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Geschichte der Sklaverei
Die Geschichte der Sklaverei umfasst die Entwicklung der Behandlung von Menschen als Eigentum oder Handelsware anderer Menschen von der Frühgeschichte bis …
Inhalt6 Abschnitte
Begriff, Ursprung und historische Grundlinien
Sklaverei bedeutet, dass Menschen als Eigentum oder Handelsware anderer Menschen behandelt werden. Sie umfasst unterschiedliche Formen persönlicher Unfreiheit, darunter die Versklavung von Kriegsgefangenen, Menschenraub, Schuldknechtschaft, erbliche Sklaverei und Zwangsarbeit. Ihre Entstehung ist nicht eindeutig geklärt. Vermutlich trat sie mit der jungsteinzeitlichen Landwirtschaft, befestigten Siedlungen und Viehhaltung auf; entwickelte Systeme entstanden zusammen mit Schrift, Stadtstaaten und Imperien. Kriege, Überfälle und die Verteilung von Gefangenen an Eliten waren wichtige Quellen versklavter Menschen.
Die frühesten schriftlichen Belege stammen aus Hochkulturen Mesopotamiens. Der Codex Hammurapi um 1750 v. Chr. unterschied zwischen dem Recht freier Vollbürger und dem Sklavenrecht. Sklaven stammten häufig aus Kriegsgefangenschaft oder wurden wegen Verbrechen verkauft, konnten aber auch im Haushalt ihrer Herren geboren werden. Sie wurden verschenkt, als Teil einer Mitgift übertragen, zur Schuldentilgung verliehen und in Handwerken ausgebildet. Freilassungen wurden auf Tontafeln dokumentiert.
Im eisenzeitlichen Europa ab etwa 800 v. Chr. belegen fast 50 bekannte eiserne Sklavenketten den Menschenhandel. Bei den Kelten entstanden Sklaverei und andere Formen der Unfreiheit besonders durch Kriegsbeute und Schuldknechtschaft.
Im Alten Ägypten gab es weniger Sklaven im engeren Sinn als oft angenommen. Meist handelte es sich um Kriegsgefangene aus Nubien und Syrien-Palästina. Sie konnten Eigentum besitzen, vor Gericht aussagen und Freie heiraten. Die Pyramiden wurden entgegen einer verbreiteten, auf Herodot zurückgehenden Vorstellung nicht von Sklaven gebaut, sondern überwiegend von entlohnten und gesellschaftlich geachteten Arbeitern; einige waren zeitweise zwangsverpflichtet.
Antike Gesellschaften und Religionen
In der Tora wurde Sklaverei nicht allgemein abgeschafft, aber rechtlich begrenzt. Der Menschenraub war mit dem Tod bedroht; der Handel sollte auf Menschen aus fremden Völkern und Halbbürger beschränkt bleiben. Sklaven gehörten zum Haushalt und hatten Anspruch auf Unterhalt und Fürsorge. Der Schabbat galt auch für Knechte und Mägde. Dauerhafte Körperverletzungen konnten zur Freilassung führen, geflohene Sklaven sollten nicht ausgeliefert werden. Israelitische Schuldsklaven sollten nach sieben Jahren freikommen und eine materielle Ausstattung erhalten. Zugleich erlaubten biblische Vorschriften die Haltung fremder Sklaven und Frondienste. Der Artikel weist darauf hin, dass zwar die Gebote belegt sind, ihre Umsetzung im Alltag aber nicht.
Im antiken Griechenland war Sklaverei ein wesentliches Element von Wirtschaft und Gesellschaft. Belege reichen bis zu Linear-B-Tafeln um 1200 v. Chr. Sklaven kamen durch Kriege, Handel, Piraterie und bis zu Solons Reformen auch durch Schuldsklaverei nach Griechenland. Sie arbeiteten in Landwirtschaft, Bergbau, Haushalten, Handel, Gewerbe und Prostitution. Ihre Lebensbedingungen unterschieden sich stark: Bergarbeiter und Prostituierte lebten meist besonders brutal, während Handwerker teilweise selbstständig wirtschafteten. Freigelassene besaßen nur eingeschränkte Rechte. Daneben gab es abhängige Gruppen wie die Heloten Spartas. Die meisten Philosophen stellten die Institution nicht grundsätzlich infrage; Aristoteles erklärte sie als naturgegeben.
