Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Geschichte der Hansestadt Lübeck

Die Geschichte Lübecks lässt sich bis 700 n. Chr. zurückverfolgen, als die Vorgängersiedlung Liubice gegründet wurde. Das Mittelalter in Lübeck war geprägt …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Von Liubice zur freien Reichsstadt
  2. 2. Aufstieg zur Königin der Hanse
  3. 3. Späte Hansezeit, Reformation und Niedergang
  4. 4. Vom souveränen Stadtstaat zum Reichsglied
  5. 5. Diktatur, Krieg und Nachkriegszeit
  6. 6. Lübeck in der Gegenwart

Von Liubice zur freien Reichsstadt

Die Geschichte Lübecks reicht bis in die Zeit der frühen slawischen Besiedlung zurück. Nach der Weichseleiszeit lebten bereits Menschen in der Region; davon zeugen jungsteinzeitliche Hünengräber wie das Pöppendorfer Großsteingrab. Ab etwa 700 besiedelten Slawen das östliche Holstein. Nördlich der heutigen Altstadt entstand Liubice, seit dem 10. Jahrhundert neben Starigard eine der wichtigsten Siedlungen der Abodriten. Die erste Burganlage wurde dendrochronologisch auf 819 datiert. Adam von Bremen erwähnte den Namen Liubice um 1076. Der christliche Nakonide Heinrich machte den Ort 1093 zu seiner Residenz; nach seinem Tod und innerslawischen Machtkämpfen brannten die Ranen ihn 1138 nieder.

1143 gründete Graf Adolf II. von Schauenburg und Holstein auf dem Hügel Buku zwischen Trave und Wakenitz die deutsche Stadt Lübeck als erste deutsche Hafenstadt an der Ostsee. Nach einem weiteren Brand 1157 überließ Adolf die Stadt 1158 Heinrich dem Löwen. Ein zunächst vorgesehener Ersatzstandort war für große Schiffe ungeeignet, weshalb die Kaufleute zurückkehrten. Heinrich sicherte ihnen freien Handel, Münze, Zoll und Stadtfreiheiten zu. Lübeck bot östlich der Elbe einen dauerhaften Markt und Rechtssicherheit für Kaufleute. Die Verbindung mit Hamburg und die Verlegung des Bistums von Oldenburg nach Lübeck, wo 1163 der erste Dom geweiht wurde, stärkten die Stadt zusätzlich.

Nach wechselnder kaiserlicher, sächsischer und dänischer Herrschaft endete die dänische Vorherrschaft mit der Schlacht bei Bornhöved 1227. Bereits im Juni 1226 hatte Kaiser Friedrich II. Lübeck durch den Reichsfreiheitsbrief zur reichsunmittelbaren Stadt gemacht. Diese Reichsfreiheit blieb 711 Jahre bis 1937 bestehen. An der Stelle der früheren Burg entstand nach 1227 das von Dominikanern bezogene Burgkloster.

Aufstieg zur Königin der Hanse

1160 erhielt Lübeck das Soester Stadtrecht. Das Artlenburger Privileg von 1161 stellte Lübecker Kaufleute den zuvor im Ostseehandel führenden gotländischen Kaufleuten rechtlich gleich; Historiker sehen darin einen Ausgangspunkt der Kaufmannshanse. Das Barbarossa-Privileg von 1188 sicherte Stadtgebiet und Handelsmöglichkeiten. Der Rat bestand aus 24 Ratsherren, ergänzte sich aus den wirtschaftlich stärksten Kaufmannsfamilien selbst und wählte bis zu vier Bürgermeister. Je Familie durfte nur ein Mitglied gleichzeitig dem Rat angehören. Diese auf den Fernhandel ausgerichtete Ordnung blieb im Wesentlichen bis ins 19. Jahrhundert bestehen.

Lübecks günstige Lage und die Hansekogge, ein Schiff mit erheblich größerer Frachtkapazität als ältere Typen, förderten den Aufstieg. Um 1200 war die Stadt zudem Auswanderungshafen für die Ostkolonisation des Deutschen Ordens in Livland. Nachdem König Waldemar IV. Atterdag 1361 Wisby erobert hatte, wurde Lübeck Hauptort der inzwischen entstandenen Städtehanse und als „Königin der Hanse“ bezeichnet. Der erste allgemeine Hansetag fand 1356 in Lübeck statt; die Hanse entstand jedoch allmählich und nicht durch einen einzelnen Gründungsakt. 1340 erhielt Lübeck das Goldmünzrecht, 1379 machte der Wendische Münzverein die lübische Mark zur Leitwährung des Ostseehandels.

