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Chile
Chile erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung zwischen den Breitengraden 17° 30′ S und 56° 0′ S. Somit beträgt die Nord-Süd-Ausdehnung rund 4200 Kilometer. In west- …
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Überblick und Lage
Chile, amtlich República de Chile, ist ein Staat im Südwesten Südamerikas. Er bildet den westlichen Rand des Südkegels und wird wegen seiner Form oft als „langgestrecktes Land“ bezeichnet: Auf dem Kontinent reicht Chile rund 4200 Kilometer von Norden nach Süden, ist aber im Durchschnitt weniger als 200 Kilometer breit. Die Fläche beträgt 756.102 km², die Hauptstadt ist Santiago de Chile, Amtssprache ist Spanisch, die Währung der Chilenische Peso. 2020 wurde die Einwohnerzahl auf 19,1 Millionen geschätzt; 2022 hatte Chile 19,6 Millionen Einwohner.
Chile grenzt im Westen und Süden an den Pazifischen Ozean, im Norden an Peru, im Nordosten an Bolivien und im Osten an Argentinien. Die Landgrenzen sind insgesamt 6329 Kilometer lang. Zum Staatsgebiet gehören auch Inseln im Pazifik, darunter die Osterinsel (Rapa Nui), Salas y Gómez, die Juan-Fernández-Inseln und die Desventuradas-Inseln. Im Süden gehören weitere Inselgruppen dazu; außerdem beansprucht Chile einen Teil der Antarktis. Über die Magellanstraße hat Chile Zugang zum Atlantischen Ozean.
Der moderne Staat Chile gilt im südamerikanischen Vergleich als wirtschaftlich und sozial stabil und wohlhabend. Er ist seit 2010 Mitglied der OECD und Gründungsmitglied unter anderem der Vereinten Nationen, der UNASUR, der CELAC und der Pazifik-Allianz. Gleichzeitig ist Chile durch die globale Erwärmung stark gefährdet: Seit Anfang der 1990er Jahre hat das Land mindestens 37 % seiner Wasserressourcen verloren. Wasser ist in Chile kein öffentliches Gut; Wasserquellen können privat gekauft werden.
Naturraum und Klima
Chile liegt an der Grenze mehrerer Lithosphärenplatten, also großer Platten der Erdkruste. Die Nazca-Platte und weiter südlich die Antarktische Platte tauchen unter die Südamerikanische Platte ab. Diese Subduktion erklärt den starken Vulkanismus und die häufigen Erdbeben. Das Erdbeben von Valdivia 1960 war das weltweit stärkste jemals aufgezeichnete Beben; es verursachte auch im gesamten Pazifikraum Tsunamischäden. Am 27. Februar 2010 erschütterte ein Beben der Stärke 8,8 Mw den Süden Chiles und beschädigte große Teile der Infrastruktur.
Das Relief besteht stark vereinfacht aus den Anden im Osten, der niedrigeren Küstenkordillere im Westen und dazwischen dem Zentraltal, in dem ein großer Teil der Bevölkerung, der Landwirtschaft und des Weinbaus liegt. Im Norden fehlt ein ausgeprägtes Zentraltal; dort steigt das Land von der Küste zu Hochflächen und zu den Anden an. Die chilenischen Anden gehören zu den höchsten Gebirgszügen der Welt. Der höchste Berg Chiles ist der Ojos del Salado mit 6893 m, zugleich der höchste Vulkan der Erde. Im Süden prägen Gletscher, Fjorde und Inseln die Landschaft.
Wegen der langen Nord-Süd-Ausdehnung und großer Höhenunterschiede besitzt Chile viele Klima- und Vegetationszonen. Nordchile mit der Atacama-Wüste gehört zu den trockensten Gebieten der Erde; jahrelang kann dort kein Regen fallen. Mittelchile hat ein Mittelmeerklima, ist fruchtbar und dicht besiedelt. Südchile ist sehr niederschlagsreich und dünn besiedelt; dort liegen Inseln, Fjorde, Patagonien, Feuerland und Kap Hoorn. Der kalte Humboldtstrom beeinflusst das Klima stark. Der El-Niño-Effekt führt etwa alle sieben Jahre zu erhöhten Niederschlägen.
