Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Südamerika
Südamerika ist der südliche Teil des amerikanischen Doppelkontinentes, hat eine Bevölkerungszahl von über 441 Millionen Menschen und ist mit einer Fläche …
Inhalt6 Abschnitte
Überblick und Lage
Südamerika ist der südliche Teil des amerikanischen Doppelkontinents. Mit 17.843.000 km² ist es die viertgrößte kontinentale Landfläche der Erde. Auf dem Kontinent leben über 441 Millionen Menschen; die Bevölkerungsdichte liegt bei etwa 25 Einwohnern pro km². Es gibt 13 Länder, und die Zeitzonen reichen von UTC−6 in Ecuador bis UTC−2 in Brasilien.
Südamerika wird im Osten vom Atlantischen Ozean und im Westen vom Pazifischen Ozean begrenzt. Im Norden ist es über die Landenge von Panama mit Nordamerika verbunden. Im Süden trennt die Drakestraße bei Feuerland Südamerika von der Antarktika. Etwas südlich von Feuerland liegt Kap Hoorn, wo Atlantik und Pazifik aufeinandertreffen.
Naturräume, Geologie und Klima
Der Kontinent lässt sich in drei große Naturräume gliedern: die Anden im Westen, drei große Flussebenen östlich der Anden und drei Bergländer östlich der Anden. Die Anden sind die längste überseeische Gebirgskette der Erde und ziehen sich über 7500 km von Venezuela bis zur Südspitze Patagoniens. Der höchste Berg Südamerikas und zugleich der höchste Berg außerhalb Asiens ist der Aconcagua mit 6961 m an der Grenze zwischen Argentinien und Chile. Der tiefste Punkt ist die Laguna del Carbón in Patagonien mit 105 m unter dem Meeresspiegel.
Die wichtigste Flussebene ist das Amazonasbecken, eine äquatoriale Regenwald-Tiefebene. Der Amazonas fließt aus den Anden nach Osten, ist etwa 6448 km lang und der wasserreichste Fluss der Erde. Weitere große Ebenen sind die Orinoco-Ebene im Norden und das Gebiet des Río Paraguay und Río Paraná im Süden. Zu den Bergländern zählen das Bergland von Guayana, das Brasilianische Bergland und das Ostpatagonische Bergland.
Geologisch ist die pazifische Seite durch einen aktiven Kontinentalrand mit Subduktionszone geprägt. Das bedeutet, dass Erdplatten dort gegeneinander verschoben werden; deshalb treten in den Anden Vulkanismus und Erdbeben auf. Die atlantische Seite ist plattentektonisch passiv. Südamerika war früher Teil des Urkontinents Gondwana; Hinweise darauf sind unter anderem die Passform zu Afrika und ähnliche geologische Spuren.
Das Klima ist sehr vielfältig. Wichtige Einflüsse sind der kalte Humboldtstrom an der Westküste, die innertropische Konvergenzzone, Passatwinde, tropische Wirbelstürme und außertropische Zyklonen. Der Humboldtstrom begünstigt Küstenwüsten in Peru und Nordchile, weil kalte Luft eine stabile Hochdrucklage ohne Niederschlag erzeugt. Im Amazonasgebiet führen tropische Luftmassen zu starken Niederschlägen. In den Anden werden fünf Höhenstufen unterschieden: Tierra Caliente bis 1000 m, Tierra Templada bis 2000 m, Tierra Fria bis 3500 m, Tierra Helada bis 4500 m und Tierra Glacial bis 6000 m. El Niño ist ein wichtiges Klimaphänomen an der Westküste: Warmwasser sammelt sich vor Südamerika, die normale Hochdrucklage bricht zusammen, und es kann zu Starkniederschlägen kommen.
Natur und Artenvielfalt
Südamerika gehört zoogeographisch zur Neotropischen Region, zu der auch Mittelamerika und Westindien zählen. Der Kontinent war während eines großen Teils der Erdneuzeit von anderen Kontinenten isoliert. Dadurch entstanden besondere Säugetiergruppen, die bis heute typisch sind, etwa Gürteltiere, Ameisenbären, Faultiere und verschiedene Beuteltiere. Neuweltaffen und Meerschweinchenverwandte gelangten vermutlich früh von Afrika aus auf den Kontinent.
Vor etwa 3 Millionen Jahren kam es zum großen Amerikanischen Faunenaustausch: Viele Tiergruppen wanderten aus Nordamerika ein, darunter Hirsche, Kamele, Nabelschweine, Tapire, Hasen, Raubtiere, Spitzmäuse, Neuweltmäuse und Hörnchen. Andere Gruppen wie Pferde und Rüsseltiere verschwanden am Ende des Pleistozäns wieder. Auch viele große Tiere wie Riesenfaultiere, Glyptodonten, Toxodonten, Macrauchenia und die Säbelzahnkatze Smilodon starben aus. Heute sind Jaguar und Brillenbär die größten Landraubtiere; aus der Vogelwelt sind besonders Kolibris bekannt.
