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Oldenburg in Holstein

Oldenburg in Holstein (plattdeutsch Ollenborg in Holsteen, dänisch Oldenborg) ist eine Stadt in Schleswig-Holstein nördlich von Lübeck im Kreis Ostholstein.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Lage und Bedeutung
  2. 2. Geschichtliche Entwicklung
  3. 3. Politik und Partnerschaften
  4. 4. Kultur und Sehenswürdigkeiten
  5. 5. Bildung, Verkehr und Versorgung

Lage und Bedeutung

Oldenburg in Holstein ist eine Stadt im Kreis Ostholstein im Bundesland Schleswig-Holstein. Sie liegt auf der Halbinsel Wagrien zwischen der Hohwachter Bucht im Westen und der Lübecker Bucht im Osten, knapp 50 km Luftlinie nördlich von Lübeck und unmittelbar nördlich des Oldenburger Grabens. In der Nähe befinden sich die Seebäder Weißenhäuser Strand, Heiligenhafen, Grömitz und Neustadt in Holstein.

Die Stadt liegt 12 m über NHN und umfasst 39,69 km². Am 31. Dezember 2025 hatte sie 9724 Einwohner; die Bevölkerungsdichte betrug 245 Einwohner je km². Zu Oldenburg gehören die Stadtteile Bruch, Dannau, Johannisdorf, Kleinwessek, Kröß und Lübbersdorf. Nördlich von Dannau und der Kernstadt liegt der Bundeswehr-Truppenübungsplatz Putlos mit der Wagrien-Kaserne.

Oldenburg ist raumplanerisch ein Unterzentrum mit der Funktion eines Mittelzentrums. Es übernimmt damit wichtige Versorgungsaufgaben für Wagrien und besonders für die Kur- und Badeorte an der Ostseeküste.

Geschichtliche Entwicklung

Die Region war bereits in der Urgeschichte vergleichsweise dicht besiedelt. Davon zeugen jungsteinzeitliche Großsteingräber, bronzezeitliche Grabhügel und zahlreiche Siedlungsspuren. Im Neolithikum war der Oldenburger Graben noch eine Förde mit Inseln und Halbinseln. Um 2900 v. Chr. wurde er von der Ostsee abgeschnitten und süßte aus. Etwa zu dieser Zeit wurde die Siedlung Oldenburg-Dannau LA 77 aufgegeben. Sie hatte fast drei Jahrhunderte bestanden und in ihrer Blütezeit von 3020 bis 2990 calBC schätzungsweise bis zu 160 Einwohner.

Im frühen Mittelalter war Oldenburg Hafen und Hauptort der slawischen Wagrier. Zwischen 780 und 840 entstand der heute so genannte Oldenburger Wall, eine slawische Burganlage, von der nur der Wall erhalten ist. Aus dem slawischen Fürstensitz Starigard, dessen Name „Alte Burg“ bedeutet, entwickelte sich über Aldinborg der heutige Name Oldenburg. Spätestens 972 wurde dort das später so genannte Bistum Oldenburg errichtet; als andere mögliche Gründungsjahre werden 968 und 948 genannt. Es gehörte zum Erzbistum Hamburg. Adam von Bremen erwähnte die deutsche Namensform Oldenburg erstmals 1076. Zusammen mit Haithabu war der Ort ein Hafen des Ostseehandels; Schiffe fuhren bis ins Samland oder nach Kiew.

Um 1150 begann der Bau der St.-Johannis-Kirche. Nachdem die slawischen Stämme entmachtet worden waren, wurde der Bischofssitz 1160 oder 1163 nach Lübeck verlegt. Graf Adolf IV. verlieh Oldenburg 1233 die Stadtrechte. Seit 1325 ist vor dem Dolgentor das mittelalterliche Leprosorium „St.-Jürgen-Hospital“ nachweisbar.

Wie lange Oldenburg über den Oldenburger Graben direkt mit der Ostsee verbunden und für Seeschiffe erreichbar war, lässt sich wegen weniger und unterschiedlich deutbarer Quellen nicht eindeutig bestimmen. Karten und Berichte weisen darauf hin, dass Oldenburg mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts eine Hafenstadt war. Die Wasserwege könnten zeitweise versandet und wieder geöffnet worden sein. Später fehlte möglicherweise infolge der Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges die wirtschaftliche Kraft dafür. Eine häufig Oldenburg zugeschriebene Stadtansicht von 1572 zeigt tatsächlich die Hansestadt Stade.

