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Inka

Als Inka (Plural Inka oder Inkas) wird eine indigene urbane Kultur in Südamerika bezeichnet. Oft werden als Inka auch nur die jeweiligen herrschenden …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kultur und Reich
  2. 2. Herkunft, Aufstieg und Untergang
  3. 3. Verwaltung, Wirtschaft und Recht
  4. 4. Technik, Landwirtschaft und Medizin
  5. 5. Religion, Weltbild und religiöse Praxis

Kultur und Reich

Als Inka wird eine indigene urbane Kultur Südamerikas bezeichnet; häufig meint der Begriff auch die herrschenden Personen. Die Inka beherrschten vom 13. bis zum 16. Jahrhundert ein stark organisiertes Reich mit über 200 ethnischen Gruppen. Um 1530 umfasste das Tawantinsuyu, die Selbstbezeichnung des Reiches, rund 950.000 Quadratkilometer. Sein Einfluss reichte vom heutigen Ecuador bis nach Chile und Argentinien. Das politische, religiöse und kulturelle Zentrum war Qusqu, heute Cusco, im Hochland Perus.

Die Gesellschaft war trotz ihrer Städte und Monumentalbauten überwiegend bäuerlich. Die Herrschaft beruhte auf der Umverteilung von Tributen und Arbeitsleistungen. Dadurch konnten die Inka Menschen in unterschiedlichen Umweltzonen versorgen, Vorräte für Überschwemmungen, Dürren und andere Katastrophen anlegen und Heere ausrüsten. Geld und Steuern im europäischen Sinn gab es nicht. Stattdessen erfasste ein Beamtenstaat mit Quipus Ressourcen, Menschen, Tiere, Land, Verpflichtungen und Verteilungen.

Die Inka sprachen Quechua, runa simi, also „Sprache der Menschen“. Sie verwendeten Quipu oder Khipu, Knotenschnüre, sowie Tocapu-Muster auf Textilien. Nach neuen Erkenntnissen bestanden die Quipus möglicherweise aus zwei Schriftsystemen: einem zur zahlenmäßigen Erfassung und einem phonetisch orientierten System für Nachrichten. Die Entwicklung der Inka wird mit bronzezeitlichen Kulturen Eurasiens verglichen.

Herkunft, Aufstieg und Untergang

Der Herkunftsmythos erzählt, Manco Cápac und seine Schwester Mama Ocllo seien als Kinder der Sonne von Inti ausgesandt worden. Mit einem goldenen Stab suchten sie den Ort, an dem sie ihr Reich gründen sollten, und errichteten Cusco, den „Nabel der Welt“. Der Titicacasee mit seinen 8000 Quadratkilometern galt als heilig. Archäologische und sprachwissenschaftliche Hinweise lassen jedoch auch eine Herkunft der Inka aus dem Amazonastiefland vermuten; sicher ist diese These nicht.

Cusco wurde um 1200 gegründet und in Ober-Cusco und Unter-Cusco geteilt. Die ersten fünf Herrscher trugen den Titel Sinchi, „Kriegsherr“ beziehungsweise „stark“; später setzte sich der Titel Sapa Inka, „einziger Inka“, durch. Zunächst unterwarfen die Inka benachbarte Gruppen im Cusco-Becken. Unter Huiracocha Inca begann die eigentliche Expansion. 1438 besiegte Cusi Yupanqui, später Pachacútec genannt, die Chanca und wurde zum neunten Sapa Inka. Pachacútec gilt als eigentlicher Schöpfer des Großreichs: Er ordnete das Reich in vier suyu, baute Verwaltung, Straßen, Terrassen und Cusco als Zentrum aus und setzte Quechua als allgemeine Verkehrs- und Handelssprache durch.

Túpac Yupanqui, der 1471 als zehnter Sapa Inka die Herrschaft übernahm, erweiterte das Reich bis nach Ecuador, in das Amazonastiefland und nach Chile. Die Südgrenze wird entweder am Río Maipo oder am Río Maule vermutet; Handels- und Sozialkontakte reichten mindestens bis zum Río Bío Bío. Huayna Cápac folgte 1493 als elfter Sapa Inka. Unter ihm erreichte das Tawantinsuyu seine maximale Ausdehnung und stieß an administrative Grenzen.

