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Hamlet (Jost)
Hamlet ist eine Oper (Originalbezeichnung: „12 musikdramatische Tableaux nach William Shakespeare“) von Christian Jost, der das Libretto aus dem englischen …
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Grundidee und Aufbau
Hamlet ist eine Oper von Christian Jost nach William Shakespeares Tragödie Hamlet. Die Originalbezeichnung lautet „12 musikdramatische Tableaux nach William Shakespeare“. Jost schrieb auch das Libretto selbst und stellte es aus dem englischen Original sowie der deutschen Übersetzung von August Wilhelm Schlegel und Ludwig Tieck zusammen. Deutsch und Englisch wechseln sich ab oder überlagern sich.
Die Oper konzentriert sich nicht auf eine lückenlose Nacherzählung, sondern auf die psychologisch wichtigsten Stationen von Hamlets Geschichte. Die zwölf Tableaus sind eigenständige musikalische und szenische Bilder. Jedes Tableau besitzt eine eigene Klangsprache und wird durch eine „die Szene grundierende[n] Musik“ eingeleitet. Ihre Reihenfolge ist nicht zwingend als streng zeitlicher Ablauf gedacht. Im Mittelpunkt stehen Ausdruck, körperlicher Gestus, theatralisches Bild und Hamlets innere Entwicklung.
Die Titelrolle wird von einer Mezzosopranistin gesungen. Damit soll die „universelle Gültigkeit jenseits des individuellen Schicksals“ betont werden. Hamlet erscheint als Figur einer „surrealen Reise ins Innere“. Seine reflektierenden Monologe übernimmt ein Chor innerer Stimmen; auch der Geist seines Vaters wird nicht von einer einzelnen Person, sondern von einem mehrstimmigen Ensemble aus drei Tenören und drei Bässen dargestellt. Die Oper dauert etwa 2 ½ Stunden.
Handlung in zwölf Tableaus
Im ersten Tableau wird Hamlet von inneren Stimmen gequält und denkt an Selbstmord. Sein Freund Horatio versucht, ihn davon abzubringen. Der Geist von Hamlets Vater fordert Rache: Claudius, der Bruder des Verstorbenen, habe ihn im Schlaf ermordet, anschließend die Königswürde übernommen und Gertrud, die Witwe, geheiratet.
Im zweiten Tableau drängen Claudius und Gertrud Hamlet, die Trauer um seinen Vater zu beenden. Hamlet berichtet Horatio jedoch von unheilverkündenden Zeichen. Im dritten Tableau beauftragt Claudius Rosenkranz und Güldenstern, zwei alte Freunde Hamlets, dessen schlechte Stimmung zu untersuchen. Zugleich fängt Polonius einen Brief Hamlets an seine Tochter Ophelia ab. Er vermutet Liebeskummer und plant, das Paar zu belauschen.
Rosenkranz und Güldenstern können Hamlet im vierten Tableau nicht aufheitern. Er hat das Interesse an den früheren Spielen verloren. Polonius meldet das Eintreffen einer Schauspieltruppe. Im fünften Tableau berichtet er Claudius vom Misserfolg und fordert Ophelia auf, Hamlet anzusprechen. Hamlet erklärt ihr, dass er sie einst geliebt habe, nun aber kein Interesse mehr an ihr besitze. Er empfiehlt ihr, in ein Kloster zu gehen. Seine inneren Stimmen begleiten das Gespräch. Ophelia erschrickt über seinen verwirrten Zustand; Claudius erkennt, dass wahrscheinlich mehr als Liebeskummer dahintersteckt.
Im sechsten Tableau will Hamlet durch das Schauspiel The Mousetrap prüfen, ob die Aussagen des Geistes wahr sind. Die handelnden Personen treten selbst als Darsteller auf. Der Geist spielt eine zentrale Rolle und singt seine Töne beinahe instrumental, ohne Text. Hamlet und Horatio beobachten Claudius genau und sind danach von dessen Schuld überzeugt.
Claudius ist im siebten Tableau über Hamlets Verhalten empört. Hamlet nähert sich ihm stumm, während seine inneren Stimmen ihn zur Tat drängen. Im achten Tableau belauscht Polonius, versteckt hinter einem Vorhang oder an einem verborgenen Ort, das Gespräch zwischen Hamlet und Gertrud. Hamlet verdreht zunächst ihre eigenen Worte. Dann täuscht er einen Wahnsinnsanfall vor und tötet Polonius mit dem Ruf „Eine Ratte!“. Er erklärt, diese Tat sei beinahe so schlimm, wie den König zu töten und dessen Bruder zu heiraten. Der Geist ist damit noch nicht zufrieden. Gertrud erschrickt, als Hamlet ihr seinen Plan offenbart, Claudius zu töten.
Im neunten Tableau trifft Hamlet Soldaten auf einem Eroberungsfeldzug. Gegenüber Horatio fragt er nach dem Sinn, so viele Menschen für ein Stück Boden in den Tod zu schicken. Dabei schämt er sich für seine eigene Untätigkeit. Im zehnten Tableau wird Gertrud von Gewissensbissen geplagt. Ophelia erscheint, nachdem sie infolge des Mordes an ihrem Vater den Verstand verloren hat. Rosenkranz und Güldenstern melden, dass Laertes mit Anhängern wütend in den Palast eingedrungen ist. Er sucht den Mörder seines Vaters. Claudius gewinnt Laertes sofort als Verbündeten gegen Hamlet. Ophelia verlässt den Raum; kurz darauf wird ihr Tod durch Ertrinken bekannt.
