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Karl IV. (HRR)

Er entstammte dem Geschlecht der Luxemburger. Er zählt zu den bedeutendsten Kaisern des Spätmittelalters und war einer der einflussreichsten europäischen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Aufstieg zum König und politische Grundlagen
  2. 2. Herrschaftssicherung, Pest und Reichsordnung
  3. 3. Hausmacht, Italienpolitik und Förderung Prags
  4. 4. Titel, Familie und Lebensende
  5. 5. Schriften und historische Bewertung

Aufstieg zum König und politische Grundlagen

Karl IV. (1316–1378), geboren als Wenzel in Prag, entstammte dem Haus Luxemburg. Er war der Sohn Johanns von Luxemburg, des Königs von Böhmen, und Elisabeths, einer Tochter des böhmischen Königs Wenzel II. Přemysl. Von 1323 bis 1330 erhielt er am französischen Hof eine umfassende Bildung; zu seinen Erziehern gehörte Pierre Roger, der spätere Papst Clemens VI. Karl gab an, fünf Sprachen zu beherrschen: Latein, Deutsch, Böhmisch, Französisch und Italienisch.

1331 übernahm Karl in Italien erstmals selbstständig politische Aufgaben. Nach seiner Rückkehr nach Böhmen wurde er 1334 mit Mähren belehnt. 1335 war er am Vertrag von Trentschin beteiligt, der die politische Trennung Schlesiens von Polen festlegte und den Verzicht auf den polnischen Königstitel besiegelte. Ab 1336 regierte er zeitweise die Grafschaft Tirol für seinen Bruder Johann Heinrich und behauptete sie gegen Angriffe der Wittelsbacher und Habsburger. 1336/37 und 1344/45 begleitete er seinen Vater auf Preußenfahrten. Wegen Johanns zunehmender Erblindung übertrug dieser Karl am 8. Juni 1341 die Administration des Königreichs.

Im Konflikt zwischen Ludwig dem Bayern und dessen Gegnern trat Karl mit Unterstützung seines Großonkels Balduin von Trier als Gegenkönig an. Am 11. Juli 1346 wurde er in Rhens von drei Erzbischöfen sowie mit sächsischer und böhmischer Stimme gewählt und am 26. November in der Bonner Münsterbasilika gekrönt, also an einem nicht rechtmäßigen Krönungsort. Sein Vater fiel im August 1346 in der Schlacht von Crécy; Karl nahm teil und wurde verwundet. Am 2. September 1347 wurde Karl zum König von Böhmen gekrönt.

Nach Ludwigs Tod im Oktober 1347 versuchten die Wittelsbacher, Karls Anerkennung zu verhindern. Am 30. Januar 1349 wählten vier Kurfürsten Günther von Schwarzburg zum Gegenkönig. Dieser verzichtete am 26. Mai 1349 im Vertrag von Eltville gegen Entschädigung und Amnestie auf seine Ansprüche. Am 14. Juni starb er im Frankfurter Johanniterkloster aus unbekanntem Grund. Karl ließ sich am 17. Juni 1349 in Frankfurt erneut wählen und am 25. Juli in Aachen krönen. Damit war seine Stellung als römischer König endgültig gesichert.

Herrschaftssicherung, Pest und Reichsordnung

Karl festigte seine Herrschaft durch Bündnisse und Belehnungen. Ein Heiratsbündnis mit dem Pfalzgrafen bei Rhein und die Belehnung des sogenannten Falschen Woldemar mit der Mark Brandenburg schwächten die Wittelsbacher. 1348 verständigte er sich mit den Habsburgern, 1350 mit den Wittelsbachern im Vertrag von Bautzen.

Während dieser Konsolidierung erreichte die Pest, der sogenannte Schwarze Tod, ihren Höhepunkt. Ganze Landstriche verloren teilweise mehr als ein Drittel ihrer Bevölkerung. Die Suche nach Schuldigen führte zur Verbreitung der Behauptung, Juden hätten Brunnen vergiftet. In den Juden- oder Pestpogromen von 1349 machte sich Karl mindestens der Mitwisserschaft schuldig. Er verpfändete zur Schuldentilgung das königliche Judenregal, unter anderem an Frankfurt am Main. Urkunden vom 23., 25., 27. und 28. Juni 1349 regelten den Umgang mit jüdischem Besitz und sicherten Straffreiheit zu, falls Juden erschlagen würden. Bereits einen Monat später kam es in Frankfurt zu einem Pogrom. In Böhmen konnte Karl Juden wirksam schützen; auch in Ulm unternahm er 1348/1349 einen allerdings erfolglosen Schutzversuch. Sein Verhalten widersprach dennoch der königlichen Schutzpflicht und dem damaligen Rechtsverständnis. Es zeigt, dass er politische Zweckmäßigkeit und die Sicherung städtischer Loyalität teilweise über seine Schutzpflicht stellte.

