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MrWissen2Go erklärt das Hambacher Fest
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Transkriptautomatisch erstellt · 195 Zeilen
- Die Frage an Sie, wer von ihnen ist heute zu Fuß zum Hambacher Schloss, also wirklich von ganz unten. Respekt. War eine ganz schöne Distanz. Also von
- Neustadt aus. Ich habe das mal geguckt. Bei Google Maps sehen wir hier 1 Stunde 8 Minuten, 4,2 km, aber ist natürlich was anderes 4,2 km irgendwo durch die
- Stadt zu laufen als den Berg hoch. Ich habe schon geschnaucht vom Parkplatz hier hoch. Also ist wirklich eine reife Leistung. Schön, dass sie das gemacht
- haben. Und ganz klar ist, das war auch vor knapp 200 Jahren nicht anders. Und trotzdem haben sich im Mai 1832 viele Menschen genau diesen Fußmarsch
- vorgenommen. Und wenn ich sage viele Menschen, dann meine ich das auch tatsächlich. Es sind nicht 50 oder 100, es waren irgendwo zwischen 20 und 30.000
- Menschen. Also wirklich eine ganze Menge. Die sind erst marschiert auf dem Neustadter Marktplatz und dann haben sie sich hier oben versammelt. Damals muss
- man sagen, stand hier noch nicht dieses schön restaurierte Schloss, wir haben es gerade gehört, sondern eine Ruine, die ungefähr so aussah. 1688 im Felsischen
- Erfolgekrieg zerstört worden, wie viele andere historische Gebäude auch von den Franzosen damals. Bis in die 1960er Jahre hinein war dieses Gebäude eine
- Ruine und erst dann, wir haben das eben gehört, ab dem 150. Hambach Jubiläum gab es dann eine Restauration und dieser Ort wurde zu einer Veranstaltungs und
- Informationsstätte. Also 20 bis 30.000 Menschen haben sich im Mai 1832 auf den Weg zu einer Ruine gemacht. Die war auch nicht wirklich attraktiv, muss man
- sagen, zu dieser Zeit. Die Frage ist, warum haben sie das gemacht und warum gerade hier in der Pfalz? Und genau darüber würde ich gerne in den kommenden
- Minuten sprechen. Es geht natürlich um das Hambacherfest von 1832. Und dabei werden wir zwei Männer ein bisschen näher kennenlernen, von denen
- wir einen heute auch schon genannt bekommen haben, nämlich ihn hier Philip Jakob 7 Pfeifer und auch er hier war wichtig, Johann Georg August wird.
- Damals hat man auch viele zwei dritt vierten Namen gehabt. Zwei Männer, die eigentlich gar nicht aus der Pfalz kamen, aber für die Pfals eine große
- Rolle gespielt haben und sich sozusagen hier in der Region unsterblich gemacht haben. Und wir werden uns anschauen, welche Rolle diese Männer gespielt
- haben. Wir weren uns, ich habe es gerade schon mal angedeutet, anschauen, was unzufriedene pelische Winzer mit dieser ganzen Sache zu tun hatten und wir
- werden auch erfahren, warum das Hambacher Fest sozusagen die Geburtsstunde der Nationalflagge, der heutigen deutschen Nationalflagge
- gewesen ist. Das wird interessant und wie immer bei einer Fernsehserie, die wir jetzt heute gar nicht haben, aber bei einer Fernsehserie würde man sagen,
- was bisher geschah. Machen wir mal einen kleinen Rückblick, was geschah denn vor 1832? Und da landen wir bei dieser Karte, die
- auch gerne mal als Flickenteppich bezeichnet wird. 1815, der deutsche Bund, einen deutschen Nationalstaat, wie wir das heute kennen, wie es ihn dann
- später auch gab. Den gab es damals noch nicht. Lange gab es das heilige römische Reich deutscher Nation und dann eben später den deutschen Bund. Davor die
- Franzosen Napoleon haben alles durcheinander gewirbelt. Von 1792 bis 1814 waren Teile der Pfals auch immer wieder ganz oder zumindest hier und da
- französisch. Landau z.B. lange eine französische Stadt gewesen und die Landkarte wurde immer wieder neu gemischt, bis Napoleon dann 1815 die
- entscheidende Schlacht von Wat endgültig verloren hat. Und dann gab es den Wiener Kongress. Sie wissen das nach dieser Schlacht hier und beim Wiener Kongress
- wurden die Verhältnisse noch einmal neu geortet und das Ergebnis war dann eben diese Flagge hier. Viel hin und her. Wichtig ist einfach 1815 sah es so aus.