Am 15. August 1773 vernichtete ein Großfeuer fast die gesamte Stadt. Während der NS-Zeit wurden neun Menschen, die in Oldenburg geboren waren oder länger dort gelebt hatten und vom NS-Regime als Juden definiert wurden, verfolgt und ermordet. Seit 2010 erinnern sieben Stolpersteine an die Opfer.

Britische Soldaten besetzten Oldenburg am 4. Mai 1945 kampflos, obwohl die Teilkapitulation für Nordwestdeutschland, Dänemark und die Niederlande erst am 5. Mai um 8:00 Uhr wirksam werden sollte. Im Großraum Oldenburg richteten die Briten das Sperrgebiet F ein, in dem über 500.000 Angehörige der Wehrmacht zusammengeführt und untergebracht wurden. Im März 1946 wurde es aufgelöst. Von 1867 bis 1970 war Oldenburg Kreisstadt des Kreises Oldenburg in Holstein. Dieser ging bei der Kreisreform 1970 zusammen mit dem Kreis Eutin im neuen Kreis Ostholstein auf.

Politik und Partnerschaften

Bei der Kommunalwahl am 14. Mai 2023 wurde die CDU mit 33,0 % erneut stärkste Kraft. Es folgten die SPD mit 28,7 %, die Freie Bürgerliste Oldenburg (FBO) mit 20,3 % und Bündnis 90/Die Grünen mit 18,0 %. Die Wahlbeteiligung betrug 47,4 % und lag damit 3,4 Prozentpunkte höher als 2018. Die FDP trat erstmals seit 1978 nicht an. Besonders die FBO profitierte davon. Weil die CDU sieben Direktmandate gewann, erhielten die Grünen ein Ausgleichsmandat.

Die Stadtvertretung hat in der Wahlperiode 2023–2028 insgesamt 21 Sitze: CDU 7, SPD 6, Grüne 4 und FBO 4. Die Wahlperiode begann mit der konstituierenden Sitzung am 8. Juni 2023.

Der parteilose Jörg Saba ist seit dem 1. Januar 2020 Bürgermeister. Er folgte auf den ebenfalls parteilosen Martin Voigt, der von 2007 bis 2019 amtierte. Bei der Bürgermeisterwahl am 22. Juni 2025 wurde Saba mit 77,8 % der Stimmen gegen Jens Junkersdorf im Amt bestätigt.

Das Stadtwappen zeigt in Blau einen breiten, zweigeschossigen goldenen Zinnenturm mit offenem Tor. Zwischen zwei Fenstern mit bogenförmigem oberen Abschluss befindet sich ein vierpassförmiges Fenster; darüber schwebt ein roter Schild mit silbernem Nesselblatt.

Oldenburg unterhält seit 1990 eine Städtepartnerschaft mit Bergen auf Rügen und seit dem 26. August 2017 eine Partnerschaft mit Blain in Frankreich. Seit 2016 bestehen außerdem freundschaftliche Beziehungen zu Palanga in Litauen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Ein zentrales historisches Denkmal ist der Oldenburger Wall, der erhaltene Teil der frühmittelalterlichen slawischen Burganlage. Das Wall-Museum vermittelt die Vergangenheit der Stadt in einer großen Freilichtanlage und in Ausstellungsräumen. Auf seinem Gelände liegt außerdem das Gildemuseum der St. Johannis Toten- und Schützengilde von 1192.

Die St.-Johannis-Kirche wurde von 1156 bis 1160 errichtet und gilt als erster größerer Backsteinkirchenbau Nordeuropas. Zu den weiteren bemerkenswerten Bauwerken zählt ein Hilfskrankenhaus unter der Turnhalle der Realschule, das als Relikt des Kalten Krieges erhalten ist.

Die St. Johannis Toten- und Schützengilde von 1192 gilt als älteste Schützengilde Deutschlands. Sie veranstaltet jedes Jahr um den Johannistag das sogenannte Gildefest. Als Naherholungsgebiet dient das Naturschutzgebiet Oldenburger Bruch.