Das Amazonasbecken besitzt eine außergewöhnlich reiche Pflanzenwelt. Wissenschaftler errechneten für Amazonien etwa 16.000 Baumarten, wobei die Hälfte aller Einzelbäume nur zu 227 Arten gehört. Brasilien gilt als das artenreichste Land der Erde. Bislang wurden dort unter anderem rund 55.000 Blütenpflanzenarten, über 3000 Süßwasserfischarten, 921 Amphibienarten, 749 Reptilienarten und 51 Primatenarten entdeckt. Gleichzeitig sind Lebensräume bedroht: Der atlantische Küstenregenwald ist bereits zu mehr als 90 % zerstört, unter anderem durch Landwirtschaft.
Geschichte und Bevölkerung
Nach herrschender Meinung wurde Nordamerika um etwa 15.000 v. Chr. über die Beringstraße von asiatischen Stämmen besiedelt. In Südamerika finden sich erste menschliche Spuren zwischen 20.000 und 10.000 v. Chr. Als älteste amerikanische Kultur gilt die Valdivia-Kultur in Ecuador im 4. Jahrtausend v. Chr. Später entstanden Kulturen wie Chavín de Huántar, Tiahuanaco, Paracas, Nazca, Moche, Chimú und Chachapoya. Die Inka herrschten etwa von 1200 bis 1532 über große Teile des Kontinents mit Zentrum im heutigen Peru.
1494 wurde Südamerika im Vertrag von Tordesillas zwischen Spanien und Portugal aufgeteilt: Der östliche Teil, das heutige Brasilien, fiel an Portugal, der Rest größtenteils an Spanien. Im 15. und 16. Jahrhundert brachten Missionare das Christentum nach Südamerika. 1543 entstanden die Vizekönigreiche Neuspanien und Peru, später Neugranada und Río de la Plata. Die Unabhängigkeitsbewegungen führten im 19. Jahrhundert zur Loslösung von Spanien und Portugal: Argentinien wurde 1816 unabhängig, Chile 1817/1818, Kolumbien nach der Schlacht von Boyacá 1819 und Ecuador nach der Schlacht am Pichincha 1822. Die Entscheidungsschlacht bei Ayacucho am 9. Dezember 1824 beendete die spanische politische Macht in Südamerika. Brasilien erklärte 1822 unter Pedro die Unabhängigkeit und wurde Monarchie.
Die Bevölkerung Südamerikas ist stark durch Vermischung geprägt. Neben indigenen Bewohnern kamen vor allem europäische Zuwanderer und aus Afrika verschleppte Sklaven hinzu. Deshalb sind Mestizo, Mulatten und Zambos wichtige Bevölkerungsgruppen. In Brasilien bilden Afrolateinamerikaner einen größeren Anteil. Indigene Bevölkerungsgruppen leben besonders im Andenhochland und im Amazonasgebiet; in Ecuador, Perú und Bolivien stellen sie einen wesentlichen Anteil.
Die wichtigsten Sprachen gehen auf die Kolonialgeschichte zurück. In Brasilien wird Portugiesisch gesprochen, in fast allen anderen Staaten Spanisch. Niederländisch ist Amtssprache in Suriname sowie auf Aruba, Bonaire und Curaçao; Englisch wird in Guyana und Trinidad und Tobago gesprochen, Französisch in Französisch-Guayana. Indigene Sprachen spielen besonders in Bolivien, Peru, Ecuador, Paraguay, Kolumbien und Chile eine Rolle. In Bolivien sind seit 2009 alle indigenen Sprachen neben Spanisch als Amtssprachen anerkannt. Die Mehrheit der Bevölkerung gehört dem römisch-katholischen Glauben an, doch seit etwa 1960 nahm der Anteil der Katholiken ab, während Freikirchen und religiöse Sondergemeinschaften wuchsen. Die Sklaverei wurde in Brasilien erst 1888 abgeschafft; Formen sozialer Abhängigkeit in Haciendas bestanden bis weit ins 20. Jahrhundert.
Wirtschaft und Verkehr
Südamerika besitzt bedeutende Rohstoffe. Schon in vorkolonialen Kulturen spielte Bergbau eine große Rolle, und die Suche nach Gold und Silber war ein wichtiger Grund für die Konquista. Besonders die Anden sind reich an metallischen Bodenschätzen. Dort liegen große Kupfer-, Zinn-, Gold- und Silberlagerstätten. Chile war 2006 mit großem Abstand das wichtigste kupfererzfördernde Land. Unter den fünf größten Zinnförderländern lagen drei in Südamerika: Peru, Bolivien und Brasilien. In Salzseen wie dem Salar de Atacama in Chile und dem Salar de Uyuni in Bolivien befinden sich große Vorkommen an Lithiumsalzen. Auch Erdöl ist wichtig, besonders im Orinoco-Delta; Venezuela zählt zu den weltweit größten Förderländern.
