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Grammatik der neugriechischen Sprache
Steigerung (Komparation) von Adjektiven · Dem Positiv: ωραίος oreos („schön“) · Dem Komparativ: πιο ωραίος pio oréos, ωραιότερος oreóteros („schöner“) · Dem …
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Grundzüge der neugriechischen Grammatik
Das Neugriechische ist kontinuierlich aus dem Altgriechischen hervorgegangen und bildet mit seinen Vorstufen einen eigenen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie. Es ist eine Akkusativsprache mit überwiegend synthetisch-flektierendem Sprachbau: Grammatische Beziehungen werden meist durch Wortendungen ausgedrückt. Zugleich gibt es analytische Bildungen, besonders das Futur mit der vorangestellten Partikel θα tha und die Perfekttempora mit έχω echo „haben“.
Wichtige Merkmale sind die konsequente Unterscheidung von Verbalaspekten und nicht-periphrastische Passivformen, also Passivformen mit eigenen Verbendungen statt einer Umschreibung wie deutsch „werden“. Jüngere Entwicklungen sind der Verlust des Infinitivs und die Ypotaktiki, eine Konstruktion aus Hauptsatz und modal eingeleitetem Nebensatz.
Die Nominalphrase umfasst unter anderem Substantive, Artikel, Adjektive und Pronomen. Das Verb unterscheidet Person, Numerus, Zeitstufe, Aspekt und Verbgeschlecht. Die Wortstellung ist grundsätzlich frei, wird aber bei Partikeln und schwachen Personalpronomen stark eingeschränkt.
Substantive, Fälle und Artikel
Substantive haben drei grammatische Geschlechter: Maskulinum, Femininum und Neutrum, sowie Singular und Plural. Das natürliche und das grammatische Geschlecht müssen nicht übereinstimmen: το κορίτσι to koritsi „das Mädchen“ und το αγόρι to agori „der Junge“ sind Neutra. Die Wortendung verrät das Geschlecht nicht immer; der Artikel schafft oft Klarheit. Der altgriechische Dual ist verschwunden und durch den Plural ersetzt.
Es gibt vier Kasus: Der Nominativ kennzeichnet vor allem das Subjekt, etwa Η μητέρα μου είναι Γαλλίδα „Meine Mutter ist Französin“. Der Akkusativ steht beim direkten Objekt, beispielsweise Βλέπω το σπίτι „Ich sehe das Haus“. Der Genitiv kann Besitz ausdrücken und auch das indirekte Objekt bezeichnen: Πες του Κώστα ότι δεν μπορώ „Sag Kostas, dass ich nicht kann“. Der Vokativ dient der direkten Anrede. Bei Maskulina auf -os hat er meist die eigene Endung -e, etwa γιατρέ! „Arzt!“; Ausnahmen sind zweisilbige Namen wie Nikos – Niko. Der Dativ ist außer in festen Wendungen wie εν τω μεταξύ „indes“ oder εν τάξει „in Ordnung“ geschwunden. Seine Aufgaben übernehmen Genitiv oder eine Präpositionalphrase mit Akkusativ.
Es gibt bestimmte und unbestimmte Artikel, die nach Genus, Numerus und Kasus flektieren. Der unbestimmte Artikel geht auf ένας enas „ein“ zurück, existiert nur im Singular und wird seltener als im Deutschen gebraucht; bei einem Prädikatsnomen kann er fehlen: Ο Γιάννης είναι φίλος μου „Hans ist [ein] Freund von mir“. Der bestimmte Artikel steht häufiger als im Deutschen, auch vor Personen- und Eigennamen, etwa ο Γιώργος und τη Γαλλία. Er bleibt auch zusammen mit anderen Pronomina erhalten: ο φίλος μου „mein Freund“, αυτό το παιδί „dieses Kind“.
Die Substantivdeklination lässt sich grob in drei Klassen einteilen. Die „Deklination der 7 Formen“ hat für acht Kombinationen aus Kasus und Numerus sieben Formen; bei γιατρός giatros „Arzt“ stimmen Nominativ und Vokativ Plural als γιατροί überein. Beim „S-Prinzip“ haben Maskulina im Singular ein -s im Nominativ, sonst nicht, wie άντρας – άντρα. Feminina haben dagegen meist einen Genitiv mit -s, sonst eine s-lose Singularform, wie πόλη – πόλης. Bei manchen Pluralformen wird ein Konsonant als silbenbildendes Element eingeschoben, etwa γιαγιά – γιαγιάδες. Die inhomogene Neutra-Deklination hat stets gleiche Formen für Nominativ und Akkusativ, zum Beispiel βουνό – βουνά. Daneben gibt es unregelmäßige Substantive.
Adjektive, Pronomen und Adverbien
Adjektive stimmen mit dem zugehörigen Substantiv in Kasus, Numerus und Genus überein; diese KNG-Kongruenz gilt auch bei prädikativer Verwendung. Daher heißt es Ο Γιάννης είναι άρρωστος „Hans ist krank“, aber Η Μαρία είναι άρρωστη „Maria ist krank“. Auch beim Objekt richtet sich die Form nach dessen Merkmalen: η δουλειά κάνει τους άντρες άρρωστους „Die Arbeit macht die Männer krank“.
