Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Hölle

Im Islam wird die Hölle als feuriger Abgrund gedacht, über den die schmale Brücke as-Sirāt in den Himmel führt. · Im Koran ist wiederholt von Paradies und Hölle …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und christliche Grundvorstellungen
  2. 2. Entwicklung und biblische Begriffe
  3. 3. Christliche Lehren in der Moderne
  4. 4. Judentum, Islam und weitere monotheistische Religionen
  5. 5. Vorstellungen anderer Religionen und Kulturen
  6. 6. Verbreitung und künstlerische Motive

Grundidee und christliche Grundvorstellungen

Die Hölle bezeichnet in zahlreichen Religionen einen jenseitigen Ort oder Zustand der Bestrafung für Taten im Diesseits, die als verboten gelten. Je nach Glaubensauffassung bedeutet sie Vernichtung oder ewige Qual und Verdammnis. In traditionellen christlichen Vorstellungen gelangen Übeltäter nach dem Tod dorthin; die Hölle wird von Dämonen und dem Teufel bevölkert. Moderne christliche Lehren haben diese Vorstellung teils verändert oder aufgegeben.

Im Christentum steht die Hölle traditionell dem Paradies, dem ewigen Leben oder dem Himmel als Ort absoluter Glückseligkeit gegenüber. Nach dem Jüngsten Gericht sollen die Seelen der Missetäter in ewige Verdammnis gelangen. Das Purgatorium oder Fegefeuer ist in der römisch-katholischen Lehre ein Zwischenzustand der Läuterung. Seit dem 12. Jahrhundert wurde außerdem ein Limbus als Vorhölle angenommen: der Limbus puerorum für ungetauft verstorbene Kinder und der Limbus patrum für Gerechte, die vor Christi Himmelfahrt nicht mehr zur Bekehrung gelangten.

Im Neuen Testament warnt Jesus vor Feuer, Finsternis mit Heulen und Zähneklappern sowie dem Tag des Gerichtes. Zugleich versteht sich das Christentum als Erlösungsreligion: Durch Sühnetod und Auferstehung Jesu Christi sollen die Menschen von Sünde und Tod gerettet werden. In Offb 20,13–14 werden alle Toten nach ihren Werken gerichtet; schließlich werden auch „der Tod und die Unterwelt“ dem Feuersee übergeben. Bildlich erscheint die Hölle etwa als Höllenrachen, Flammenort oder Höllenberg; orthodoxe Darstellungen kennen auch einen Feuerfluss.

Entwicklung und biblische Begriffe

Mittelalterliche Höllenvorstellungen wurden neben der Offenbarung des Johannes besonders von der apokryphen Offenbarung des Petrus aus dem 2. Jahrhundert geprägt. Sie schildert ewige Strafen sehr anschaulich. Viele Kirchenväter des 1. bis 3. Jahrhunderts beschrieben eine ewige Hölle. Andere frühe Theologen, darunter Clemens von Alexandria und Origenes, lehrten dagegen die Allaussöhnung oder Apokatastasis: Alle Geschöpfe kehrten letztlich zu Gott zurück. Diese Sicht wurde von der katholisch-orthodoxen Reichskirche abgelehnt; die Allversöhnungslehre wurde 543 in einem lokalen Konzil verurteilt, und das Zweite Ökumenische Konzil von Konstantinopel verurteilte Origenes 553.

Die Bibelbegriffe Scheol, Hades und Gehenna werden zwar oft mit „Hölle“ übersetzt, haben aber nicht dieselbe Bedeutung. Scheol ist im Alten Testament das Totenreich. Koh 9,5 und Koh 9,10 beschreiben es als Bereich ohne Tun, Erkenntnis und Weisheit. Hades ist im Neuen Testament die griechische Übersetzung von Scheol. Martin Luther übersetzte Hades unter anderem mit „Hölle“; neuere Bibelausgaben verwenden meist „Totenwelt“, „Unterwelt“, „Grab“ oder „Gruftreich“.

