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Ecuador

Geographie. Bearbeiten. → Hauptartikel: Geographie Ecuadors. Ecuador liegt im Nordwesten von Südamerika und ist geographisch, topographisch, klimatisch und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Staatsgebiet
  2. 2. Naturräume, Klima und Naturgefahren
  3. 3. Bevölkerung, Sprachen und Gesellschaft
  4. 4. Geschichte, Politik und Sicherheit
  5. 5. Wirtschaft, Umwelt und Infrastruktur
  6. 6. Kultur, Medien, Sport und Tourismus

Überblick und Staatsgebiet

Ecuador ist eine präsidentielle Republik im Nordwesten Südamerikas zwischen Kolumbien, Peru und dem Pazifischen Ozean. Das Land hat etwa 18,0 Millionen Einwohner (2022), Quito als Hauptstadt und Guayaquil als größte Stadt. Amtssprache ist Spanisch; Kichwa und Shuar sind für „interkulturelle Beziehungen“ anerkannt. Die Währung ist seit 2000 der US-Dollar. Ecuador ist nach dem Äquator benannt, der durch den nördlichen Teil des Staatsgebiets verläuft. Zum Staat gehören auch die Galápagos-Inseln, die 928 km bis 1272 km westlich der Küste im Pazifik liegen.

Die Fläche wird in der Infobox mit 256.370 km² angegeben, im Geographie-Abschnitt mit 283.561 km². Das Land grenzt 590 km an Kolumbien und 1420 km an Peru; die Gesamtlänge der Landesgrenzen beträgt 2010 km. Ecuador ist geographisch, topographisch, klimatisch und ethnisch sehr vielfältig. Es wird in vier Großräume gegliedert: die Costa an der Pazifikküste, die Sierra im Andenhochland, den Oriente im Amazonasgebiet und die Galápagos-Inseln.

Naturräume, Klima und Naturgefahren

Die Costa ist der westliche Küstenraum und umfasst rund 80.000 km². Dort leben etwa die Hälfte der Ecuadorianer. Sie besteht aus fruchtbaren Schwemmebenen, Hügellandschaften und einem niedrigen Küstengebirge. Besonders wichtig ist das Flusssystem des Río Guayas mit mehr als 36.000 km² Einzugsgebiet; sein Delta bildet den größten natürlichen Hafen an Südamerikas Westküste. Klimatisch ist der Norden tropisch-feucht, der Süden semiarid, also halbtrocken. Ein Grund dafür ist der Humboldtstrom.

Die Sierra ist die Andenregion und ebenfalls mehr als 80.000 km² groß. Sie besteht aus zwei Gebirgsketten, der Cordillera Occidental und der Cordillera Central, sowie einem Hochtal dazwischen. Dort liegen viele wichtige Städte. Quito liegt im Guayllabamba-Becken und gilt als am höchsten gelegene Hauptstadt der Welt. Der Chimborazo ist mit 6263 m beziehungsweise in der Gipfeltabelle 6310 m der höchste Berg Ecuadors; der Cotopaxi ist fast 5900 m hoch. Wegen des Vulkanismus nannte Alexander von Humboldt das Hochtal „Straße der Vulkane“.

Der Oriente ist das östliche Amazonas-Tiefland. Er ist fast 100.000 km² groß, aber nur dünn besiedelt. Alle wichtigen Flüsse dieser Region sind Zuflüsse des Amazonas, darunter der 850 km lange Napo, der Coca, der Pastaza, der Putumayo und der Aguarico. Die Galápagos-Inseln sind geologisch junge, ozeanisch-vulkanische Inseln. Ihre Gesamtfläche beträgt mehr als 8000 km²; die größte Insel ist Isabela, die höchste Erhebung ist der Vulkan Wolf mit 1707 m.

