Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Futur
Deutsch · „Marion wird morgen gegen 16:30 Uhr eintreffen.“ (Futur I, futurum simplex, einfache Zukunft) · „Egon wird morgen vor dem Abendessen eingetroffen sein.“ …
Inhalt5 Abschnitte
Begriff und Grundfunktion
Das Futur ist in der Grammatik eine Tempusform eines Verbs, die vor allem Zukünftiges kennzeichnet. Futurformen können aber auch etwas bezeichnen, das noch nicht eingetreten und daher unsicher ist oder das der Sprecher erwartet beziehungsweise beabsichtigt. Dadurch ist die Grenze zwischen Tempus, also Zeitform, und Modus, also Ausdrucksweise etwa für Möglichkeit, Vermutung oder Absicht, oft nicht eindeutig.
In vielen Sprachen wird das Futur periphrastisch, also aus mehreren Wörtern, mit einem Modalverb gebildet oder geht geschichtlich auf eine solche Konstruktion zurück. Im Lateinischen gibt es beispielsweise keine eigenen Konjunktivformen für das Futur; manche Formen stimmen mit dem Konjunktiv Präsens überein, etwa veniam: „Ich will/werde kommen“.
Futurformen im Deutschen
Im Deutschen werden die traditionellen Futur-Konstruktionen mit dem Hilfsverb werden gebildet. Es gibt Futur I, auch futurum simplex oder einfache Zukunft, und Futur II, auch futurum exactum, vorzeitige Zukunft oder Vorzukunft.
Futur I ordnet einen Sachverhalt einfach in der Zukunft ein: „Marion wird morgen gegen 16:30 Uhr eintreffen.“ Futur II beschreibt, dass ein Ereignis vor einem anderen zukünftigen Zeitpunkt liegt: „Egon wird morgen vor dem Abendessen eingetroffen sein.“ Beide Formen entstanden erst in der Spätphase des Mittelhochdeutschen; ihre erste Verbreitung ist in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts nachweisbar.
Ob werden im Deutschen eine rein zeitliche Bedeutung hat, ist umstritten. Es wurde auch vorgeschlagen, werden vor allem als Modalverb zu verstehen, das sich nur indirekt auf die Zukunft bezieht. Für Zukunft aus einer vergangenen Sicht verwendet das Deutsche normalerweise nicht das Futur, sondern würde- oder sollte-Konstruktionen, zum Beispiel: „Egon war gestern beim Abendessen noch nicht anwesend, er sollte erst nachher eintreffen.“
Futur I: Zukunft, Vermutung und Aufforderung
Das Futur I kann Zukunft vom Sprechzeitpunkt aus ausdrücken: „Morgen wird Marion gegen 16:30 Uhr eintreffen.“ Im Deutschen wird Zukünftiges jedoch meist nicht mit Futur I, sondern mit Präsens ausgedrückt. Eine Untersuchung von 1982 mit einem repräsentativen Korpus mündlicher Aussagen aus Telefongesprächen ergab: Nur 4,6 % der Zukunftsbezüge standen im Futur I, 76,0 % im Präsens. Wenn der Zukunftsbezug bereits etwa durch morgen klar ist, ist eine zusätzliche Kennzeichnung am Verb häufig unnötig. Daher lautet die übliche Form: „Marion trifft morgen gegen 16:30 Uhr ein.“ Besonders bei planmäßig sicher eintretenden Ereignissen ist Futur I unüblich: „Der Zug geht morgen um 10 Uhr.“
Das modale Futur I bezieht sich dagegen auf einen zum Sprechzeitpunkt aktuellen Sachverhalt und drückt meist eine Vermutung aus: „Das wird schon seine Richtigkeit haben“ bedeutet etwa „Das ist vermutlich richtig.“ Ebenso kann „Der Wähler wird sich fragen, wen er noch wählen kann“ bedeuten: „Ich vermute, dass der Wähler sich fragt, …“. Anders als beim temporalen Futur I kann das Präsens hier nicht einfach eingesetzt werden.
In der zweiten Person kann die Form außerdem als Aufforderung dienen: „Du wirst dein Mittagessen aufessen.“ Auch auffordernde Fragen sind möglich, etwa: „Wirst du doch dein Mittagessen aufessen?“ oder „Du wirst doch dein Mittagessen aufessen!“.
Futur II und Zukunft aus vergangener Sicht
Das Futur II, auch Futurum exaktum oder Futurperfekt, kennzeichnet die Vorzeitigkeit einer Handlung innerhalb der Zukunft. Liegen zwei Handlungen A und B in der Zukunft und beginnt A vor B, steht in der Schriftsprache A im Futur II und B im Futur I. Beispiel: „Wenn ich meinen Führerschein gemacht haben werde, werde ich als erstes einmal allein nach Paris fahren.“ Die Dauer und die Abgeschlossenheit der Handlungen sind dabei nicht entscheidend; eine früher beginnende Handlung kann auch über die spätere hinaus andauern.
Umgangssprachlich wird eine vorzeitige zukünftige Handlung oft im Perfekt ausgedrückt: „Nächstes Jahr um diese Zeit habe ich meinen Führerschein gemacht“ statt „Nächstes Jahr um diese Zeit werde ich meinen Führerschein gemacht haben.“ Das Futur II kann ebenfalls Vermutungen ohne Zukunftsbezug ausdrücken: „Er wird geschlafen haben“ oder verstärkt „Er wird wohl geschlafen haben.“ Es erscheint auch in rhetorischen Fragen: „Was wird er sich dabei schon gedacht haben?“
Bei einer Erzählung im Präteritum wird Zukunft aus einem vergangenen Zeitpunkt normalerweise mit würde oder sollte + Infinitiv ausgedrückt: „Kolumbus entdeckte 1492 Amerika. Er würde lange Zeit glauben, dass er einen neuen Seeweg nach Indien entdeckt hätte.“ Bei historischem Präsens kann dagegen das Futur verwendet werden: „Kolumbus entdeckt 1492 Amerika. Er wird lange Zeit glauben, dass er einen neuen Seeweg nach Indien entdeckt habe.“
Latein
Das Lateinische besitzt wie das Deutsche Futur I und Futur II. Vereinzelt kann auch das Präsens Zukunft bezeichnen, zum Beispiel Quamquam ad te cras venio: „Obwohl ich morgen zu dir komme“. Die Regeln der consecutio temporum, der Abfolge der Zeiten, werden im Lateinischen jedoch wesentlich strenger befolgt.
Anders als im Deutschen werden die lateinischen Formen nicht analytisch mit einem Hilfsverb gebildet, sondern durch ein Tempuszeichen am Präsensstamm. Eine Besonderheit ist das Fehlen einer Konjunktivform für das Futur. In Nebensätzen, die eine solche Form verlangen würden, wird daher entweder der Konjunktiv Präsens oder eine periphrastische Futurform verwendet.
Lernvideos zu Futur
6:05
🇫🇷 Futur simple mit Tricks schnell und einfach lernen!
Fit für Franze · 277.226 Aufrufe
3:41
🇫🇷 Das Futur composé | Französisch für Anfänger - einfach besser erklärt!
Fit für Franze · 141.057 Aufrufe
9:16
C1 - Lesson 1 | Futur I und II | Future Tense & Future Perfect Tense in German | Learn German
Learn German · 127.195 Aufrufe
12:37
Futur I und Futur II | Über die Zukunft sprechen und Vermutungen äußern
fröhlich Deutsch · 116.880 Aufrufe