Im Römischen Reich wurde die Schuldsklaverei seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. zunehmend durch die Versklavung von Kriegsgefangenen ersetzt. Sklaven arbeiteten in fast allen Bereichen, gut Ausgebildete auch als Lehrer oder Ärzte. Ihr Status war erblich und sie waren nicht rechtsfähig. Mit geduldetem eigenem Vermögen konnten sie sich mitunter freikaufen. Freigelassene erhielten volle Bürgerrechte, blieben dem früheren Eigentümer jedoch verpflichtet.
Das frühe Christentum hob die Sklaverei nicht auf. Paulus forderte christliche Sklaven grundsätzlich auf, in ihrem Stand zu bleiben, erklärte aber den Unterschied zwischen Sklaven und Herren innerhalb des christlichen Glaubens für bedeutungslos und verlangte brüderliche Behandlung. Ob er im Philemonbrief die Freilassung des Onesimus forderte, ist umstritten.
Mittelalter, islamischer Raum und Asien
Im europäischen Früh- und Hochmittelalter wuchs der Sklavenhandel zunächst. Chasaren, Waräger, Wikinger und andere Händler verkauften Gefangene aus Europa bis nach Spanien, Nordafrika und in den Nahen Osten. Slawische Menschen waren besonders häufig betroffen; von ihrer Bezeichnung leitete sich in mehreren europäischen Sprachen das Wort für Sklave ab. Wichtige Märkte lagen unter anderem in Verdun, Prag und Rouen. Christen durften grundsätzlich keine Christen versklaven, doch wurde dieses Verbot oft missachtet oder auf Angehörige anderer Kirchen nicht angewandt. Auch Muslime und Juden untersagten die Versklavung eigener Glaubensangehöriger. Die These, Juden hätten den mittelalterlichen europäischen Sklavenhandel maßgeblich beherrscht, ist bestritten.
Vom 13. bis 15. Jahrhundert verschwand Sklaverei nördlich der Alpen weitgehend, blieb im Mittelmeerraum jedoch wichtig. Genua, Venedig und Palermo handelten mit Menschen aus dem Schwarzmeerraum und vom Balkan. Männer wurden häufig an die ägyptischen Mamluken verkauft, Frauen als Hausangestellte oder Ammen nach Italien und Spanien gebracht. Auf Mittelmeerinseln und später auf Madeira, den Kanaren und São Tomé wurden Sklaven auch im Zuckeranbau eingesetzt. Mit der osmanischen Eroberung Konstantinopels 1453 und des Schwarzmeerraums wurden diese Handelswege für westliche Kaufleute eingeschränkt.
In islamischen Gesellschaften war Sklaverei nach Koran und Sunna zulässig, obwohl die Freilassung vielfach empfohlen wurde und muslimische Sklaven religiös als gleichwertig galten. Versklavt werden durften Nichtmuslime. Menschen aus Afrika, Europa, dem Kaukasus und Zentralasien wurden als Hausangestellte, Feldarbeiter, Konkubinen, Eunuchen oder Soldaten eingesetzt. Die Zandsch arbeiteten im Irak in großen Gruppen; ihr Aufstand begann 869 und brachte das Abbasidenkalifat an den Rand einer Niederlage. Militärsklaven wie die Mamluken konnten hohe Ämter erreichen und selbst politische Macht übernehmen. Zwischen 1530 und 1780 wurden in den nordafrikanischen Barbareskenstaaten schätzungsweise 1,25 Millionen Menschen versklavt, meist durch Angriffe auf europäische Schiffe und Küsten. Im 16. und 17. Jahrhundert wurden zudem etwa 1,5 bis 3 Millionen Ukrainer und Russen in das Osmanische Reich verschleppt.
