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Frankfurter Wachensturm

Der Frankfurter Wachensturm gehörte neben dem Wartburgfest und dem Hambacher Fest zu den spektakulärsten politischen Aktionen des deutschen Vormärz und …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Ziel
  2. 2. Politischer Hintergrund
  3. 3. Radikalisierung und Vorbereitung
  4. 4. Plan und Verlauf des Aufstands
  5. 5. Politische und rechtliche Folgen

Bedeutung und Ziel

Der Frankfurter Wachensturm vom 3. April 1833 war der gescheiterte Versuch von etwa 100 Aufständischen, durch Überfälle auf die Hauptwache und die Konstablerwache in Frankfurt am Main eine allgemeine Revolution in Deutschland auszulösen. Die Beteiligten wollten eine nationale und demokratische Erhebung gegen die restaurative Ordnung des Deutschen Bundes anstoßen. Neben dem Wartburgfest und dem Hambacher Fest zählt der Wachensturm zu den spektakulärsten politischen Aktionen des deutschen Vormärz und gilt als ein Ereignis, das die Märzrevolution von 1848 mit vorbereitete.

Politischer Hintergrund

Im Zeitalter der Restauration und des Biedermeier entstand eine Opposition aus frühliberalen Kräften des Bildungs-, Besitz- und Stadtbürgertums. Sie wandte sich gegen die auf Wiederherstellung und Bewahrung der alten Herrschaftsordnung ausgerichtete Politik des Deutschen Bundes. Ermutigt wurde sie durch die französische Julirevolution von 1830, die belgische Revolution von 1830/31 und den polnischen Novemberaufstand von 1830/31. Neben gemäßigten Reformforderungen traten zunehmend radikale Stimmen auf, die eine entscheidende politische Aktion verlangten.

Auf dem Hambacher Fest am 27. Mai 1832 forderten Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth vor 25.000 bis 30.000 Zuhörern das Ende des Absolutismus, nationale Einheit und Volkssouveränität, also die politische Herrschaft des Volkes. Siebenpfeiffer rief zur Überwindung der deutschen Kleinstaaterei auf. Wirth betrachtete die deutsche Einheit als Mittel zur Freiheit der europäischen Völker, warnte Frankreich aber vor Ansprüchen auf das linke Rheinufer.

Am Folgetag berieten 500 bis 600 Teilnehmer über weitere Schritte. Eine kleinere Gruppe gewählter Abgeordneter diskutierte anschließend, ob sie sich als provisorische Regierung, Nationalkonvent oder nationale Volksvertretung konstituieren solle. Johann von Rauschenplat verlangte die sofortige Bildung eines Nationalkonvents und die Festlegung eines Aufstandstermins. Andere, darunter Johann Friedrich Funck, lehnten ein sofortiges Losschlagen ab. Die Entscheidung fiel gegen die Gründung. Damit scheiterte der Versuch, aus eigener Vollmacht eine Vertretung zu schaffen, die im Namen ganz Deutschlands eine Revolution beginnen sollte. Zugleich kam es zu Meinungsverschiedenheiten über die weitere Rolle des Deutschen Preß- und Vaterlandsvereins.

Radikalisierung und Vorbereitung

Die Forderungen des Hambacher Festes fanden auch in Frankfurt Unterstützung. Am 27. Mai 1832 kamen auf dem Gutshof Sandhof nahe Niederrad etwa 4.000 Menschen zusammen, darunter Teilnehmer aus hessischen und nassauischen Orten sowie mehrere polnische Offiziere. Sie trugen schwarz-rot-goldene Kokarden und brachten den in Hambach Versammelten einen Toast aus. Eine wenige Tage später bei Bergen abgehaltene Nachfeier war noch radikaler: Dort wurde ein geeintes Deutschland von der Donau bis zur Nordsee ohne Schlagbäume und Grenzen zwischen den Einzelstaaten gefordert.

Nach dem Hambacher Fest warben Abgesandte für ähnliche Veranstaltungen und erkundeten Möglichkeiten für eine Revolution. Die Bundesbeschlüsse vom 28. Juni 1832 und ihre Erweiterung vom 5. Juli 1832 richteten sich gegen die Bewegung und bewirkten eine Radikalisierung zuvor gemäßigter Kräfte. Am 22. Juli entstand in Frankfurt ein neues Zentralkomitee des Preß- und Vaterlandsvereins. Im August vereinbarte dessen Frankfurter Vorstand mit dem Stuttgarter Revolutionär Gottlob Franckh Vorbereitungen für einen bewaffneten Aufstand. Bei einem Treffen am 10. September trennten sich die gemäßigten Liberalen um Maximilian Reinganum von den Revolutionären um Gustav Körner, Gustav und Georg Bunsen, Adolph Berchelmann und Franz Gärth.

Der Dürkheimer Lehrer Friedrich Wilhelm Knoebel knüpfte überregionale Verbindungen. Er führte Gespräche mit dem Stuttgarter Kreis um Franckh und Oberleutnant Ernst Ludwig Koseritz, reiste zu Friedrich Schüler nach Metz und bezog im Dezember in Paris deutsche Emigranten und andere Republikaner in die Planung ein. Am 26. Dezember beschloss der Burschentag in Stuttgart, die Burschenschaften in politische Clubs umzuwandeln und dem Vaterlandsverein anzuschließen. Der bewaffnete Aufstand wurde für Anfang April 1833 angesetzt.

