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Deutsche Revolution 1848/1849

Mai 1848 in der Paulskirche in der damals freien Stadt Frankfurt am Main zusammentrat. Die Nationalversammlung setzte eine Zentralregierung ein und sah sich …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Ziele der Revolution
  2. 2. Ursachen und Vorgeschichte
  3. 3. Verlauf und regionale Entwicklungen
  4. 4. Paulskirche und Verfassungsfrage
  5. 5. Folgen und historische Bedeutung
  6. 6. Deutungen des Scheiterns

Kern und Ziele der Revolution

Die Deutsche Revolution von 1848/1849, in ihrer ersten Phase auch Märzrevolution genannt, war das revolutionäre Geschehen zwischen März 1848 und Juli 1849 im Deutschen Bund. Sie erfasste auch Gebiete außerhalb des Bundes, die von Österreich oder Preußen beherrscht wurden, etwa Ungarn, Oberitalien und Posen.

Die Revolution war Teil der europäischen Revolutionen 1848/1849. Ihre wichtigsten Ziele waren politische Freiheitsrechte, demokratische Reformen, eine Verfassung und die nationale Einigung der deutschen Staaten. Sie richtete sich gegen die Restaurationspolitik der Fürstenhäuser, die nach dem Wiener Kongress von 1815 die alte Ordnung, die Vorherrschaft des Adels, Zensur und die Unterdrückung liberaler und nationaler Bewegungen sichern wollte.

In Deutschland begann die Revolution im Großherzogtum Baden und griff innerhalb weniger Wochen auf andere Staaten über. In vielen Ländern mussten die Fürsten liberale Regierungen, die sogenannten Märzkabinette, einsetzen. Außerdem wurden Wahlen zu einer verfassungsgebenden Nationalversammlung ermöglicht. Diese trat am 18. Mai 1848 in der Frankfurter Paulskirche zusammen und verstand sich als Parlament eines entstehenden Deutschen Reiches.

Zu den frühen Erfolgen gehörten die Aufhebung der Pressezensur, Ansätze zur Bauernbefreiung und die Forderung nach öffentlicher Rechtsprechung. Ab Mitte 1848 geriet die revolutionäre Bewegung jedoch immer stärker in die Defensive. Die Gegenkräfte in Preußen und Österreich gewannen wieder an Macht. 1849 scheiterte der Versuch, einen demokratisch verfassten, einheitlichen deutschen Nationalstaat zu schaffen. Die letzten Aufstände, besonders in Baden, Sachsen, der Pfalz und der preußischen Rheinprovinz, wurden bis Juli 1849 militärisch niedergeschlagen.

Ursachen und Vorgeschichte

Wichtige Ursachen lagen in wirtschaftlicher Not, sozialen Spannungen und politischer Unterdrückung. Das Krisenjahr 1847 folgte auf eine schwere Missernte 1846. In vielen Regionen kam es zu Hungersnöten und Hungerrevolten, etwa zur Berliner „Kartoffelrevolution“ im April 1847. Besonders betroffen waren Arbeiter, verarmte Handwerker, Landarbeiter und andere Gruppen, die unter Pauperismus litten, also vorindustrieller Massenarmut.

Die Industrialisierung verschärfte viele Probleme. Im Textilgewerbe arbeiteten viele Familien in schlecht bezahlter Heimarbeit. Technische Neuerungen und billigere Massenproduktion ließen traditionelle Handwerke zurückgehen. Gleichzeitig wuchs die Bevölkerung stark, sodass Landwirtschaft und Industrie nicht genügend Arbeit boten. Es entstand Massenarbeitslosigkeit und ein wachsendes Proletariat, also eine abhängig beschäftigte Arbeiterklasse. Ein frühes Zeichen dieser sozialen Krise war der schlesische Weberaufstand vom Juni 1844, der nach wenigen Tagen von preußischem Militär niedergeschlagen wurde.

Auch das Bürgertum hatte Gründe zur Unzufriedenheit. Zollgrenzen und Kleinstaaterei behinderten Handel und wirtschaftliche Entwicklung. Der Deutsche Zollverein vom 22. März 1833 erleichterte zwar den Handel und brachte Ende der 1830er Jahre Aufschwung, änderte aber wenig an der Not der ärmeren Bevölkerung.

