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Neugriechische Sprache
Reduzierung der meisten Partizipien auf das Partizip Perfekt Passiv (-μένος -ménos) und/oder das Gerund (-οντας/-ώντας -ondas/-óndas). Ausnahme: Einige …
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Einordnung, Verbreitung und Entwicklung
Neugriechisch (Νέα Ελληνικά, Néa Elliniká) ist die heutige Sprache der Griechen und gehört zum griechischen Zweig der indogermanischen Sprachen. Es hat weltweit über 13 Millionen Muttersprachler, davon etwa 10,5 Millionen in Griechenland und 0,7 Millionen auf Zypern. Es ist Amtssprache Griechenlands, der Republik Zypern und der Europäischen Union. Außerdem besitzt es unter anderem in Teilen Albaniens und Süditaliens einen lokalen amtlichen Status und ist in Istanbul als Schulsprache zugelassen.
Im allgemeinen Sprachgebrauch heißt Neugriechisch meist einfach „Griechisch“. Die wissenschaftliche Bezeichnung der heutigen Gemeinsprache lautet Νεοελληνική κοινή (Neoellinikí kiní). Der Ausdruck „Standard-Neugriechisch“ grenzt die heutige Standard- und Umgangssprache von älteren Sprachformen wie Dimotiki und Katharevousa ab.
Neugriechisch entwickelte sich aus der Koine des Altgriechischen, die ihrerseits wesentlich auf dem antiken attischen Dialekt beruhte. Der Beginn der neugriechischen Epoche wird je nach Forschungsansatz ins 11. Jahrhundert, auf den Fall Konstantinopels 1453 oder in die Mitte des 17. Jahrhunderts gesetzt. Nach der Griechischen Revolution wurde Griechisch 1830 Staatssprache des neu gegründeten Griechenlands. Bevölkerungsaustausch und Migration veränderten anschließend seine geografische Verbreitung. Seit dem 19. Jahrhundert entstanden größere griechischsprachige Gemeinschaften besonders in Nordamerika und Australien, nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Westeuropa, vor allem in Deutschland und Großbritannien.
Standardsprache, Sprachstreit und Dialekte
Bis 1976 konkurrierten zwei Formen: die Dimotiki (Δημοτική), die traditionelle Volkssprache, und die Katharevousa (Καθαρεύουσα), eine künstlich geschaffene, am klassischen Griechisch orientierte Hochsprache. Nach dem Ende der Militärdiktatur wurde die Katharevousa als Amtssprache abgeschafft. Die heutige Standardsprache beruht überwiegend auf der Dimotiki, enthält aber viele Wörter und Wendungen der Katharevousa. Sie ist daher eine Synthese mit deutlichem Übergewicht der Volkssprache. Katharevousa erscheint heute noch vereinzelt in kirchlichen Dokumenten, Inschriften und bestimmten schriftlichen Medien.
Die Grundlage der Standardsprache wurde vor allem der peloponnesische Dialekt, der der geschriebenen Katharevousa lautlich und morphologisch relativ nahestand. Nach der Verlegung der Hauptstadt nach Athen 1834 verbreitete er sich dort durch die Zuwanderung von der Peloponnes. Das heutige Griechisch ist insgesamt vergleichsweise einheitlich; fast überall ist Verständigung in der Standardsprache möglich. Regionale Dialekte werden im Alltag jedoch zunehmend verdrängt.
Eine wichtige Dialektgrenze betrifft unbetonte Vokale. In nordgriechischen Dialekten werden unbetontes /o/ und /e/ zu /u/ beziehungsweise /i/, während unbetontes /i/ und /u/ ausfallen können: Standard κουλούρι [kuˈluri] wird etwa zu [klur]. In südlichen Dialekten bleiben diese Vokale erhalten. Weitere Unterschiede betreffen unter anderem den Erhalt eines auslautenden [n], eingeschobenes [ɣ] zwischen Vokalen, die Aussprache bestimmter Konsonanten, das Augment und die Stellung unbetonter Personalpronomen.