Viele Adjektive folgen dem Muster καλός kalos „gut“ mit maskulinen, femininen und neutralen Formen. Bei Adjektiven auf -os mit betontem Vokal oder Diphthong im Stamm endet das Femininum Singular auf /a(s)/ statt auf /i(s)/, etwa η ωραία. Dies gilt meist auch bei gelehrten Adjektiven mit Stamm auf -r, während manche volkstümlichen Formen /ia(s)/ haben, etwa η ξανθιά.
Es gibt vier Steigerungsstufen: Positiv ωραίος „schön“, Komparativ πιο ωραίος oder ωραιότερος „schöner“, Superlativ ο πιο ωραίος oder ο ωραιότερος „der Schönste“ und Elativ πολύ ωραίος oder ωραιότατος „sehr schön“. Die Bildung erfolgt entweder mit den Suffixen τερ im Komparativ und Superlativ beziehungsweise τατ im Elativ oder umschreibend mit πιο „mehr“ und πολύ „sehr“. Der Superlativ erhält zusätzlich den bestimmten Artikel. KNG-Kongruenz bleibt erhalten. Häufige Adjektive wie καλός, μεγάλος und μικρός haben unregelmäßige Formen; einige Lehnwörter und Adjektive auf -ύς oder -ης sind nur mit πιο steigerbar.
Bei Personalpronomen werden starke und schwache Formen unterschieden. Starke Formen wie εγώ „ich“ oder εσύ „du“ dienen vor allem der Hervorhebung, dem Kontrast, nach Präpositionen und in prädikatslosen Antworten: Φταίω εγώ „Ich bin schuld“ oder [Ποιός πλένει;] Εσύ! „[Wer spült?] Du!“ Die 2. Person Plural ist die Höflichkeitsform. Schwache Formen sind häufiger und können mit starken zusammen auftreten. Sie folgen festen Stellungsregeln: Als Objekt stehen sie vor dem finiten Verb, etwa Σου γράφω „Ich schreibe dir“, beim echten Imperativ direkt danach, etwa Πες μου! „Sag’s mir!“.
Adverbien sind unflektierte Angaben zu Zeit, Ort oder Art und Weise. Beim Prädikativ steht dagegen ein Adjektiv: Η Μαρία είναι γρήγορη „Maria ist schnell“, aber Η Μαρία τρώει γρήγορα „Maria isst schnell“. Von Adjektiven abgeleitete Adverbien entsprechen meist dem Nominativ Plural Neutrum, etwa γρήγορος – γρήγορα. Sie sind ebenfalls steigerbar: πιο γρήγορα oder γρηγορότερα. Meist enden sie auf /a/; eine kleinere Gruppe hat -os (-ως). Bei akrivos und akriva besteht ein Bedeutungsunterschied: „genau“ gegenüber „teuer“.
Verb: Zeitstufen, Aspekte und Ypotaktiki
Finite Verben stimmen mit dem Subjekt in erster, zweiter oder dritter Person sowie Singular oder Plural überein; ein Dual existiert nicht mehr. Die drei Zeitstufen sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Jedes Tempusparadigma verbindet grundsätzlich Zeitstufe und Aspekt. Die Zeitstufe wird durch unterschiedliche Endungsreihen für Gegenwart und Vergangenheit, durch Betonung auf der drittletzten Silbe oder bei zweisilbigen Wörtern durch ein vorgeschobenes Augment sowie im Futur durch θα tha ausgedrückt. Der Aspekt zeigt sich meist im Verbstamm; viele Verben haben einen Präsens- beziehungsweise paratatischen Stamm und Aoriststämme für Aktiv und Passiv.
Das Verb kennt drei Aspekte. Der perfektische Aspekt betrachtet eine abgeschlossene Handlung hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Erzählzeit. Der imperfektive, paratatische oder fortlaufende Aspekt zeigt eine gerade andauernde oder wiederholte Handlung. Der perfektive, aoristische oder punktuelle Aspekt zeigt eine momentane, punktuelle Handlung. Die Fachbegriffe werden nicht einheitlich verwendet; insbesondere „perfekt“, „perfektiv“ und „perfektisch“ können in der Literatur unterschiedliche oder widersprüchliche Bedeutungen haben.
Eine punktuelle Gegenwartsform fehlt, weil Gegenwart grundsätzlich als im Verlauf befindlich verstanden wird. Die Wahl des Aspekts ist aber besonders außerhalb einfacher Präsens-Hauptsätze zwingend. Beim Verb „sehen“ heißt es imperfektiv Kathe chimona evlepa ta chionismena vouna „Jeden Winter sah ich die verschneiten Berge“, aber perfektiv Chtes ton ida to Gianni „Gestern sah ich Hans“. Hier haben Paratatikos und Aorist sogar verschiedene Stämme. Im Futur bedeutet Tha sou grafo kathe mera „Ich werde dir jeden Tag schreiben“, während Avrio tha grapso ena gramma gia ti mana mou „Morgen schreibe ich einen Brief an meine Mutter“ eine einmalige Handlung ausdrückt.
