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Leben nach dem Tod
Nach dem Tod wechsele das Individuum endgültig in einen anderen Seinszustand (Weiterleben in einem Totenreich, Jenseits, Auferstehung, Himmel, Unsterblichkeit, …
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Grundidee und Hauptmodelle
Ein Leben nach dem Tod bezeichnet die Vorstellung, dass ein Mensch nach seinem körperlichen Tod in irgendeiner Form weiterbesteht. Die Frage ist seit dem Altertum philosophisch, religiös und spirituell bedeutsam.
Drei Grundpositionen werden unterschieden:
- Ablehnung: Mit dem Hirntod endet die Existenz des Menschen als Subjekt. Denken und Fühlen haben messbare elektrochemische Entsprechungen im Gehirn; weiter lebt ein Verstorbener nur in der Erinnerung anderer. Die christlich-theologische Ganztodtheorie nimmt ebenfalls ein Ende der gesamten menschlichen Existenz im Tod an, erwartet aber eine spätere Auferstehung.
- Endgültiges Jenseits: Das irdische Leben gilt in vielen Religionen als Reifung oder Bewährung. Nach dem Tod wechselt der Mensch endgültig in einen anderen Seinszustand, etwa Totenreich, Jenseits, Auferstehung, Himmel, Unsterblichkeit, Hölle oder Limbus.
- Reinkarnation: Ein geistiger Anteil, die Seele als Trägerin der Individualität, überdauert den Körper und erscheint später in einem anderen Körper wieder.
Judentum und christliche Lehren
Im alten Judentum gab es zunächst keine Vorstellung eines individuellen Weiterlebens. Abraham lebt nach Gen 12,2 EU nicht als Einzelwesen weiter, sondern in seinem großen Volk. Koh 9,5 EU erklärt: „Die Toten aber erkennen nichts mehr.“ Seit dem Hellenismus finden sich Belege für Unsterblichkeit und Auferstehung; Dan 12,2 EU kündigt das Erwachen vieler Toter zum ewigen Leben oder zu ewiger Schmach an. Bis zur Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70 war dies unter jüdischen Gelehrten umstritten; Sadduzäer lehnten ein ewiges Leben ab. Heute ist die Auferstehung der Toten im Judentum üblich, im orthodoxen Judentum teilweise auch Reinkarnation. Moses Maimonides lehrt in seinen 13 Glaubenssätzen: Gerechte würden nach der Auferstehung mit der Kommenden Welt belohnt, Ungerechte mit der Vernichtung ihrer Seelen bestraft.
Das Christentum erklärt den Tod als Folge des Sündenfalls: Der Mensch sei für die Gemeinschaft mit Gott geschaffen, durch den Vertrauensbruch aber von Gott getrennt worden. Jesus Christus habe am Kreuz die Strafe für die Sünder übernommen. Wer sich zu ihm bekenne und ihm vertraue, könne über den Tod hinaus Gemeinschaft mit Gott und Aufnahme in Gottes neue Welt erhalten.
Am Jüngsten Gericht würden Menschen auferweckt und einen makellosen, unverweslichen Körper erhalten. Nach ihren Taten erfolge Belohnung oder Bestrafung. Die im Buch des Lebens Verzeichneten gingen ins ewige Leben und schauten Gott; Offb 21,8 nennt für andere den „Pfuhl“, der mit Feuer und Schwefel brennt, als „Zweiten Tod“. Der Himmel wird in Offb 21,1–5 EU als Ort ohne Leid, Angst, Krieg und Krankheiten beschrieben.
In der römisch-katholischen Lehre ist der Tod Strafe für Adams Übertretung. Viele Seelen müssten nach dem Tod zunächst im Fegefeuer, einer abschließenden Läuterung, gereinigt werden. Am Jüngsten Tag stünden alle Toten mit ihren Leibern auf. Martin Luther betont dagegen sola fide und sola gratia: Seligkeit ist ein unverdientes Geschenk Gottes, das im Glauben angenommen wird. Die Lehre der Allversöhnung erwartet, dass auch Menschen ohne bisherigen Glauben durch Gerichte nach dem Tod zu Christus gelangen. Emanuel Swedenborg beschreibt ein Gericht kurz nach dem Tod, in dem die innere Natur sichtbar werde: Gute fänden zu Guten und würden zum Himmel geführt, Böse zu Bösen.