Zu den größeren Gruppen gehören die nördlichen Festlandsdialekte, der Dialekt der Sarakatsanen sowie die südlichen Dialekte. Letztere umfassen unter anderem Peloponnesisch-Ionisch, Alt-Athenisch und Maniotisch, Kretisch-Kykladisch sowie südöstliche Dialekte einschließlich des Zypriotischen. Auf Zypern blieben infolge langer politischer und räumlicher Isolation mittelalterliche Merkmale erhalten. Die zyprische Umgangssprache unterscheidet sich deshalb merklich von der Standardsprache, die dort in Bildung, Verwaltung, Medien und Schrift verwendet wird. Das im Osmanischen Reich verbreitete Jevanische oder Jüdisch-Griechische starb im 20. Jahrhundert aus.
Besondere Sprachformen
Einige Sprachformen entwickelten sich aus älteren Stufen des Griechischen und vollzogen bestimmte Veränderungen der Gemeinsprache nicht mit. Teilweise wirkten außerdem nichtattische Dialekte oder Nachbarsprachen auf sie ein. Sie sind für Sprecher des Standardgriechischen schwer oder gar nicht verständlich, werden deshalb mitunter als selbstständige griechische Sprachen betrachtet und sind sämtlich im Rückgang begriffen.
Tsakonisch wird noch in zehn Dörfern der peloponnesischen Region Lakonien aktiv gesprochen. Es geht auf dorische Wurzeln zurück; nur rund 70 % seines Wortschatzes stimmen mit dem Standardgriechischen überein. Auch die Mundart einiger Dörfer auf Karpathos, besonders in Olymbos, ist dorisch geprägt.
Pontisch war die Sprache griechischer Siedlungen rund um das Schwarze Meer, Kappadokisch diejenige Zentralanatoliens. Beide zeigen starke ionische Einflüsse. Beim Bevölkerungsaustausch mit der Türkei 1922 wurden ihre Sprecher fast vollständig nach Griechenland umgesiedelt. Kappadokisch ist inzwischen nahezu erloschen; Pontisch wird noch aktiv gesprochen, besonders in Gegenden mit pontischen Umsiedlern, doch seine Sprecherzahl sinkt. Standardgriechischkenntnisse reichen nicht aus, um Pontisch zu verstehen. Sprecherreste gibt es auch in der Türkei, Russland und der Ukraine.
Griko wird von weniger als 20.000 Menschen in Süditalien gesprochen: als griechisch-kalabrischer Dialekt in neun Dörfern um Bova und als Dialekt der Grecìa Salentina in neun Dörfern südlich von Lecce. Es ist stark vom dorischen Altgriechisch geprägt und wahrscheinlich ein sprachliches Erbe der Magna Graecia; einige Forscher führen es dagegen auf das Mittelgriechische der byzantinischen Zeit zurück. Griko wird mit lateinischen Buchstaben geschrieben und hat sich mit den umgebenden süditalienischen Dialekten gegenseitig beeinflusst.
Lautsystem, Aussprache und Betonung
Der Lautstand des Neugriechischen besteht in seinen Grundzügen seit etwa dem Jahr 1000. Es besitzt fünf Vokalphoneme: /a/, /e/, /i/, /o/ und /u/. Vokallänge unterscheidet keine Wortbedeutungen; /e/ und /o/ werden immer offen, /i/ und /u/ immer geschlossen gesprochen. Unbetontes /i/ vor einem weiteren Vokal kann zu einem [j]-ähnlichen Laut werden oder den vorhergehenden Konsonanten palatalisieren, also dessen Artikulation zum harten Gaumen hin verschieben.