Gehenna bedeutet „Schlucht von Hinnom“ und bezeichnet ein Tal südlich der Jerusalemer Altstadt. Laut Bibel wurden dort dem Gott Moloch Kinder geopfert; Jeremia verurteilte dies und nannte das Tal „Schlucht der Umbringung“. Später wurde es zu einer Müllhalde. Nach Ansicht mancher Forscher wurden dort zur Zeit Jesu auch Leichen hingerichteter Gesetzesübertreter verbrannt. Das Bild brennender Leichen inspirierte jüdische und christliche Theologen zur Höllenvorstellung. Luther übersetzte Gehenna achtmal mit „Hölle“; auch neuere Übersetzungen behalten diese Wiedergabe meist bei.

Christliche Lehren in der Moderne

Seit der Aufklärung wird die Hölle als angstauslösende Vorstellung kritisiert, die zur Unterwerfung von Gläubigen genutzt worden sei. Nicolas Sylvestre Bergier schrieb 1772 in der Encyclopédie Française, die Hölle müsse „erfunden werden“, wenn es sie nicht gäbe.

Orthodoxe Kirchen verstehen Himmel und Hölle nicht als getrennte Orte, sondern als unterschiedliche Erfahrungen derselben ungeschaffenen Quelle: Nach der Wiederkunft Christi sehen alle Menschen Christus in seinem ungeschaffenen Licht. Je nach innerer Verfassung wird dieses Licht als Auferstehung zum Leben oder als Gericht und Feuer erlebt.

Die katholische Kirche lehrt eine ewige Hölle als endgültigen, selbstverschuldeten Ausschluss aus der Gemeinschaft mit Gott, also als „Ferne von Gott“. Wer in Todsünde stirbt, ohne sie zu bereuen und Gottes Liebe anzunehmen, bleibt nach dem Katechismus durch freien Entschluss endgültig von Gott und den Seligen getrennt. Nichtchristen guten Willens kommen nach KKK 847 nicht in die Hölle. Theologen wie Hans Urs von Balthasar, Gisbert Greshake und Karl Rahner verbanden das Höllendogma mit der Hoffnung, die Hölle könne als „reale Möglichkeit“ bestehen, am Ende jedoch leer sein. Hans Küng und einige moderne evangelische Theologen deuten Hölle und Fegefeuer stärker als schmerzhafte, reinigende Begegnung des sterbenden Menschen mit Gott.

Andere Theologen halten am Lehren der Hölle und der Rettung durch Hinwendung zu Jesus Christus fest. Benedikt XVI. erklärte 2007, die Hölle existiere und sei ewig für Menschen, die ihre Augen vor Jesu Liebe verschlössen. Im ökumenischen Apostolischen Glaubensbekenntnis von 1971 wurde „niedergefahren zur Hölle“ durch „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ ersetzt. Weitere Denkschulen sind Allaussöhnung und Annihilationismus, also die vollständige Vernichtung Ungläubiger.

Strikte calvinistische Richtungen lehren Prädestination: Gott bestimme einige Menschen zum Himmel, andere zur Hölle. Anglikanische, methodistische, wesleyanische und viele reformierte Kirchen betonen dagegen die freie Antwort des Menschen auf Gottes Gnade. Einzelne Gruppen vertreten besondere Deutungen: Swedenborgianer sehen die Hölle als Gemeinschaft bösartig gesinnter Seelen; die Episkopalkirche der USA als Zustand ewigen Todes in der Ablehnung Gottes. Mormonen unterscheiden einen vorübergehenden Ort ungehorsamer Geister und die „äußere Finsternis“ für „Söhne des Verderbens“. Adventbewegungen, Zeugen Jehovas, Christadelphians und weitere vertreten den Annihilationismus.

Judentum, Islam und weitere monotheistische Religionen

Im Judentum ist umstritten, seit wann ein Höllenglaube bestand. Einige Forschende nehmen früh ein licht- und perspektivloses Totenreich für von Gott verworfene Frevler an; der Tanach beschreibe es jedoch nicht als Ort ewiger Pein. Andere gehen davon aus, dass das alte Israel zunächst gar keinen Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod kannte. Ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. lässt sich unter hellenistischem Einfluss ein Jenseitsglaube nachweisen. Die Sadduzäer lehnten ihn zur Zeit Jesu ab. Das zwischen 130 und 68 v. Chr. entstandene Buch Henoch beschreibt helle und dunkle Bereiche für Gerechte und Sünder sowie lodernde Flammen. Maimonides erklärte die Strafe der Ungerechten dagegen als Ausschluss vom ewigen Leben und Vernichtung ihrer Seelen, nicht als Höllenverdammnis.