Bildung, Verkehr und Versorgung

Oldenburg verfügt über alle Schulformen. Zu den allgemeinbildenden Schulen gehören die Schule Kastanienhof als Förderzentrum, die Grundschule am Wasserquell, die Wagrienschule als Gemeinschaftsschule mit Förderzentrumsanteil und das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Die angegebenen Schülerzahlen stammen aus dem Schuljahr 2018/2019: Schule Kastanienhof 156 Schüler in 16 Klassen und 25 Betreute, Grundschule am Wasserquell 305 Schüler in 15 Klassen, Wagrienschule 463 Schüler in 21 Klassen und 64 Betreute sowie Freiherr-vom-Stein-Gymnasium 521 Schüler in 24 Klassen. Die beruflichen Schulen des Kreises Ostholstein hatten 2812 Schüler in 206 Klassen. Weitere Bildungseinrichtungen sind die Stadtbücherei und die Volkshochschule Ostholstein-Nord.

Auf dem Gelände des Gymnasiums entsteht ein Schulcampus für die Wagrienschule und das Gymnasium. Vorgesehen sind eine neue Sporthalle, ein Fachklassentrakt, ein Schulgebäude und die Sanierung des Gymnasiums. Die Fertigstellung des Gesamtkomplexes ist für 2026/2027 geplant. Danach soll die Grundschule am Wasserquell einen Neubau am bisherigen Standort der Wagrienschule beziehen. Die geschätzten Gesamtinvestitionen für alle Schulen betragen rund 100 Millionen Euro.

Zu den christlichen Einrichtungen zählen die evangelisch-lutherische St.-Johannis-Kirche, die römisch-katholische Kirche St. Vicelin, eine evangelisch-freikirchliche Gemeinde, der St.-Johannis-Kindergarten und der Friedhof.

Der Bahnhof Oldenburg (Holst) lag bis 2022 an der „Vogelfluglinie“, der Eisenbahnverbindung zwischen Hamburg und Kopenhagen. Er war bis Ende 2019 EuroCity-Halt und von 2007 bis 2017 ICE-Halt. 2020 hielt dort nur noch ein saisonaler Intercity nach Fehmarn-Burg; im Regionalverkehr fuhr die RB 85 alle zwei Stunden zwischen Puttgarden und Lübeck. Seit dem 31. August 2022 ist der gesamte Bahnverkehr eingestellt. Bahnhof und Strecke sind jedoch noch nicht stillgelegt; ein Stilllegungsverfahren ist frühestens 2029 vorgesehen. Als Schienenersatzverkehr fährt ein Expressbus zwischen Lübeck und Puttgarden.

Im Zusammenhang mit der Festen Fehmarnbeltquerung soll die Hinterlandstrecke zweigleisig und elektrifiziert ausgebaut sowie aus der Stadt in das Oldenburger Bruch verlegt werden. Der bisherige Bahnhof soll aufgegeben werden. Etwa 1,5 km außerhalb des Stadtzentrums ist zwischen Oldenburg und Göhl an der Landesstraße 59 ein neuer Haltepunkt für Nah- und Fernverkehr vorgesehen. Der Standort ist umstritten. Die Deutsche Bahn plant eine Fahrzeit von 2,5 Stunden zwischen Hamburg und Kopenhagen; wie viele Fernzüge in Oldenburg halten könnten, ist noch unklar. Befürworter verlangen deshalb eine gesicherte schnelle Nahverkehrsanbindung an den Fernverkehr.

Über drei Anschlussstellen ist Oldenburg mit der Bundesautobahn 1 verbunden. Auf A 1 und B 207 sind es rund 21 km bis zur Fehmarnsundbrücke und etwa 33 km bis zum Fährhafen Puttgarden. Beide Straßen bilden auch die Europastraße 47 und werden ebenfalls „Vogelfluglinie“ genannt. Die B 202 verbindet Oldenburg mit Kiel.

Zu den öffentlichen Einrichtungen gehören ein Krankenhaus der Regelversorgung und das Amtsgericht. Dessen Bezirk umfasst den nördlichen Teil des Kreises Ostholstein einschließlich der Insel Fehmarn.

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