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Himmel (Religion)
1 Abrahamitische Religionen. 1.1 Judentum. 1.1.1 Allgemeines; 1.1.2 Himmel in der Hebräischen Bibel (Tanach). 1.2 Christentum. 1.2.1 Allgemeines; 1.2.2 Zeugen …
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Grundidee des Himmels
In vielen Religionen bezeichnet der Himmel eine nicht räumlich zu verstehende, übernatürliche Sphäre. Sie kann Wohnort von Göttern, Gott, Engeln oder anderen übernatürlichen Wesen sein und zugleich Ort oder Zustand des jenseitigen Lebens.
Der Himmel steht für Transzendenz, also für etwas, das die erfahrbare Wirklichkeit übersteigt, und ist deshalb wichtig für eschatologische Vorstellungen über die letzten Dinge und das Leben nach dem Tod. In manchen Religionen ist die Hölle sein Gegenstück: Himmel bedeutet größtmögliche Nähe zu Gott, Hölle größtmögliche Gottferne. Diese Nähe kann bildlich schon im Leben gemeint sein oder als erst nach dem Tod erwartete Begegnung mit Gott.
Judentum und der Himmel der Bibel
Im frühen Judentum war der Himmel Sitz Gottes und seiner Engel, aber kein für Menschen zugänglicher Aufenthaltsort. Vorstellungen wie Jakobsleiter und der Turmbau zu Babel zeigen ihn als unerreichbar. Der Glaube an ein Weltende sowie an Himmel und Hölle als ewige Aufenthaltsorte menschlicher Seelen war zunächst noch unbekannt.
Erst in der Zeit des zweiten Tempels, die bis 70 n. Chr. dauerte, gewann der Glaube an die leibliche Auferstehung an Bedeutung; Dan 12,3 EU gilt als wichtiges Textzeugnis. Besonders die Pharisäer vertraten ihn. Nach dem Gericht schickt Gott die Menschen ins Paradies oder in die Hölle. Zeitpunkt und Art des Gerichts sind im rabbinischen Judentum umstritten. Einig ist man sich jedoch darin, dass der Himmel als Wohnort Gottes und der Engel auch nach der Auferstehung für Menschen unerreichbar bleibt: Himmel und Paradies sind nicht dasselbe.
Im Tanach bildet die Zweiteilung von Himmel und Erde eine Grundlage der Genesis. Elohim schafft im Sechstagewerk aus dem „Tohu wabohu“ Himmel und Erde. „Himmel und Erde“ kann dabei alle unsichtbaren Dinge außer Gott und alle sichtbaren Dinge meinen. Schamajim bezeichnet den Himmel; die Nähe zu majim, dem Plural von „Wasser“, erinnert an die Vorstellung von den „Wasser[n] oberhalb des Gewölbes“ (Genesis 1,7 EU). Dort wohnen Elohim, himmlische Heerscharen und Engel; von dort gehen Theophanien, also göttliche Erscheinungen, aus. Versuche, diesen Himmel zu erreichen, werden mit göttlicher Strafe beantwortet.
Christliche Vorstellungen
Im Christentum wurde durchgehend darüber diskutiert, wie ein Leben nach dem Tod gedacht werden kann. Bis ins 18. Jahrhundert wurde das Ob eines Jenseits kaum grundsätzlich bestritten. Strittig war vor allem, ob der Himmel die Begegnung mit Gott ist, also eine theozentrische Jenseitsdeutung, oder die Wiederherstellung des in Gen 2–3 geschaffenen Paradieses.
Im Protestantismus wuchs ab 1900 Skepsis gegenüber Spekulationen über das individuelle Schicksal. Ernst Troeltsch erklärte, man dürfe darüber weniger spekulieren als früher. Rudolf Bultmanns Entmythologisierung der Bibel stützte die Zurückweisung einer Himmelshoffnung als menschlicher Anmaßung. In der katholischen Lehre bleibt die Gottesschau, die Visio beatifica, das Hauptmotiv: Die beseligende Erfahrung kann Menschen bereits zu Lebzeiten zukommen und besteht grundlegend in Gemeinschaft mit der göttlichen Dreifaltigkeit.
