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Hambacher Fest

Es fand vom 27. bis zum 30. Mai 1832 auf dem Hambacher Schloss statt. Das Schloss liegt in der Nähe von Hambach, heute Stadtteil von Neustadt an der Weinstraße.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Voraussetzungen
  2. 2. Organisation und Festzug
  3. 3. Forderungen und Verlauf
  4. 4. Fahnen, Folgen und spätere Entwicklung
  5. 5. Erinnerung und Gegenwart

Bedeutung und Voraussetzungen

Das Hambacher Fest war eine politische Volksversammlung vom 27. bis 30. Mai 1832 auf dem Hambacher Schloss bei Hambach, heute einem Stadtteil von Neustadt an der Weinstraße. Es gilt als eines der wichtigsten Ereignisse der deutschen Demokratie- und Liberalismusgeschichte. Als Höhepunkt der bürgerlichen Opposition in der Restauration und am Beginn des Vormärz verband es Forderungen nach nationaler Einheit, Freiheit und Volkssouveränität. Volkssouveränität bedeutet, dass die politische Macht vom Volk ausgehen soll, nicht von einem König durch göttliche Legitimation.

Die Rheinpfalz gehörte nach französischer Herrschaft und den Beschlüssen des Wiener Kongresses zunächst zu Österreich, ab 1816 zu Bayern. Teile der unter Frankreich geltenden Freiheitsrechte und des Code civil blieben erhalten, gerieten aber wiederholt in Konflikt mit der bayerischen Zentralgewalt und der restaurativen Politik der Ära Metternich.

Die Opposition wurde durch das Bildungsbürgertum, Studenten und Burschenschaften geprägt. Beim Wartburgfest 1817 hatten Studenten bereits nationale Einheit, Rede- und Pressefreiheit, Bürgerrechte sowie den Abbau von Zöllen und Handelshemmnissen gefordert. Die Karlsbader Beschlüsse vom 20. September 1819 verboten diese Bewegung weitgehend und leiteten die Demagogenverfolgung ein. Ihre Ideen wurden jedoch weitergegeben.

Auch wirtschaftliche Not verstärkte die Unzufriedenheit. Die Pfalz war durch hohe Zölle und Steuern benachteiligt; die Steuern lagen zwei- bis viermal so hoch wie in „Altbayern“. Nach Missernten, strengen Wintern und schlechten Ernten stiegen die Preise für Grundnahrungsmittel von 1829 bis 1832 um mehr als ein Drittel. Fast ein Fünftel der regionalen Bevölkerung wurde wegen illegalen Holzschlagens, des sogenannten Forstfrevels, angeklagt.

Die französische Julirevolution von 1830, die Belgische Revolution von 1830/31 und der polnische Novemberaufstand von 1830/31 ermutigten liberale und nationale Bewegungen. Besonders liberale Bürger solidarisierten sich mit polnischen Flüchtlingen. Pressezensur erschwerte zugleich die Berichterstattung über innerdeutsche Konflikte und förderte das Interesse an den Revolutionen im Ausland.

Organisation und Festzug

Die Journalisten Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth waren wegen ihrer oppositionellen Zeitungen Westbote und Deutsche Tribüne von Zensur und staatlichen Maßnahmen betroffen. Gemeinsam mit anderen gründeten sie am 29. Januar 1832 beim „Ersten Schülerfest“ den Deutschen Preß- und Vaterlandsverein (PVV). Der Verein wollte die freie Presse unterstützen und vertrat die Auffassung, Gesetzmäßigkeit müsse aus der Volkssouveränität hervorgehen.

Die bayerische Regierung verbot den Verein und die Deutsche Tribüne zum 1. März 1832. Wirth wurde am 16. März verhaftet, aber am 14. April vom Appellationsgericht Zweibrücken freigesprochen. Dies stärkte die Opposition. Siebenpfeiffer schlug anschließend ein „deutsches Nationalfest“ in Hambach vor; die Einladung erschien am 20. April 1832. Ein zunächst erlassenes Verbot und weitere Beschränkungen musste die Regierung nach Protesten teilweise zurücknehmen, hielt aber am Festverbot fest. Gerade der Konflikt steigerte die öffentliche Aufmerksamkeit.