Plan und Verlauf des Aufstands

Mitte Februar 1833 begannen die unmittelbaren Vorbereitungen in Frankfurt. Die Stadt war Sitz des Bundestages, des seit 1815 bestehenden Gesandtenkongresses und der einzigen für den gesamten Deutschen Bund zuständigen politischen Institution. Die Verschwörer sahen ihn als Werkzeug der restaurativen Fürstenpolitik und als Hindernis für ihre Ziele an.

Gustav Bunsen beschaffte 220 Gewehre, drei Zentner Pulver und Kugelformen. Rund 30 Burschenschafter aus mehreren Universitätsstädten, einige polnische und französische Offiziere, zwei Lehrer, Bauern aus Bonames und weitere Auswärtige sollten teilnehmen. Unter ihnen waren Karl Schapper, Friedrich August Crämer, Jan Paweł Lelewel und Johann von Rauschenplat. Der Plan sah vor, Hauptwache und Konstablerwache zu besetzen, deren Waffen sowie die Kasse des Deutschen Bundes an sich zu nehmen und die im Palais Thurn und Taxis tagenden Gesandten der deutschen Fürsten gefangen zu setzen. Danach sollte die Sturmglocke im Dom die Bevölkerung und das Linienbataillon, das reguläre Frankfurter Militär, zum Anschluss bewegen.

Die Behörden kannten die Pläne bereits seit Mitte Februar; seit Mitte März wurde sogar offen über den Angriff am 3. April um 21:30 Uhr gesprochen. Die Bürgermeister Guaita und Kappes verstärkten die Wachen, versetzten das Linienbataillon in Bereitschaft und ließen die Sturmglocke sichern. Um die Bürger nicht zu beunruhigen, blieben die Waffen jedoch zunächst ungeladen und die Einsatzanweisungen ungenau.

Um 21:30 Uhr nahm Bunsens Trupp die Hauptwache nach einem kurzen Handgemenge ein, bei dem ein Sergeant niedergeschossen wurde. Die erwartete Unterstützung der Frankfurter Bevölkerung blieb aus. Bunsen eilte zum Dom, überwältigte mit seinen Begleitern die beiden dort eingesetzten Polizisten und zwang die Türmersfrau unter Todesdrohungen, die Sturmglocke zu läuten. Gleichzeitig griff der zweite Trupp die Konstablerwache an. Dort kam es zu einem Schusswechsel, bei dem ein Verteidiger starb und mehrere Menschen schwer verletzt wurden. Bei der Befreiung der Gefangenen erlitt einer von ihnen tödliche Verletzungen.

Das Linienbataillon rückte aus, lud seine Waffen und eroberte die Hauptwache nach einem kurzen Schusswechsel innerhalb etwa einer Viertelstunde zurück. An der Konstablerwache schlugen die Rebellen zunächst zwei Angriffe zurück. Dabei wurden der Schreiber Zwick und ein Handwerksgeselle tödlich verwundet. Vor dem dritten Angriff zogen sich die Aufständischen mit ihren Verletzten in die Gassen der Altstadt zurück. Gegen 22 Uhr war der Wachensturm beendet. Insgesamt starben neun Menschen: sechs Soldaten, ein unbeteiligter Bürger und zwei Aufrührer. Weitere 24 Menschen wurden verletzt. Sechs Studenten wurden noch in derselben Nacht festgenommen; andere Beteiligte, darunter Gustav Körner und Gustav Bunsen, konnten später entkommen.

Politische und rechtliche Folgen

Obwohl viele Menschen das Vorgehen als überstürzt ablehnten, gewann die Aktion den beteiligten Studenten in ganz Deutschland Sympathien. Der Bundestag verhängte jedoch vorübergehend die Bundesexekution gegen die Freie Stadt Frankfurt, also einen Eingriff des Deutschen Bundes in deren Herrschaftsrechte. Fortan waren ständig 2.500 österreichische und preußische Soldaten in Frankfurt stationiert. Dies stellte die städtische Souveränität infrage. Diplomaten des Bundestages bezeichneten Frankfurt nun abwertend als „liberales Nest“.

Am 30. Juni 1833 wurde die Bundeszentralbehörde mit Sitz in Frankfurt geschaffen. Dieses Untersuchungsorgan ermittelte bis zu seiner Auflösung im Jahr 1842 gegen mehr als 2.000 Verdächtige, die in einem „Schwarzen Buch“ registriert wurden. Viele Verschwörer flohen in die USA und wurden dort als Teil der „Dreißiger“ bekannt. Wegen Hochverrats verurteilte man schließlich 39 Personen zum Tode, darunter den als Rädelsführer angesehenen Hermann Müller-Strübing. Die Todesurteile wurden später in Haftstrafen umgewandelt, die teilweise lebenslang galten.

Im Januar 1837 halfen Gefangenenwärter mehreren inhaftierten Aufständischen bei der Flucht. Das Ereignis wurde in zahlreichen Flugblättern und Liedern gefeiert, darunter das bekannte Lied mit dem Anfang „In dem Kerker saßen/ zu Frankfurt an dem Main ...“.

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