juden und Christen ebenfalls Erlösung erfahren können, ist umstritten: Nach der vorherrschenden Meinung sunnitischer Gelehrter wie az-Zamachscharī gehören sie zu den Ungläubigen, die ewig in der Hölle bleiben. Zeitgenössische Exegeten wie Süleyman Ateş und auch eine Minderheit früherer Exegeten wie al-Ghazālī vertreten, Glaube an Gott und den Jüngsten Tag sowie gerechtes Handeln reichten aus.
Nach verbreiteter Jenseitsvorstellung führt die schmale Brücke as-Sirāt über das Höllenfeuer. Gläubige Muslime, die Gutes taten, gelangen ins Paradies; sündige Muslime und Nichtmuslime fallen in die Hölle. Sündige Muslime werden dort nach manchen Vorstellungen zeitlich begrenzt geläutert und anschließend durch Gottes Barmherzigkeit ins Paradies aufgenommen. Ob Ungläubige die Hölle verlassen, ist umstritten. Überlieferungen nennen Munkar und Nakir als Todesengel, die den Verstorbenen nach seinem Glauben fragen.
Am Tag des Gerichts werden die Toten auferweckt und ihre guten und bösen Taten aus dem Buch des Lebens beurteilt. Niemand trägt die Sünden eines anderen. Der Koran betont sowohl Gottes Allmacht als auch menschliche Verantwortung. Die stärker auf Allmacht ausgerichtete Position heißt dschabritisch, die stärker auf Verantwortung bezogene qadaritisch; beide Aussagen werden als nicht rational ausgleichbare Komplementärwahrheiten behandelt.
Buddhistische Befreiung
Im Buddhismus steht Erleuchtung im Zentrum des Dharma, der Lehre. Nicht erlöste Existenz gilt als leidhaft (Dukkha), weil angenehme Erfahrungen nicht dauerhaft sind. Leiden kann durch Lebensweise und geistige Praxis überwunden werden. Erlösung bedeutet, weder gutes noch schlechtes Karma anzusammeln. Der edle achtgliedrige Pfad führt allmählich zu Nirwana, dem „Verwehen“ oder „Verlöschen“, und damit zur Befreiung aus Samsara. Ein äußerer Erlöser ist nicht nötig: Der Mensch kann die Befreiung selbst erlangen.
Im Theravada ist besonders der asketisch und zurückgezogen lebende Mönch zur Selbsterlösung in diesem Leben befähigt. Entscheidend sind sittliches Handeln, Meditation und Einsicht. Er löscht Gier, Hass und Verblendung aus und erkennt die drei Daseinsmerkmale: Vergänglichkeit (anicca), Leiden (dukkha) und Unpersönlichkeit (anatta). Nirwana beziehungsweise Nibbana beendet Wiedergeburt. Dabei wandert keine unveränderliche Seele weiter; übertragen wird ein durch Taten bewirktes Potential, das sich in einer neuen Existenz zeigt. Die menschliche Existenz gilt als besondere Erlösungschance, vor allem durch Kontakt mit der buddhistischen Lehre.
Im Mahayana steht das Bodhisattva-Ideal im Mittelpunkt. Die eigene Erlösung wird zurückgestellt, während Verantwortung für die Erlösung aller anderen fühlenden Lebewesen übernommen wird.