Nach einer Niederlage gegen Dänemark und dem ungünstigen Frieden von Vordingborg 1365 gründeten Hansestädte 1367 die Kölner Konföderation. Im folgenden Krieg fiel 1369 Helsingborg; der Frieden von Stralsund 1370 sicherte die hansischen Privilegien und bedeutete den Höhepunkt der Lübecker Macht im Ostseeraum.

Lübeck verband den Ostseeraum und Skandinavien mit Hamburg, der Nordsee und Westeuropa. Wichtige Handelsplätze waren Bryggen in Bergen, der Peterhof in Nowgorod, Brügge und der Londoner Stalhof. Über die Alte Salzstraße und den Stecknitz-Kanal gelangte besonders Lüneburger Salz nach Lübeck und weiter nach Norden und Osten, wo es zur Konservierung von Hering benötigt wurde. Das lübische Recht galt in zahlreichen Ostseestädten; der Lübecker Rat war deren Oberhof, also höchste Berufungsinstanz. Kriegsschiffe schützten den Handel unter anderem vor den Vitalienbrüdern. Innenpolitisch forderten Handwerker und kleinere Kaufleute in den Knochenhaueraufständen ab 1380 mehr Mitwirkung; eine Verschwörung Hinrik Paternostermakers wurde 1384 blutig niedergeschlagen.

Späte Hansezeit, Reformation und Niedergang

Zwischen 1408 und 1415 führten innere Unruhen zeitweise zur Absetzung des Rates und 1410 zur Reichsacht. Der Vertrag von Perleberg regelte 1420 das Verhältnis zu Sachsen-Lauenburg; Bergedorf und die Vierlande wurden danach gemeinsam mit Hamburg verwaltet. Gegen den 1426 eingeführten Sundzoll kämpften die Hansestädte erneut mit Dänemark. Der Frieden von Vordingborg bestätigte 1435 ihre Privilegien, doch nach dem Hansisch-Niederländischen Krieg mussten sie 1441 die niederländische Konkurrenz in der Ostsee hinnehmen. Der Hansisch-Englische Krieg endete dagegen 1474 mit dem für die Hanse erfolgreichen Frieden von Utrecht.

Neben Salz, Hering und Stockfisch vertrieb Lübeck Waren des täglichen Bedarfs, Kunstwerke und Bücher im gesamten Ostseeraum. Ende des 15. Jahrhunderts wurde es ein wichtiges Druck- und Buchhandelszentrum. Bartholomäus Ghotan druckte 1488 mit dem Missale Aboense das erste für Finnland gedruckte Buch; Steffen Arndes veröffentlichte 1494 eine niederdeutsche Bibel. 1500 wurde Lübeck Teil des Niedersächsischen Reichskreises.

Die Reformation setzte sich etwa zwischen 1522 und 1530 durch. Johannes Bugenhagen ordnete 1531 Kirche, Schule und Sozialfürsorge neu; Hermann Bonnus wurde erster Superintendent und Rektor der Lateinschule Katharineum. Lübeck trat in den Schmalkaldischen Bund ein, verließ ihn nach politischen Unruhen aber wieder. Jürgen Wullenwever versuchte, die von niederländischen Kaufleuten bedrohte Vormachtstellung militärisch wiederherzustellen. Die Grafenfehde scheiterte; Wullenwever musste 1535 fliehen und wurde 1537 hingerichtet. Damit war Lübecks führende Stellung endgültig beendet.

Im Dreikronenkrieg unterstützte Lübeck Dänemark. Der Frieden von Stettin 1570 garantierte zwar die Narva-Fahrt, zeigte aber zugleich die Schwäche der Stadtstaaten gegenüber größeren Flächenstaaten. Im Dreißigjährigen Krieg blieb Lübeck neutral; 1629 wurde hier der Friede von Lübeck zwischen Kaiserlichen und König Christian IV. von Dänemark geschlossen. Verlagerte Handelsströme und niederländische Konkurrenz schwächten den Fernhandel. 1669 tagte die Hanse letztmals in Lübeck; Lübeck, Hamburg und Bremen verwalteten fortan ihr Restvermögen. Der Kassarezess desselben Jahres erweiterte die Mitspracherechte des Bürgertums besonders beim Finanzhaushalt.

