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Jakobsleiter (Bibel)

Die Jakobsleiter oder Himmelsleiter (hebräisch סֻלַּם יַעֲקֹב sullām jaʿakow) ist ein Auf- und Abstieg zwischen Erde und Himmel, den Jakob laut der …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Biblische Erzählung und Bedeutung
  2. 2. Beschreibung und Deutungen des Bildes
  3. 3. Spirituelle Deutung im Christentum

Biblische Erzählung und Bedeutung

Die Jakobsleiter, auch Himmelsleiter genannt, ist in der Bibel ein Auf- und Abstieg zwischen Erde und Himmel. Jakob erblickt sie laut Genesis 28,11–13 während seiner Flucht vor Esau von Beʾer Scheva nach Harran in einer Traumvision. Die Leiter steht auf der Erde, ihre Spitze reicht bis in den Himmel. Auf ihr steigen Engel Gottes auf und nieder; über ihr steht JHWH selbst.

JHWH stellt sich Jakob als der Gott Abrahams und Isaaks vor und erneuert die Verheißung von Land und zahlreichen Nachkommen. Nach dem Erwachen nennt Jakob den Ort Bet-El, also „Haus Gottes“, und bezeichnet ihn außerdem als „Pforte des Himmels“ (hebräisch שָׁעַר הַשָּׁמָיִם, šāʕār ha-šāmāyim; Gen 28,17). Die Erzählung verbindet damit eine Begegnung Jakobs mit Gott und die Zusage, die für die Geschichte Israels wichtig ist.

Beschreibung und Deutungen des Bildes

Die Übersetzung „Leiter“ ist nicht die einzig mögliche. Das hebräische Wort סֻלָּם, sullām, kann auch „Treppe“, „Stiege“ oder „Rampe“ bedeuten. Es lässt sich als akkadische Entsprechung zu simmiltu verstehen, einem Wort mit den Bedeutungen Leiter, Treppe, Treppenhaus oder Stufenrampe. Damit passt das Motiv zu altorientalischen Vorstellungen von Wegen zum Himmel und zur Unterwelt. In assyrischen, babylonischen und allgemein mesopotamischen Texten werden solche Himmelstreppen von Göttern, Götterboten und Wesen der Unterwelt benutzt.

Die evangelische Bibelwissenschaft hält es für eher unwahrscheinlich, dass das Bild unmittelbar auf einen Zikkurat zurückgeht. Ein Zikkurat wurde zwar als „Weltberg“ oder „Urhügel“ verstanden, der bei der Schöpfung aus dem Chaosmeer aufgetaucht sein soll. Einen entsprechenden Namensbeleg gibt es jedoch nur für das Zikkurat in Sippar, einer Fundstätte bei Bagdad; in Kanaan beziehungsweise Palästina fehlen solche Bauten. Nicht ausgeschlossen ist, dass das Motiv „Berg des Herrn“ in Psalm 24,1–3 mit einem Zikkurat verbunden sein könnte. Daraus folgt aber nicht zwingend eine Verbindung zur Jakobsleiter.

Der Ortsname Bet-El ist historisch vermutlich vorisraelitisch und damit älter als die Jakobserzählung. Die Erzählung erklärt den Namen zugleich und beansprucht den Ort als Höhenheiligtum für die Geschichte des Volkes Israel. Im Johannesevangelium (Joh 1,51) wird das Bild der Jakobsleiter typologisch auf Jesus Christus übertragen. Außerdem steht das Motiv in Beziehung zu Jesaja 40,3 und dem Aufruf, den Weg des Herrn beziehungsweise seine Steige vorzubereiten. Das hebräische sullām und m’sillah („Bergsteige“) haben dieselbe Wurzel; „gerade machen“ bedeutet in diesem Zusammenhang, eine unmittelbare Verbindung herzustellen.

Das Motiv wurde auch in christlichen Liedern verwendet, unter anderem im Choral „Näher, mein Gott, zu dir“ sowie in den Spirituals „We are climbing Jacob's ladder“ und „Climb up (Jacob dreamed, he saw a ladder)“.

Spirituelle Deutung im Christentum

Das Johannesevangelium deutet die Jakobsleiter auf die Christusoffenbarung und führt sie bis zum Höhepunkt am Kreuz: Die Menschen sollen den geöffneten Himmel und die Engel Gottes sehen, die über dem Menschensohn auf- und niedersteigen (Joh 1,51). Die Kirchenväter beziehen dieses Bild deshalb auf das Kreuz und verstehen es als Leiter zum Himmel oder zum Paradies, lateinisch scala paradisi.

In dieser Deutung steht das Kreuz für die Verbindung von Himmel und Erde. Christiana Reemts beschreibt es als eine aufgerichtete Leiter, auf der die Menschen zum Himmel geführt werden. Mit der Geburt des Sohnes Gottes steigen Engel zu den Menschen herab; zugleich können Menschen aus der Tiefe zum Himmel aufsteigen. Durch das Kreuz werden Himmel und Erde wieder vereinigt, die zuvor getrennt und verfeindet waren.

Reemts vergleicht die beiden Holme einer Leiter mit den beiden Testamenten. Das Kreuz Christi wird dabei als Inhalt der gesamten Heiligen Schrift verstanden. In ihm seien die Geheimnisse des Glaubens vollendet und zusammengefasst; außerdem habe Christus Adam zum Vater zurückgeführt und den Weg zum Himmel eröffnet.

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