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Hambacher Schloss
Hambacher Schloss · 1 Geographische Lage · 2 Geschichte. 2.1 Frühe Geschichte; 2.2 Hambacher Fest; 2.3 Neuzeit. 2.3.1 Wiederaufbauprojekt Maximilians von Bayern …
Inhalt5 Abschnitte
Überblick und Lage
Das Hambacher Schloss ist eine mittelalterliche Burg, die in der Neuzeit schlossartig umgestaltet wurde. Es liegt bei Hambach, einem Ortsteil von Neustadt an der Weinstraße in Rheinland-Pfalz, auf 376 m ü. NHN. Frühere Namen sind Kästenburg; seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wird es im Volksmund auch Maxburg genannt. Das Bauwerk ist teilrestauriert.
Seine besondere Bedeutung erhielt das Schloss durch das Hambacher Fest von 1832. Es gilt neben der Frankfurter Paulskirche als wichtiges Symbol der deutschen Demokratiebewegung. Seit 2015 trägt es das Europäische Kulturerbe-Siegel, weil es beispielhaft für europäische Einigung sowie für Ideale und Geschichte Europas und der Europäischen Union steht.
Das Schloss steht auf dem Schlossberg in der Haardt, dem Gebirgszug am Ostrand des Pfälzerwalds zur Oberrheinischen Tiefebene. Es überblickt die Rebenhügel an der Deutschen Weinstraße und die östlich anschließende Rheinebene.
Mittelalterliche Burg und Zerstörungen
Die ursprüngliche Anlage entstand im 11. Jahrhundert und gehörte den Saliern. Ihr Name bezog sich auf den damaligen Kästenberg, den heutigen Schlossberg. Wegen ihrer strategisch günstigen Lage beherrschte die Burg Handelswege, die sich bei Neustadt kreuzten.
Der Speyerer Bischof Johannes I. († 1104) vermachte die Burg dem Hochstift Speyer. Dieses besaß sie über Jahrhunderte bis zum Ende der Feudalzeit. Die Burg diente im Mittelalter der Verteidigung des Hochstifts; zahlreiche Bischöfe hielten sich dort auf, einige residierten zeitweise auf der Burg. Nikolaus von Wiesbaden erhielt am 12. Juni 1388 in der Burgkapelle seine Bischofsweihe.
1552 eroberten Truppen Albrecht Alcibiades' die Burg und brannten sie nieder. Bischof Marquard von Hattstein ließ sie nur notdürftig wiederherstellen; anschließend wohnte dort ein bischöflicher Förster. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg brannten Franzosen die inzwischen baufällige Anlage 1688 erneut nieder. Sie blieb Ruine. Die dem Erzengel Michael geweihte Kapelle wurde 1723 wieder eingeweiht, aber am 30. Juli 1794 von französischen Revolutionären geplündert und zerstört. Danach fiel die Ruine zunächst an den französischen Staat und 1816 an das Königreich Bayern.
Das Hambacher Fest
Vom 27. Mai bis 1. Juni 1832 fand an der Schlossruine das sechstägige „Nationalfest der Deutschen“ statt. Etwa 25.000 Menschen besuchten es. Damit wurde das Schloss zum Schauplatz früher demokratischer Bestrebungen auf deutschem Boden.
Auslöser war die Unzufriedenheit vieler Menschen in der Pfalz mit Repressionsmaßnahmen der bayerischen Verwaltung. Nach 1816 hatte diese wichtige Rechte zurückgenommen, die während der Zugehörigkeit zu Frankreich gegolten hatten. Sie führte außerdem strenge Zensur ein und verbot politische Kundgebungen. Die Organisatoren bezeichneten ihre Veranstaltung deshalb als „Volksfest“. Unterstützung kam nicht nur aus der Pfalz, sondern auch von zahlreichen anderen Volksgruppen und Einzelpersonen.
Seit dem Fest von 1832 gilt das Hambacher Schloss in ganz Deutschland als Sinnbild der Demokratie.
Umbau, Restaurierung und Stiftung
1842 schenkten königstreue Eigentümer die Burgruine dem bayerischen Kronprinzen, späteren König Maximilian II., zur Hochzeit. Daraus erklärt sich der Name Maxburg. 1844 begann ein Wiederaufbau nach Plänen von August von Voit. Vorgesehen war keine Rekonstruktion der mittelalterlichen Burg, sondern ein neugotisches Schloss, das sich an Hohenschwangau orientierte. Dabei blieb jedoch vorhandene mittelalterliche Bausubstanz teilweise erhalten: Der linke Erker der Ostfassade stammt tatsächlich von der mittelalterlichen Burg. Nach zwei Jahren stockten die Arbeiten; in den Revolutionsjahren 1848/49 endeten sie. Über mehr als ein Jahrhundert blieb die Anlage eine offene Bauruine.
Zum 150-jährigen Jubiläum des Hambacher Festes wurde das Schloss 1980 bis 1982 für rund 12 Mio. DM, etwa 6 Mio. €, fast vollständig restauriert. Zugleich eröffnete die erste Dauerausstellung. Weitere große Umbauten begannen 2006, einschließlich barrierefreier Einrichtungen und eines Aufzugs. In der Phase 2007/2008 war die Entfernung einer 1980 eingezogenen großen Holzdecke öffentlich umstritten. Von 2009 bis 2011 entstand ein Restaurant mit mehr als 100 Sitzplätzen. Der Umbau und die Erweiterung des Architekten Max Dudler erhielten 2012 den DAM Preis für Architektur in Deutschland.
Seit 2002 gehört das Schloss der Stiftung Hambacher Schloss, einer Stiftung des öffentlichen Rechts. Sie soll die historische Stätte für Deutschland und Europa erhalten und pflegen. Träger sind das Land Rheinland-Pfalz, der Bezirksverband Pfalz, der Landkreis Bad Dürkheim und die Stadt Neustadt an der Weinstraße; der Bund unterstützt sie finanziell.
Museum, Veranstaltungen und Erreichbarkeit
Während der Öffnungszeiten ist das Hambacher Schloss Museum und Tagungsstätte mit rund 200.000 Besuchern jährlich. Die Ausstellung behandelt die Ereignisse von 1832 sowie deren Voraussetzungen und Folgen in Deutschland und Europa. Dort finden ganzjährig Veranstaltungen und Empfänge des Landes Rheinland-Pfalz, des Landkreises Bad Dürkheim und der Stadt Neustadt an der Weinstraße statt. Am 6. Mai 1985 hielt US-Präsident Ronald Reagan dort eine Rede an die Jugend der Welt.
Das Schloss ist außerdem eine Station der 2007 eingerichteten Straße der Demokratie von Frankfurt bis Lörrach. Es ist über die Straße Hambacher Schloss erreichbar; deren einzige Hausnummer lautet 1832 und erinnert an das Jahr des Hambacher Festes. Buslinie 502 fährt ganzjährig etwa alle 30 Minuten von beziehungsweise im Anschluss an den Hauptbahnhof Neustadt an der Weinstraße zu einem Wandererparkplatz. Von dort sind es etwa 300 m befestigter Weg und 40 m Höhenunterschied bis zum Schloss. Am Schlossberg verlaufen die Nordroute der Pfälzer Jakobswege und der Pfälzer Keschdeweg.