Kurz vor Huayna Cápacs Tod starben sein vorgesehener Nachfolger Ninan Cuyochi und möglicherweise Huayna Cápac selbst an einer fremdartigen Seuche, vermutlich den Pocken. Zwischen den Söhnen Huáscar und Atahualpa entstand ein Bürgerkrieg. 1532 besiegte Atahualpa Huáscar und ließ große Teile der Inka-Aristokratie, der Priesterschaft und der Verwaltung verfolgen. Dadurch wurde er zwar Alleinherrscher, beschädigte aber die Autorität des Herrscherhauses schwer.

Francisco Pizarro landete im April 1532 an der peruanischen Küste. Am 15. November 1532 nahm er Atahualpa in Cajamarca durch einen Hinterhalt gefangen; seine Truppe umfasste laut Francisco de Xerez 191 Europäer sowie weitere, nicht näher bekannte Begleiter. Atahualpa bot als Lösegeld einen Raum voller Gold und Silber an. Die Spanier nahmen die Edelmetalle entgegen, ließen ihn aber nicht frei und richteten ihn am 26. Juli 1533 durch Erdrosseln hin. Am 15. November 1533 erreichte Pizarro Cusco. Manco Cápac II. organisierte 1536 einen Aufstand, zog sich nach dessen Scheitern nach Vilcabamba zurück und wurde 1544 ermordet. Der letzte Inkaherrscher Túpac Amaru wurde am 24. Juli 1572 gefangen genommen und zwei Monate später in Cusco enthauptet.

Verwaltung, Wirtschaft und Recht

Die Basiseinheit der Gesellschaft war der Ayllu, eine Sippe, Hausgemeinschaft oder territoriale Gemeinschaft, nicht die Kleinfamilie. Land, Nutztiere und Ernte gehörten den Freien kollektiv. Gegenseitige Hilfe bei der Feldarbeit hieß Ayni. Die andine Wirtschaft beruhte auf vertikaler Nutzung verschiedener Klima- und Höhenstufen: Gemeinschaften unterhielten Produktionsorte von der Pazifikküste über das Altiplano bis zu den tropischen Osthängen der Anden. Dieses System bildete einen wirtschaftlichen „Archipel“, in dem Waren und Menschen zirkulierten.

Die Mit’a war die allgemeine Arbeitspflicht zugunsten von Inti und dem Inka. Nach der Eingliederung eines Gebiets wurde die landwirtschaftliche Fläche regelmäßig neu verteilt: etwa ein Drittel diente dem Staat und dem Adel, ein Drittel dem Sonnenkult und dem Klerus, ein Drittel der kollektiven Selbstversorgung. Das Flächenmaß Tupu wurde nach Familienstand, Alter und Kinderzahl bemessen. Überschüsse lagerten in Vorratsspeichern, den qullqa. Mitma beziehungsweise Mitimae bezeichnete dagegen Umsiedlungen. Sie dienten militärischer Sicherung, politischer Kontrolle und wirtschaftlicher Nutzung. Beispielsweise wurden 30.000 bis 40.000 Chachapoyas in eine andere Klimazone umgesiedelt.

Yanacona waren erblich an den Haushalt eines Inkaherrn gebundene persönliche Gefolgsleute. Sie waren von Mit’a und Mitma ausgenommen und arbeiteten unter anderem als Hirten, Weber, Träger, Wächter oder Beamte. Camayos waren ebenfalls vom landwirtschaftlichen Frondienst befreit, jedoch lebenslang auf ein Handwerk wie Steinmetz, Töpfer, Färber oder Metallarbeiter festgelegt. Ihr Status war erblich und ermöglichte keinen sozialen Aufstieg.

Pachacútec kodifizierte die Gesetze. Richter, huchakamayuq, entschieden nach Zeugenaussagen, Vernehmungen, gelegentlicher Folter oder Gottesurteilen. Ein Einspruch war nicht möglich. Straftaten gegen den Staat und gemeinschaftliches Eigentum wurden besonders streng bestraft. Die Strafe richtete sich auch nach dem sozialen Rang des Opfers: Der Mord an einem Kuraka wurde mit Vierteilung, der Mord an einem gewöhnlichen Bauern mit Auspeitschen bestraft. Auf Ehebruch, Einbruch, Faulheit, die Beschädigung von Brücken und das Töten von Seevögeln konnte die Todesstrafe stehen. Dem Sapa Inka unterstand der Gerichtshof der Zwölf.