- der deutsche Bund eine Vereinigung aus 35 einzelnen Fürstentümern, vier freie Städte. Österreich gehörte auch dazu und eben kein deutscher Nationalstaat. Es
- gab zwar auf einigen Ebenen eine Zusammenarbeit, aber keinen einheitlichen Staat. Und was war mit der Pfalz? Also mit diesem kleinen Teil
- hier. Wir sehen das schon, die Pfalz war damals gar nicht die Pfalz. Wir lesen Königreich Bayern. Ist es vielleicht ein Druckfehler? Nein, kein Druckfehler. War
- tatsächlich so. 1816 haben sich Österreich und Bayern drauf geeinigt, dass dieser Teil bayerisch wird. Die Pfelser hatten gar nichts damit zu reden
- und so wurde das Bayern, auch wenn es gar nicht zu Bayern gehört hat. Das ist also vom restlichen Königreich Bayern abgetrennt und die Pelzer waren damit,
- kann man sagen, nicht unbedingt zufrieden. Um es mal vorsichtig zu formulieren, man hat die Bayern auch so ein Stück weit als Besatzungsmacht
- teilweise wahrgenommen. Rheis wurde dieses Gebiet genannt ab 1837 dann Rinfalz. Wissen Sie auch, warum eine bekannte Zeitung so heißt. Und damit war
- Deutschland neu geordnet oder besser gesagt Deutschland war alt geordnet, denn man hat die alte Ordnung wiederhergestellt. So wurde das damals
- gesagt. Also den Monarchen ging es einfach darum, ihre alte Macht wieder zu haben. Allerdings muss man sagen, damit sind auch einige Errungenschaften
- begraben worden, nämlich die Errungenschaften, die die Franzosen mitgebracht hatten, hierfür die Gebiete in der Pfalz, Freiheit, Gleichheit,
- Brüderlichkeit, natürlich das zentrale Motto der französischen Revolution und damit einher ging für diese Region hier die sogenannten reinischen
- Institutionen. Das waren also bestimmte Privilegien, die man hier in der Region hatte und die haben sich die Felser zumindest erkämpft, dass die
- aufrechhalten worden sind. Man hatte also hier in diesem Teil Bayerns etwas mehr Rechte als in anderen Teilen des deutschen Bundes. 1816 hat man die Weite
- bekommen und diese Institutionen werden von der Stiftung Hambacher Schloss, die ja auch heute hier vertreten ist, so zusammengefasst. Zu ihnen zählten unter
- anderem die Gleichheit vor dem Gesetz und somit die Abschaffung von Vorrechten des Ades, die Gewerbefreiheit und Freizügigkeit, die Bauernbefreiung, die
- Abschaffung der Erbunterthnigkeit, die Trennung von Justiz und Verwaltung sowie von Kirche und Staat. geschworenen Gerichte, die Mündlichkeit und
- Öffentlichkeit von Gerichtsverfahren sowie die Freiheit und Sicherheit des Eigentums. Klingt für uns heute alle selbstverständlich, aber wir sprechen
- hier vom Beginn des 19. Jahrhunderts, das Zeitalter des Absolutismus noch gar nicht so lange her. Monarchen waren es gewohnt durchzuregieren, ohne dass ihnen
- jemand reinredet. Da gab es aber hier durchaus den einen oder anderen Punkt, den die Menschen in der Pfalz, die damals nicht Pfalz hieß, hatten. Es gab
- hier in der Region, wir haben das gerade schon gehört, sogar mal zhafte Versuche eine Demokratie zu etablieren. Die meinste Republik, die Bergzaberner
- Republik, die na ja letztlich dann nur ganz kurz bestanden haben und auch in anderen Ortschaften hat man früh versucht Schritte zu gehen in Richtung
- Demonokratie. Deshalb kann man tatsächlich sagen, hier in der Pfalz liegt eine der Keimzellen der deutschen Demokratie schon vor 1832.
