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MrWissen2Go erklärt das Hambacher Fest

Landtag Rheinland-Pfalz25:41 1.866 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 195 Zeilen
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  1. Die Frage an Sie, wer von ihnen ist heute zu Fuß zum Hambacher Schloss, also wirklich von ganz unten. Respekt. War eine ganz schöne Distanz. Also von
  2. Neustadt aus. Ich habe das mal geguckt. Bei Google Maps sehen wir hier 1 Stunde 8 Minuten, 4,2 km, aber ist natürlich was anderes 4,2 km irgendwo durch die
  3. Stadt zu laufen als den Berg hoch. Ich habe schon geschnaucht vom Parkplatz hier hoch. Also ist wirklich eine reife Leistung. Schön, dass sie das gemacht
  4. haben. Und ganz klar ist, das war auch vor knapp 200 Jahren nicht anders. Und trotzdem haben sich im Mai 1832 viele Menschen genau diesen Fußmarsch
  5. vorgenommen. Und wenn ich sage viele Menschen, dann meine ich das auch tatsächlich. Es sind nicht 50 oder 100, es waren irgendwo zwischen 20 und 30.000
  6. Menschen. Also wirklich eine ganze Menge. Die sind erst marschiert auf dem Neustadter Marktplatz und dann haben sie sich hier oben versammelt. Damals muss
  7. man sagen, stand hier noch nicht dieses schön restaurierte Schloss, wir haben es gerade gehört, sondern eine Ruine, die ungefähr so aussah. 1688 im Felsischen
  8. Erfolgekrieg zerstört worden, wie viele andere historische Gebäude auch von den Franzosen damals. Bis in die 1960er Jahre hinein war dieses Gebäude eine
  9. Ruine und erst dann, wir haben das eben gehört, ab dem 150. Hambach Jubiläum gab es dann eine Restauration und dieser Ort wurde zu einer Veranstaltungs und
  10. Informationsstätte. Also 20 bis 30.000 Menschen haben sich im Mai 1832 auf den Weg zu einer Ruine gemacht. Die war auch nicht wirklich attraktiv, muss man
  11. sagen, zu dieser Zeit. Die Frage ist, warum haben sie das gemacht und warum gerade hier in der Pfalz? Und genau darüber würde ich gerne in den kommenden
  12. Minuten sprechen. Es geht natürlich um das Hambacherfest von 1832. Und dabei werden wir zwei Männer ein bisschen näher kennenlernen, von denen
  13. wir einen heute auch schon genannt bekommen haben, nämlich ihn hier Philip Jakob 7 Pfeifer und auch er hier war wichtig, Johann Georg August wird.
  14. Damals hat man auch viele zwei dritt vierten Namen gehabt. Zwei Männer, die eigentlich gar nicht aus der Pfalz kamen, aber für die Pfals eine große
  15. Rolle gespielt haben und sich sozusagen hier in der Region unsterblich gemacht haben. Und wir werden uns anschauen, welche Rolle diese Männer gespielt
  16. haben. Wir weren uns, ich habe es gerade schon mal angedeutet, anschauen, was unzufriedene pelische Winzer mit dieser ganzen Sache zu tun hatten und wir
  17. werden auch erfahren, warum das Hambacher Fest sozusagen die Geburtsstunde der Nationalflagge, der heutigen deutschen Nationalflagge
  18. gewesen ist. Das wird interessant und wie immer bei einer Fernsehserie, die wir jetzt heute gar nicht haben, aber bei einer Fernsehserie würde man sagen,
  19. was bisher geschah. Machen wir mal einen kleinen Rückblick, was geschah denn vor 1832? Und da landen wir bei dieser Karte, die
  20. auch gerne mal als Flickenteppich bezeichnet wird. 1815, der deutsche Bund, einen deutschen Nationalstaat, wie wir das heute kennen, wie es ihn dann
  21. später auch gab. Den gab es damals noch nicht. Lange gab es das heilige römische Reich deutscher Nation und dann eben später den deutschen Bund. Davor die
  22. Franzosen Napoleon haben alles durcheinander gewirbelt. Von 1792 bis 1814 waren Teile der Pfals auch immer wieder ganz oder zumindest hier und da
  23. französisch. Landau z.B. lange eine französische Stadt gewesen und die Landkarte wurde immer wieder neu gemischt, bis Napoleon dann 1815 die
  24. entscheidende Schlacht von Wat endgültig verloren hat. Und dann gab es den Wiener Kongress. Sie wissen das nach dieser Schlacht hier und beim Wiener Kongress
  25. wurden die Verhältnisse noch einmal neu geortet und das Ergebnis war dann eben diese Flagge hier. Viel hin und her. Wichtig ist einfach 1815 sah es so aus.