Vom souveränen Stadtstaat zum Reichsglied

Im späten 18. Jahrhundert erreichte die Aufklärung Lübeck. Salons, Kunsthandwerk und die Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit prägten das kulturelle Leben. Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches wurde Lübeck 1806 ein souveräner deutscher Staat. Noch im selben Jahr besetzten napoleonische Truppen nach der Schlacht bei Lübeck die neutrale Stadt und setzten die Kontinentalsperre durch. Die Zahl ankommender Schiffe sank von 1508 im Jahr 1806 auf 389, 51, 86 und 78 in den Folgejahren. Von 1811 bis 1813 gehörte Lübeck als Teil des Département des Bouches de l’Elbe zum französischen Kaiserreich. Die wirtschaftlichen Schäden waren bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts spürbar.

1815 wurde die Freie und Hansestadt souveränes Mitglied des Deutschen Bundes. Denkmalpflege und Museen entwickelten sich, Friedhöfe wurden nach der Cholera von 1832 aus hygienischen Gründen vor die Stadttore verlegt. Die Bewegung Jung-Lübeck und der Germanistentag von 1847 machten die Stadt zu einem Symbolort des Vormärz. 1848 blieb es wegen der bereits weit vorbereiteten neuen Verfassung vergleichsweise ruhig. 1861 belegte der Hygieniker Lübstorff die schlechten Gesundheitsverhältnisse und verlangte Kanalisation sowie eine bessere Wasserversorgung.

1866 trat Lübeck dem Norddeutschen Bund, 1868 dem Zollverein bei. Als Gliedstaat des Deutschen Reiches verlor es 1871 seine seit 1806 bestehende völkerrechtliche Souveränität. Nach Aufhebung der Torsperre 1864 wuchsen Vorstädte, Bevölkerung und Industrie stark; 1911 wurde Lübeck Großstadt. Das Staatsgebiet umfasste neben der Stadt ein Landgebiet mit Gemeinden und Exklaven. Travemünde war bereits 1329 erworben worden. Große Eingemeindungen erfolgten 1913 mit Travemünde und elf Landgemeinden sowie 1935 mit weiteren Gemeinden. 1937 wurden die verbliebenen Exklaven abgetrennt. Groß Steinrade kam 1970 hinzu.

Diktatur, Krieg und Nachkriegszeit

Im Ersten Weltkrieg entstanden wegen Versorgungsproblemen mehrere Kriegsküchen; ab Februar 1917 wurden Speisemarken verwendet. Am 5. November 1918 erreichte der Matrosenaufstand Lübeck. Anders als in anderen deutschen Staaten kam es nicht zu schweren revolutionären Verwerfungen; ein Soldaten- und ein Arbeiterrat entstand dennoch. 1920 erhielt Lübeck seine erste moderne demokratische Verfassung. Kultur und Kunst erlebten in den 1920er Jahren einen Aufschwung. Das Lübecker Impfunglück von 1930 und der folgende Calmette-Prozess erregten internationales Aufsehen und schrieben Rechtsgeschichte.

1933 beseitigte die NSDAP die demokratische Ordnung. SPD-Bürgermeister Paul Löwigt und sozialdemokratische Senatoren traten zurück; Reichsstatthalter Friedrich Hildebrandt ernannte Otto-Heinrich Drechsler zum Bürgermeister. Julius Leber wurde verhaftet, Herbert Frahm, der spätere Willy Brandt, floh nach Skandinavien. Schulen, Volkshochschule und Theater wurden gleichgeschaltet; am 26. Mai 1933 fand auf dem Buniamshof eine Bücherverbrennung statt. Durch das Groß-Hamburg-Gesetz verlor Lübeck 1937 nach 711 Jahren seine territoriale Eigenständigkeit und wurde Teil der preußischen Provinz Schleswig-Holstein. Das Bundesverfassungsgericht lehnte ihre Wiederherstellung 1956 im Lübeck-Urteil endgültig ab.

Die nationalsozialistischen Verbrechen trafen auch Lübeck. Im September 1941 wurden 605 Insassen der Heilanstalt Strecknitz im Rahmen der Aktion T4 abgeholt und ermordet. Von etwa 500 jüdischen Einwohnern im Jahr 1933 waren im Mai 1939 noch 203 in der Stadt. Deportationen führten ab Dezember 1941 unter anderem nach Jungfernhof bei Riga und 1942/43 nach Theresienstadt; nur drei Menschen überlebten Deportation und Lager. Das aus Lübeck hervorgegangene Polizei-Bataillon 307 war am 13. Juli 1941 am Massaker von Brest-Litowsk beteiligt.