Im Islam ist die Hölle ein feuriger Abgrund. Alle Toten müssen die schmale Brücke as-Sirāt zum Himmel überqueren; Verdammte fallen hinab, sofern Allah sie nicht erlöst. Der Koran verwendet etwa zehn Bezeichnungen, besonders nār („Feuer“) und Dschahannam. Es gibt unterschiedlich schwere Strafen, die von den irdischen Taten abhängen. Die Hölle dauert nicht unabänderlich ewig, sondern so lange, wie Allah es will, ausdrücklich etwa in Sure 6,128 und Sure 11,107. Moderne Theologen wie Mouhanad Khorchide verstehen die Aussagen teilweise symbolisch: Hölle stehe für Leid und Qualen im Leben, nicht für göttliche Rache.

Im Bahaitum sind Himmel und Hölle symbolische spirituelle Zustände: Nähe zu Gott ist Himmel, Ferne von Gott Hölle; die Seele strebt auch nach dem Tod weiter nach Gottes Gegenwart. Im Mandäismus werden sündige Seelen im Leviathan beziehungsweise Dämon Ur geläutert. Nicht geläuterte Seelen sterben am Ende der Tage den zweiten Tod und werden ausgelöscht.

Vorstellungen anderer Religionen und Kulturen

Im alten Mesopotamien hing das Befinden im Totenreich Irkalla nicht von irdischen Taten, sondern von der Art der Bestattung ab. Im alten Ägypten sollte die Reise nach Sechet-iaru, dem Lichtland, führen. Wer das negative Sündenbekenntnis vor dem Totengericht nicht bestand, konnte in die dunkle Vernichtungsstätte Hetemit verbannt werden, wo es an Wasser, Brot und Licht mangelt und dämonische Wesen grausam strafen.

Der Zoroastrismus kennt dushox als Hölle und hammistagan als eine Art Fegefeuer. Beim Jüngsten Gericht kämpfen Licht und Finsternis; Ablehnende der Lehre Zarathustras können mit Ahriman in einen Feuerschlund aus Pech und Schwefel versinken. In der griechischen und römischen Mythologie gelangen rituell Bestattete mit Charon über den Totenfluss in die Unterwelt. Der Tartaros ist bei einigen Autoren ein Strafort für besonders schwere Frevler; in Platons Seelenlehre ist der Aufenthalt je nach Schuld vorübergehend oder ewig. Die germanische Hel ist ein kalter, eintöniger Unterweltsort in Niflheim; Náströnd ist darin ein Strafort.

Im Hinduismus ist Naraka meist eine vorübergehende Station im Kreislauf der Wiedergeburt: Leid verbraucht schlechtes Karma, danach erfolgt Wiedergeburt bis zur Erlösung, moksha. Die Dvaita-Vedanta Madhvas nimmt für Menschen mit ewigem Hass gegen Gott, Dvaita-Gurus oder die Veden eine dauerhafte Hölle, Andhantamas, an. Buddhistische Lehren übernehmen in veränderter Form Wiedergeburt und Hölle; der niedrigste der sechs Daseinsbereiche ist der Höllenbereich, dessen tiefste Ebene Avici heißt. Die Qualen sollen Einsicht in „Alles Leben ist Dukkha“ ermöglichen und eine höhere Wiedergeburt vorbereiten; viele Buddhisten verstehen dies symbolisch.

Im Tengrismus ist Tamağ die meist heiß und feurig gedachte Unterwelt, in der Verbrecher bestraft werden; ihr Herr ist Erlik. In der vorchristlichen Fidschi-Religion musste ein Verstorbener auf dem Sala Ni Yalo Prüfungen bestehen; manche Menschen gelangten in die Unterwelt Murimuria, wo Bestrafung erfolgen konnte. Atheismus lässt meist die Frage nach dem Ort verstorbener Seelen entfallen, weil ein von Gott bewirktes Weiterleben nicht angenommen wird.