  26. der deutsche Bund eine Vereinigung aus 35 einzelnen Fürstentümern, vier freie Städte. Österreich gehörte auch dazu und eben kein deutscher Nationalstaat. Es
  27. gab zwar auf einigen Ebenen eine Zusammenarbeit, aber keinen einheitlichen Staat. Und was war mit der Pfalz? Also mit diesem kleinen Teil
  28. hier. Wir sehen das schon, die Pfalz war damals gar nicht die Pfalz. Wir lesen Königreich Bayern. Ist es vielleicht ein Druckfehler? Nein, kein Druckfehler. War
  29. tatsächlich so. 1816 haben sich Österreich und Bayern drauf geeinigt, dass dieser Teil bayerisch wird. Die Pfelser hatten gar nichts damit zu reden
  30. und so wurde das Bayern, auch wenn es gar nicht zu Bayern gehört hat. Das ist also vom restlichen Königreich Bayern abgetrennt und die Pelzer waren damit,
  31. kann man sagen, nicht unbedingt zufrieden. Um es mal vorsichtig zu formulieren, man hat die Bayern auch so ein Stück weit als Besatzungsmacht
  32. teilweise wahrgenommen. Rheis wurde dieses Gebiet genannt ab 1837 dann Rinfalz. Wissen Sie auch, warum eine bekannte Zeitung so heißt. Und damit war
  33. Deutschland neu geordnet oder besser gesagt Deutschland war alt geordnet, denn man hat die alte Ordnung wiederhergestellt. So wurde das damals
  34. gesagt. Also den Monarchen ging es einfach darum, ihre alte Macht wieder zu haben. Allerdings muss man sagen, damit sind auch einige Errungenschaften
  35. begraben worden, nämlich die Errungenschaften, die die Franzosen mitgebracht hatten, hierfür die Gebiete in der Pfalz, Freiheit, Gleichheit,
  36. Brüderlichkeit, natürlich das zentrale Motto der französischen Revolution und damit einher ging für diese Region hier die sogenannten reinischen
  37. Institutionen. Das waren also bestimmte Privilegien, die man hier in der Region hatte und die haben sich die Felser zumindest erkämpft, dass die
  38. aufrechhalten worden sind. Man hatte also hier in diesem Teil Bayerns etwas mehr Rechte als in anderen Teilen des deutschen Bundes. 1816 hat man die Weite
  39. bekommen und diese Institutionen werden von der Stiftung Hambacher Schloss, die ja auch heute hier vertreten ist, so zusammengefasst. Zu ihnen zählten unter
  40. anderem die Gleichheit vor dem Gesetz und somit die Abschaffung von Vorrechten des Ades, die Gewerbefreiheit und Freizügigkeit, die Bauernbefreiung, die
  41. Abschaffung der Erbunterthnigkeit, die Trennung von Justiz und Verwaltung sowie von Kirche und Staat. geschworenen Gerichte, die Mündlichkeit und
  42. Öffentlichkeit von Gerichtsverfahren sowie die Freiheit und Sicherheit des Eigentums. Klingt für uns heute alle selbstverständlich, aber wir sprechen
  43. hier vom Beginn des 19. Jahrhunderts, das Zeitalter des Absolutismus noch gar nicht so lange her. Monarchen waren es gewohnt durchzuregieren, ohne dass ihnen
  44. jemand reinredet. Da gab es aber hier durchaus den einen oder anderen Punkt, den die Menschen in der Pfalz, die damals nicht Pfalz hieß, hatten. Es gab
  45. hier in der Region, wir haben das gerade schon gehört, sogar mal zhafte Versuche eine Demokratie zu etablieren. Die meinste Republik, die Bergzaberner
  46. Republik, die na ja letztlich dann nur ganz kurz bestanden haben und auch in anderen Ortschaften hat man früh versucht Schritte zu gehen in Richtung
  47. Demonokratie. Deshalb kann man tatsächlich sagen, hier in der Pfalz liegt eine der Keimzellen der deutschen Demokratie schon vor 1832.