Islam, Bahaitum und altegyptische Vorstellungen
Im Alten Ägypten war die ewige Fortdauer im „Reich des Osiris“ das Lebensziel. Dafür seien Einbalsamierung, Mumifizierung und die Zustimmung des Totengerichts erforderlich gewesen. Nach dem Tod verlassen „Ka“ und „Ba“ den im Grab bleibenden Körper. Seit dem Neuen Reich entschied das Wiegen des Herzens: Die Seele reiste nach Sechet-iaru oder wurde durch Ammit vernichtet.
Im Islam folgen nach Tod, Zeichen der „letzten Stunde“ und Vernichtung aller Geschöpfe Auferstehung und Aburteilung am Jüngsten Tag. Hadithe und spätere Gelehrte schildern einen Zwischenablauf: Die Seele werde nach der Grablegung zur verstorbenen Person zurückgebracht, von Munkar und Nakīr befragt und müsse den Glauben an Gott durch das Glaubensbekenntnis beweisen. Engel hielten gute und schlechte Taten fest. Ungläubige könnten die Fragen nicht beantworten und etwa durch Schlangen oder die Grabeszüchtigung (ʿaḏāb al-qabr) bestraft werden; Gläubige erhielten ein erweitertes Grab oder ein Fenster zum Himmel.
Am Jüngsten Tag steigen Menschen aus Gräbern auf und werden gerichtet. Nach einigen Quellen geschieht dies in Jerusalem. Gläubige begegnen Mohammed am Teich al-ḥauḍ und erhalten seine Fürbitte. Alle müssen die Brücke as-Sirāt über die Hölle gehen: Für den Himmel Bestimmte überqueren sie, Verdammte fallen in die Hölle. Dann wird das Schicksal Himmel (Dschanna) oder Hölle (Dschahannam) sichtbar. Andere Berichte lassen Kinder, Märtyrer und Propheten schon direkt nach dem Tod in den Himmel gelangen.
Das Bahaitum beschreibt das Leben nach dem Tod als für Menschen ebenso schwer erfassbar wie die Außenwelt für einen Fötus. Die unsterbliche Seele entwickle sich bis zur Gegenwart Gottes weiter, behalte Individualität und Bewusstsein und könne andere Verstorbene geistig erkennen und mit ihnen kommunizieren. Nach dem Tod erkenne sie den Wert und die Folgen ihrer Taten. Gottzugewandte Seelen erwarteten Freude, andere würden sich verpasster Möglichkeiten bewusst; Seelen höherer Entwicklungsstufen könnten sie nicht erkennen.
Buddhistische Vorstellungen
Der Buddhismus übernimmt die Vorstellung einer Kette von Wiedergeburten, kennt aber keine bleibende Seele und daher keine Seelenwanderung. Wiedergeburt entsteht durch bedingtes Entstehen, also durch das Abhängen aller Vorgänge von Bedingungen. Die Wiedergeburten bedeuten Leid, weil Menschen ohne Erleuchtung aufgrund ihres Lebensdursts immer wieder geboren werden. Ziel ist Nirwana, das Ende der Wiedergeburten und ein Zustand der Nicht-Existenz. Buddha habe es abgelehnt, über ein Leben nach dem Tod zu sprechen, weil diese Beschäftigung nicht zum Loslassen und inneren Frieden führe.
Für den Zen-Buddhismus ist Tod ein Aspekt des Lebens; Leben und Tod gelten als gleichberechtigte, auf eingegrenztem Bewusstsein beruhende Konzepte. Ewiges Leben sei das Bewusstsein selbst. Der Artikel weist allerdings darauf hin, dass dieser Abschnitt nicht hinreichend belegt ist.
