Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Auferstehung

Das Urchristentum bezog die weltbezogene jüdische Auferstehungshoffnung auf Jesus Christus: An ihm habe der Gott Israels das Endgericht schon vorweggenommen, um …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Was ist Auferstehung?
  2. 2. Auferstehungsglaube im Judentum
  3. 3. Karäische Positionen und weitere jüdische Schriften
  4. 4. Auferstehung im Christentum
  5. 5. Zoroastrismus, antikes Griechenland und Islam
  6. 6. Kritik an der Auferstehungsvorstellung

Was ist Auferstehung?

Auferstehung (griechisch anástasis, lateinisch resurrectio) bedeutet die Erweckung Verstorbener zu einem ewigen Leben nach oder aus dem Tod. Diese Hoffnung teilen vor allem die drei monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam. Sie folgen der Vorstellung einer Erweckung aller Gestorbenen zu einem Endgericht, in dem Gott über Böse und Gute richtet (eine Vorstellung aus dem Perserreich). Sie unterscheiden sich damit von zwei anderen Ideen: der Trennung der unsterblichen Seele vom gestorbenen Leib (Hellenismus) und der Reinkarnation, also der Wiedergeburt der Seele in einen anderen sterblichen Leib (Hinduismus, ägyptische Mythologie). Der Begriff kann je nach Zusammenhang auch nur eine befristete Wiederbelebung meinen; er beruht auf der bildhaften Umschreibung des Todes als „(ewiger) Schlaf“.

Auferstehungsglaube im Judentum

Das antike Judentum entwickelte seinen Auferstehungsglauben aus dem Gedanken der Gerechtigkeit Gottes in zwei Varianten: Auferweckung nur der gerechten Israeliten zu ewigem Leben mit Gott oder Auferweckung aller Menschen zum Endgericht, das Gerechte belohnt und Ungerechte straft. Beide Varianten sind mit der Erwartung einer Verwandlung der ganzen Welt im Reich Gottes verbunden; das Schicksal des Einzelnen wird nicht vom Heil des Gottesvolkes getrennt. Im Tanach ist der Glaube nur selten und in späten Schriften bezeugt. Älter war die Vorstellung, dass Gottesgebote mit langem irdischem Leben belohnt werden. Propheten wie Elija und Elischa erweckten nach der Bibel einzelne Tote befristet wieder zum Leben. Erste Andeutungen einer Auferstehung der Israeliten finden sich bei Hosea (Hos 6,1–3) und in Visionen Ezechiels (Ez 37,1–14); die Jesaja-Apokalypse sagt: „Seine Toten werden auferstehen und ihre Leichen werden auferweckt werden“ (Jes 26,19). Erst das Buch Daniel (ab 170 v. Chr.) dehnt die Zusage auf eine universale Auferweckung aller Toten zum Endgericht aus: „Und viele, die in der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zu ewiger Schmach und Schande“ (Dan 12,2–3). Das 2. Makkabäerbuch (100–50 v. Chr.) lehrt die Auferweckung der Gerechten am Beispiel von sieben Brüdern und ihrer Mutter, die für ihre Treue zur Tora den Märtyrertod sterben; Judas Makkabäus ließ ein Sündopfer für gefallene Juden darbringen, „denn er dachte an die Auferstehung“. Im rabbinischen Judentum wurde die Auferstehung nach der Zerstörung des Tempels 70 n. Chr. im Achtzehnbittengebet festgehalten und von der Mischna zum Dogma erklärt, an das man glauben muss, um Anteil an der kommenden Welt zu haben. Umstritten blieb, ob die Tora selbst die Auferstehung lehrt und wer aufersteht. Mittelalterliche Theologen wie Saadja Gaon und Maimonides suchten die Lehrmeinungen auszugleichen; Maimonides machte die Auferstehung zum letzten seiner 13 Glaubensartikel und lehrte eine leibliche Auferstehung in der messianischen Zeit, danach ein rein geistiges Seelenleben. In der Neuzeit haben sich drei Lehrmeinungen herausgebildet: leibliche Auferstehung aller in der messianischen Zeit, Weiterleben einer unsterblichen Seele unabhängig vom Körper, oder Weiterleben der Seele bis zur Vereinigung mit einem neugeschaffenen Körper. Das liberale Reformjudentum lehnt die leibliche Auferstehung zugunsten der unsterblichen Seele ab (Pittsburgher Konferenz 1885).