In Asien gab es sehr unterschiedliche Systeme. In China blieb der Bevölkerungsanteil der Sklaven gering, während er in Korea über lange Zeit mehr als ein Drittel bis zur Hälfte betrug. Indien besaß besonders unter islamischen Herrschaften umfangreiche Sklavensysteme; für 1841 werden acht oder neun Millionen Sklaven geschätzt. Japan kannte Haussklaverei und landwirtschaftliche Sklavenarbeit, offiziell wurde sie 1590 abgeschafft. In Südostasien wurden Menschen bei Kriegen umgesiedelt, als Arbeitskräfte eingesetzt oder gerieten durch Schulden in Unfreiheit; sie konnten teilweise heiraten, hohe Stellungen erreichen und nach Tilgung ihrer Schuld freikommen.
Atlantischer Handel und koloniale Sklaverei
Mit europäischer Expansion und Kolonisierung erreichte die Sklaverei in der Neuzeit eine neue Größenordnung. Portugal, Spanien, Frankreich, England, Dänemark und die Niederlande beteiligten sich am internationalen Handel. Die meisten Verschleppten kamen nicht nach Europa, sondern in amerikanische Kolonien. Von 1500 bis 1870 wurden lediglich etwa 200.000 afrikanische Sklaven nach Europa selbst gebracht. Prärassistische Vorurteile seit dem 15. Jahrhundert und die massenhafte Versklavung von Afrikanern verstärkten sich gegenseitig.
Von 1492 bis 1870 wurden mehr als elf Millionen afrikanische Sklaven nach Amerika verkauft: etwa 4,1 Millionen in britische, französische, niederländische und dänische Karibikkolonien, rund vier Millionen nach Brasilien, 2,5 Millionen in spanische Kolonien Südamerikas und etwa 500.000 in die dreizehn britischen Kolonien Nordamerikas. Plantagen für Zuckerrohr, Tabak, Reis, Baumwolle und Kaffee sowie Bergwerke beruhten in großem Umfang auf ihrer Arbeit.
In der Karibik war Sklavenarbeit besonders für Zuckerrohrplantagen entscheidend. Auf Haiti begann 1791 ein Aufstand unter Toussaint Louverture. Haiti wurde 1804 unabhängig; dies war der einzige Sklavenaufstand, der zur Gründung eines unabhängigen Staates führte. Kuba hielt die Sklaverei bis 1886 aufrecht.
Brasilien importierte bis 1850 mehr afrikanische Sklaven als jedes andere Land Amerikas; Schätzungen reichen von mehr als drei bis vier Millionen. Um 1850 waren etwa 40 Prozent der rund 100.000 Einwohner Rio de Janeiros Sklaven. Geflohene gründeten Siedlungen, sogenannte Quilombos; die bekannteste war Palmares, die bis 1695 bestand. Die Abschaffung erfolgte schrittweise ab 1871 und wurde 1888 mit dem Lei Áurea vollendet. Brasilien war damit das letzte Land der westlichen Welt, das die Sklaverei abschaffte.
Auch Afrika selbst kannte vor der europäischen Kolonisierung Sklaverei und innerafrikanischen Menschenhandel. Seit dem 7. Jahrhundert wurden Millionen Menschen über die Sahara und den Indischen Ozean ausgeführt. Der ostafrikanische Handel, an dem arabische, indische, chinesische, Bugis- und malaiische Händler beteiligt waren, übertraf nach Darstellung des Artikels mengenmäßig den Atlantikhandel, ist aber schlechter dokumentiert.
Abschaffung und nationale Entwicklungen
Seit dem späten 18. Jahrhundert wurden Sklavenhandel und Sklaverei schrittweise verboten. Großbritannien untersagte 1807 den Handel und setzte das Verbot mit seiner Marine auch gegenüber anderen Staaten durch; 1834 folgte die Abschaffung der Sklaverei im britischen Empire. Frankreich schaffte sie 1794 ab, führte sie unter Napoleon 1802 wieder ein und verbot sie endgültig am 27. April 1848. In den Niederlanden erfolgte die Abschaffung 1863, in Portugal wurde der Handel 1820 verboten. In Rumänien wurden zwischen 1843 und 1856 schätzungsweise 250.000 bis 300.000 versklavte Roma befreit, etwa 7,5 Prozent der Gesamtbevölkerung.