  48. Und genau deshalb waren die Pfelzer überhaupt nicht begeistert, dass jetzt die Bayern hierherk und alles irgendwie über den Haufen werfen wollten und dazu
  49. kamen noch die Maßnahmen der KSP der Beschlüsse. Viele Dinge, die mit Demokratie zu tun hatten, waren verboten. Um die alte Ordnung aufrecht
  50. zu erhalten, haben die Monarchen unter anderem die Meinungsfreiheit eingeschränkt, die Versammlungsfreiheit, die Pressefreiheit. Sie wurde zensiert,
  51. die Presse, politische Aktivitäten weitesgehend verboten. Man wollte also das, was die Zeit mit sich gebracht hat, irgendwie aufhalten. Ist aber nur mäßig
  52. gelungen. Und da sind wir jetzt schon hier in Hamburg 1832. Es brodelt im deutschen Bund. Dem Nachballand Frankreich hat es mal wieder
  53. eine Revolution gegeben. 1830 Revolution auch in den Niederlanden in Polen haben patriotische Kämpfer versucht die Besatzungsmacht, die russische wieder
  54. loszuwerden. Ist nicht ganz geglückt, aber man hat gemerkt, da passiert gerade etwas in Europa, überall Freiheits und Demokratiebewegungen und das eben auch,
  55. weil viele Menschen sehr unzufrieden gewesen sind, auch hier in der Pfalz. Was ist hier los in den 1830er Jahren in der Pfalz? Na ja, zunächst mal diese
  56. alte Ordnung, die wiederhergestellt worden ist, die wird immer weniger akzeptiert. Überall gibt es Menschen in der Region, die sich politisch
  57. engagieren wollen, die ihre Meinung frei sagen wollen und die mehr Mitsprachrecht fordern. Bayern wird, wie vorhin schon gesagt, von nicht wenigen als so einer
  58. Art Besatzungsmacht angesehen und gleichzeitig gibt es immer mehr Forderungen nach dem einen großen Schritt, nämlich einen deutschen
  59. Nationalstaat zu schaffen. Die deutschen Länder sollen sich zusammenschließen in welcher Form auch immer und es soll ein Land geben, in dem die Bürger
  60. mitbestimmen dürfen, wie es politisch läuft. Man hat die USA ist Sehnsuchtsort, die junge Demokratie dort in den USA im Blick und so in die
  61. Richtung möchte man auch in den deutschen Gebieten gehen. Zweitens, die wirtschaftliche Situation ist brenzlich. Auch damals schon ist der Wein eines der
  62. wichtigsten Exportgüter hier in der Region und die Bayern, die wissen das natürlich und weil die Bayern damals wissen, dass ihr Wein längst nicht so
  63. gut ist wie der Pfelzer Wein, bester Wein der Welt natürlich. Neben dem Rin Hessisch komme aus Reinheessen. Deshalb muss ich das noch dazu sagen. Also der
  64. Pelzer und der rein Hessische Wein damals zu den besten der Welt gehören. Die Bayern na ja gut, die haben paar gute Lagen in Würzburg und so, aber die
  65. sind schon bisschen neidisch damals und sagen, okay, wir machen jetzt was etwas, das auch ein Felzer, wenn man so will, einige Jahrzehnte, Jahrhunderte kann man
  66. schon sagen, später dann auch wieder macht. Donald Trump hat ja Pfelze Wurzeln. Sie führen Zölle ein und zwar Zölle auf Wein, um sich damit der
  67. Konkurrenz zu entledigen. Und so wird der Wein, der hier in der Pfalz hergestellt wird, in Bayern teuer verkauft und die Leute greifen dann eben
  68. lieber zu bayerischen Wein. Das gefällt den Winstern hier nachvollziehbarerweise überhaupt nicht und vor allem geraten viele Wzer Winzer dadurch in Not. Es
  69. gibt auch noch Missernten, das verschärft das Ganze noch mal. Auch andere Branchen damals sind in der Krise. Und drittens die Armut. Anfang
  70. des 19. Jahrhunderts gibt es eine Bevölkerungsexplosion, aber die Lebensmittel sind knapp, man kann gar nicht mehr alle versorgen und
  71. gerade Menschen einfachen Verhältnissen kommen immer mehr in Schwierigkeiten. Und diese drei Dinge in Kombination miteinander ergeben eine brisante