Karäische Positionen und weitere jüdische Schriften

Die Karäer sind eine jüdische Religionsgemeinschaft, die sich allein auf die hebräische Bibel (Tanach) stützt und die mündliche Überlieferung (Talmud) ablehnt. Für sie ist die Auferstehung der Toten (hebräisch techiʿat ha-metim) ein zentraler Glaubensbestandteil, den sie zu ihren zehn Hauptlehren zählen. Der Bewegungsgründer Anan ben David (8. Jahrhundert) betonte die leibliche Auferstehung am Ende der Tage als aus der Tora abgeleitetes Dogma; Jacob al-Kirkisani (10. Jahrhundert) systematisierte die Lehre im Rahmen der islamischen Muʿtazila-Theologie. Die Karäer lehnen die Seelenwanderung (Gilgul, Reinkarnation) entschieden ab, da die Bibel dafür keine Grundlage biete und die Idee mit der göttlichen Gerechtigkeit und der Einmaligkeit des Gerichts unvereinbar sei. Heutige Karäer in Israel, den USA und der Türkei halten am Auferstehungsglauben fest; er gilt als Ausdruck der Gerechtigkeit Gottes. – Zur Ergänzung: In den Schriftrollen vom Toten Meer ist die Auferstehung nur im Fragment 4Q521 angedeutet („Er heilt Durchbohrte, belebt Tote…“). Das Äthiopische Henochbuch erwartet in den Bilderreden (ca. 70–100 n. Chr.) die Verwandlung der toten Körper; 4. Buch Esra und die Syrische Baruch-Apokalypse denken die Auferstehung als Wiedervereinigung einer unsterblichen Seele mit einem neuen Körper.

Auferstehung im Christentum

Im Neuen Testament bezeichnen „auferwecken“ und „auferstehen“ dasselbe: die Tat Gottes an toten Personen, zuerst an Jesus von Nazaret. Zentral ist das Glaubensbekenntnis, dass Gott Jesus am „dritten Tag“ nach seiner Kreuzigung unter Pontius Pilatus auferweckt hat (1 Kor 15,3ff.) – gefeiert am Osterfest, dem christlichen Hauptfest. Die Evangelien verknüpfen die Grabauffindung „am ersten Tag der Woche“ durch die Frauen mit Erscheinungen des Auferweckten vor Jüngern, die sich dadurch zur Völkermission berufen sahen. Wie diese Texte entstanden und wie sich die Osterereignisse historisch verhielten, ist umstritten. Paulus lehrt (mit manchen Pharisäern übereinstimmend) die kommende leibliche Auferstehung aller Toten zum Endgericht als endgültige Verwandlung der ganzen Welt (1 Kor 15,22–24; 2 Kor 5,10; 1 Thess 4,16); sie beginne mit der Auferstehung Jesu und sei durch ihn verbürgt. Die befristeten Wiederbelebungen durch Jesus (z. B. Mt 9,18–26; Joh 11,1–45) und seine Apostel veranschaulichen nur die Heilkraft der Erwcker, keinen allgemeinen Auferstehungsglauben; Berichte über moderne Wiederbelebungen (etwa Daniel Ekechukwu 2001) sind nicht verifizierbar. Konfessionell umstritten ist der genaue Ablauf, etwa ob die allgemeine Totenauferstehung am Jüngsten Tag geschieht oder unmittelbar nach dem Tod. Über eine Auferstehung von Tieren wird heute diskutiert; Martin Luther und die orthodoxe Kirche bejahen sie, in den bekannten religiösen Schriften ist sie aber nicht dokumentiert.

Zoroastrismus, antikes Griechenland und Islam

Der Zoroastrismus, die auf Zarathustra (630–553 v. Chr.) zurückgeführte persische Religion, lehrt eine Reise der Seelen zur Činvat-Brücke, wo Gericht über Gute und Böse gehalten wird: Für Rechtschaffene ist die Brücke breit wie ein Pfad, für die anderen schmal wie eine Messerschneide. Die Guten gelangen ins Paradies Garodemäna („Ort der Lobgesänge“), die Bösen an den „schlechtesten Ort“. 3000 Jahre nach Zarathustras Geburt wird der Saoschjant (Erlöser) erscheinen, die bösen Geister vernichten, eine neue unvergängliche Welt herbeiführen – auch die Toten sollen dann auferstehen. Etwa parallel zum exilischen Judentum wurden hier Endgericht, Erlösung, Auferstehung und Vernichtung der gottfeindlichen Mächte verbunden; sie könnten die Lehren der drei monotheistischen Religionen beeinflusst haben. – Im antiken Griechenland wurden die Ausdrücke für „auferstehen“ nie für ein Fortleben der Seele verwendet, sondern für die Wiederbelebung von Scheintoten (z. B. berichtet Platon in der Politeia von einem Soldaten, der lebendig wurde, als man ihn verbrennen wollte). Mysterienkulte wie die von Eleusis feierten eine Wiedergeburt des Lebens als zyklische Wiederkehr der Naturkräfte, nicht als endgültige Überwindung des Todes. – Im Islam lehrt der Koran zahlreiche Beschreibungen der Auferstehung, meist im Zusammenhang mit Warnungen vor dem Jüngsten Tag. Nach dem Weltuntergang werden die Menschen auferstehen und für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen: Sünder kommen zur Bestrafung in die Hölle, Muslime werden mit dem Paradies belohnt.