In den Vereinigten Staaten konzentrierte sich Sklaverei zunehmend auf die Südstaaten. 1860 wurden 3.953.760 Sklaven gezählt; nur 64 lebten in den Nordstaaten oder im amerikanischen Westen. Abolitionisten bezeichneten Sklaverei als Sünde und kämpften für ihre Abschaffung. Der Konflikt trug zur Abspaltung der Südstaaten und zum Sezessionskrieg bei. Nach dem Sieg der Nordstaaten verbot der am 18. Dezember 1865 ratifizierte 13. Verfassungszusatz die Sklaverei. Rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung war damit nicht erreicht; der Kampf gegen Rassentrennung und Diskriminierung dauerte bis in die späten 1960er Jahre an.
Im Kirchenstaat verurteilten Päpste einzelne Versklavungen früh, etwa auf den Kanaren und in Amerika. Paul III. erklärte 1537 in Sublimis Deus alle Völker zu wirklichen Menschen mit Anspruch auf Freiheit und Besitz. Dennoch blieb Sklaverei im Kirchenstaat mit Einschränkungen bis 1838 erlaubt.
Deutschland war durch Kaufleute und Brandenburgs Kolonie Groß-Friedrichsburg am Handel beteiligt. In Preußen wurde Sklaverei 1794 für im Land lebende Bürger verboten. Der Wiener Kongress von 1815 beschloss ein Verbot des Sklavenhandels; Hamburg trat 1837 einem entsprechenden Vertrag bei. Die nationalsozialistische Zwangsarbeit von mehr als 13,5 Millionen Menschen wurde in den Nürnberger Prozessen als „slave labour programme“ behandelt. Sie ähnelte anderen Formen unfreier Arbeit, wobei besonders für jüdische KZ-Zwangsarbeiter auch der Tod vorgesehen war.
Sklaverei in der Gegenwart
Internationale Verbote beseitigten Sklaverei nicht vollständig. Das Genfer Sklavereiabkommen von 1926 wurde von 44 Staaten geschlossen, erlaubte den Kolonialmächten aber weiterhin Zwangsarbeit. Artikel 4 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verbot Sklaverei 1948 erneut. Ein weiteres Genfer Abkommen von 1956 verpflichtete 40 Staaten zu ihrer Abschaffung. Mauretanien hob 1980 als letztes Land seine Sklavereigesetze auf, doch besteht Sklaverei dort weiterhin.
Als moderne Sklaverei gelten unter anderem Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft, Zwangsprostitution, Zwangsheirat sowie die Ausbeutung von Kindern durch Arbeit oder Prostitution. Nach dem Global Slavery Index mit der letzten Erhebung 2021 waren ungefähr 50 Millionen Menschen betroffen: 28 Millionen durch Zwangsarbeit und 22 Millionen durch Zwangsheirat. Die im Artikel wiedergegebenen Kennzahlen sind ausdrücklich als möglicherweise nicht mehr aktuell gekennzeichnet. Die höchsten absoluten Zahlen nennt der Index für Indien mit etwa 11 Millionen, China mit 5,8 Millionen und Nordkorea mit 2,7 Millionen Betroffenen. Sexuelle Ausbeutung gilt in Europa als größter Bereich moderner Sklaverei; betroffen sind besonders Frauen aus Osteuropa und Afrika.
Für Deutschland nennt der Artikel 536 im Jahr 2016 polizeilich identifizierte Fälle von Zwangsarbeit, illegaler Prostitution und Kinderarbeit. Der Global Slavery Index schätzte für dasselbe Jahr etwa 167.000 Menschen in moderner Sklaverei. Diese Schätzungen zeigen, dass gesetzliche Verbote zwar weltweit bestehen, Ausbeutung und extreme persönliche Abhängigkeit aber im 21. Jahrhundert fortdauern.
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