  72. Mischung. Und das ist sehr interessant, denn während bisher auch in anderen Teilen Deutschlands vor allem Professoren, Studenten sich für
  73. Demokratie, für einen Nationalstaat, für Besserung der Verhältnisse eingesetzt haben, gibt es hier, man würde sagen, ein breites Bündnis der
  74. Zivilgesellschaft, das unzufrieden ist und das etwas verändern möchte. Hier sehen wir das Wartburgfest in Thüringen 1817, auch gerne gesehen als eins der
  75. wichtigsten Ereignisse der deutschen Demokratiegeschichte. Kann man so sagen, ja, aber das ist ein Elitenprojekt gewesen. Professoren, Studenten, man
  76. sieht sie auch hier an dieser traditionellen Kleidung, waren damals vor allem unterwegs. Das ist hier in der Falz ganz anders 15 Jahre später. Es
  77. gibt eben diese, wenn man so will, Zivilgesellschaft, wie man das heute formulieren möchte. Und dass diese Menschen sich immer mehr vernetzen und
  78. zusammenfinden, ist eben auch das Verdienst zweier Männer. Philip Jakob 7 Pfeifer und die Johann Georg August wird. Dabei muss man sagen, dieser
  79. Siebenpfeifer, der ist eigentlich überhaupt kein geborener Rebolutzer. Im Gegenteil, lange hat er für die bayerische Obrigkeit gearbeitet, war ein
  80. Verwaltungsbeamter, aber in seiner Arbeit hat er gemerkt, hier läuft einiges schief, hier muss sich was ändern. Er hat das dann auch
  81. immer wieder gemeldet, aber es ist überhaupt nichts passiert und das hat ihn zunehmend unzufrieden gemacht. Er wurde immer störrischer, hat immer immer
  82. Protestnoten geschickt und deshalb hat man ihn, wie man das auch heute manchmal gerne macht, dann in den einsweiligen Ruhestand versetzt und damit hat man
  83. gehofft, dann ist er jetzt aus der Schusslinie. War er aber überhaupt nicht, denn dann ging es erst los. Er wird Journalist, gibt mit dem Bestbote
  84. sogar eine eigene Zeitung heraus und gründet einen Verein, nämlich den Verein für Pressefreiheit, den Press- und Vaterlandsverein. Der wird zwar schnell
  85. verboten, aber hat kurz nach der Gründung schon rund 5000 Mitglieder überall im deutschen Bund. Und auch hier wieder ein modernes Wort. Man würde
  86. sagen, das sind alles Multiplikatoren für diese Idee, die er mit sich trägt. Und einer dieser Multiplikatoren ist der andere Mann hier auf der Folie, nämlich
  87. Johann Georg August, gelernter Jurist, aber vor allem als Publizist tätig. Und diese Doppelrolle ist total praktisch, denn als Jurist kann er sich selbst
  88. verteidigen, wenn es immer wieder um Zensur geht. Also er schafft es auch immer wieder seine Werke von Zensur freizuhalten. Nicht immer, aber hin und
  89. wieder gelingt ihm das. Und diese beiden sind in Kombination wirklich ein gutes Paar. tun sich noch mit einigen anderen zusammen und haben eine Idee, die ist
  90. ganz einfach zusammengefasst. Lasst uns eine Veranstaltung organisieren, bei der Menschen, die so denken wie wir, die ähnliche Ideale haben, wie wir
  91. zusammenkommen. Eine wirklich gewaltige Veranstaltung, mit der wir auf unsere Interessen aufmerksam machen können. Und wir taren das einfach als Volksfest,
  92. denn Volksfeste sind zu dieser Zeit erlaubt und wir machen das an dem populären Ort und dann könnte da vielleicht was in Gang kommen. Und ein
  93. Anlass, den findet man auch ganz schnell, denn am 26. Mai 1832 soll hier auf dem Hambacher Schloss, das ist schon ein bisschen seltsam, die bayerische
  94. Verfassung gefeiert werden. Ausgerechnet hier. Es gibt also sehr viel Aufmerksamkeit für diesen Ort und die Männer sagen, das könnte man nutzen.