Die Goldene Bulle von 1356 war der folgenreichste rechtspolitische Schritt seiner Regierung. Sie regelte das Wahlverfahren des römisch-deutschen Königs und legte die sieben Kurfürsten namentlich fest. Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs 1806 galt sie als dessen wichtigstes Grundgesetz. Umstritten ist, ob sie vor allem Karl stärkte oder den Kurfürsten erlaubte, seine Pläne für ein hegemoniales Königtum zu begrenzen. Beide Seiten konnten die Ordnung später zu ihrem Vorteil nutzen. Die Bulle erwähnte weder die Notwendigkeit einer päpstlichen Approbation zur Erlangung der Kaiserwürde noch ließ sie ein päpstliches Reichsvikariatsrecht bestehen; dieses wurde abgeschafft.

Karls ältester Sohn Wenzel, seit 1363 König von Böhmen, wurde am 10. Juni 1376 zum römisch-deutschen König gewählt. Die Goldene Bulle sah eine solche Wahl zu Lebzeiten des Königs zwar nicht vor, verbot sie aber auch nicht. Karl setzte sie durch, musste die Stimmen der Kurfürsten jedoch mit hohen Geldsummen gewinnen. 1375 besuchte er als erster römisch-deutscher König seit Friedrich I. Lübeck. In Tangermünde richtete er eine brandenburgische Residenz ein; sein Tod verhinderte den geplanten Aufstieg der Stadt zur Hauptstadt der mittleren Reichsprovinzen.

Hausmacht, Italienpolitik und Förderung Prags

Karls Politik zielte darauf, Böhmen zur Machtbasis des Kaiserreichs und des Hauses Luxemburg auszubauen. Die böhmische Oberhoheit über Schlesien wurde 1348 im Vertrag von Namslau endgültig gesichert, die Niederlausitz 1367 gekauft. Nach längeren Auseinandersetzungen erhielt Karl 1373 im Vertrag von Fürstenwalde die volle Verfügungsgewalt über die Mark Brandenburg und damit eine zweite Kurstimme für sein Haus. Das Landbuch Karls IV. erfasste die Mark möglichst genau, um Steuern effizienter erheben zu können. Die geplante Eroberung Polens scheiterte; auch der Landfrieden Maiestas Carolina von 1355 scheiterte am Widerstand des böhmischen Adels. Durch die Heirat seines Sohnes Sigismund mit der Erbin des ungarischen Königs wurde zudem die Grundlage für den Erwerb Ungarns gelegt.

Zur Finanzierung seiner Wahl und seiner dynastischen Ziele verpfändete Karl Reichsgüter und gab Reichsrechte auf. Der Erwerb Brandenburgs kostete 500.000 Gulden. Im Westen überließ er das Herzogtum Burgund Frankreich. Diese Verpfändungspolitik sicherte kurzfristig Staatsfinanzen und Hausmacht, machte das Kaisertum aber stärker zu einem Hausmachtskönigtum. Die Luxemburger verfügten schließlich über zwei Kurstimmen und über den Reichtum Böhmens, des einzigen Königreichs unter den sieben Kurfürstentümern, sowie über Brabant. Wenzel IV. und Sigismund wurden ebenfalls römisch-deutsche Könige; Sigismund wurde 1433 Kaiser und war außerdem König von Ungarn und Kroatien. Das Haus Luxemburg starb 1437 im Mannesstamm aus. Durch die Heirat Elisabeths mit Herzog Albrecht von Österreich gelangte der große Länderkomplex an die Habsburger.