Politisch war die Zeit seit 1815 vom System der Restauration geprägt. Der österreichische Staatskanzler Klemens Wenzel von Metternich stand besonders für diese Politik. Liberale Reformen, nationale Einigung, Pressefreiheit und demokratische Rechte wurden unterdrückt. Die Karlsbader Beschlüsse von 1819 schufen gesetzliche Grundlagen für Repression gegen Burschenschaften und andere oppositionelle Gruppen. Trotzdem blieben nationale und demokratische Ideen lebendig, etwa beim Wartburgfest 1817, beim Hambacher Fest 1832 und beim Frankfurter Wachensturm 1833. Die französische Julirevolution von 1830 und später die Februarrevolution von 1848 gaben den oppositionellen Kräften neuen Auftrieb.

Verlauf und regionale Entwicklungen

Ein direkter Auslöser war die Februarrevolution 1848 in Frankreich, bei der König Louis Philippe abgesetzt und die Zweite Republik ausgerufen wurde. In Deutschland formulierte die Mannheimer Volksversammlung am 27. Februar 1848 zentrale Märzforderungen: Volksbewaffnung mit freier Wahl der Offiziere, unbedingte Pressefreiheit, Schwurgerichte nach englischem Vorbild und die sofortige Einrichtung eines deutschen Parlaments.

In Baden trat der radikaldemokratische Flügel besonders stark hervor. Friedrich Hecker und Gustav Struve forderten Volkssouveränität, Abschaffung von Adelsprivilegien, Volksbewaffnung und eine progressive Einkommensteuer. Der Heckeraufstand im April 1848 scheiterte bei Kandern, ein weiterer Aufstand Struves im September 1848 ebenfalls. 1849 wurde Baden zum wichtigsten Zentrum der Reichsverfassungskampagne. Nach der Meuterei der Garnison in Rastatt am 11. Mai und der Flucht Großherzog Leopolds übernahm am 1. Juni eine provisorische Regierung unter Lorenz Brentano die Macht. Preußische Truppen schlugen die badische Revolution nieder; mit dem Fall Rastatts am 23. Juli 1849 endete die Deutsche Revolution symbolisch und praktisch.

In Preußen kam es am 18. März 1848 in Berlin nach zwei Schüssen aus Militärgewehren zu Barrikadenkämpfen. Mehrere Hundert Menschen starben, über Tausend wurden verletzt. König Friedrich Wilhelm IV. machte zunächst Zugeständnisse, bekannte sich öffentlich zu Schwarz-Rot-Gold und setzte ein liberales Märzministerium ein. Später vollzog er eine reaktionäre Wende. Die preußische Nationalversammlung wurde im November 1848 militärisch aufgelöst, und am 5. Dezember oktroyierte der König eine Verfassung, die deutlich hinter den Forderungen der Revolution zurückblieb. 1849 wurde ein Dreiklassenwahlrecht eingeführt, das die Besitzenden bevorzugte und in Preußen bis 1918 galt.

In Österreich begann die Revolution am 13. März 1848 in Wien. Metternich trat zurück und floh nach England. Kaiser Ferdinand I. versprach Pressefreiheit und eine Verfassung. Die Pillersdorfsche Verfassung vom 25. April 1848 blieb jedoch provisorisch und löste neue Unruhen aus. Der Wiener Oktoberaufstand wurde Ende Oktober 1848 blutig niedergeschlagen. Robert Blum, Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, wurde am 9. November 1848 trotz parlamentarischer Immunität erschossen. Am 2. Dezember 1848 dankte Ferdinand I. ab; Franz Joseph I. wurde Kaiser.

Auch in Böhmen, Ungarn und Italien kam es zu wichtigen Erhebungen gegen österreichische Herrschaft. Der Prager Pfingstaufstand wurde am 16. Juni 1848 niedergeschlagen. Ungarn erklärte am 14. April 1849 seine Unabhängigkeit vom Haus Habsburg-Lothringen und rief die Republik aus; der Aufstand wurde mit russischer Hilfe bis Oktober 1849 niedergeschlagen. In Oberitalien kämpften revolutionäre Kräfte und Sardinien-Piemont gegen Österreich, wurden aber 1848 bei Custozza und 1849 bei Novara besiegt. Venedig blieb bis zum 24. August 1849 revolutionäre Bastion.