- Und genau deshalb waren die Pfelzer überhaupt nicht begeistert, dass jetzt die Bayern hierherk und alles irgendwie über den Haufen werfen wollten und dazu
- kamen noch die Maßnahmen der KSP der Beschlüsse. Viele Dinge, die mit Demokratie zu tun hatten, waren verboten. Um die alte Ordnung aufrecht
- zu erhalten, haben die Monarchen unter anderem die Meinungsfreiheit eingeschränkt, die Versammlungsfreiheit, die Pressefreiheit. Sie wurde zensiert,
- die Presse, politische Aktivitäten weitesgehend verboten. Man wollte also das, was die Zeit mit sich gebracht hat, irgendwie aufhalten. Ist aber nur mäßig
- gelungen. Und da sind wir jetzt schon hier in Hamburg 1832. Es brodelt im deutschen Bund. Dem Nachballand Frankreich hat es mal wieder
- eine Revolution gegeben. 1830 Revolution auch in den Niederlanden in Polen haben patriotische Kämpfer versucht die Besatzungsmacht, die russische wieder
- loszuwerden. Ist nicht ganz geglückt, aber man hat gemerkt, da passiert gerade etwas in Europa, überall Freiheits und Demokratiebewegungen und das eben auch,
- weil viele Menschen sehr unzufrieden gewesen sind, auch hier in der Pfalz. Was ist hier los in den 1830er Jahren in der Pfalz? Na ja, zunächst mal diese
- alte Ordnung, die wiederhergestellt worden ist, die wird immer weniger akzeptiert. Überall gibt es Menschen in der Region, die sich politisch
- engagieren wollen, die ihre Meinung frei sagen wollen und die mehr Mitsprachrecht fordern. Bayern wird, wie vorhin schon gesagt, von nicht wenigen als so einer
- Art Besatzungsmacht angesehen und gleichzeitig gibt es immer mehr Forderungen nach dem einen großen Schritt, nämlich einen deutschen
- Nationalstaat zu schaffen. Die deutschen Länder sollen sich zusammenschließen in welcher Form auch immer und es soll ein Land geben, in dem die Bürger
- mitbestimmen dürfen, wie es politisch läuft. Man hat die USA ist Sehnsuchtsort, die junge Demokratie dort in den USA im Blick und so in die
- Richtung möchte man auch in den deutschen Gebieten gehen. Zweitens, die wirtschaftliche Situation ist brenzlich. Auch damals schon ist der Wein eines der
- wichtigsten Exportgüter hier in der Region und die Bayern, die wissen das natürlich und weil die Bayern damals wissen, dass ihr Wein längst nicht so
- gut ist wie der Pfelzer Wein, bester Wein der Welt natürlich. Neben dem Rin Hessisch komme aus Reinheessen. Deshalb muss ich das noch dazu sagen. Also der
- Pelzer und der rein Hessische Wein damals zu den besten der Welt gehören. Die Bayern na ja gut, die haben paar gute Lagen in Würzburg und so, aber die
- sind schon bisschen neidisch damals und sagen, okay, wir machen jetzt was etwas, das auch ein Felzer, wenn man so will, einige Jahrzehnte, Jahrhunderte kann man
- schon sagen, später dann auch wieder macht. Donald Trump hat ja Pfelze Wurzeln. Sie führen Zölle ein und zwar Zölle auf Wein, um sich damit der
- Konkurrenz zu entledigen. Und so wird der Wein, der hier in der Pfalz hergestellt wird, in Bayern teuer verkauft und die Leute greifen dann eben
- lieber zu bayerischen Wein. Das gefällt den Winstern hier nachvollziehbarerweise überhaupt nicht und vor allem geraten viele Wzer Winzer dadurch in Not. Es
- gibt auch noch Missernten, das verschärft das Ganze noch mal. Auch andere Branchen damals sind in der Krise. Und drittens die Armut. Anfang
- des 19. Jahrhunderts gibt es eine Bevölkerungsexplosion, aber die Lebensmittel sind knapp, man kann gar nicht mehr alle versorgen und
- gerade Menschen einfachen Verhältnissen kommen immer mehr in Schwierigkeiten. Und diese drei Dinge in Kombination miteinander ergeben eine brisante