  95. Sieben Pfeifer hat den Vorteil, dass er diese Zeitung herausgibt. Er macht also auf das Event aufmerksam und es soll losgehen am Abend der 26. Mai, dann soll
  96. es am 27. Mai einen Marsch geben hier hoch zum Hambacher Schloss und es ist geplant ein geselliges Zusammensein mit Bier und Wein aus Schank und was du
  97. essen soll es auch geben. Das ist natürlich eine Sache, weil der viele sagen da bin ich dabei und das freut die Leute damals. Und damit die Sache
  98. komplett rund ist, sagt sieben Pfeife, wir brauchen noch einen richtigen Hit, den die Leute auf den Lippen anstimmen können, wenn sie hier hochmarschieren,
  99. sofern sie Luft haben, weil es ist ja schon irgendwie durch auch mal steil. und er dichtet ein Lied auf die Melodie von Schillers Reiterlied. Der Titel ist
  100. der deutschen Mai. Und da hören wir mal ein bisschen rein. Das ist allerdings eine moderne Interpretation, also nicht wundern. Ich finde das aber trotzdem
  101. ganz gut, weil es einen kleinen Eindruck gibt auch, wie damals die Stimmung gewesen ist.
  102. [Musik] Hinauf Patrioten zum Schloss zum Schloss hoch flattern die deutschen Farben. Es keimet dieser Art und die Hoffnung
  103. ist Trost. Schon binden im Geist wir garen. Es reifet die Ehre mit goldenem Rand und die goldene Ernt ist das Vaterland.
  104. Also, man würde sicherlich heute ein bisschen griffiger texten, wenn man viele Leute erreichen wollte, aber damals ist es natürlich die Sprache, die
  105. gesprochen wird. Viele Leute können damit auch was anfangen und natürlich auch diese Zeile hinauf Patrioten zum Schloss zum Schloss hochfattern, die
  106. deutschen Farben. Das ist so eine richtige Zeile, die geht den Leuten unter die Haut und das ist auch gleichzeitig das Motto der
  107. Veranstaltung. Es wird gerechnet mit einigen 100 Personen. Allein 300 junge Menschen studieren dieses Lied hier ein zusammen mit sieben Pfeife. Also da hat
  108. man schon mal eine Gruppe, die auf jeden Fall dabei ist und dann sagt man, ja gut, dann kommen vielleicht noch mal 500 6 600 oben drauf, also insgesamt
  109. vielleicht 1000. Aber es kommt letztlich ganz anders, denn schon Anfang Mai wird klar, da ist ein großes Interesse an dieser Veranstaltung, da werden wohl
  110. sehr viele Menschen mitkommen, viel mehr als die Veranstalter sich vorgestellt hatten. Und das sorgt wiederum auch dafür, dass man in Bayern davon etwas
  111. mitbekommt und auch von den wahren Plänen hinter dieser Veranstaltung etwas mitbekommt und die Bayern sagen, das müssen wir verbieten, es wird versucht,
  112. dann gibt's Widerstand, dann sagen sie, okay, wir verbieten es doch nicht, aber wir schicken ein Viertel unserer gesamten Armee hierhin, um das Ganze zu
  113. überwachen. Und so kommt es dann auch. Also die bayerische Armee ist sozusagen als Aufpasser mit dabei und schon in den Tagen vor dem 26. Mai strömen die
  114. Menschen nach Neustadt und Neustadt gerätt seiner Belastungsgrenzen. Die Wirzhäuser sind gut gefüllt. Es gibt kein freies Bett mehr. Die Zahl der
  115. Besucher sprengt wirklich sämtliche Vorstellungen. Die Region profitiert enorm davon. Auch die Winzer kann man sagen, haben da eine gute Zeit. Und das
  116. Besondere ist, ich habe es vorhin schon mal kurz angedeutet, anders als bei vergleichbaren Veranstaltungen in dieser Zeit sind eben nicht nur die besser
  117. gebildeten, die Eliten, die Akademiker vor Ort, sondern es sind alle gesellschaftliche Schichten dabei, vom Professor bis zum Handwerkergesellen,
  118. vom Studenten bis zum Wincer. Das hat's in dieser Form noch nicht gegeben hier in dieser Region und auch Frauen sind dabei. Da kommen wir gleich noch ein
  119. bisschen genauer drauf zu sprechen. Am Abend der 26. Mai dann wirklich Volksfeststimmung auf den Straßen von Neustadt. Das ist natürlich jetzt schon
  120. etwas später. Die Glockenleuten, Böller werden gezündet und immer wieder stimmen die Menschen Lieder an und sie wärmen sich auf für das, was noch kommen wird,
  121. nämlich für den 27. Mai 1832. Die Leute stehen früh auf, punkt 8 Uhr, versammeln sich alle auf dem Marktplatz in Neustadt. Ein großer Festzug, die
  122. Glocken leuten wieder, es wird wieder geböllert und dann geht es los. Tausende Menschen ziehen nach oben zum Schloss und dieses Bild hier wird zur Ikone. Ich
  123. denke mal, sie kennen das alle, gemalt von Eberhard Josef Brenzinger. Da sehen wir einen Teil des Zugs und was auffällt ist, dass der Wald hier noch gar nicht
  124. so bewachsen ist. Die Neustatter werden das wahrscheinlich direkt erkannt haben. Der wird erst in den 1940er Jahren aufgeforstet. Also damals ist es noch
  125. ziemlich kah. Deshalb kann man den Zug hier auch ganz gut weiter beobachten. Zwischendurch heute würde man sagen Fastfood Stände. Es gibt Essensmarken,
  126. an denen man sich mal kurz ein bisschen stärken kann. Natürlich gibt's auch was zu trinken, wie vorhin schon gesagt. Also hier ist für alles gesorgt. Und
  127. wenn man sich dieses Bild hier anschaut, dann fallen einem direkt drei Dinge auf. Das erste ist, ich habe es eben schon angedeutet, da sind auch Frauen dabei.