Weitere wichtige Schauplätze waren Bayern, Sachsen, das Großherzogtum Hessen sowie Schleswig und Holstein. In Bayern dankte Ludwig I. im März 1848 zugunsten Maximilians II. ab; 1849 wurde der Pfälzische Aufstand von preußischen Truppen niedergeschlagen. In Sachsen scheiterte der Dresdner Maiaufstand vom 3. bis 9. Mai 1849. In Schleswig-Holstein führte der Konflikt um nationale Zugehörigkeit und Verfassung zum ersten Deutsch-Dänischen Krieg. Der Waffenstillstand von Malmö vom 26. August 1848 zeigte deutlich, wie abhängig die Frankfurter Nationalversammlung von Preußen war.

Paulskirche und Verfassungsfrage

Die Frankfurter Nationalversammlung war das erste gesamtdeutsche demokratisch, allerdings nur von Männern, gewählte Parlament. Sie trat am 18. Mai 1848 in der Paulskirche in Frankfurt am Main zusammen. Ihr Ziel war es, die deutsche Einheit vorzubereiten und eine Reichsverfassung auszuarbeiten. Zum Präsidenten wurde der gemäßigte Liberale Heinrich von Gagern gewählt.

Die Nationalversammlung setzte eine provisorische Zentralgewalt ein. An ihrer Spitze stand der österreichische Erzherzog Johann als Reichsverweser; Karl zu Leiningen wurde Ministerpräsident des neuen Reichsministeriums. Damit sollte eine gesamtdeutsche Regierung entstehen. In der Praxis fehlten ihr aber eigene Machtmittel. Viele Beschlüsse konnten nur durchgesetzt werden, wenn Preußen, Österreich oder andere Einzelstaaten mitwirkten.

Im Parlament waren vor allem gebildete und besitzende Bürger vertreten: Beamte, Professoren, Juristen, Richter, Offiziere und andere Angehörige des gehobenen Bürgertums. Arbeiter waren nicht vertreten, Bauern, Handwerker und Unternehmer nur wenig. Deshalb wurde das Parlament spöttisch „Honoratiorenparlament“ oder „Professorenparlament“ genannt.

Politisch bildeten sich verschiedene Lager. Die demokratische Linke wollte eine parlamentarische gesamtdeutsche demokratische Republik. Das liberale Zentrum, die sogenannten „Halben“, bevorzugte meist eine konstitutionelle Monarchie. Innerhalb dieser Lösung stritt man über die kleindeutsche Lösung ohne Österreich und die großdeutsche Lösung mit Österreich. Die konservative Rechte wollte stärker am bestehenden Zustand festhalten.

Am 28. März 1849 verabschiedete die Nationalversammlung die Paulskirchenverfassung. Sie sah eine kleindeutsche Lösung unter preußischer Führung vor; der preußische König sollte Kaiser werden. Friedrich Wilhelm IV. lehnte die ihm angebotene Kaiserwürde am 3. April 1849 jedoch ab. Damit war die Nationalversammlung faktisch gescheitert. Die folgenden Maiaufstände sollten die Reichsverfassung dennoch durchsetzen, wurden aber militärisch niedergeschlagen. Das nach Stuttgart ausgewichene Rumpfparlament wurde am 18. Juni 1849 von württembergischen Truppen aufgelöst.

Folgen und historische Bedeutung

Die Revolution scheiterte an ihrem Hauptziel: Ein liberal-konstitutioneller und demokratisch legitimierter deutscher Nationalstaat entstand nicht. Nach der Niederschlagung setzte sich eine Reaktionsära durch. Anhänger liberaler, republikanisch-demokratischer oder sozialistischer Ideen wurden verfolgt. Zehntausende flohen aus den deutschen Staaten, besonders nach Frankreich, England, in die Schweiz, nach Australien und in die USA. In den USA wurden viele Geflüchtete als „Forty-Eighters“ bezeichnet.