- Mischung. Und das ist sehr interessant, denn während bisher auch in anderen Teilen Deutschlands vor allem Professoren, Studenten sich für
- Demokratie, für einen Nationalstaat, für Besserung der Verhältnisse eingesetzt haben, gibt es hier, man würde sagen, ein breites Bündnis der
- Zivilgesellschaft, das unzufrieden ist und das etwas verändern möchte. Hier sehen wir das Wartburgfest in Thüringen 1817, auch gerne gesehen als eins der
- wichtigsten Ereignisse der deutschen Demokratiegeschichte. Kann man so sagen, ja, aber das ist ein Elitenprojekt gewesen. Professoren, Studenten, man
- sieht sie auch hier an dieser traditionellen Kleidung, waren damals vor allem unterwegs. Das ist hier in der Falz ganz anders 15 Jahre später. Es
- gibt eben diese, wenn man so will, Zivilgesellschaft, wie man das heute formulieren möchte. Und dass diese Menschen sich immer mehr vernetzen und
- zusammenfinden, ist eben auch das Verdienst zweier Männer. Philip Jakob 7 Pfeifer und die Johann Georg August wird. Dabei muss man sagen, dieser
- Siebenpfeifer, der ist eigentlich überhaupt kein geborener Rebolutzer. Im Gegenteil, lange hat er für die bayerische Obrigkeit gearbeitet, war ein
- Verwaltungsbeamter, aber in seiner Arbeit hat er gemerkt, hier läuft einiges schief, hier muss sich was ändern. Er hat das dann auch
- immer wieder gemeldet, aber es ist überhaupt nichts passiert und das hat ihn zunehmend unzufrieden gemacht. Er wurde immer störrischer, hat immer immer
- Protestnoten geschickt und deshalb hat man ihn, wie man das auch heute manchmal gerne macht, dann in den einsweiligen Ruhestand versetzt und damit hat man
- gehofft, dann ist er jetzt aus der Schusslinie. War er aber überhaupt nicht, denn dann ging es erst los. Er wird Journalist, gibt mit dem Bestbote
- sogar eine eigene Zeitung heraus und gründet einen Verein, nämlich den Verein für Pressefreiheit, den Press- und Vaterlandsverein. Der wird zwar schnell
- verboten, aber hat kurz nach der Gründung schon rund 5000 Mitglieder überall im deutschen Bund. Und auch hier wieder ein modernes Wort. Man würde
- sagen, das sind alles Multiplikatoren für diese Idee, die er mit sich trägt. Und einer dieser Multiplikatoren ist der andere Mann hier auf der Folie, nämlich
- Johann Georg August, gelernter Jurist, aber vor allem als Publizist tätig. Und diese Doppelrolle ist total praktisch, denn als Jurist kann er sich selbst
- verteidigen, wenn es immer wieder um Zensur geht. Also er schafft es auch immer wieder seine Werke von Zensur freizuhalten. Nicht immer, aber hin und
- wieder gelingt ihm das. Und diese beiden sind in Kombination wirklich ein gutes Paar. tun sich noch mit einigen anderen zusammen und haben eine Idee, die ist
- ganz einfach zusammengefasst. Lasst uns eine Veranstaltung organisieren, bei der Menschen, die so denken wie wir, die ähnliche Ideale haben, wie wir
- zusammenkommen. Eine wirklich gewaltige Veranstaltung, mit der wir auf unsere Interessen aufmerksam machen können. Und wir taren das einfach als Volksfest,
- denn Volksfeste sind zu dieser Zeit erlaubt und wir machen das an dem populären Ort und dann könnte da vielleicht was in Gang kommen. Und ein
- Anlass, den findet man auch ganz schnell, denn am 26. Mai 1832 soll hier auf dem Hambacher Schloss, das ist schon ein bisschen seltsam, die bayerische
- Verfassung gefeiert werden. Ausgerechnet hier. Es gibt also sehr viel Aufmerksamkeit für diesen Ort und die Männer sagen, das könnte man nutzen.