Gegenüber dem Altgriechischen wurden stimmlose behauchte Verschlusslaute [pʰ], [tʰ] und [kʰ] zu den Reibelauten [f], [θ] und [x] beziehungsweise [ç]. Die stimmhaften Verschlusslaute [b], [d] und [g] entwickelten sich zu [v], [ð] und [ɣ] beziehungsweise [ʝ]. Das frühere Vokal- und Diphthongsystem wurde stark vereinfacht: Mehrere ältere Laute fielen als [i] zusammen, die Unterscheidung langer und kurzer Vokale verschwand, und der musikalische Akzent wurde durch einen dynamischen Akzent ersetzt.
Die Konsonanten umfassen Verschluss-, Nasal-, Vibrations-, Reibe- und Annäherungslaute. /k/ und /g/ werden vor [e] und [i] palatalisiert. Zahlreiche Sandhi-Erscheinungen verändern Laute an Wort- und Morphemgrenzen: [n] kann vor Lippenlauten zu [m] werden oder ausfallen; stimmlose Verschlusslaute werden nach Nasalen stimmhaft; [s] wird vor stimmhaften Konsonanten ebenfalls stimmhaft. Gleiche benachbarte Vokale oder Konsonanten können verschmelzen. Wörter griechischer Herkunft enden fast immer auf einen Vokal, /n/ oder /s/; andere Endlaute erscheinen vor allem in Fremdwörtern, Ausrufen und lautmalerischen Wörtern.
Jedes mehrsilbige Wort trägt genau einen dynamischen Hauptakzent. Die betonte Silbe wird lauter und meist höher gesprochen und schriftlich mit einem Akut markiert. Der Akzent kann Bedeutungen unterscheiden: νόμος (nómos) bedeutet „Gesetz“, νομός (nomós) „Bezirk“; πότε (póte) heißt „wann“, ποτέ (poté) „nie, je“. Nach der Dreisilbenregel kann der Akzent nur auf einer der letzten drei Silben stehen. In Beugungsformen kann er wandern, etwa κάνω (káno „ich mache“) zu έκανα (ékana „ich machte“). Unbetonte Wörter, die sich an Nachbarwörter anlehnen, heißen Klitika; vorangestellte sind Proklitika, nachgestellte Enklitika. Zusätzlich kann der Satzakzent einzelne Satzteile als besonders wichtig hervorheben.
Grammatischer Aufbau
Neugriechisch ist eine synthetische Sprache: Grammatische Informationen werden häufig durch Beugungsformen ausgedrückt. Gegenüber dem Altgriechischen nahmen jedoch Bildungen mit Affixen und Umschreibungen zu. Eine Besonderheit ist die synthetische Diathese, also die Bildung von Aktiv und Passiv durch eigene Verbendungen statt ausschließlich durch Hilfsverben.
Zentral ist die systematische Unterscheidung zweier Verbaspekte. Der perfektive Aspekt bezeichnet einmalige oder abgeschlossene Vorgänge und verwendet gewöhnlich den Aoriststamm; der imperfektive Aspekt bezeichnet andauernde oder wiederholte Vorgänge und verwendet den Präsensstamm. Diese Unterscheidung gilt in allen Tempora außer dem Indikativ Präsens. Daneben gibt es perfektische beziehungsweise resultative Formen, die eine Handlung nach ihrer Auswirkung betrachten. Das Futur kann entsprechend als θα βλέπω (tha vlépo „ich werde ständig oder wiederholt sehen“), θα δω (tha do „ich werde einmalig sehen“) oder θα έχω δει (tha écho di „ich werde gesehen haben“) erscheinen.
Viele grammatische Endungen sind lautlich mehrdeutig. /-i/ kann beispielsweise eine Verbform der dritten Person Singular, verschiedene Formen von Substantiven oder mehrere Adjektivformen kennzeichnen. Kontext und historische Schreibweise machen die Bedeutung erkennbar. Häufig sind außerdem Diminutiv-Endungen wie -άκι, -ούλης, -ούλα und -ίτσα; sie können nicht nur Verkleinerung, sondern auch Vertrautheit, Üblichkeit oder Nähe ausdrücken.
