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Glaubensbekenntnis
Ein Glaubensbekenntnis ist in einer Religion ein öffentlicher Ausdruck des persönlichen und kollektiven Glaubens, zu dem der oder die Sprecher sich bekennen.
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Grundidee und Funktionen
Ein Glaubensbekenntnis ist in einer Religion ein öffentlicher Ausdruck des persönlichen und kollektiven Glaubens. Wer ein Glaubensbekenntnis spricht, bekennt sich also selbst zu diesem Glauben und zugleich zu der Gemeinschaft, die durch diesen Glauben verbunden ist.
Ein Glaubensbekenntnis hat mehrere Aufgaben. Es kann die gemeinsame Zugehörigkeit ausdrücken, etwa wenn es im Gottesdienst gemeinsam gesprochen wird. Es fasst zentrale Inhalte einer Glaubenslehre zusammen und kann eine Selbstverpflichtung enthalten, nach diesem Glauben zu leben, zum Beispiel bei der Ordination eines kirchlichen Amtsträgers. Außerdem grenzt es zentrale Glaubensinhalte einer Religion oder Konfession von anderen Religionen oder Konfessionen ab. Es gibt auch an, wie Glaubensinhalte verstanden werden sollen, die oft in Heiligen Schriften dargelegt sind. In besonderen Konfliktsituationen kann ein Bekenntnis zur ausdrücklichen Entscheidung für den eigenen Glauben und gegen andere Glaubensüberzeugungen werden.
Jüdische Bekenntnisse
Im Judentum ist das ausdrückliche Bekennen des eigenen Glaubens vor Gott und vor der Gemeinschaft seit den Anfängen zentral. Ein altes biblisches Credo der Israeliten steht in Deuteronomium 26,5–9. Es erinnert daran, dass der „umherziehende Aramäer“ nach Ägypten kam, dass die Israeliten dort unterdrückt wurden und dass JHWH sie mit „starker Hand und ausgestrecktem Arm“ befreite und in ein Land führte, „das von Milch und Honig überfließt“.
Dieses Bekenntnis zu den befreienden Geschichtstaten Gottes wurde zum gemeinsamen Glauben Israels. Es verband die Zwölf Stämme Israels zum erwählten Volk Gottes, das nur einen Gott kannte und verehrte. Deshalb hat ein großer Teil der biblischen Geschichtsüberlieferung Bekenntnischarakter und enthält Credo-artige Texte.
Das wichtigste jüdische Glaubensbekenntnis ist das „Schma Jisrael“ („Höre, Israel“): „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein! Und Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all Deiner Kraft“ (Deuteronomium 6,4–5). Es enthält zuerst die Zusage des Bundes Gottes mit seinem Volk: „JHWH ist unser Gott!“ Danach folgt das Gebot, Gott ganz zu lieben. Das Bekenntnis antwortet damit auf das erste der Zehn Gebote: „Ich bin JHWH, Dein Gott, der Dich aus Ägypten, aus der Sklaverei geführt hat. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“ (Ex 20,2–3 und Dtn 5,6–7). Diese konzentrierte Antwort des Glaubens an den einen Gott wurde nach dem Artikel an Christentum und Islam weitergegeben.
Christliche Grundlagen im Neuen Testament
Im Christentum knüpft das Glaubensbekenntnis an das jüdische Bekenntnis an. Im Neuen Testament zitiert Jesus Christus das Schma Jisrael als sein eigenes Credo. Dabei stellt er dem Gebot der Gottesliebe das Gebot der Nächstenliebe gleichrangig zur Seite (Mk 12,29–31). Für Christen ist der Gott Israels daher ebenfalls der einzige Gott, den sie mit aller Kraft lieben sollen; zugleich gehört die Liebe zum Nächsten dazu. Bekennen, Beten und Nachfolgen gehören im christlichen wie im jüdischen Glauben zusammen.
Das urchristliche Bekenntnis erscheint als Rückblick auf Gottes rettendes Handeln und als Lobpreis. In Apostelgeschichte 2,32–36 heißt es: „Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen. […] Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“
Eines der ältesten christlichen Glaubensbekenntnisse steht bei Paulus in 1 Kor 15,3ff: „Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.“ Zentral sind hier Tod, Begräbnis, Auferweckung und Erscheinungen Christi.
Altkirchliche Bekenntnisse
Schon aus dem zweiten Jahrhundert sind Taufbekenntnisse bekannt. Taufbekenntnisse sind Glaubensformeln, die mit der Taufe verbunden sind. Aus ihnen entstanden in der westlichen Tradition das altrömische und das Apostolische Glaubensbekenntnis in lateinischer Sprache. In der östlichen Tradition entstanden verschiedene griechischsprachige Varianten. Aus diesen gingen 325 das Nizänische Glaubensbekenntnis und 381 das Nicäno-Konstantinopolitanum hervor.
Das Nicäno-Konstantinopolitanum wird von praktisch allen christlichen Traditionen als verbindliches Credo anerkannt. Das Apostolische Glaubensbekenntnis wird von praktisch allen westlichen Traditionen anerkannt. In den westlichen Kirchen ist außerdem das Athanasianische Glaubensbekenntnis weit verbreitet. In der Evangelischen Kirche im Rheinland gehört es heute neben dem Apostolicum und dem Nicaeno-Constantinopolitanum zu den drei grundlegenden Bekenntnissen.
Konfessionelle Schriften und ihre Bedeutung
Neben Bekenntnissen für den Gottesdienst gibt es Bekenntnisse einzelner Konfessionen. Sie sind oft als dogmatische Lehrsätze formuliert. Beispiele sind die Confessio Augustana und das Konkordienbuch der Evangelisch-Lutherischen Kirchen, das Zweite Helvetische Bekenntnis und der Heidelberger Katechismus der Reformierten Kirchen, das katholische Trienter Glaubensbekenntnis, Bekenntnisse der Täufer, das Dordrechter Bekenntnis der Mennoniten, der Rakauer Katechismus der Unitarier, die Barmer Theologische Erklärung der Bekennenden Kirche, die Westminster Confession puritanischer Gemeinschaften, die Rechenschaft vom Glauben des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland, das Glaubensbekenntnis der Baptisten von Johann Ludwig Hinrichs 1840 und das Neuapostolische Glaubensbekenntnis. Als römisch-katholisches Glaubensbekenntnis mit vergleichsweise niedrigem dogmatischem Anspruch nennt der Artikel das Credo des Gottesvolkes von Papst Paul VI.
Nach lutherischem Verständnis sind Glaubensbekenntnisse „Richtlinien des Glaubens“ oder norma normata. Das bedeutet: Sie sind verbindlich, aber selbst durch etwas anderes normiert, nämlich durch die Bibel als norma normans, also als „normierende Norm“. Sie können sich nur dadurch legitimieren, dass sie von der Eigenverkündigung der Bibel gedeckt sind und diese bewahren. Reformierte Bekenntnisse können ihren möglicherweise normativen Charakter dagegen auch wieder verlieren. In vielen Freikirchen gelten Bekenntnisse nicht als „Norm“, sondern als aktuell gültiger Ausdruck des Glaubens. Dann haben sie kaum Bedeutung für verbindliche Lehrentscheidungen.
Islamisches Bekenntnis
Im Islam ist die Schahāda das zentrale Glaubensbekenntnis. Sie bekennt die Einheit Gottes und das Gottesgesandtentum Mohammeds. Neben der Schahāda gibt es ausführlichere Glaubensbekenntnisse, die ʿAqīda genannt werden. Der Artikel nennt diese Begriffe, führt sie aber nicht weiter aus.