Auch Flora und Fauna sind sehr unterschiedlich. In der Atacama wachsen vor allem Kakteen, Sukkulenten und Zwergsträucher; nach Regenfällen kann die „blühende Atacamawüste“ entstehen. In Mittel- und Südchile gibt es gemäßigte Regenwälder, darunter den Valdivianischen und den Magellanischen Regenwald. Wichtige Arten sind die Chilenische Araukarie, die Honigpalme und die rote Chilenische Wachsglocke, die Nationalblume. Zur Tierwelt gehören Guanakos, Vikunjas, Huemul, Puma, Chinchilla, Humboldt-Pinguine, Magellanpinguine, Mähnenrobben, Flamingos und der Andenkondor.
Bevölkerung und Gesellschaft
Chile hatte 2022 19,6 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum lag bei +0,6 %. Die Geburtenziffer betrug 11,8 pro 1000 Einwohner, die Sterbeziffer 7,2 pro 1000 Einwohner. Die statistische Kinderzahl lag 2022 bei 1,5 Geburten pro Frau. Der Median des Alters betrug 2021 34,9 Jahre. 2023 waren 18,2 % der Bevölkerung unter 15 Jahre alt, 13,5 % über 64 Jahre. Die Lebenserwartung lag 2022 bei 79,5 Jahren, bei Frauen 81,9 und bei Männern 77,2 Jahren.
Die Bevölkerung ist sehr ungleich verteilt. Etwa die Hälfte der Chilenen lebt im Großraum Región Metropolitana de Santiago; die Stadt Santiago selbst hat etwa 5,5 Millionen Einwohner. Weitere wichtige Ballungsräume sind Gran Concepción, Gran Valparaíso, Gran La Serena und Antofagasta. Die Atacama-Wüste im Norden und die rauen südlichen Gebiete sind wegen der klimatischen Bedingungen dünn besiedelt. 2002 lebten 86,59 % der Bevölkerung in Städten und 13,41 % auf dem Land.
Die Chilenen mit europäischen Vorfahren und Mestizen bilden rund 88,92 % der Bevölkerung; 11,08 % gehören indigenen Gruppen an. Von ihnen sind 82 % Mapuche, 6 % Aymara, 2,5 % Diaguita und 0,5 % Rapanui. Die Mapuche leben vor allem zwischen den Flüssen Bío-Bío und Toltén. Ihre Sprache Mapudungun wird als Ergänzungsfach in Schulen unterrichtet und in lokalen Medien verwendet. Dennoch ist ihre traditionelle Lebensweise durch Landverlust und die Wirtschaftsordnung gefährdet. Weitere indigene Gruppen leben vor allem im Norden und auf der Osterinsel.
Die Amtssprache und wichtigste Alltagssprache ist Spanisch, in Chile meist Castellano genannt. Daneben gibt es indigene Sprachen wie Mapudungun, Aymara und Rapanui. Deutsch wird von Teilen der deutschchilenischen Bevölkerung gesprochen und gilt nach Spanisch und Mapudungun als drittverbreitetste Sprache des Landes. Religiös war Chile lange katholisch geprägt, obwohl Staat und Kirche seit 1925 getrennt sind. Laut Volkszählung 2017 bezeichneten sich 59 % als katholisch; neuere Umfragen zeigen zugleich eine starke Säkularisierung. Bildung ist zwölf Jahre schulpflichtig; die Alphabetisierung liegt bei 97,3 %. In PISA 2015 lag Chile innerhalb Lateinamerikas auf einem der besseren Plätze, aber unter dem OECD-Durchschnitt.
Geschichte
Die ersten Menschen siedelten etwa 13.000 Jahre v. Chr. im heutigen Chile. Der Norden gehörte zeitweise zum Inkareich. 1520 erreichte Ferdinand Magellan die Magellanstraße. 1535 kam Diego de Almagro von Peru aus nach Chile, fand aber nicht die erhofften Reichtümer. 1541 gründete Pedro de Valdivia Santiago als erste dauerhafte europäische Siedlung. Seit 1542 gehörte Chile zum spanischen Vizekönigreich Peru, später zum Generalkapitanat Chile.
Ein zentraler Konflikt der Kolonialzeit war der Arauco-Krieg zwischen Spaniern und Mapuche. Ab 1602 bildete der Fluss Bío-Bío faktisch die Grenze zum Mapuchegebiet. Im Vertrag von Quillín 1641 erkannten die Spanier eine unabhängige Mapuche-Nation und den Bío-Bío als Grenze an. Erst im Rahmen der ab 1861 betriebenen „Befriedung Araukaniens“ wurden die Mapuche gewaltsam unterworfen und 1883 an Chile angegliedert.