- Sieben Pfeifer hat den Vorteil, dass er diese Zeitung herausgibt. Er macht also auf das Event aufmerksam und es soll losgehen am Abend der 26. Mai, dann soll
- es am 27. Mai einen Marsch geben hier hoch zum Hambacher Schloss und es ist geplant ein geselliges Zusammensein mit Bier und Wein aus Schank und was du
- essen soll es auch geben. Das ist natürlich eine Sache, weil der viele sagen da bin ich dabei und das freut die Leute damals. Und damit die Sache
- komplett rund ist, sagt sieben Pfeife, wir brauchen noch einen richtigen Hit, den die Leute auf den Lippen anstimmen können, wenn sie hier hochmarschieren,
- sofern sie Luft haben, weil es ist ja schon irgendwie durch auch mal steil. und er dichtet ein Lied auf die Melodie von Schillers Reiterlied. Der Titel ist
- der deutschen Mai. Und da hören wir mal ein bisschen rein. Das ist allerdings eine moderne Interpretation, also nicht wundern. Ich finde das aber trotzdem
- ganz gut, weil es einen kleinen Eindruck gibt auch, wie damals die Stimmung gewesen ist.
- [Musik] Hinauf Patrioten zum Schloss zum Schloss hoch flattern die deutschen Farben. Es keimet dieser Art und die Hoffnung
- ist Trost. Schon binden im Geist wir garen. Es reifet die Ehre mit goldenem Rand und die goldene Ernt ist das Vaterland.
- Also, man würde sicherlich heute ein bisschen griffiger texten, wenn man viele Leute erreichen wollte, aber damals ist es natürlich die Sprache, die
- gesprochen wird. Viele Leute können damit auch was anfangen und natürlich auch diese Zeile hinauf Patrioten zum Schloss zum Schloss hochfattern, die
- deutschen Farben. Das ist so eine richtige Zeile, die geht den Leuten unter die Haut und das ist auch gleichzeitig das Motto der
- Veranstaltung. Es wird gerechnet mit einigen 100 Personen. Allein 300 junge Menschen studieren dieses Lied hier ein zusammen mit sieben Pfeife. Also da hat
- man schon mal eine Gruppe, die auf jeden Fall dabei ist und dann sagt man, ja gut, dann kommen vielleicht noch mal 500 6 600 oben drauf, also insgesamt
- vielleicht 1000. Aber es kommt letztlich ganz anders, denn schon Anfang Mai wird klar, da ist ein großes Interesse an dieser Veranstaltung, da werden wohl
- sehr viele Menschen mitkommen, viel mehr als die Veranstalter sich vorgestellt hatten. Und das sorgt wiederum auch dafür, dass man in Bayern davon etwas
- mitbekommt und auch von den wahren Plänen hinter dieser Veranstaltung etwas mitbekommt und die Bayern sagen, das müssen wir verbieten, es wird versucht,
- dann gibt's Widerstand, dann sagen sie, okay, wir verbieten es doch nicht, aber wir schicken ein Viertel unserer gesamten Armee hierhin, um das Ganze zu
- überwachen. Und so kommt es dann auch. Also die bayerische Armee ist sozusagen als Aufpasser mit dabei und schon in den Tagen vor dem 26. Mai strömen die
- Menschen nach Neustadt und Neustadt gerätt seiner Belastungsgrenzen. Die Wirzhäuser sind gut gefüllt. Es gibt kein freies Bett mehr. Die Zahl der
- Besucher sprengt wirklich sämtliche Vorstellungen. Die Region profitiert enorm davon. Auch die Winzer kann man sagen, haben da eine gute Zeit. Und das
- Besondere ist, ich habe es vorhin schon mal kurz angedeutet, anders als bei vergleichbaren Veranstaltungen in dieser Zeit sind eben nicht nur die besser
- gebildeten, die Eliten, die Akademiker vor Ort, sondern es sind alle gesellschaftliche Schichten dabei, vom Professor bis zum Handwerkergesellen,
- vom Studenten bis zum Wincer. Das hat's in dieser Form noch nicht gegeben hier in dieser Region und auch Frauen sind dabei. Da kommen wir gleich noch ein
- bisschen genauer drauf zu sprechen. Am Abend der 26. Mai dann wirklich Volksfeststimmung auf den Straßen von Neustadt. Das ist natürlich jetzt schon
- etwas später. Die Glockenleuten, Böller werden gezündet und immer wieder stimmen die Menschen Lieder an und sie wärmen sich auf für das, was noch kommen wird,
- nämlich für den 27. Mai 1832. Die Leute stehen früh auf, punkt 8 Uhr, versammeln sich alle auf dem Marktplatz in Neustadt. Ein großer Festzug, die
- Glocken leuten wieder, es wird wieder geböllert und dann geht es los. Tausende Menschen ziehen nach oben zum Schloss und dieses Bild hier wird zur Ikone. Ich
- denke mal, sie kennen das alle, gemalt von Eberhard Josef Brenzinger. Da sehen wir einen Teil des Zugs und was auffällt ist, dass der Wald hier noch gar nicht
- so bewachsen ist. Die Neustatter werden das wahrscheinlich direkt erkannt haben. Der wird erst in den 1940er Jahren aufgeforstet. Also damals ist es noch
- ziemlich kah. Deshalb kann man den Zug hier auch ganz gut weiter beobachten. Zwischendurch heute würde man sagen Fastfood Stände. Es gibt Essensmarken,
- an denen man sich mal kurz ein bisschen stärken kann. Natürlich gibt's auch was zu trinken, wie vorhin schon gesagt. Also hier ist für alles gesorgt. Und
- wenn man sich dieses Bild hier anschaut, dann fallen einem direkt drei Dinge auf. Das erste ist, ich habe es eben schon angedeutet, da sind auch Frauen dabei.