Kritik an der Auferstehungsvorstellung

Die Naturwissenschaften arbeiten empirisch und erklären die Wirklichkeit aus naturwissenschaftlich nachprüfbaren Gesetzmäßigkeiten; „jenseitige“ Realitäten und einmalige Wunder behandeln sie nicht. Nahtoderfahrungen sind jedoch heute Gegenstand der Forschung, über die etwa in „The Lancet“ publiziert wird. Seit Immanuel Kants kritischer Erkenntnistheorie werden Glaubenssätze streng von Tatsachenaussagen unterschieden. Die kritische Geschichtswissenschaft (Ernst Troeltsch) geht von einem Ursache-Wirkungs-Kontinuum aus, sodass eine Auferstehung a priori nicht als historisches Ereignis gelten kann, allenfalls als mythologisches Motiv. Rationalistische Erklärungsversuche seit der Aufklärung laufen meist auf eine Scheintod-These hinaus: Bei Jesus etwa wird angenommen, er habe die Kreuzigung überlebt oder eine Person sei verwechselt worden. Psychologisch argumentierende Kritiker sehen im Auferstehungsglauben Versuche, die Endgültigkeit des Todes zu mildern: Ludwig Feuerbach als Projektion, Karl Marx als „Opium des Volkes“, Sigmund Freud als Verdrängung bzw. infantile Wunschvorstellung, Bertrand Russell als irrationale Angstabwehr. Die Religionsphilosophie dagegen betrachtet die gesamte Wirklichkeit ohne materialistisch-empiristische Vorentscheidungen und lehnt Wunder nicht grundsätzlich ab.

Weiterlesen

Auferstehung Jesu Christi Als Auferstehung oder Auferweckung Jesu Christi bezeichnet das Christentum das im Neuen Testament (NT) bezeugte Ereignis, Jesus Christus, Sohn Gottes, … Ewiges Leben Ewiges Leben ist ein Begriff (Theologem) der jüdischen, christlichen und islamischen Theologie, der sich sowohl auf Gott als auch auf den Menschen bezieht. Tod Unterschiedliche Auffassungen in Religionen und philosophischen Richtungen werden im Artikel Leben nach dem Tod behandelt (s. a. Nahtoderfahrungen). Siehe … Religion Geschichte konkreter Religionen · Afrikanische Religionen · Bahaitum · Buddhismus · Christentum · Daoismus · Hinduismus · Islam · Jainismus … Monotheismus Der Monotheismus ist eine Form des Theismus. Damit werden diese in der Religionswissenschaft vom Polytheismus unterschieden, der viele Götter kennt und verehrt. Weltreligion die abrahamitischen Religionen (abgeleitet von Abraham): Christentum, Islam und Judentum (alle sind monotheistisch) · die dharmischen Religionen (abgeleitet von … Judentum Das jüdische Volk entstand ab etwa 1200 v. Chr. und entwickelte den JHWH-Monotheismus, aus dem später die weiteren abrahamitischen Religionen Christentum und … Christentum Das Christentum ist eine Weltreligion, die aus dem Judentum hervorging und sich ab dem 4. Jahrzehnt n. Chr. über Judäa hinaus ausbreitete. Islam Der Islam ist eine monotheistische Religion, die im frühen 7. Jahrhundert in Arabien durch den Mekkaner Mohammed gestiftet wurde. Gott Im Verständnis von Mythologien, Religionen und Glaubensüberzeugungen wird einem Gott oder mehreren Göttern besondere Verehrung zuteil und es werden ihnen unter … Unsterblichkeit Die Idee der Unsterblichkeit gehört in nahezu allen Religionen zum festen Glaubensbestand. Dabei haftet dem verehrten Gott oder der Götterwelt das Attribut Hellenismus Als Hellenismus (von altgriechisch Ἑλληνισμός hellēnismós, deutsch ‚Griechentum') bezeichnet man die Epoche der antiken griechischen Geschichte vom …