Der Unabhängigkeitsprozess begann am 18. September 1810 mit einer Junta. Nach wechselnden militärischen Erfolgen brach die spanische Kolonialherrschaft in der Schlacht von Maipú 1818 endgültig zusammen. Bernardo O’Higgins wurde eine zentrale Figur der frühen Republik. 1833 entstand eine stark präsidiale und zentralistische Verfassung, die bis zum Bürgerkrieg von 1891 Stabilität brachte. Im Salpeterkrieg von 1879 bis 1884 besetzte Chile die Atacamawüste, Lima und Teile der peruanischen Pazifikküste. Bolivien verlor 1904 seinen freien Zugang zum Pazifik; dieser Konflikt belastet die Beziehungen bis heute.
Im 20. Jahrhundert blieb Chile im Ersten Weltkrieg neutral und trat im Zweiten Weltkrieg erst 1945 gegen Japan in den Krieg ein. 1970 wurde Salvador Allende als Kandidat der Unidad Popular Präsident. Er verstaatlichte wichtige Wirtschaftsbereiche wie Banken, Landwirtschaft, Kupferminen, Industrie und Kommunikation. Die USA und Teile der Opposition bekämpften seine Regierung. Am 11. September 1973 putschte das Militär; Allende beging in der Moneda Selbstmord. General Augusto Pinochet übernahm die Macht. Während der Diktatur wurden Oppositionelle verfolgt, gefoltert, getötet oder ins Exil getrieben; zugleich wurden marktwirtschaftliche Reformen durchgeführt.
1988 stimmte eine Mehrheit von 54 % bei rund 90 % Beteiligung gegen eine weitere Amtszeit Pinochets. 1989 folgten freie Wahlen, 1990 begann mit Patricio Aylwin die Redemokratisierung. Eine Wahrheits- und Versöhnungskommission untersuchte politische Morde und das Verschwindenlassen von Menschen. Später regierten unter anderem Eduardo Frei Ruiz-Tagle, Ricardo Lagos, Michelle Bachelet, Sebastián Piñera und Gabriel Boric. Nach Protesten gegen soziale Ungleichheit ab 2019 stimmten 2020 78 % für eine neue Verfassung; der 388 Artikel umfassende Entwurf wurde aber am 4. September 2022 mit 62 % abgelehnt. Laut Artikel wurde José Antonio Kast bei der Präsidentschaftswahl 2025 gewählt und trat sein Amt am 11. März 2026 an.
Staat und Wirtschaft
Chile ist eine präsidentielle Republik. Die Verfassung stammt von 1980 aus der Zeit der Diktatur Augusto Pinochets und wurde am 16. August 2005 geändert. Der Präsident ist zugleich Staatsoberhaupt und Regierungschef, wird für vier Jahre gewählt und kann mehrere Amtszeiten haben, aber nicht direkt hintereinander. Er ernennt Minister, Subsekretäre, regionale und provinziale Amtsträger und kann im verfassungsrechtlichen Rahmen Dekrete mit Gesetzeskraft erlassen.
Das Parlament heißt Congreso Nacional und besteht aus Abgeordnetenkammer und Senat. Die Abgeordnetenkammer besteht aus 120 direkt gewählten Abgeordneten. Der Senat umfasst 43 Mitglieder; seit der Reform von 2005 werden alle Senatoren direkt gewählt. Die Judikative wird vom Obersten Gerichtshof mit 21 Richtern angeführt. Eine Justizreform trennte die Aufgaben von Staatsanwalt und Richter; Verfahren werden öffentlich und mündlich geführt. Chile gilt in politischen Indizes als stabil und frei, der Demokratieindex 2024 bewertet es mit 7,83 von 10 als „unvollständige Demokratie“.
Die Wirtschaft wurde unter Pinochet nach wirtschaftsliberalen Grundsätzen umgebaut. Viele Staatsunternehmen wurden privatisiert; die Kupferminen blieben jedoch in Staatsbesitz. Chile gilt als eine der führenden Wirtschaftsnationen Lateinamerikas, weist aber große soziale Ungleichgewichte auf. 2024 betrug das nominale BIP 330 Milliarden US-Dollar, das BIP nach Kaufkraftparität 679 Milliarden US-Dollar. Das BIP pro Einwohner lag nominal bei 16.439 US-Dollar und nach Kaufkraftparität bei 33.805 US-Dollar. Der HDI betrug 2023 0,878.
