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Gig Economy

Gig Economy (von englisch gig für „Auftritt“ und economy für „Wirtschaft“) bezeichnet ein Wirtschaftssystem, als Teil des Arbeitsmarktes, bei dem kleine …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundprinzip
  2. 2. Typische Beispiele und Arbeitsformen
  3. 3. Entstehung des Begriffs
  4. 4. Wichtige Merkmale und Probleme
  5. 5. Statistische Einschätzung heute
  6. 6. Reaktionen, Kritik und rechtliche Fragen

Begriff und Grundprinzip

Gig Economy bezeichnet ein Wirtschaftssystem als Teil des Arbeitsmarktes, bei dem kleine Aufträge kurzfristig an unabhängige Selbständige, Freiberufler oder geringfügig Beschäftigte vergeben werden. Die Aufträge sind zeitlich befristet, flexibel und oft kurzfristig; sie können auf wöchentlicher oder episodischer Basis entstehen. Häufig vermittelt eine Onlineplattform zwischen Kundinnen und Kunden auf der einen Seite und Auftragnehmern auf der anderen Seite. Die Plattform setzt dabei Rahmenbedingungen und behält meist eine Provision ein.

Der Artikel weist darauf hin, dass seine Neutralität umstritten ist. Für das Verständnis ist wichtig: Die Gig Economy wird sowohl als neue flexible Arbeitsform als auch als problematisch für soziale Absicherung und Arbeitnehmerrechte beschrieben. Der Gig Economy ging die New Economy voraus; in diesem Zusammenhang wird auch die Digital Economy genannt.

Typische Beispiele und Arbeitsformen

In der Gig Economy bringen Auftragnehmer meist nicht nur ihre Arbeitskraft ein, sondern auch eigene Ressourcen, etwa Fahrzeuge oder Mobiltelefone. Ohne diese Mittel kann die Dienstleistung oft nicht erbracht werden.

Bekannte Beispiele sind Uber für Personenbeförderung, Deliveroo und Foodora für Fahrradkuriere bei Essenslieferungen, MyHammer für Handwerkerdienstleistungen und Onlyfans. Auch für Putzkräfte gibt es Plattformen im Bereich der Gig Economy. Manche Leistungen werden vollständig digital erbracht, zum Beispiel durch Designer, Übersetzer oder Texter. Solche digitalen Kleinstaufträge werden oft als Microjobs bezeichnet.

Entstehung des Begriffs

Der Ausdruck Gig Economy stammt als Analogie aus der Musikbranche. Dort bezeichnet ein Gig einen bezahlten Auftritt; Musiker können ihren Lebensunterhalt von einem Auftritt zum nächsten bestreiten. Ähnlich arbeitet zum Beispiel ein Kurierfahrer, der über eine Onlineplattform Aufträge erhält, Essen aus Restaurants abzuholen und zu Kundinnen oder Kunden zu bringen.

Der Begriff kam in den USA etwa ab dem Jahr 2009 auf. Damals entstanden Onlineplattformen wie Uber oder Lyft, die Dienstleistungen zwischen Endkunden und freien Mitarbeitern vermittelten und digitale Plattformen für Technik, Vermarktung und Abrechnung bereitstellten. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise von 2007/08 übten viele entlassene Arbeitnehmer Kombinationen aus mehreren kleinen Jobs aus.

Wichtige Merkmale und Probleme

Die Gig Economy ist im Vergleich zu klassischen Arbeitsverhältnissen durch einen geringeren Grad an Bindung und Verantwortung gegenüber dem beschäftigten Personal geprägt. Viele Unternehmen verstehen sich eher als Vermittler und weniger als Arbeitgeber. Wie genau die Arbeit rechtlich eingeordnet wird, hängt von Branche und nationaler Rechtslage ab.

Teilweise werden Minijobs angeboten. In anderen Fällen arbeiten die Dienstleister selbständig. Dann haben sie keinen Anspruch auf bezahlte Urlaubs- und Krankheitstage und müssen Sozial- und andere Versicherungen selbst übernehmen. Dadurch sind soziale Absicherung und Arbeitnehmerrechte wie betriebliche Mitbestimmung für die Beschäftigten praktisch nur sehr eingeschränkt verfügbar.