Das Klima ist wegen der Höhenlagen von 0 bis über 6000 m und sehr unterschiedlicher Niederschläge stark verschieden. In der Sierra gibt es große Tages-Nacht-Unterschiede. Man unterscheidet Höhenstufen von Tierra Caliente bis 1000 m, Tierra Templada bis 2000 m, Tierra Fría bis 3000 m, Tierra Helada bis 4800 m und Tierra Nevada darüber. In Ecuador wurden 55 Vulkane gezählt, 18 gelten als aktiv. Wegen der Subduktion der Nazca-Platte unter die Südamerikanische Platte gehört Ecuador zu den Ländern mit großer Erdbebengefahr. Das stärkste Erdbeben ereignete sich 1906 mit Stärke 8,3, nach anderen Angaben 8,8. Am 17. April 2016 starben bei einem Erdbeben der Stärke 7,8 mindestens 659 Menschen.

Bevölkerung, Sprachen und Gesellschaft

Ecuador hatte 2022 18,0 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug +1,1 %. Die Geburtenziffer lag bei 16,6 pro 1000 Einwohner, die Sterbeziffer bei 4,9 pro 1000 Einwohner. Die Lebenserwartung betrug 2022 insgesamt 77,9 Jahre, bei Frauen 80,5 und bei Männern 75,3 Jahre. Der Altersmedian lag 2021 bei 28,6 Jahren. 2023 waren 25,3 % der Bevölkerung unter 15 Jahre und 8,1 % über 64 Jahre alt. Im Jahr 2023 lebten 65 % der Einwohner in Städten. Die größten Agglomerationen sind Guayaquil mit 3,3 Millionen und Quito mit 1,9 Millionen Einwohnern.

Die Bevölkerung ist ungleich verteilt. Während Ecuador im Durchschnitt eine hohe Bevölkerungsdichte hat, liegt sie im Oriente nur bei 4 Einwohnern pro km². Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wanderten viele Menschen von der Sierra zur Costa und aus ländlichen Gebieten in Städte. Der Anteil der Sierra-Provinzen an der Gesamtbevölkerung sank seit 1950 von 58 % auf 38 %, der Anteil der Costa-Provinzen stieg von 40 % auf 51 %.

Die Bevölkerungsstruktur ist statistisch schwer genau zu bestimmen, weil Kategorien wie indigene Bevölkerung, Mestizen und europäischstämmige Bevölkerung auf Selbstidentifikation beruhen. Laut Zensus 2022 sind 7,7 % Indígenas, 77,5 % Mestizen, 2,2 % europäischer Abstammung, 4,8 % Afroecuadorianer und 7,7 % Montubio. Die Indígena-Organisation CONAIE nennt dagegen einen Indígena-Anteil von bis zu 50 %. Eine genetische Studie von 2019 ergab 59,6 % indigenes, 28,8 % europäisches und 11,6 % afrikanisches Erbgut.

Spanisch wird laut Volkszählung 2022 von 98,7 % der Einwohner gesprochen. 3,9 % beherrschen mindestens eine indigene Sprache. Kichwa ist besonders in der Sierra wichtig; Shuar ist mit etwa 100.000 Sprechern die am weitesten verbreitete indigene Sprache des südlichen Oriente. Insgesamt werden in Ecuador 23 Sprachen und Idiome gesprochen. 72,3 % der Bevölkerung sind römisch-katholisch; daneben gibt es protestantische Minderheiten und traditionelle indigene Religionen. 2015 konnten 94,5 % der Erwachsenen lesen und schreiben, doch die Bildungschancen indigener Kinder sind deutlich schlechter.

Geschichte, Politik und Sicherheit

Vor der Kolonialisierung bestanden im heutigen Ecuador mehrere indigene Kulturen. Ende des 15. Jahrhunderts eroberten die Inka das Gebiet, Anfang des 16. Jahrhunderts wurden sie von den Spaniern unterworfen. In der Kolonialzeit entsprach die Real Audiencia de Quito ungefähr dem heutigen Gebiet. Ecuador erkämpfte sich 1821 unter Simón Bolívar und Antonio José de Sucre die Unabhängigkeit von Spanien und gehörte bis 1830 zu Großkolumbien. Danach war die Geschichte von politischer und territorialer Instabilität geprägt, mit vielen Putschen und Staatsstreichen.