Verbreitung und künstlerische Motive

Nach der European Values Study glaubte 1999 knapp ein Drittel von rund 40.000 befragten Europäern an eine Hölle, in Deutschland rund 15 %. Die höchsten Werte wurden für die Türkei mit 90 %, Nordirland mit 60 % sowie Rumänien und Polen mit je 55 % genannt; Dänemark, Schweden, Tschechien und die Niederlande lagen bei etwa 10 %. Bei einer Befragung von 1.003 Personen in Deutschland im März 2019 glaubten 13 % an die Hölle.

Die Hölle ist ein häufiges Motiv der Malerei, etwa bei Hieronymus Bosch, Hans Memling, Luca Signorelli, Peter Paul Rubens und Sandro Botticelli. Literarisch prägt besonders Dantes Göttliche Komödie aus dem 14. Jahrhundert das Bild einer Hölle als Trichter mit abgestuften Kreisen für unterschiedliche Sünden; im Mittelpunkt steckt Luzifer und peinigt Judas, Cassius und Brutus. Jean-Paul Sartres Theaterstück Geschlossene Gesellschaft von 1944 zeigt Hölle als Hotel-Salon, in dem drei Menschen einander rettungslos ausgeliefert sind: „Die Hölle – das sind die anderen“.

Lernvideos zu Hölle

Weiterlesen

Jenseits Religiöse Jenseitsvorstellungen · Vorgeschichtliche Zeit und ethnische Religionen · Altes Ägypten · Hinduismus · Buddhismus · Daoismus · Judentum · Christentum · Islam. Annihilationismus Der Annihilationismus verneint die traditionelle Vorstellung über die Hölle im Christentum. Dieser Auffassung zufolge ist der endgültige Zustand der … Christentum Das Christentum ist eine Weltreligion, die aus dem Judentum hervorging und sich ab dem 4. Jahrzehnt n. Chr. über Judäa hinaus ausbreitete. Leben nach dem Tod Nach dem Tod wechsele das Individuum endgültig in einen anderen Seinszustand (Weiterleben in einem Totenreich, Jenseits, Auferstehung, Himmel, Unsterblichkeit, … Französische Sprache Vokale · ​/⁠ɑ⁠/​: pâte – / pɑt/ – Teig · ​/⁠ɔ⁠/​: sort – / sɔʁ/ – Schicksal · ​/⁠o⁠/​: sot – / so/ – dumm · ​/⁠u⁠/​: sous – / su/ – unter. Latein Verben ; Perfekt- stamm · 2. Person Singular Perfekt Konjunktiv Aktiv, du habest geliebt, amāv-, -eri- ; Perfekt- stamm · 3. Person Plural Plusquamperfekt Indikativ … Michelangelo Er gilt als einer der bedeutendsten Künstler der italienischen Hochrenaissance. Michelangelo entstammte einer florentinischen Familie, die zwar auf adelige … Höllensturz Der Höllensturz, auch Engel(s)sturz genannt, ist ein zentrales Motiv hauptsächlich der christlichen Eschatologie sowie der Ikonografie der christlichen … Jüngstes Gericht alttestamentliche endzeitliche Vorstellung der abrahamitischen Religionen von einem das Weltgeschehen abschließenden göttlichen Gericht. Es ist als Gericht … Himmel (Religion) 1 Abrahamitische Religionen. 1.1 Judentum. 1.1.1 Allgemeines; 1.1.2 Himmel in der Hebräischen Bibel (Tanach). 1.2 Christentum. 1.2.1 Allgemeines; 1.2.2 Zeugen … Fegefeuer Innerhalb der Dogmatik gehört das Thema Fegefeuer zur Eschatologie, welche die vier letzten Dinge behandelt: Tod, Jüngstes Gericht bzw. Apokalypse, Himmel und … Römisch-katholische Kirche Römisch-katholische Kirche. größte christliche Kirche, die sich aus 24 autonomen Kirchen zusammensetzt, die in Gemeinschaft mit dem römischen Papst stehen.