Wichtige Unterschiede zum Altgriechischen sind der Verlust des Dativs, des Infinitivs, des Optativs und des Duals. Der Dativ wurde meist durch Präpositionen wie σε („zu“) oder για („für“) mit Akkusativ ersetzt. Statt eines Infinitivs stehen gewöhnlich Nebensätze mit να. Die Partikel θα ersetzte ältere eigene Formen für Futur und Konditional. Die meisten Partizipien wurden auf das Partizip Perfekt Passiv und das Gerund reduziert. Das Perfekt wird mit έχω („haben“) und einer unveränderlichen Verbform gebildet: έχω δει („ich habe gesehen“), είχα δει („ich hatte gesehen“), θα έχω δει („ich werde gesehen haben“).
Weitere Besonderheiten sind Deponentien, also Verben mit passivischen Endungen, aber aktiver Bedeutung, etwa έρχομαι (érchome „ich komme“), sowie eine große Zahl unregelmäßiger Verben.
Wortschatz und Schrift
Der größte Teil des neugriechischen Grundwortschatzes stammt unmittelbar aus dem Altgriechischen. Wörter wie άνθρωπος („Mensch“), θάλασσα („Meer“), θεός („Gott“), ουρανός („Himmel“) und φίλος („Freund“) blieben über Jahrtausende nahezu unverändert. Andere erfuhren Bedeutungswandel, etwa περίπτερο von einem antiken Säulentempel zum heutigen „Kiosk“. Durch die Katharevousa wurden verschwundene altgriechische Wörter und Wendungen erneut aufgenommen. Daher können volkssprachliche und gelehrte Formen nebeneinanderstehen, etwa μάτι und οφθαλμός für „Auge“ oder γωνιά „Ecke“ und γωνία „Winkel“.
Neue Zusammensetzungen und internationale Fachwörter werden häufig aus antiken Wortstämmen gebildet oder rückentlehnt, etwa ηλεκτρισμός („Elektrizität“) und ξυλόφωνο („Xylophon“). Gute Altgriechischkenntnisse erleichtern das sinngemäße Verständnis geschriebener neugriechischer Texte. Umgekehrt reichen Neugriechischkenntnisse nicht aus, um Autoren wie Homer, Thukydides oder Platon zu lesen.
Lehnwörter kamen unter anderem aus dem Lateinischen, Arabischen, Albanischen, Slawischen, Italienischen und Türkischen. In neuerer Zeit wurden Wörter aus dem Französischen und Englischen übernommen, etwa ντους aus französisch douche, μπαρ aus englisch bar und γκολ aus goal. Anglizismen sind insgesamt weniger häufig als im Deutschen, weil vielfach griechische Wortwurzeln für Neubildungen verwendet wurden und englische Wörter sich lautlich schwerer einfügen.
Geschrieben wird mit dem griechischen Alphabet, das in seiner heutigen Form nahezu unverändert seit 403 v. Chr. besteht. Die historische Rechtschreibung bewahrt ältere Schreibungen, obwohl sich die Aussprache verändert hat. Beim Iotazismus werden η, υ, ει, οι, υι und ι sämtlich als [i] ausgesprochen. Ebenso gibt es zwei Schreibungen für [o] und zwei für [e]. Von der Schrift lässt sich die Aussprache meist zuverlässig ableiten; umgekehrt muss die korrekte Schreibung oft erlernt werden.
Der Akut kennzeichnet bei mehrsilbigen Wörtern die Betonung und unterscheidet auch einige gleichlautende einsilbige Wörter. Das Trema über ι oder υ zeigt an, dass zwei normalerweise gemeinsam gelesene Vokale getrennt gesprochen werden. Einige Schreibungen bleiben dennoch lautlich mehrdeutig, besonders Zeichenfolgen für /i/ und die Konsonantenverbindungen μπ, ντ, γκ und γγ. Für die Umschrift in lateinische Buchstaben besteht im Deutschen keine allgemein durchgesetzte Regel; auch die vorhandene ISO-Norm setzte sich nicht durch. Im Internet werden verschiedene Umschriften unter der Bezeichnung Greeklish verwendet.