Heute ist Ecuador eine Präsidialrepublik mit repräsentativer Demokratie und Mehrparteiensystem. Der Präsident ist zugleich Staatsoberhaupt und Regierungschef. Das Parlament heißt Asamblea Nacional und hat 137 Sitze. Präsident und Parlament werden direkt gewählt. Die Verfassung garantiert die Unabhängigkeit der Judikative. Bei der vorgezogenen Wahl 2023 wurde Daniel Noboa Präsident.

Die Verfassung von 2008 trat am 20. Oktober 2008 in Kraft und war die 20. Verfassung in 178 Jahren. Sie beruft sich auf Pachamama („Mutter Erde“) und Sumak kawsay („gutes Leben“), stärkt soziale Grundrechte wie Ernährung, Gesundheit und Bildung, betont staatliche Souveränität über „strategische Ressourcen“, führt Bürgerräte als „Vierte Gewalt“ ein und definiert die Natur als Rechtssubjekt. Außerdem werden indigene Kulturen stärker anerkannt und Geschlechtergerechtigkeit ausgedehnt.

Das politische Leben ist von Instabilität geprägt. Die Macht muss häufig zwischen den Großregionen Costa und Sierra mit den Zentren Guayaquil und Quito austariert werden. Parteien sind oft regional und stark auf einzelne Führungspersonen ausgerichtet. Das Militär hatte wiederholt politischen Einfluss, etwa als Präsidenten wie Jamil Mahuad 2000 und Lucio Gutiérrez 2005 die Unterstützung entzogen wurde.

Die Sicherheitslage verschlechterte sich ab 2020 stark durch Bandenkriminalität und Drogenhandel. 2023 erreichte Ecuador eine Welle der Gewalt; die Mordrate lag bei 45 pro 100.000 Einwohnern und war damit die höchste in Lateinamerika. Am 8. Januar 2024 wurde für 60 Tage landesweit der Ausnahmezustand ausgerufen. Das Zentrum krimineller Aktivitäten lag in Guayaquil, seinen Häfen und dem Umland. Stand 2026 wird Ecuador als gefährlichstes Land in Südamerika bezeichnet.

Wirtschaft, Umwelt und Infrastruktur

Ecuador war 2023 nach BIP pro Einwohner in Kaufkraftparität das viertärmste Land Südamerikas. Die Wirtschaft hängt stark vom Erdöl ab, das fast 60 % der Exporte erwirtschaftet. 2024 betrug das nominale Bruttoinlandsprodukt 125 Milliarden USD, in Kaufkraftparität 288 Milliarden USD. Das BIP pro Einwohner lag nominal bei 6.939 USD und nach Kaufkraftparität bei 16.012 USD. Seit 2000 ist der US-Dollar offizielles Zahlungsmittel. Die Dollarisierung beendete die eigene Geldpolitik, brachte aber eine stabilere Währung und half, die Inflation zu beruhigen.

Die Wirtschaft erlebte nach 2000 durch Rohstoffexporte und hohe Ölpreise einen längeren Aufschwung, aber auch Krisen. 2016 kam es wegen niedriger Ölpreise und einer schwächeren südamerikanischen Konjunktur zu einer Rezession. 2020 sank das reale BIP-Wachstum auf −9,2 %, 2021 stieg es auf 9,4 %, 2024 lag es bei −2,0 %. Die Staatsverschuldung betrug 2024 54 % des BIP.

Der Erdölsektor ist zentral. Seit dem Fund von Erdöl im Oriente 1967 und der Fertigstellung einer Pipeline zum Pazifik 1972 ist Ecuador ein wichtiger Erdölproduzent. Es produziert 509.000 Fass pro Tag, verbraucht etwa 160.000 Fass und exportiert fast 70 % der Produktion. Die gesicherten Reserven betragen 4,5 Milliarden Fass. Die Förderung belastet jedoch Umwelt und indigene Gruppen. Die geplante Nichtförderung von etwa 900 Millionen Barrel Öl unter dem Yasuní-Nationalpark gegen internationale Ausgleichszahlungen scheiterte 2013.