Die wichtigsten Wirtschaftsbereiche sind Dienstleistungen, Produktion und Landwirtschaft. 2001 entfielen 57 % der Wertschöpfung auf Dienstleistungen, 34 % auf den Produktionssektor und 9 % auf Landwirtschaft. Chile besitzt etwa 40 % der bekannten weltweiten Kupfervorkommen. Wichtige Kupferminen sind Chuquicamata, El Teniente und Escondida. Chile ist außerdem der größte Lithium-Produzent der Welt; 2023 kündigte die Regierung an, den Lithiumabbau zu vergrößern. Weitere wichtige Bereiche sind Forstwirtschaft, Fischerei, Landwirtschaft und Weinbau.
Der Außenhandel ist besonders wichtig. 2004 entsprach der Exportanteil 34 % des Bruttosozialprodukts. Neben Kupfer exportiert Chile Forst- und Holzprodukte, frische Früchte, Wein, Nahrungsmittel, Lachs, Fischmehl und Meeresfrüchte. Die Volksrepublik China ist der wichtigste Exportmarkt und auch wichtigster Lieferant. Chile schloss zahlreiche Freihandelsabkommen, unter anderem mit den USA, der EU, Südkorea, China, Japan sowie im Rahmen des P4 Agreement mit Brunei, Neuseeland und Singapur. Dadurch gilt die chilenische Volkswirtschaft als sehr offen.
Infrastruktur und Kultur
Der Straßenverkehr ist der wichtigste Verkehrsträger. Die zentrale Nord-Süd-Achse ist die etwa 3000 Kilometer lange Ruta 5, ein Teil der Panamericana, die von Arica bis nach Quellón verläuft. Im Süden ist die Carretera Austral ein wichtiges Straßenbauprojekt, das die abgelegenen Regionen besser verbinden soll, aber bis heute keine durchgehende Verbindung zwischen Puerto Montt und Feuerland bietet. Fernbusse sind das wichtigste öffentliche Verkehrsmittel für Reisen zwischen Städten und Regionen; sie verkehren in verschiedenen Komfortklassen bis zu Liegebussen für Nachtfahrten.
Die Eisenbahn spielte historisch eine wichtige Rolle, ist aber im Personenverkehr stark zurückgegangen. Südlich von Santiago gibt es ein 3743 Kilometer langes Breitspurnetz, nördlich ein 2923 Kilometer langes Meterspurnetz. In Santiago existiert die Metro de Santiago, deren erste Strecke 1975 eröffnet wurde und die Anfang 2019 mehr als 140 km Länge und 136 Stationen erreichte. Wichtige Häfen sind unter anderem Valparaíso, San Antonio, Talcahuano, Puerto Montt und Punta Arenas. Wegen der langen Entfernungen ist auch der Flugverkehr wichtig; größter Flughafen ist der Comodoro Arturo Merino Benítez Airport in Santiago.
Kulturell gibt es starke Unterschiede zwischen Stadt und Land. Auf dem Land sind Folklore, der Nationaltanz Cueca, Huasos, Web- und Töpferarbeiten sowie Schnitzereien wichtig. Die Stadtkultur ist stärker kosmopolitisch. Die Küche zeigt spanische, indigene und auch deutsche Einflüsse. Typische Gerichte sind Empanadas, Cazuela, Humitas, Pebre und der Completo, eine chilenische Hotdog-Variante. Chile ist außerdem ein bedeutender Weinexporteur; verbreitete Rebsorten sind Merlot, Cabernet Sauvignon und die in Chile besonders wichtige Carménère.
In der Literatur sind unter anderem Gabriela Mistral, Nobelpreisträgerin von 1945, Pablo Neruda, Nobelpreisträger von 1971, Isabel Allende, Roberto Bolaño, Antonio Skármeta und Luis Sepúlveda bedeutend. In der Musik prägten Violeta Parra und Víctor Jara die gesellschaftskritische „Nueva canción Chilena“. Der moderne chilenische Film behandelt häufig die Militärdiktatur von 1973 bis 1989. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen die Atacama-Wüste, die Anden, die Osterinsel, Patagonien, Feuerland und zahlreiche Nationalparks wie Torres del Paine, Lauca, Bernardo O’Higgins und Rapa Nui. Die UNESCO erklärte bisher sieben Stätten in Chile zum Weltkulturerbe, darunter den Nationalpark Rapa Nui, die Holzkirchen von Chiloé, das historische Viertel von Valparaíso und die Humberstone- und Santa-Laura-Salpeterwerke.