Im elften Tableau beobachten Hamlet und Horatio zwei Clowns, die mit einem Totenschädel spielen und ein Grab für eine „gewesene Frau“ ausheben. Im zwölften Tableau nähert sich Ophelias Leichenzug mit Laertes, Claudius und Gertrud. Die inneren Stimmen tragen Hamlets berühmten Monolog „To be, or not to be“ vor. Erst jetzt erkennt Hamlet, dass das Grab Ophelia gehört, und erinnert sich an seine frühere Liebe zu ihr. Hamlet und Laertes liefern sich einen Zweikampf und töten einander. Gertrud stirbt ebenfalls, nachdem sie versehentlich den Gifttrank getrunken hat, den Claudius für Hamlet vorbereitet hatte.
Musikalische und szenische Gestaltung
Die Person Hamlet wird an wichtigen Stellen „aufgelöst“: Das Individuum tritt zurück, während seine Gedanken und inneren Konflikte durch die inneren Stimmen des Chors hörbar werden. Diese Chorsätze erweitern den Raum des Titelhelden und verändern die Zeitwahrnehmung. Handlungstreibende Momente werden gerafft und schnell dargestellt; spannungsvolle Monologe bilden dagegen ruhende Inseln im musikalischen Gesamtgefüge.
Die Klangsprache ist meist traumhaft, weich und androgyn. Der Chor übernimmt neben den inneren Monologen auch instrumentale Abschnitte, die aus dem Off gesungen werden. Der Geist wird durch ein mehrstimmiges Sängerensemble verkörpert. Am Ende steht ein ausgedünnter A-cappella-Chorsatz. Er wirkt als Antwort auf Hamlets Schlusswort „entwerfen“ selbst wie ein Entwurf und wurde als eine andere Form von „Rest ist Schweigen“ beschrieben.
Die musikalische Sprache verbindet unterschiedliche Klangwirkungen. Bevorzugt werden tiefe Töne und Schlagzeug. Die beiden Orchesterhälften können gelegentlich „klappernd“ in unterschiedlichen Tempi spielen; Flöten werden teilweise überblasen. Peter P. Pachl beschrieb unter anderem Unisono-Bassfiguren als an den späten Wagner erinnernd, ein mit dem Bogen gestrichenes Tamtam als klanglich verwandt mit der Glasharfe bei Strauss, Jazzelemente als Bezug zu Schrekers Zeitoper Christophorus und clusterartige Akkorde beim Tod Ophelias als Nähe zu Todesakkordfolgen bei Berg.
Orchesterbesetzung
Das Orchester ist in eine linke und eine rechte, ähnlich besetzte Hälfte geteilt. Dadurch können räumliche und rhythmische Gegensätze entstehen.
- Holzbläser: drei Flöten, alle auch Piccolo, die dritte außerdem Bassflöte; drei Klarinetten, die zweite außerdem Es-Klarinette, die dritte außerdem Bassklarinette; Fagott und Kontrafagott.
- Blechbläser: vier Hörner, zwei Posaunen, Bassposaune und Kontrabassposaune.
- Schlagzeug: zwei Spieler mit Becken, Tamtam, drei Tomtoms, vier Rototoms und großer Trommel.
- Klavier.
- Streicher: acht Violinen, acht Bratschen, acht Violoncelli und vier Kontrabässe.
- Bühnenmusik: Flügelhorn, Vibraphon, Gläserspiel und Violoncello.
In der linken Orchesterhälfte spielen die Flöten, das Fagott, zwei Hörner, eine Posaune, die Bassposaune, ein Schlagzeuger mit Becken, Tamtam und Tomtoms, das Klavier sowie die Hälfte der Streicher. Rechts spielen die Klarinetten, das Kontrafagott, zwei Hörner, eine Posaune, die Kontrabassposaune, ein Schlagzeuger mit Rototoms und großer Trommel sowie die andere Streicherhälfte.
Entstehung und Uraufführung
Hamlet entstand 2008 im Auftrag der Komischen Oper Berlin. Christian Jost interessierte sich bereits seit seiner Jugend für Shakespeares Stück. Für das selbst zusammengestellte Libretto verwendete er sowohl den englischen Originaltext als auch die Übersetzung von August Wilhelm Schlegel und Ludwig Tieck.
Die Uraufführung fand am 21. Juni 2009 an der Komischen Oper Berlin statt. Dirigent war Carl St. Clair, die Inszenierung stammte von Andreas Homoki, Bühnenbild und Kostüme entwarf Wolfgang Gussmann. Die Titelrolle sang Stella Doufexis. Weitere Partien übernahmen Tom Erik Lie als Horatio, Jens Larsen als Claudius, Gertrud Ottenthal als Gertrud, Jürgen Sacher als Polonius, Caren van Oijen als Rosenkranz, Peter Renz als Güldenstern, Karolina Andersson als Ophelia und James Elliott als Laertes.
Eine weitere Produktion entstand 2011 an der Oper Dortmund in einer Inszenierung von Peter te Nuyl mit den Dortmunder Philharmonikern unter Jac van Steen. Die Titelrolle sang Maria Hilmes.
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