Trotz des Scheiterns blieben wichtige Ergebnisse bestehen. Die feudale Ordnung wurde endgültig geschwächt oder beendet, besonders durch die Aufhebung der Erbuntertänigkeit und feudaler Lasten. Die Öffentlichkeit der Strafgerichtsbarkeit und Geschworenengerichte verbesserten die Rechtssicherheit. Durch die Lockerung der Pressezensur entstand eine vielfältigere Presselandschaft, von linken Zeitungen wie der Neuen Rheinischen Zeitung bis zu konservativen Blättern wie der Neuen Preußischen Zeitung; auch die Satirezeitschrift Kladderadatsch entstand 1848.

Die Revolution prägte das Verhältnis von Nation und Demokratie in Deutschland langfristig. Die nationale Einigung wurde später nicht von unten durch eine demokratische Revolution, sondern von oben unter preußischer Führung durchgesetzt. Nach den Einigungskriegen gegen Dänemark, Österreich und Frankreich entstand 1871 das Deutsche Reich mit Wilhelm I. als Deutschem Kaiser. Der Artikel verbindet diese Entwicklung mit einer späteren Stärkung von Nationalismus und Militarismus sowie mit langfristigen politischen Konflikten bis ins 20. Jahrhundert.

Zugleich wirkten die demokratischen Ideen weiter. Elemente der Paulskirchenverfassung, besonders Grundrechte, gingen später in die Weimarer Verfassung und in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ein. Auch Arbeiterbewegung und Frauenbewegung konnten 1848/49 noch nicht entscheidend mitbestimmen, wurden aber organisatorisch gestärkt. Am 3. September 1848 entstand in Berlin die Allgemeine Deutsche Arbeiterverbrüderung als erste überregionale Organisation der deutschen Arbeiterschaft. Am 12. Mai 1849 gründete Louise Otto die politisch motivierte Frauen-Zeitung.

Deutungen des Scheiterns

Die Forschung beurteilt die Revolution nicht nur als einfach gescheitert. Hans-Ulrich Wehler nennt mehrere Gründe für ihre Schwäche: Die frühen Erfolge führten zur Selbstüberschätzung, Liberale und Demokraten spalteten sich, ländliche Besitzklassen zogen sich nach Agrarreformen teilweise zurück, die Regionen Deutschlands waren sehr unterschiedlich, und es fehlte eine große Allianz der revolutionären Kräfte. Außerdem mussten zu viele Modernisierungsaufgaben gleichzeitig gelöst werden.

Thomas Nipperdey betont, dass die Liberalen zwischen radikaler Linker und Gegenrevolution standen. Sie wollten das Bestehende verändern, aber die Revolution in legale Bahnen bringen. Ihre Angst vor sozialer Revolution sei möglicherweise übertrieben, aber nicht grundlos gewesen. Für ihn lag das Scheitern auch an den vielfältigen Widerständen und an den inneren Spannungen der deutschen Gesellschaft.

Mike Rapport sieht die Revolution als verpasste Chance und als Beginn eines deutschen Sonderwegs, weil die spätere Einheit von oben und mit preußischer Militärmacht geschaffen wurde. Helga Grebing betrachtet die Sonderwegsthese kritisch und verweist auf die Formulierung, die Revolution sei eher „unvollendet“ als einfach „gescheitert“ gewesen.

Wehler weist außerdem darauf hin, dass es mittelbare Erfolge gab: Agrarreformen wurden nicht rückgängig gemacht, Feudalismus in der ländlichen Gesellschaft wurde beendet, die Gerichtsverfassung wurde reformiert, und mit Ausnahme Österreichs hatten nach der Revolution alle deutschen Staaten eine Verfassung. Hahn und Berding sehen 1848/49 als Höhepunkt eines längeren Umbruchs, der die Gesellschaft politisierte, parlamentarische und parteipolitische Traditionen begründete und eine neue nationale Öffentlichkeit schuf.

Lernvideos zu Deutsche Revolution 1848/1849

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