Im Tibetischen Buddhismus beginnt beim Tod der Bardo, ein Zwischenzustand bis zur nächsten Inkarnation, sofern der Kreislauf der Wiedergeburten nicht überwunden wurde. Das Bardo Thödröl aus dem 8. Jahrhundert, auf Deutsch Tibetisches Totenbuch, behandelt die Kunst des Sterbens. Verstorbene sähen zunächst das helle Licht der Weisheit und könnten dadurch Buddhaschaft erreichen. Angst, schlechte Taten, Verblendung, Stolz, gebrochene Gelübde oder fehlende Vertrautheit mit Tugendhaftem könnten sie daran hindern.
Im Bardo könnten Visionen und extreme Stimmungen aus dem Unbewussten entstehen. Sie seien als Spiegel eigener Gedanken zu erkennen; ohne materiellen Körper könne man nicht verletzt werden. Buddhas wiesen Wege zur Buddhaschaft. Wer ihnen nicht folge, erhalte Hinweise für eine bessere Wiedergeburt, etwa in einer Familie mit Vertrauen in den Dharma und mit dem Ziel, zum Wohl aller Wesen zu wirken.
Forschung und gesellschaftlicher Umgang
Empirische Versuche, Leben nach dem Tod zu untersuchen, gab es schon in antiken Texten von Plinius dem Jüngeren und Mozi zu Spuk und Geistervisionen. Die moderne systematische Forschung begann 1882 mit der Society for Psychical Research in London. Untersucht werden behauptete Erscheinungen Verstorbener, Kommunikation durch Verstorbene, Medien und Séancen, instrumentelle Transkommunikation – Tonaufnahmen mit angeblich paranormalen Stimmen –, Nahtoderfahrungen und außerkörperliche Erfahrungen. Parapsychologie und Sterbeforschung befassen sich damit; Skeptiker bestreiten jedoch die Beweiskraft solcher Argumente.
Raymond A. Moody untersuchte systematisch Berichte klinisch toter und wiederbelebter Patienten und stellte eine hohe Übereinstimmung fest. Elisabeth Kübler-Ross beschrieb die „fünf Phasen des Sterbens“, also den Umgang Todkranker mit dem Wissen um ihren nahen Tod. Maurice S. Rawlings kritisierte, Interviews müssten unmittelbar nach einer Wiederbelebung geführt werden; dann träten neben positiven auch negative „Höllen“-Berichte auf. Pim van Lommel forscht prospektiv zu Nahtoderfahrungen. In Sam Parnias AWARE-Studie soll ein Patient während der Reanimation bis zu drei Minuten äußere Wahrnehmungen gehabt haben.
Die Thanatosoziologie untersucht Nahtoderfahrungen und den gesellschaftlichen Umgang mit Tod, etwa die Institutionalisierung des Sterbens. Manche Menschen glauben zudem an Nachtod-Kontakte durch Medien. Dieser Mediumismus ist besonders in England, Wales und der Schweiz verbreitet; in England und Wales gilt Medium als anerkannter Beruf.
Verbreitung in Umfragen
Bei einer Befragung von 1003 Personen in Deutschland im März 2019 glaubten 40 Prozent an ein Leben nach dem Tod; 2005 waren es 45 Prozent. Der Anteil betrug bei Katholiken 53 Prozent, bei Protestanten 41 Prozent und bei Konfessionslosen 25 Prozent.
Eine Umfrage vom November 2021 mit 2091 Befragten ergab: 31 Prozent glaubten an ein Leben nach dem Tod, 38 Prozent nicht, 26 Prozent antworteten „Weiß nicht“ und 5 Prozent machten keine Angabe. Unter Frauen glaubten 36 Prozent, unter Männern 26 Prozent an ein Weiterleben. Im Westen waren es 33 Prozent, im Osten 20 Prozent. Bei Freikirchlern lag der Anteil bei 53 Prozent, bei Katholiken bei 39 Prozent und bei landeskirchlichen Protestanten bei 36 Prozent.
Lernvideos zu Leben nach dem Tod
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Podcast: Ostern und der Glaube an ein Leben nach dem Tod | Lanz & Precht
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Es gibt KEIN Leben nach dem Tod (und warum das so ist) - Teil 1
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Verschiedene Religionen und Ihre Ansichten zum Leben nach dem Tod
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