  128. Heute natürlich völlig normal, damals nicht. Frauen sind von politischen Veranstaltungen in der Regel grundsätzlich ausgeschlossen. Aber
  129. sieben Pfeifer lädt explizit auf Frauen ein, bei dieser Veranstaltung mit dabei zu sein. Zweitens, wir sehen Männer in traditioneller Kleidung, z.B. in
  130. traditioneller polnischer Kleidung und das ist kein Zufall, denn mit dabei beim Hambacher Fest waren durch eine Vertreter aus 15 Einzelstaaten des
  131. deutschen Bundes, sondern auch Freiheitskämpfer aus Polen oder aus Frankreich. Und so gesehen war dieses Fest nicht eine rein deutsche
  132. Veranstaltung, sondern eine europäische Veranstaltung. Sprechen wir gleich noch mal ein bisschen genauer drüber. Die polnische Flagge wurde sogar zusammen
  133. mit der heutigen deutschen Flagge auf dem Hambacherschloss aufgepflanzt, wie man das nennt. Zwar in etwas anderer Position, aber die polnische Flagge hat
  134. hier eine große Rolle gespielt. Und drittens sehen wir eben hier die Farben schwarz, rot, gold oder gold, rot, schwarz. Und das ist jetzt eine Sache,
  135. die etwas irritierend ist, denn dieses Bild wurde ganz ursprünglich nicht koloriert und dann in den Jahren, in den Jahrzehnten danach immer wieder von
  136. verschiedenen Leuten koloriert. Und so genau konnten sich die Leute da teilweise nicht mehr dran erinnern, wie es ausgesehen hat. Man kann aber heute
  137. davon ausgehen, dass die dominierende Kombination tatsächlich schwarz, rot, gold war. Es wurden auch vor dem Hambacher Fest sogenannte Kokaden
  138. verteilt bzw. verkauft, die in genau dieser Kombination waren, schwarz, rot, Gold. Und auf der zentralen Fahne hier steht drauf,
  139. sie werden das sicherlich auch schon gesehen haben, Deutschlands Wiedergeburt. Und auch wenn die Koloration manchmal so ein bisschen in
  140. die Irre führen, kann man sagen, das hier ist die Geburtsstunde der deutschen Nationalflagge in der Form, wie wir sie heute kennen. Auch wenn das hier jetzt
  141. gerade dagegen spricht, aber stellen Sie sich das noch ein bisschen anders vor. Den Beweis gibt's ja, wir haben es gehört, unter anderem im Landtag und
  142. auch hier oben, sofern ich richtig informiert bin, kann man sich diese Flagge anschauen. Da habe ich auch gleich noch eine Geschichte zu zu dieser
  143. Flagge, die man hier anschauen kann. Und das Original der Fahne stammt von Johann Philip Abresch. Das ist ein Kaufmann gewesen aus Neustadt, der Auftrag
  144. gegeben hat und der ja kann man auch sagen, der Väter, wenn man so will, dieser Flagge ist. Und damit haben wir alle Zutaten zusammen. Also, wir haben
  145. eine gut gelaunte Volksmenge, wir haben gemeinsame Erkennungszeichen und wir haben eine Mission. etwas an den bestehenden Verhältnissen zu verändern.