- Heute natürlich völlig normal, damals nicht. Frauen sind von politischen Veranstaltungen in der Regel grundsätzlich ausgeschlossen. Aber
- sieben Pfeifer lädt explizit auf Frauen ein, bei dieser Veranstaltung mit dabei zu sein. Zweitens, wir sehen Männer in traditioneller Kleidung, z.B. in
- traditioneller polnischer Kleidung und das ist kein Zufall, denn mit dabei beim Hambacher Fest waren durch eine Vertreter aus 15 Einzelstaaten des
- deutschen Bundes, sondern auch Freiheitskämpfer aus Polen oder aus Frankreich. Und so gesehen war dieses Fest nicht eine rein deutsche
- Veranstaltung, sondern eine europäische Veranstaltung. Sprechen wir gleich noch mal ein bisschen genauer drüber. Die polnische Flagge wurde sogar zusammen
- mit der heutigen deutschen Flagge auf dem Hambacherschloss aufgepflanzt, wie man das nennt. Zwar in etwas anderer Position, aber die polnische Flagge hat
- hier eine große Rolle gespielt. Und drittens sehen wir eben hier die Farben schwarz, rot, gold oder gold, rot, schwarz. Und das ist jetzt eine Sache,
- die etwas irritierend ist, denn dieses Bild wurde ganz ursprünglich nicht koloriert und dann in den Jahren, in den Jahrzehnten danach immer wieder von
- verschiedenen Leuten koloriert. Und so genau konnten sich die Leute da teilweise nicht mehr dran erinnern, wie es ausgesehen hat. Man kann aber heute
- davon ausgehen, dass die dominierende Kombination tatsächlich schwarz, rot, gold war. Es wurden auch vor dem Hambacher Fest sogenannte Kokaden
- verteilt bzw. verkauft, die in genau dieser Kombination waren, schwarz, rot, Gold. Und auf der zentralen Fahne hier steht drauf,
- sie werden das sicherlich auch schon gesehen haben, Deutschlands Wiedergeburt. Und auch wenn die Koloration manchmal so ein bisschen in
- die Irre führen, kann man sagen, das hier ist die Geburtsstunde der deutschen Nationalflagge in der Form, wie wir sie heute kennen. Auch wenn das hier jetzt
- gerade dagegen spricht, aber stellen Sie sich das noch ein bisschen anders vor. Den Beweis gibt's ja, wir haben es gehört, unter anderem im Landtag und
- auch hier oben, sofern ich richtig informiert bin, kann man sich diese Flagge anschauen. Da habe ich auch gleich noch eine Geschichte zu zu dieser
- Flagge, die man hier anschauen kann. Und das Original der Fahne stammt von Johann Philip Abresch. Das ist ein Kaufmann gewesen aus Neustadt, der Auftrag
- gegeben hat und der ja kann man auch sagen, der Väter, wenn man so will, dieser Flagge ist. Und damit haben wir alle Zutaten zusammen. Also, wir haben
- eine gut gelaunte Volksmenge, wir haben gemeinsame Erkennungszeichen und wir haben eine Mission. etwas an den bestehenden Verhältnissen zu verändern.