Im Matthäusevangelium steht das Himmelreich statt der bei Markus verwendeten Formulierung „Reich Gottes“ im Zentrum der Predigt Jesu. Beide Ausdrücke können inhaltlich gleich sein, weil „Himmel“ als Umschreibung für Gott verstanden wurde. Nach Matthäus 28,18 EU besitzt Jesus Macht im Himmel und auf Erden; daher spricht Matthäus auch vom Reich des Menschensohnes. Die Offenbarung des Johannes beschreibt außerdem das Himmlische Jerusalem, das an Ezechiels Vision eines wiedererrichteten endzeitlichen Jerusalem anknüpft.
Zeugen Jehovas erwarten für eine große, zahlenmäßig unbestimmte Menge ewiges Leben in einem irdischen Paradies. Nur 144.000 Auserwählte sollen im Himmel als Mitkönige Christi regieren. Nach ihrer Lehre begann Jesu Königsherrschaft im Himmel 1914; die „Erste Auferstehung“ der 144.000 zu himmlischem Leben habe begonnen. Nach Harmagedon folge eine 1000-jährige Herrschaft mit Jesus und den 144.000. Die Erde werde zum Paradies, und die Auferstehung der „Gerechten und Ungerechten“ finde dort statt.
Islamisches Paradies
Im Islam ist der Himmel das Paradies und Aufenthaltsort der Auserwählten und Guten nach dem letzten Gericht. Der Koran verwendet verschiedene Namen: Dschanna, „Garten“ (zum Beispiel Sure 2:35), ʿadn beziehungsweise Eden (zum Beispiel Sure 20:76) und firdaus, Paradies (Sure 18:107; Sure 23:11).
Die Himmelsvorstellung ist körperlich: Das Paradies ist ein von Bächen mit Wasser, Milch und Honig durchzogener Garten. Es besitzt Teppiche und kostbare Sessel; Huris und junge Knaben reichen Früchte und Geflügel. Von der Hölle Djahannam trennt es die Scheidewand Barzach. Die Himmelfahrt Mohammeds wird in Sure 53,13–18 angedeutet und in späteren Überlieferungen weiter ausgestaltet: Mohammed soll bereits vor seinem Tod in den Himmel entrückt worden sein.
Himmel als Seelenzustand und Geisterwelt
Im Bahaitum werden Himmel und Hölle nicht als Orte bezeichnet, sondern als Symbole für Nähe oder Ferne zu Gott. Sie beschreiben Zustände der menschlichen Seele, die sowohl im Diesseits als auch im Jenseits bestehen können.
Der Spiritismus geht davon aus, dass die Seele nach dem Tod weiterlebt und Medien mit den Seelen Verstorbener kommunizieren können. Verstorbene behalten ihre Eigenheiten; ihre andere Welt ähnelt dem Diesseits, gilt aber in mancher Hinsicht als besser. Seelen steigen nach dieser Vorstellung in unterschiedlichen Stadien auf und gehen schließlich „in das Licht“.
Himmel in chinesischer Philosophie
In chinesischer Philosophie sowie im Konfuzianismus und Neokonfuzianismus hat tiān (天), „Himmel“, eine zentrale Bedeutung, obwohl der Konfuzianismus weltlich ausgerichtet ist. Während der Shang-Dynastie (18.–11. Jahrhundert v. Chr.) und der Zhou-Dynastie (11.–8. Jahrhundert v. Chr.) galt der Himmel als oberste Gottheit, Herr anderer Gottheiten und Geister sowie als Kraft über Welt, Leben und Tod. Zugleich wurde er früh nicht als persönliche Gottheit, sondern als geistiges Wesen oder oberstes Weltprinzip verstanden.
Wichtig war das Himmelsmandat tiānmìng (天命): Herrscher mussten es durch Tugend, dé (德), verdienen, erhalten und dem Willen des Himmels folgen. Konfuzius übernahm besonders dieses Konzept, sah aber nur begrenzten Einfluss des Himmels auf den Alltag. Xunzi bezweifelte später eine besondere Beziehung der Herrscher zum Himmel; das Himmelsmandat blieb als Formel erhalten, verlor aber als Glaubensinhalt an Bedeutung. Dong Zhongshu belebte es im 2. Jahrhundert v. Chr. wieder. Im Neokonfuzianismus der Song-Dynastie (960–1279) steht die „Himmlische Ordnung“ tiānlǐ (天理) im Mittelpunkt, die allen Geschöpfen auferlegt sei und allen Menschen innewohne.
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