Die Ausbeutung von Rohstoffen ist eine wichtige Devisenquelle, verursacht aber Konflikte mit indigener Bevölkerung und Umweltprobleme. Besonders Erdölförderung kann durch Waldrodung, Straßenbau sowie Boden- und Gewässerkontamination das ökologische Gleichgewicht im Amazonastiefland zerstören.
Die Landwirtschaft ist bis heute von kolonialen Strukturen geprägt. Landbesitz liegt häufig entweder bei Großgrundbesitzern oder bei Kleinbauern, die Subsistenzwirtschaft betreiben, also vor allem für den eigenen Bedarf produzieren. Aus der Kolonialzeit stammen Systeme wie Encomienda und Repartimiento, in denen indigene Arbeitskräfte stark ausgebeutet wurden. Später entstanden Haciendas beziehungsweise Fazendas; für große Landgüter ist der Begriff Latifundien gebräuchlich. Landreformen wurden in mehreren Ländern angestrebt, aber laut Artikel bisher vor allem in Venezuela und Peru einigermaßen wirksam umgesetzt.
Die wirtschaftliche Zusammenarbeit erfolgt in verschiedenen Organisationen, etwa der Andengemeinschaft von 1969, dem Mercosur von 1991, ALBA, dem Amazonaspakt beziehungsweise OCTA von 1978 und der Union Südamerikanischer Nationen UNASUR von 2004. Bolivien ist als geografisch zentrales Land mit Anteil an Amazonas- und Andenregion das einzige Land, das in allen genannten Organisationen Vollmitglied ist.
Der Verkehr ist durch die großen Entfernungen, die Anden und das Amazonasgebiet erschwert. Weil viele Menschen an den Küsten leben, liegen dort die wichtigsten Verkehrsverbindungen. Flugverkehr ist in großen Staaten wie Brasilien oft die einzige Verbindung zu entlegenen Landesteilen. Schifffahrt ist an den Küsten und auf Flüssen wie Amazonas, Rio de la Plata und Orinoco wichtig. Ein zusammenhängendes Straßennetz fehlt; die Panamericana durchquert den Kontinent von Nord nach Süd. Fernbusse sind trotz langer Fahrzeiten sehr wichtig, weil sie meist günstiger sind als Flugtickets. Auch ein zusammenhängendes Schienennetz besteht nicht; Schienenverkehr spielt im Personenverkehr meist nur eine untergeordnete Rolle, ist aber im Güterverkehr wichtiger. Unterschiedliche Spurweiten erschweren eine Vereinheitlichung.
Politische Gliederung
Südamerika wird geopolitisch in mehrere Räume eingeteilt. Zu den Andenländern zählen Kolumbien, Peru, Ecuador, Bolivien und Chile. Sie teilen bestimmte ethnische, sprachliche und kulturelle Gemeinsamkeiten, darunter Quechua und die Adobe-Bauweise. Die Amazonasbecken-Staaten umfassen Gebiete in Brasilien, Französisch-Guayana, Suriname, Guyana, Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien; Brasilien wird wegen seiner Größe oft als eigene Einheit gesehen.
Die La-Plata-Staaten sind eng gefasst Argentinien und Uruguay, da beide am Río de la Plata liegen. Über den Río Paraguay und seine Zuflüsse gehören auch Paraguay und Bolivien zum Einzugsgebiet. Als Cono Sur, also Südkegel, gelten Argentinien, Chile und Uruguay, bedingt auch Paraguay. Venezuela, Guyana, Suriname und Französisch-Guayana werden wegen Kolonialgeschichte sowie Wirtschafts- und Verkehrsbeziehungen oft mit der Karibik verbunden. Trinidad und Tobago wird traditionell zu den Karibischen Inseln und damit zu Mittelamerika gerechnet, liegt mit Trinidad aber auf dem südamerikanischen Festlandssockel. Aruba, Bonaire und Curaçao gelten kulturgeografisch ebenfalls oft als Teil Mittelamerikas.
Zu den Staaten und abhängigen Gebieten Südamerikas gehören unter anderem Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Ecuador, Guyana, Kolumbien, Paraguay, Peru, Suriname, Uruguay und Venezuela sowie Gebiete wie Französisch-Guayana, die Falklandinseln und Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln. Die Falklandinseln sowie Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln werden von Argentinien beansprucht. Brasilien ist mit 8.514.215 km² und 193.252.604 Einwohnern in der Tabelle der größte Staat und macht 47,8 % der Fläche sowie 49,2 % der Bevölkerung aus.