Gebraucht werden de facto acht von neun denkbaren Kombinationen aus drei Zeitstufen und drei Aspekten: Vergangenheit umfasst Plusquamperfekt, Paratatikos und Aorist; Gegenwart Perfekt und Präsens; Zukunft vollendetes, andauerndes und momentanes Futur. Das Perfekt steht bei der Gegenwart, weil es die Auswirkung einer abgeschlossenen Handlung auf den Erzählzeitpunkt hervorhebt. Es dient nicht bloß zur Mitteilung einer vergangenen Handlung. Für eine zukünftige einmalige Handlung muss das Futur im punktuellen Aspekt stehen, etwa Αυριο Θα πάω στο Γιάννη „Morgen werde ich zu Giannis gehen“.
Die Ypotaktiki ersetzt unter anderem den verlorenen Infinitiv. Sie verbindet einen Hauptsatz mit einem modal eingeleiteten Nebensatz; vor dessen Verb steht meist να na, manchmal ας as. Die traditionell „Konjunktiv-Aorist“ und „Konjunktiv-Präsens“ genannten, zeitstufenfreien Formen unterscheiden den punktuellen und den fortlaufenden Aspekt. Thelo na trexo bedeutet „Ich will laufen“; Prepi na trecho 5 km kathe mera „Ich muss jeden Tag 5 km laufen“. Auch im Imperativ ist die Aspektwahl möglich. Er wird produktiv nur in der 2. Person Singular und Plural gebildet, kann mit να umschrieben werden und muss mit μη(ν) mi(n) negiert werden: min kles! „Heul nicht!“.
Aktiv, Nicht-Aktiv und Satzstellung
Die Diathese beschreibt die Rolle des Subjekts in einer Handlung: Es kann handeln (Aktiv), selbst Ziel der Handlung sein (reflexiv oder Passiv) oder an einer gegenseitigen Handlung beteiligt sein (reziprok). Wenn dies grammatisch in der Verbform ausgedrückt wird, heißt die Kategorie Genus Verbi. Neugriechisch unterscheidet ein aktives und ein nicht-aktives Genus Verbi. Die nicht-aktiven Formen gehen auf das altgriechische Medio-Passiv zurück; die alten Mediumsformen, nicht die Passivformen, sind verloren gegangen. Deshalb kann Nicht-Aktiv je nach Verb Passiv, Reflexiv, Reziprok oder einen Zustand ausdrücken. Die Schulgrammatik unterscheidet zusätzlich aktive, passive, mittlere und neutrale Diathese.
Nicht-aktive Formen werden mit eigenen Endungen flektiert, nicht mit einem Hilfsverb. βλέπομαι vlepome kann „ich werde gesehen“ bedeuten. βρίσκομαι vriskome heißt jedoch nicht „ich werde gefunden“, sondern „ich befinde mich“; das tatsächliche Passiv wird dann aktiv umschrieben, etwa Φοβάμαι οτι με βρίσκουν „Ich befürchte, dass sie mich finden“. Beispiele für reflexive oder reziproke Bedeutung sind Ο άντρας πλένεται „Der Mann wäscht sich“, Το αγόρι κρύβεται „Der Junge versteckt sich“ und Μη σπρώχνεστε! „Schubst euch nicht!“. Das Hilfsverb είμαι ime wird nach einer an die nicht-aktive Endungsreihe angelehnten Reihe konjugiert: είμαι, είσαι, είναι, είμαστε, είσαστε/είστε, είναι.
Deponentien sind Verben, die nur nicht-aktive Formen besitzen. Sie können trotz dieser Form aktiv, reflexiv oder zustandsbezogen sein. έρχομαι erchome „ich komme“ und στέκομαι stekome „ich stehe“ haben aktive Bedeutung; θυμάμαι „ich erinnere mich“, αρνούμαι „ich weigere mich“ und αισθάνομαι „ich fühle mich“ meist reflexive. Da die nicht-aktive Form bereits die Grundform ist, lässt sich ein semantisches Passiv bei Deponentien nicht mit grammatischen Mitteln bilden.
Die Wortstellung ist im Satz prinzipiell frei, weil Kasusformen Subjekt und Objekt kennzeichnen. Neben der häufigen Reihenfolge S-V-O sind etwa O-V-S, V-S-O sowie S-O-V möglich; die Stellung kann zur Hervorhebung dienen. Anders als im Deutschen muss das finite Verb im Aussagesatz nicht an zweiter Stelle stehen. Auch Fragen haben keine besondere Wortstellung, sondern werden durch steigende Intonation am Satzende markiert. Schwache Personalpronomen bilden eine Ausnahme: Als Genitivattribut folgen sie zwingend ihrem Hauptwort, i gata mou „meine Katze“; als Objekt stehen sie zwingend vor dem finiten Verb, Mou grafis „Du schreibst mir“.