Ecuador ist außerdem größter Bananenexporteur der Welt; 2023 exportierte es 4 Millionen Tonnen. Weitere Exportgüter sind Fischereiprodukte, Shrimps, Metalle, Schnittblumen, Kakao und Kaffee. Ecuador ist mit 75 % Weltmarktanteil auch der größte Exporteur von Balsaholz. Schnittblumen, besonders Rosen, werden seit den 1980er-Jahren in großem Stil angebaut und vor allem per Flugzeug exportiert.

Ecuador besitzt eine sehr große Artenvielfalt. Im Verhältnis zur Landesgröße gilt es als besonders artenreich; wichtig sind unter anderem die tropischen Regenwälder, die Anden, der Chocó an der Pazifikküste und die Galápagos-Inseln mit vielen endemischen Arten, also Arten, die nur dort vorkommen. Gleichzeitig hat Ecuador hohe Abholzungsraten und starke Konflikte zwischen Naturschutz und wirtschaftlicher Nutzung. Es gibt mehrere UNESCO-Biosphärenreservate, darunter Galápagos, Yasuní, Sumaco und Macizo del Cajas, sowie 14 Nationalparks.

Die Infrastruktur war wegen der schwierigen Topographie lange schwach. Costa und Sierra waren historisch stark voneinander getrennt. Die erste Eisenbahn zwischen den Zentren wurde 1908 unter Eloy Alfaro fertiggestellt; später wurden Strecken beschädigt und ab 2009 wiederhergerichtet. Heute wird der Personenfernverkehr vor allem mit Bussen abgewickelt. Wichtige internationale Flughäfen liegen nahe Quito und in Guayaquil. Elektrizität wird überwiegend aus Wasserkraft gewonnen, daneben aus Ölkraftwerken. Die wichtigsten Häfen liegen in Guayaquil, Manta und Machala.

Kultur, Medien, Sport und Tourismus

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, weil Ecuador eine sehr hohe Biodiversität und viele verschiedene Landschaften bietet. Wichtige Ziele sind die Galápagos-Inseln, die Sierra mit der „Straße der Vulkane“, Täler zu den tropischen Regenwäldern und Baños in den Wolkenwäldern des Anden-Osthanges. Das koloniale Zentrum von Quito wurde als erster Ort überhaupt in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

In der Kunst wird Oswaldo Guayasamín als wichtigster bildender Künstler des 20. Jahrhunderts genannt. Eduardo Kingman stellte das ländliche Leben der indigenen Bevölkerung dar. In den Medien sind private Fernsehsender weiterhin besonders bekannt; Ecuador TV nahm am 28. November 2007 als erster staatlicher Fernsehsender den Betrieb auf. Die größten Zeitungen sind El Universo in Guayaquil und El Comercio in Quito. Das Mediengesetz von 2013 unter Rafael Correa gilt als sehr repressiv und untersagt die Publikation nicht verifizierbarer Informationen.

Der wichtigste Sport ist Fußball. Die Männer-Nationalmannschaft qualifizierte sich für die Weltmeisterschaften 2002, 2006, 2014, 2022 und 2026 und erreichte 2006 das Achtelfinale. Bekannte Vereine sind LDU Quito, Barcelona SC Guayaquil, CS Emelec, CD El Nacional und Deportivo Quito. Ecuador gewann außerdem olympische Erfolge: Jefferson Pérez holte 1996 Gold im 20-km-Gehen und 2008 Silber; Richard Carapaz gewann 2020 Gold im Straßenradsport, Neisi Dajomes Gold im Gewichtheben und Tamara Salazar Silber. 2024 kamen fünf weitere Medaillen hinzu, darunter Gold für Brian Pintado.

Wichtige Feiertage sind der 10. August als Erinnerung an die „Erste Ausrufung der Unabhängigkeit“, der 24. Mai zur Schlacht am Pichincha von 1822, der 9. Oktober zur Unabhängigkeit Guayaquils und der 3. November zur Unabhängigkeit von Cuenca. Daneben werden unter anderem Neujahr, Karneval, Gründonnerstag, Karfreitag, Tag der Arbeit, Allerseelen, Weihnachten und Silvester begangen.

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