Am 27. Mai formierte sich um 8 Uhr in Neustadt ein Zug zum vier Kilometer entfernten und 200 Meter höher gelegenen Hambacher Schloss. Bürgergarden, Frauen, Abordnungen aus deutschen Staaten und weitere Besucher zogen mit Fahnen, Liedern und Kokarden hinauf. Die Fahne Johann Philipp Abreschs trug die Aufschrift „Deutschlands Wiedergeburt“. Die Weinbauern wiesen mit der Fahne „Die Weinbauern müssen trauern“ auf ihre wirtschaftliche Lage hin.

Gegen 11 Uhr versammelten sich 20.000 bis 30.000 Menschen auf der Schlossruine. Sie kamen aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten, aus 15 deutschen Kleinstaaten sowie unter anderem aus Frankreich, Polen und England. Das Festkomitee hisste eine polnische Fahne und eine deutsche Fahne mit „Deutschlands Wiedergeburt“. Auch Frauen nahmen teil; Siebenpfeiffers Einladung hatte ausdrücklich deutsche Frauen und Jungfrauen zur Anwesenheit aufgefordert.

Forderungen und Verlauf

Am ersten Festtag eröffneten Dr. Hepp, Siebenpfeiffer und Wirth die Reden. Siebenpfeiffer rief zu einem „freien, einigen Deutschland“ auf und verband dies mit Solidarität für Polen, Franzosen und alle Völker, die ihre „Ketten“ brächen. Wirth verlangte, Männer für eine deutsche Reform zu wählen, und sprach von den „vereinigten Freistaaten Deutschlands“ sowie einem „conföderirten republikanischen Europa“.

Die zentralen Forderungen waren nationale Einheit, das Ende des Absolutismus und der Kleinstaaterei, Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit, Bürgerrechte, religiöse Toleranz, Volkssouveränität und eine europäische Ordnung gleichberechtigter Völker. Die Redner wollten Deutschland nicht allein vereinigen, sondern politische Freiheit und eine republikanische Neuordnung erreichen. Wirth erhielt für seinen Einsatz für Pressefreiheit ein Schwert mit der Inschrift „Dem Wirth/Deutsche in Frankfurt“ und dem Wahlspruch „Vaterland – Ehre – Freiheit“.

Da das Vereinsrecht Versammlungen von mehr als 20 Personen untersagte, stellten die Organisatoren einen Teil der Zusammenkunft als Festessen einer „geschlossenen Gesellschaft“ dar; etwa 1400 Personen nahmen daran teil. Insgesamt sollen beim Fest etwa 33 Redner gesprochen haben. Weil das Gelände weitläufig war, wiederholten Redner ihre Aussagen an verschiedenen Orten. Einige besonders radikale Beiträge wurden nicht in Wirths Festzeitschrift gedruckt.

Am 28. Mai berieten etwa 500 bis 600 führende Bürgerliche und Studenten in Neustadt über das weitere Vorgehen. Siebenpfeiffer schlug vor, Vertrauensmänner zu wählen, die als provisorische Regierung oder Nationalvertretung dem Bundestag gegenübertreten sollten. Die Versammelten beschlossen, ähnliche Feste zu organisieren und die Pressearbeit des PVV auszubauen. Über einen gewaltsamen Umsturz bestand keine Einigkeit; ein entsprechender Beschluss kam nicht zustande. Die Feierlichkeiten endeten am 1. Juni mit dem Einholen der polnischen Fahne und der Fahne „Deutschlands Wiedergeburt“.

Fahnen, Folgen und spätere Entwicklung

Schwarz-Rot-Gold wurde beim Fest durch Fahnen und Kokarden zum Symbol des Strebens nach nationaler Einheit. Die Farben hatten sich in der Burschenschaftsbewegung verbreitet. Zeitgenössische Darstellungen zeigen häufig eine von unten nach oben zu lesende Farbreihung. Abreschs Fahne von 1832 trug Schwarz-Rot-Gold dagegen wie heute von oben nach unten; sie wird im Museum des Hambacher Schlosses aufbewahrt.