  146. Und genau darum geht's auch oben auf dem Schloss. Gegen 11 Uhr sind 20.000 bis 30.000 Menschen hier oben angekommen und werden dort begrüßt von flammenden Reden
  147. der Hauptteilnehmer, unter anderem von Philip Jakob 7pfeifer und Johann Georg August wird. Sieben Pfeifer ist nicht der erste, sondern der zweite Redner und
  148. er beendet seine Ausführungen mit diesen Worten: "Es lebe das freie, das einige Deutschland. Hochlebe jedes Volk, das seine Ketten bricht und mit uns den Bund
  149. der Freiheit schwört. Vaterland, Volkshoheit, Völkerbund hoch." Die Botschaft ist da ganz klar. Es geht um ein einiges Deutschland und Johannog
  150. August Wirt geht sogar noch ein Stückchen weiter. Darum deutsche Patrioten, wollen wir die Männer wählen, die durch Geist, Feuereifer und
  151. Charakter berufen sind. das große Werk der deutschen Reform zu beginnen und zu leiten. Dieser schöne Bund dann das Schicksal unseres Volkes leiten. Er möge
  152. unter dem Schirme der Gesetze den Kampf für unsere höchsten Güter beginnen. Er möge unser Volk erwecken, um von innen heraus, ohne äußere Einmischung die
  153. Kraft zu Deutschlands Wiedergeburt zu erzeugen. Hoch, dreimal hoch leben die Vereinigten Freistaaten Deutschlands. Hoch, dreimal hoch das konföderierte
  154. republikanische Europa. im Jahr 1832. Er spricht davon, dass die Männer gewählt werden. Okay, Männer, ja, gut. wie gesagt 1832 die Männer gewählt
  155. werden sollen. Er spricht von den Vereinigten Freistaaten Deutschlands und er spricht vom konföderierten republikanischen
  156. Europa. Also eine europäische Zusammenarbeit rund 200 Jahre vor unserer Zeit heute und das ist wirklich bemerkenswert und deshalb finde ich das
  157. was Wirt gesagt hat, man möge es mir verzeihen, wenn andere das anders sehen, sogar noch ein bisschen markanter als das, was wir von Sieben Pfeifer eben
  158. gehört haben, aber beide Männer natürlich mit die entscheidenden Redner bei dieser Veranstaltung neben anderen. Es sind visionäre Ideen, die da
  159. teilweise verbreitet werden. Großen Jubel gibt es tosender Applaus, aber passiert noch mehr. Gibt es danach eine große Revolution, die dann von Hambach
  160. aus vom Hambacher Schloss überall in den deutschen Bund übergreift? Nein, das passiert tatsächlich nicht, denn die verschiedenen Redner sind sich teilweise
  161. nicht so ganz einig in dem, was sie wollen. Und die einen sagen, wir wollen eine konstitutionelle Monarchie mit einer starken Mitbestimmung des Volkes.
  162. Die anderen sagen: "Nein, echte Demokratie ohne Monarchen. Die einen wollen die Ziele friedlich erreichen." Die anderen sagen, na ja, vielleicht
  163. muss man auch Gewalt anwenden. Also, das ist ziemlich unterschiedlich. Da gibt es keine einheitliche Stimme, aber das spricht eben auch dafür, dass dort jeder
  164. zu Wort kommen kann, der etwas sagen möchte. Besonders deutlich werden diese Unterschiede dann am Tag drauf, am 28. Mai 1832, als ich im Schießhaus in
  165. Neustadt im damaligen zwischen 500 und 600 Teilnehmer treffen, um noch mal im Detail zu sprechen. Wir haben also hier eine Volksfeststimmung gehabt, da werden
  166. Reden gehalten, aber man kann nicht so richtig in die Diskussion kommen, das findet dann hier statt und da wird dann endgültig klar, es fehlt der eine
  167. gemeinsame Plan, der eine gemeinsame Weg. Außerdem sagen viele, die dort vertreten sind, wir sind ja gar nicht gewählt worden, wir sind gar nicht
  168. legitimiert durch das Volk. Was bringt uns jetzt dazu, ähm hier den Weg vorzugeben? Das heißt, die Revolution bleibt aus. Und nicht nur das, im
  169. Nachhinein werden auch oft unter fadenscheinigen Gründen einige der Wortführer des Hambacher Festes festgenommen und eingesperrt. Sieben