- Und genau darum geht's auch oben auf dem Schloss. Gegen 11 Uhr sind 20.000 bis 30.000 Menschen hier oben angekommen und werden dort begrüßt von flammenden Reden
- der Hauptteilnehmer, unter anderem von Philip Jakob 7pfeifer und Johann Georg August wird. Sieben Pfeifer ist nicht der erste, sondern der zweite Redner und
- er beendet seine Ausführungen mit diesen Worten: "Es lebe das freie, das einige Deutschland. Hochlebe jedes Volk, das seine Ketten bricht und mit uns den Bund
- der Freiheit schwört. Vaterland, Volkshoheit, Völkerbund hoch." Die Botschaft ist da ganz klar. Es geht um ein einiges Deutschland und Johannog
- August Wirt geht sogar noch ein Stückchen weiter. Darum deutsche Patrioten, wollen wir die Männer wählen, die durch Geist, Feuereifer und
- Charakter berufen sind. das große Werk der deutschen Reform zu beginnen und zu leiten. Dieser schöne Bund dann das Schicksal unseres Volkes leiten. Er möge
- unter dem Schirme der Gesetze den Kampf für unsere höchsten Güter beginnen. Er möge unser Volk erwecken, um von innen heraus, ohne äußere Einmischung die
- Kraft zu Deutschlands Wiedergeburt zu erzeugen. Hoch, dreimal hoch leben die Vereinigten Freistaaten Deutschlands. Hoch, dreimal hoch das konföderierte
- republikanische Europa. im Jahr 1832. Er spricht davon, dass die Männer gewählt werden. Okay, Männer, ja, gut. wie gesagt 1832 die Männer gewählt
- werden sollen. Er spricht von den Vereinigten Freistaaten Deutschlands und er spricht vom konföderierten republikanischen
- Europa. Also eine europäische Zusammenarbeit rund 200 Jahre vor unserer Zeit heute und das ist wirklich bemerkenswert und deshalb finde ich das
- was Wirt gesagt hat, man möge es mir verzeihen, wenn andere das anders sehen, sogar noch ein bisschen markanter als das, was wir von Sieben Pfeifer eben
- gehört haben, aber beide Männer natürlich mit die entscheidenden Redner bei dieser Veranstaltung neben anderen. Es sind visionäre Ideen, die da
- teilweise verbreitet werden. Großen Jubel gibt es tosender Applaus, aber passiert noch mehr. Gibt es danach eine große Revolution, die dann von Hambach
- aus vom Hambacher Schloss überall in den deutschen Bund übergreift? Nein, das passiert tatsächlich nicht, denn die verschiedenen Redner sind sich teilweise
- nicht so ganz einig in dem, was sie wollen. Und die einen sagen, wir wollen eine konstitutionelle Monarchie mit einer starken Mitbestimmung des Volkes.
- Die anderen sagen: "Nein, echte Demokratie ohne Monarchen. Die einen wollen die Ziele friedlich erreichen." Die anderen sagen, na ja, vielleicht
- muss man auch Gewalt anwenden. Also, das ist ziemlich unterschiedlich. Da gibt es keine einheitliche Stimme, aber das spricht eben auch dafür, dass dort jeder
- zu Wort kommen kann, der etwas sagen möchte. Besonders deutlich werden diese Unterschiede dann am Tag drauf, am 28. Mai 1832, als ich im Schießhaus in
- Neustadt im damaligen zwischen 500 und 600 Teilnehmer treffen, um noch mal im Detail zu sprechen. Wir haben also hier eine Volksfeststimmung gehabt, da werden
- Reden gehalten, aber man kann nicht so richtig in die Diskussion kommen, das findet dann hier statt und da wird dann endgültig klar, es fehlt der eine
- gemeinsame Plan, der eine gemeinsame Weg. Außerdem sagen viele, die dort vertreten sind, wir sind ja gar nicht gewählt worden, wir sind gar nicht
- legitimiert durch das Volk. Was bringt uns jetzt dazu, ähm hier den Weg vorzugeben? Das heißt, die Revolution bleibt aus. Und nicht nur das, im
- Nachhinein werden auch oft unter fadenscheinigen Gründen einige der Wortführer des Hambacher Festes festgenommen und eingesperrt. Sieben