Nach dem Fest wurden Initiatoren verfolgt und verurteilt, schwarz-rot-goldene Fahnen verboten. In mehreren Orten entstanden Freiheitsbäume und lokale Unruhen, besonders in St. Wendel, wo erst 1000 preußische Soldaten und der Ausnahmezustand Ruhe herstellten. Gegen Organisatoren und Redner fand vom 29. Juli bis 16. August 1833 ein Verfahren vor dem außerordentlichen Assisengericht in Landau statt. Die Hauptangeklagten wurden zwar freigesprochen, in späteren Verfahren jedoch teils verurteilt. Siebenpfeiffer und Wirth flohen in die Schweiz, Friedrich Schüler nach Frankreich.

Der Deutsche Bund verschärfte die Repression: Presse- und Versammlungsfreiheit wurden eingeschränkt, Universitäten überwacht und Verdächtige verfolgt. Die Bundeszentralbehörde, am 30. Juni 1833 in Frankfurt gegründet, ermittelte bis 1842 gegen mehr als 2.000 Verdächtigte und führte das „Schwarze Buch“. Der Frankfurter Wachensturm von 1833 steht laut Artikel nicht in direkter Quellenverbindung zum Hambacher Fest, hatte aber personelle Überschneidungen.

In der Märzrevolution 1848/49 lebten die republikanischen Ziele wieder auf. Mehrere Hambach-Teilnehmer kehrten aus dem Exil zurück und wurden in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt, die die Paulskirchenverfassung ausarbeitete. Die deutsche Einigung von 1870/71 erfolgte später als „kleindeutsche“ Einigung unter Ausschluss Österreichs und wurde von oben durch Otto von Bismarck und Kaiser Wilhelm I. herbeigeführt.

Erinnerung und Gegenwart

Das Hambacher Fest blieb in Schulbüchern präsent, wurde aber unterschiedlich gedeutet. Im Deutschen Kaiserreich trat die Forderung nach deutscher Einheit in den Vordergrund, während liberale Ziele und einzelne Akteure abgeschwächt dargestellt wurden. Schulbücher der Weimarer Republik beschrieben das Fest überwiegend positiv als wichtigen Schritt zu den Grundwerten der ersten parlamentarischen Demokratie. Im Nationalsozialismus wurde die Bewegung auf einen nationalen Gedanken verkürzt und der Liberalismus diffamiert; dabei enthielt die Darstellung antisemitische Aussagen. In der DDR wurden die Ideen des Festes als fortschrittlich und positiv bewertet und mit Wiedervereinigungsbemühungen verbunden.

Das Hambacher Schloss ist heute Museum und Tagungsstätte mit rund 200.000 Besuchern pro Jahr und eine Station der 2007 eingerichteten Straße der Demokratie von Frankfurt bis Lörrach. Die Dauerausstellung zeigt Fahnen, eine Druckerpresse und zeitgenössische Dokumente. Eine Hambacher Fahne hängt im Plenarsaal des Rheinland-Pfälzischen Landtags.

Seit 1986 fördert die Hambach-Gesellschaft für historische Forschung und politische Bildung das Andenken. Seit 2002 dient die Stiftung Hambacher Schloss dem Erhalt des Schlosses als bedeutender Ort der deutschen Demokratieentwicklung und europäischen Zusammenarbeit. Preise erinnern an zentrale Personen: der Siebenpfeiffer-Preis wird seit 1987 an Journalisten verliehen, der Ludwig-Börne-Preis seit 1993 an deutschsprachige Autoren im Bereich Essay, Kritik und Reportage und der Johann-Georg-August-Wirth-Preis seit 2009 für Verdienste um die Aus- und Weiterbildung des publizistischen Nachwuchses.

Veranstaltungen unter dem Namen Neues Hambacher Fest fanden im Mai 2018 und Juni 2019 statt. Sie sollten an 1832 anknüpfen, wurden von Max Otte für die AfD-nahe Desiderius-Erasmus-Stiftung organisiert und sind politisch sowie gesellschaftlich umstritten.

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