In der Nacht vom 28. auf den 29. März 1942 wurde Lübeck als erste deutsche Großstadt nach der britischen Area Bombing Directive angegriffen. 320 Menschen starben, 1044 Gebäude wurden zerstört oder beschädigt, darunter Marienkirche, Petrikirche und Dom. Am 2. Mai 1945 besetzten britische Truppen die Stadt fast kampflos. Am folgenden Tag versenkten alliierte Flugzeuge in der Lübecker Bucht drei Schiffe, darunter die Cap Arcona, auf denen KZ-Häftlinge eingesperrt waren; etwa 7.000 bis 8.000 Menschen starben.

Nach 1945 nahm Lübeck zahlreiche Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten auf und wurde Teil Schleswig-Holsteins. Bis 1989 lag es auf etwa 44 Kilometern unmittelbar an der innerdeutschen Grenze. Die Teilung trennte die Stadt von ihrem mecklenburgischen Hinterland, stärkte aber Travemünde als Fährhafen nach Schweden und Finnland. Seit der Wiedervereinigung ist Lübeck wieder Oberzentrum auch für das westliche Mecklenburg. Bei einem bis heute ungeklärten Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft in der Hafenstraße starben am 18. Januar 1996 zehn Menschen; 30 wurden schwer und 20 leicht verletzt.

Lübeck in der Gegenwart

Die historische Bedeutung Lübecks beruht besonders auf seiner Rolle als mittelalterliche Handelsmetropole, Hauptort der Hanse und Vermittler zwischen West-, Nord- und Osteuropa. 1987 erklärte die UNESCO die Lübecker Altstadt zum Weltkulturerbe; sie war damit das erste Kulturdenkmal dieser Art in der Bundesrepublik. 1993 feierte die Stadt 850 Jahre Hansestadt Lübeck.

Auch im 21. Jahrhundert knüpft Lübeck an seine internationale Tradition an. Vom 14. bis 15. April 2015 fand im Europäischen Hansemuseum ein Vorbereitungstreffen der Außenminister der G7-Staaten statt. Das Museum wurde am 27. Mai 2015 von der Bundeskanzlerin eröffnet.

Lernvideos zu Geschichte der Hansestadt Lübeck

Weiterlesen

Mittelalter Als Mittelalter wird in der europäischen Geschichte die Epoche zwischen dem Ende der Antike und dem Beginn der Neuzeit bezeichnet, also etwa die Zeit … Hanse Eine Entwicklung von der „Kaufmannshanse“ zu einer „Städtehanse“ lässt sich spätestens Mitte des 14. Jahrhunderts mit erstmaligen nahezu „gesamthansischen … Deutscher Bund In der Schweiz entstand im Rahmen des „Jungen Europas“ von Giuseppe Mazzini eine deutsche Sektion als Junges Deutschland. In Paris entstand aus Vorläufern … Jungsteinzeit Die Jungsteinzeit oder Neusteinzeit, fachsprachlich Neolithikum (aus altgriechisch νέος néos ‚neu, jung' und λίθος líthos ‚Stein'), ist eine Epoche der … Karl der Große Er erlangte am 25. Dezember 800 als erster westeuropäischer Herrscher seit der Antike die Kaiserwürde, die mit ihm erneuert wurde. Der Enkel des Hausmeiers Karl … Oldenburg in Holstein Oldenburg in Holstein (plattdeutsch Ollenborg in Holsteen, dänisch Oldenborg) ist eine Stadt in Schleswig-Holstein nördlich von Lübeck im Kreis Ostholstein. Dänemark Das Gymnasium ist mit dem deutschen Gymnasium vergleichbar und endet mit dem dänischen Abitur (Allgemeine Hochschulreife), dem sogenannten Studentereksamen. Heiliges Römisches Reich Das Reich bildete sich im 10. Jahrhundert unter der Dynastie der Ottonen aus dem ehemals karolingischen Ostfrankenreich heraus. ... Mit seiner Kaiserkrönung am 2. Auswanderung Meist wandern Einzelpersonen oder einzelne Familien aus; in der Geschichte gab es aber auch Auswanderungen von großen Bevölkerungsgruppen. Deutsche Emigranten … Kaiser In der Antike hießen seit der Zeit des Augustus, des Großneffen Caesars, die Herrscher des Römischen Reichs Imperator Caesar Augustus (siehe auch Prinzipat und … Karl IV. (HRR) Er entstammte dem Geschlecht der Luxemburger. Er zählt zu den bedeutendsten Kaisern des Spätmittelalters und war einer der einflussreichsten europäischen … Zunft Geschichte. Bearbeiten. Vorläufer städtischer Zünfte gab es seit der römischen Kaiserzeit; sie dienten vor allem der steuerlichen Erfassung ihrer Mitglieder …