Bildung erhielten vor allem junge männliche Adelige in den Schulen des yachaywasi in Cusco. Unterrichtet wurden Quechua, Religion, Quipu-Schrift und Kriegskunst sowie damit verbundene Inhalte wie Poesie, Musik, Astronomie, Kalender, Mathematik, Statistik, Geschichte und Geographie. Der Kalender bestand aus einem 365 Tage umfassenden Sonnenjahr mit zwölf Monaten zu je 30 Tagen; zum Ausgleich folgten fünf beziehungsweise sechs arbeitsfreie Tage. Im Akllawasi wurden ausgewählte Mädchen in Haushaltsführung, Weben, Musik und Sonnenreligion ausgebildet.

Technik, Landwirtschaft und Medizin

Das Inka-Straßennetz war etwa 40.000 Kilometer lang. Dazu gehörten eine 4000 Kilometer lange und 8 Meter breite Küstenstraße sowie eine 5200 Kilometer lange und 6 Meter breite Andenstraße. Die 28 Meter lange Hängebrücke Q’iswachaka führte über den Río Apurímac. Chaski, also Stafettenläufer, konnten Nachrichten an einem Tag bis zu 240 Kilometer weit weiterleiten. Das Straßennetz wurde zu Fuß genutzt, da Reittiere nicht bekannt waren und das Rad im Alltag nicht verwendet wurde. Die Inka bauten fugenlose Mauern aus schweren Steinen, die häufige Erdbeben überwiegend überstanden.

Sie verwendeten Werkzeuge und Waffen aus Kupfer und Bronze; Eisen war unbekannt. Terrassen und Bewässerungskanäle erschlossen nahezu alle geeigneten Hänge. Überschüsse wurden in winddurchlüfteten Speichern gelagert; Kartoffeln wurden teilweise „gefriergetrocknet“. Angebaut wurden unter anderem 20 Maissorten und 240 Kartoffelsorten sowie Bohnen, Quinoa, Amarant, Kürbisse, Tomaten, Maniok und Paprika. Lamas und Alpakas dienten als Haustiere und Lasttiere, Meerschweinchen vor allem als Nahrung.

Die Inka führten Schädeloperationen mit Trepanations- und Schabetechnik durch. Bei manchen Schädeln sind bis zu fünf verheilte Trepanationen nachweisbar. Cocablätter linderten Hunger und Schmerzen und wurden gegen Erbrechen, Blutungen, Durchfall und Höhenkrankheit eingesetzt. Weitere Heilmittel waren unter anderem Chinin aus Chinarinde gegen Fieber, Ipecacuanha gegen Amöbenruhr, jodhaltiger Seetang gegen Kropf, Perúbalsam gegen Magengeschwüre sowie Pflanzenmittel gegen Entzündungen, Verstauchungen, Nieren-, Augen- und Gelenkerkrankungen. Wunden wurden ausgebrannt oder mit Kieferzangen von Ameisen verschlossen. Thermalbäder galten als heilsam.

Die verbreitete Vorstellung, Pflanzenextrakte hätten Felsen erweichen können, gilt in der Forschung als Folklore beziehungsweise als umstrittene Hypothese. Percy Fawcett und Hiram Bingham berichteten von der Legende; Jorge Lira experimentierte mit dem Kraut Jotcha. Albert Schatz vermutete einen rotschlammartigen Zement, Helmut Tributsch eine Silikat-Gel-Technologie. Joseph Davidovits schlug Oxalsäure aus Blättern zum Verflüssigen und Gießen von Steinen vor. Diese Erklärungen sind nicht wissenschaftlich bestätigt; die „Theorie des flüssigen Gesteins“ wurde ausdrücklich als Spekulation und „definitiv umstritten“ bezeichnet.

Religion, Weltbild und religiöse Praxis

Die Inka waren polytheistisch und verehrten zahlreiche Götter. Wiraqucha galt als Schöpfergott, Inti als Sonnengott und Pachamama als Erdgöttin. In verschiedenen Regionen wurden lokale Gottheiten und heilige Orte, Wak’a, weiter verehrt. Der Moralkodex lautete ama suwa, ama llulla, ama quella: nicht stehlen, nicht lügen, nicht faul sein. Die Inka glaubten, dass die Erde auf dem Meer ruhe und Berge Unterwelt, Erde und Himmel verbänden. Wasserfälle, Bäche und Flüsse galten als Adern oder Milch der Pachamama.