Der Artikel nennt außerdem, dass einige Unternehmen ihre Marktstellung ausnutzen. Als Beispiel wird Amazon genannt, das versucht habe, Auslieferungsaufträge an Fahrer mit privatem PKW zu übertragen.

Statistische Einschätzung heute

Obwohl unabhängige „Gig“-Arbeit schon lange existiert, wurde sie laut Artikel nie klar definiert oder innerhalb offizieller Arbeitsmarktstatistiken konstant gemessen. Eine Umfrage des McKinsey Global Institute mit 8.000 Teilnehmern aus den USA, Großbritannien, Deutschland, Schweden, Frankreich und Spanien kam zu dem Ergebnis, dass die Gig Economy statistisch bisher unterschätzt worden sei.

In dem zugehörigen Report wird geschätzt, dass die unabhängige Arbeiterschaft in den USA und den EU-15 Staaten etwa 20 bis 30 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung ausmacht. Mehr als die Hälfte nutzt Gelegenheitsarbeit als zusätzliche Einkommensquelle und lebt nicht ausschließlich davon. Die Mehrheit übt diese Arbeitsform nach eigenen Angaben freiwillig aus und berichtet ein hohes Maß an Zufriedenheit. Zugleich seien 30 Prozent der temporär Arbeitenden aus Mangel an Alternativen dazu gezwungen.

Nur 15 Prozent der unabhängigen Verdiener nutzen Plattformen. Dennoch wachsen digitale Marktplätze wie Uber, Airbnb oder Etsy schnell. Solche Plattformen können einen erheblichen Einfluss auf den Arbeitsmarkt haben, weil sie viele Arbeitskräfte effizient mit Konsumenten von Dienstleistungen zusammenbringen. Der Arbeitsform wird für die kommenden Jahre ein großes Transformationspotential zugeschrieben. Befürworter erwarten ökonomische Vorteile durch mehr verfügbare Arbeitskraft, stimulierten Konsum und zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten; Kritiker betonen dagegen Prekarität und geringeren Arbeitsschutz.

Reaktionen, Kritik und rechtliche Fragen

Die Reaktionen auf die Gig Economy sind geteilt. Laut einer Information der „International Business Times“ aus dem Jahr 2016 glaubten nur 13 % der Briten, im Jahr 2025 noch in traditionellen Berufsmodellen zu arbeiten. 87 % waren überzeugt, dass die Gig Economy in zehn Jahren die traditionellen „Nine to Five“-Arbeitstage ablösen werde.

Kritiker befürchten bei einer starken Ausweitung der Gig Economy „ein Heer digitaler Tagelöhner“. Befürworter sehen dagegen neue Geschäftsmodelle sowie ein hohes Maß an Flexibilität und Selbstbestimmung, zum Beispiel für den Nebenerwerb. Klassische Gewerkschaften spielen in der Beziehung zwischen Beschäftigten der Gig Economy und ihren Auftraggebern laut Artikel noch keine wichtige Rolle. Es gibt aber Bemühungen von Beschäftigten, sich selbst oder mit Hilfe der anarchosyndikalistischen Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union zu organisieren. Colin Crouch von der Universität Warwick plädierte 2019 für entschiedene Reformen. Trebor Scholz von der New School und andere werben für Plattformgenossenschaften als existenzsichernde Gegenentwürfe zu Gig Economy und Plattformkapitalismus.

Auch Gerichte und Plattformen reagieren unterschiedlich. Im Fall Uber untersagte das Landgericht Frankfurt im Jahr 2015 dem Unternehmen die Vermittlung von Fahrdiensten, soweit Fahrer keine behördliche Personenbeförderungserlaubnis besitzen. In Großbritannien wurden im Oktober 2016 die Rechte der Uber-Fahrer gestärkt, als ein Gericht entschied, dass sie als Angestellte anzusehen seien und daher Anspruch auf Mindestlohn sowie Urlaubsgeld hätten. Andere Plattformen versuchen durch freiwillige Leistungen die öffentliche Meinung, Gerichte und eigene Arbeitskräfte positiv zu beeinflussen. Lyft führte beispielsweise eine Rentenversicherung für seine Fahrer ein. Menschen, die über Airbnb privat ihre Unterkunft vermieten, sind über die Plattform haftpflichtversichert.

Lernvideos zu Gig Economy

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