- Pfeifer und wird auch komm später wieder frei. Aber da zeigt sich eben die Obrigkeit in ihren ganzen Ausmaß. Das nüchterne Ergebnis ist, das Hambacher
- Fest bleibt eine Momentaufnahme, ja, aber eben eine wichtige, denn viele Menschen fassen Mut und das bleibt der Funke der Freiheit ist da und er keimt
- immer wieder auf. einige Jahre später, 184849 dann in der deutschen Revolution und interessanterweise mit dabei auch Johann Georg August wird. Er wird
- abgeordneter 1848 in der Pausgirchenversammlung in Frei in Freiburg wollte ich schon sagen, in Frankfurt. Er stirbt dann allerdings
- leider im Juli 1848 und sieben Pfeifer tragisch bekommt das alles gar nicht mehr mit. Stirbt schon 1845, nachdem er Anfang der 1840er Jahre
- schwer krank wird. Aber einige andere Mitstreiter vom Hambacher Fest damal setzen den Weg konsequent fort und kämpfen für Einigkeit und Recht und
- Freiheit in Deutschland. Und da sind wir bei ihm hier bei Hoffmann von Fallersleben. Ein Mann, der rund 9 Jahre nach dem Hambacher Fest das Lied der
- Deutschen geschrieben hat, unsere heutige Nationalhymne. Und eigentlich könnte man ja meinen, der war auch dabei damals in Hamba. Passt ja ganz gut.
- Allerdings will der irgendwie gar nichts von Hambach wissen. In seiner Biografie erwähnt er Hambach nicht mal, was erstaunlich ist. Vielleicht hat auch
- einfach Angst gehabt, dass das andere Lied dort ihm ein bisschen Konkurrenz macht und hat das deshalb unter Tisch fallen lassen. Nein, das ist natürlich
- rein spekulativ, aber ähm der Geist schwingt auch bei ihm natürlich in jeder Zeile mit. Und interessant ist, dass lange Zeit das Hambacher Fest in der
- deutschen Demokratiegeschichte relativ wenig Beachtung gefunden hat. Wir haben wir auch schon gehört in Nordrinwestfahen hat sie es bis heute
- nicht ganz rumgesprochen, was hier passiert ist, aber das ändert sich natürlich ab heute. Und einer, der selbst in den 1960er
- Jahre noch nicht ganz so viel davon wissen will, ist der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer. Er sagt laut dem Spiegel 1968,
- ja, die hambare Revolution, die hat sich Zitat nicht weiterentwickelt und außerdem kritisiert er, dass die Menschen damals kleinbürgerliche
- Revolutionäre gewesen sein. Das sieht man hier natürlich ganz anders. Da gibt es dann einen heftigen Protest. Später lenkt Adenauer ein und sagt, na ja,
- okay, gut, ihr habt ja recht, das ist doch gar nicht so schlecht gewesen alles damals. Und lässt sich eine Fahne schicken von damals als Dekoration für
- den Kabinettsaal, später für das Flier in Bonn, die wird ihm auch zugeschickt, dann bekommt er die finde das gut. Das Problem ist nur, das bekommen auch
- andere Museen mit und dann sagen die, alle Exponate, die wichtig sind, schicken wir jetzt mal nach Bonn und dann werden die überholft von Demokratie
- geschichtlichen Exponaten und so landet schließlich diese bedeutende Fahne auf einem Dachboden äh und wird dann schließlich zurückgeschickt und deshalb
- kann man sie sich hier wieder anschauen, ähm der Lauf der Geschichte sozusagen, aber sie ist jetzt wieder dahin zurückgekommen, wo sie auch hingehört.
- Aber da sieht man einfach, wie diese Bedeutung von Hambach lange Zeit nicht heruntergespielt worden ist, aber einfach nicht so gesehen wurde, wie sie
- es vielleicht sollte. Und umso schöner, dass wir heute diesen Ort hier auszeichnen. Und da sind wir angefangen eben 1832 bei 7 Pfeife und wir enden bei
- Adenauer. Das ist vielleicht auch eine ganz schöne Brücke, denn Adenauer steht natürlich wie kaum ein anderer Politiker für den Beginn der längsten Demokratie,
- die wir bisher hier auf deutschen Boden hatten. Und allein das ist natürlich schon aller Ehrenwert. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
- [Applaus]