  170. Pfeifer und wird auch komm später wieder frei. Aber da zeigt sich eben die Obrigkeit in ihren ganzen Ausmaß. Das nüchterne Ergebnis ist, das Hambacher
  171. Fest bleibt eine Momentaufnahme, ja, aber eben eine wichtige, denn viele Menschen fassen Mut und das bleibt der Funke der Freiheit ist da und er keimt
  172. immer wieder auf. einige Jahre später, 184849 dann in der deutschen Revolution und interessanterweise mit dabei auch Johann Georg August wird. Er wird
  173. abgeordneter 1848 in der Pausgirchenversammlung in Frei in Freiburg wollte ich schon sagen, in Frankfurt. Er stirbt dann allerdings
  174. leider im Juli 1848 und sieben Pfeifer tragisch bekommt das alles gar nicht mehr mit. Stirbt schon 1845, nachdem er Anfang der 1840er Jahre
  175. schwer krank wird. Aber einige andere Mitstreiter vom Hambacher Fest damal setzen den Weg konsequent fort und kämpfen für Einigkeit und Recht und
  176. Freiheit in Deutschland. Und da sind wir bei ihm hier bei Hoffmann von Fallersleben. Ein Mann, der rund 9 Jahre nach dem Hambacher Fest das Lied der
  177. Deutschen geschrieben hat, unsere heutige Nationalhymne. Und eigentlich könnte man ja meinen, der war auch dabei damals in Hamba. Passt ja ganz gut.
  178. Allerdings will der irgendwie gar nichts von Hambach wissen. In seiner Biografie erwähnt er Hambach nicht mal, was erstaunlich ist. Vielleicht hat auch
  179. einfach Angst gehabt, dass das andere Lied dort ihm ein bisschen Konkurrenz macht und hat das deshalb unter Tisch fallen lassen. Nein, das ist natürlich
  180. rein spekulativ, aber ähm der Geist schwingt auch bei ihm natürlich in jeder Zeile mit. Und interessant ist, dass lange Zeit das Hambacher Fest in der
  181. deutschen Demokratiegeschichte relativ wenig Beachtung gefunden hat. Wir haben wir auch schon gehört in Nordrinwestfahen hat sie es bis heute
  182. nicht ganz rumgesprochen, was hier passiert ist, aber das ändert sich natürlich ab heute. Und einer, der selbst in den 1960er
  183. Jahre noch nicht ganz so viel davon wissen will, ist der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer. Er sagt laut dem Spiegel 1968,
  184. ja, die hambare Revolution, die hat sich Zitat nicht weiterentwickelt und außerdem kritisiert er, dass die Menschen damals kleinbürgerliche
  185. Revolutionäre gewesen sein. Das sieht man hier natürlich ganz anders. Da gibt es dann einen heftigen Protest. Später lenkt Adenauer ein und sagt, na ja,
  186. okay, gut, ihr habt ja recht, das ist doch gar nicht so schlecht gewesen alles damals. Und lässt sich eine Fahne schicken von damals als Dekoration für
  187. den Kabinettsaal, später für das Flier in Bonn, die wird ihm auch zugeschickt, dann bekommt er die finde das gut. Das Problem ist nur, das bekommen auch
  188. andere Museen mit und dann sagen die, alle Exponate, die wichtig sind, schicken wir jetzt mal nach Bonn und dann werden die überholft von Demokratie
  189. geschichtlichen Exponaten und so landet schließlich diese bedeutende Fahne auf einem Dachboden äh und wird dann schließlich zurückgeschickt und deshalb
  190. kann man sie sich hier wieder anschauen, ähm der Lauf der Geschichte sozusagen, aber sie ist jetzt wieder dahin zurückgekommen, wo sie auch hingehört.
  191. Aber da sieht man einfach, wie diese Bedeutung von Hambach lange Zeit nicht heruntergespielt worden ist, aber einfach nicht so gesehen wurde, wie sie
  192. es vielleicht sollte. Und umso schöner, dass wir heute diesen Ort hier auszeichnen. Und da sind wir angefangen eben 1832 bei 7 Pfeife und wir enden bei
  193. Adenauer. Das ist vielleicht auch eine ganz schöne Brücke, denn Adenauer steht natürlich wie kaum ein anderer Politiker für den Beginn der längsten Demokratie,
  194. die wir bisher hier auf deutschen Boden hatten. Und allein das ist natürlich schon aller Ehrenwert. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
  195. [Applaus]