Der Sonnenkult war der offizielle Reichskult und legitimierte die Herrschaftselite. Sein wichtigstes Heiligtum war die Coricancha, der „Goldhof“, in Cusco. Dort wurden neben Inti auch Mama Killa, der Mond, Illapa, der Gott von Blitz und Donner, Venus, Sterne, Wettergötter und der Regenbogen K’uychi verehrt. Gold galt als „Schweißperlen der Sonne“, Silber als „Tränen des Mondes“. Das zentrale Heiligtum war mit Gold und Silber ausgestattet und durfte nur von Inka betreten werden. Das wichtigste Fest, Inti Raymi, fand am 23. Juni zur Wintersonnenwende der Südhalbkugel statt.

Neben Inti verehrten die Inka auch Viracocha beziehungsweise Wiraqucha, der in unterschiedlichen Regionen auch Pachakamaq genannt wurde. Einige Berichte stellen ihn als höchsten oder eigentlichen Gott dar, während der Sonnenkult eine „Schaufenstergottheit“ der politischen Elite gewesen sei. Diese Deutung und der Vergleich indigener Vorstellungen mit jüdisch-christlichen oder griechisch-römischen Religionen sind jedoch mit Vorsicht zu betrachten, weil die Mythen erst nach der spanischen Eroberung schriftlich aufgezeichnet wurden. Die Überlieferungen können von Missionaren, europäischen Deutungsmustern und späterem Synkretismus beeinflusst sein.

Das Ceque-System verband die Wak’a von Cusco mit Geographie, Kalender, Astronomie, Wirtschaft und sozialer Ordnung. Nach verschiedenen Berichten gab es im Raum Cusco 350 oder mehr als 500 Wak’a. Von der Coricancha aus führten imaginäre Linien durch die Stadt; drei Viertel wurden von jeweils neun, ein viertes von vierzehn Linien berührt. Jedem der 328 Kalendertage des Inkajahres war eine Wak’a zugeordnet. Intiwatana-Steine dienten vermutlich zur Beobachtung von Schatten, Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen. Die Inka deuteten Sternbilder unter anderem als Lama, Jaguar oder Mütter und beobachteten die Konjunktionen von Jupiter und Saturn, die alle 20 Jahre stattfinden.

Der oberste Priester von Cusco hieß Willaq Umu. Er durfte nicht heiraten, lebte asketisch und leitete die Tempel sowie die Krönung und Trauung des Herrschers. Zehn Hatun Willaq unterstützten ihn. Ausgewählte Frauen, aklla, wurden bereits mit fünf Jahren ausgewählt, später im zehnten und dreizehnten Lebensjahr erneut geprüft und zu Weberinnen, Musikerinnen und Dienerinnen des Sonnenkults ausgebildet. Wahrsagung diente der Diagnose von Krankheiten, der Vorhersage von Schlachten, der Auswahl von Opfern und der Bestrafung von Verbrechen. Gedeutet wurden unter anderem Spinnenbewegungen, Kokablätter, Maiskörner und die Innereien geopferter Tiere; auch Ayahuasca wurde verwendet.

Zu den Opfergaben gehörten Chicha, Maisschoten, Spondylusmuscheln und Koka. Das häufigste Tieropfer war ein Lama. Menschenopfer wurden besonders in Dürreperioden, bei Seuchen oder bei Erkrankungen des Herrschers dargebracht. Beim Tod Huayna Cápacs wurden bis zu 4.000 Diener, Hofbeamte, Günstlinge und Konkubinen getötet. Kinderopfer hießen qhapaq hucha; bevorzugt wurden gesunde Kinder von etwa zehn Jahren. Zum Qhapaqhucha-Fest, das alle vier Jahre stattfand, zogen 8- bis 12-jährige Kinder mit ihren Eltern nach Cusco; ein Teil der Kinder wurde rituell erschlagen oder erwürgt. Im Laufe der Geschichte wurden Menschenopfer teilweise durch Koka, Chicha, Federn, Meerschweinchen, besondere Gewänder und weiße Lamas ersetzt.

Die Herrscher wurden mumifiziert, in sitzender Haltung in der Coricancha aufgestellt und bei Festen wie Lebende mit Speise und Getränken versorgt. Ihre Mumien galten zugleich als Ahnen, Fruchtbarkeitssymbole und Legitimation der Herrschaft. Einfachere Verstorbene wurden in Felshöhlen, Nischen oder Grabkammern bestattet, häufig mit persönlichen Gegenständen und Grabbeigaben. Der Totenkult umfasste außerdem Totenwachen, Speise- und Chicha-Gaben, abgeschnittenes Haar sowie Klagegesänge.

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