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Alt (Stimmlage)
Eine Sängerin dieser Stimmlage wird „Altistin“ oder einfach „Alt“ genannt. Entsprechende Männerstimmen werden mit „Altist“, „Altus“ oder (nicht ganz korrekt) „ …
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Stimmgattung und Tonumfang
Alt bezeichnet eine tiefe Frauen- oder Knabenstimme; außerdem kann damit eine sehr hohe Männerstimme gemeint sein. Der ungefähre Stimmumfang liegt bei g–e’’; auch f–f’’ wird genannt. Im Deutschen heißen besonders tiefe Frauenstimmen Kontra-Alt. Im Englischen, Französischen und Italienischen wird die Stimmlage als Contralto bezeichnet.
Eine Sängerin heißt Altistin oder Alt. Hohe Männerstimmen werden Altist oder Altus genannt, teils auch – nicht ganz korrekt – Countertenor. Besonders bewegliche, koloraturfähige Stimmen für viele schnelle Verzierungen heißen Koloratur-Alt. Die Altlage gibt es auch bei Instrumenten, etwa Althorn, Altsaxophon und Altblockflöte; bei Streichinstrumenten entspricht ihr die Bratsche, deren Stimmen im Altschlüssel notiert werden.
Historische Verwendung und Aufführung
Die Bezeichnung geht auf lateinisch altus zurück. Ursprünglich meinte sie die hohe Stimme über dem melodieführenden Tenor. Im vierstimmigen Männerchorsatz trug die zweite Stimme den Namen Contratenor altus und hatte ungefähr den Umfang e–e’’.
Bedeutende Solo-Altpartien entstanden vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, häufig, aber nicht ausschließlich, für Kastraten. In Klassik und Romantik sind reine Altpartien dagegen vergleichsweise selten. Wichtige Beispiele sind Altpartien in Bachs Matthäus- und Johannes-Passion, Weihnachtsoratorium und Kantaten sowie Händels Cornelia und die Titelrolle in Giulio Cesare und Bradamante in Alcina. Bei Wagner ist Erda in Das Rheingold und Siegfried eine Altpartie.
Altpartien können von Knaben, Frauen oder Männern gesungen werden, jeweils mit unterschiedlichem Klang. In der historischen Aufführungspraxis übernehmen Countertenöre besonders in Renaissance- und Barockchormusik sowie in englischer, französischer und teilweise deutscher Kirchenmusik des 17. und 18. Jahrhunderts Altpartien. Sie singen auch Rollen in Barockopern, die ursprünglich für Kastraten oder als Hosenrollen für Frauen geschrieben wurden.
Abgrenzung zu Mezzosopran und Kontra-Alt
Der Übergang zwischen Alt und Mezzosopran ist fließend. Historische Partien wurden für einzelne Sängerinnen und Sänger mit oft sehr individuellen Stimmmerkmalen und Umfängen geschrieben. Im 19. Jahrhundert wurden Stimmen aller Lagen tendenziell möglichst weit nach oben ausgedehnt. Daher gibt es Rollen mit Schwerpunkt im Altbereich, die kurzzeitig hohe Töne verlangen, etwa mehrere Rollen für Rossinis Koloratur-Alt.
Viele professionelle Sängerinnen singen deshalb sowohl Alt- als auch Mezzosopranpartien. Reine Altstimmen sind selten, daher werden Altrollen oft mit tiefem Mezzosopran besetzt. Umgekehrt übernehmen Sängerinnen mit hohem oder erweitertem Alt manchmal Mezzosopranpartien; dies kann jedoch zu frühzeitigen Stimmschäden führen. Rollen für tiefen Mezzosopran oder Alt mit großer Höhe sind beispielsweise Rossinis Isabella in L’italiana in Algeri, Tancredi und Arsace in Semiramide, außerdem Fidès in Meyerbeers Le prophète, Azucena in Verdis Il trovatore, Maddalena in Rigoletto und Dalila in Saint-Saëns’ Samson et Dalila.
Kontra-Alt nennt man sehr tiefe Frauenstimmen, die ungefähr im Bereich eines Tenors oder sogar Baritons liegen. Für sie gibt es in der klassischen Musik kaum Partien. Ambrosina wirkte beispielsweise in sakralen Werken Vivaldis mit, unter anderem im Beatus vir RV 795.
Knabenalt
Knabenalt ist die dem Alt entsprechende Stimme eines Jungen vor dem Stimmbruch. Eine noch höhere Jungenstimme heißt Knabensopran. In Knabenchören singen jüngere Jungen traditionell die hohen Stimmlagen.
Manche Männer können auch nach dem Stimmbruch Alt singen, meist mit Kopfstimme oder Falsett-Technik. Das erzeugt jedoch einen anderen Klang als eine Knabenstimme. Früher wurde die Stimme guter Knabensänger durch Kastration erhalten; dies wird heute aus ethischen Gründen nicht mehr praktiziert.
Typische Rollen für Knabenalt sind der Dritte Knabe in Mozarts Die Zauberflöte, der Hirtenknabe in Puccinis Tosca, Joas in Händels Athalia, die Knabenstimme in Bernsteins Chichester Psalms und in Sutermeisters Romeo und Julia sowie Puck in Webers Oberon.