1354/55 zog Karl mit einem kleinen Heer nach Italien. Am 6. Januar 1355 wurde er in Mailand mit der eisernen Krone der Lombardei gekrönt, am 5. April in Rom durch Kardinal Peter von Ostia zum Kaiser. Mit ihm wurde seine Gemahlin Anna zur Kaiserin gekrönt. Karl verließ Italien bald wieder, ohne die dortigen Verhältnisse zu ordnen. Er nahm Zahlungen der Kommunen ein und vergab dafür Privilegien, erreichte aber die Anerkennung seiner Kaiserstellung durch Florenz und Mailand und gab keine Reichsrechte in Italien auf. Auch der zweite Italienzug von 1368–1369 blieb politisch wenig bedeutend. Karls kuriale Politik setzte auf Einvernehmen mit dem Papst; deshalb wurde er als „Pfaffenkönig“ bezeichnet, obwohl diese Bezeichnung als falsch gilt. Gegen Frankreichs Expansion ging Karl kaum vor: 1365 wurde er in Arles zum König von Burgund gekrönt, entließ Avignon aus der Lehnsherrschaft des Imperiums und gab 1378 das Reichsvikariat im Arelat preis. 1361 löste er dagegen Genf und Savoyen aus Burgund und integrierte sie unmittelbar in das Reich.

Karl förderte Böhmen und besonders Prag. 1344 erreichte er die Erhebung des Prager Bistums zum Erzbistum und leitete den Bau des gotischen Veitsdoms ein. 1356 berief er Peter Parler als Dombaumeister nach Prag. Ab 1348 ließ er die Burg Karlštejn zur Aufbewahrung der königlichen und kaiserlichen Insignien errichten. Die Karlsbrücke, die Prager Neustadt, zahlreiche Kirchen und Klöster sowie Kunst- und Reliquienschätze prägten Prag nachhaltig. 1348 gründete Karl die Karls-Universität, die erste Universität im östlichen Mitteleuropa. Prag wurde dadurch zu einem bedeutenden geistigen und kulturellen Zentrum und zur De-facto-Haupt- und Residenzstadt des Reiches. Mit Nürnberg arbeitete Karl eng zusammen, förderte die Hohenzollern und plante in der Region eine „Reichslandschaft“ namens Neuböhmen. Seine Kanzlei unter Johannes von Neumarkt war vorbildlich für die Ausbildung der neuhochdeutschen Sprache.

Titel, Familie und Lebensende

Karls wichtigste Titel und Daten sind: erste Wahl zum römisch-deutschen König als Gegenkönig in Rhens am 11. Juli 1346 und Krönung in Bonn am 26. November 1346; König von Böhmen ab 2. September 1347; zweite Wahl zum römischen König am 17. Juni 1349 und Krönung in Aachen am 25. Juli 1349; Titularkönig von Italien ab 6. Januar 1355; römisch-deutscher Kaiser ab 5. April 1355; König von Burgund ab 4. Juni 1365.

Karl heiratete viermal: 1329 Blanca Margarete von Valois, 1349 Anna von der Pfalz, 1353 Anna von Schweidnitz und 1363 Elisabeth von Pommern. Zu seinen Kindern gehörten Margarete (1335–1349), Katharina (1342–1395), Wenzel (1350–1351), Elisabeth (1358–1373), Wenzel IV. (1361–1419), Anne (1366–1394), Sigismund (1368–1437), Johann (1370–1396), Karl (1372–1373), Margarete (1373–1410) und Heinrich (1377–1378). Katharina heiratete nacheinander Rudolf IV. von Österreich und Otto V. von Brandenburg. Wenzel IV. wurde König von Böhmen, Anne heiratete Richard II. von England, Sigismund Maria von Ungarn und später Barbara von Cilli, Johann Richardis von Mecklenburg-Schwerin.

Karl starb am 29. November 1378 in Prag, im Jahr des abendländischen Schismas. Er entschied sich für den römischen Papst. Sein Leichnam lag elf Tage im Auditorium der Prager Burg aufgebahrt. Die Begräbnisfeierlichkeiten dauerten vier Tage; am Trauerzug durch Prag und über die Karlsbrücke sollen mehr als 7.000 Menschen teilgenommen haben. Die abschließende Bestattung im Veitsdom zelebrierte der Prager Erzbischof Johann Očko von Wlašim mit sieben weiteren Bischöfen.

Schriften und historische Bewertung

Karls „Vita Caroli Quarti“ ist die erste Selbstdarstellung eines mittelalterlichen deutschen Herrschers. Sie schildert sein Leben von der Geburt 1316 bis zur Königswahl 1346. Die ersten 14 Kapitel sind streng subjektiv und erzählen fortlaufend bis 1340; die letzten 6 Kapitel sind objektiv-distanzierter formuliert, weshalb ein weiterer Verfasser aus Karls Umfeld vermutet wird. Das Werk verbindet mehrere Gattungen, darunter eine Darstellung von Leben und Herrschaft sowie eine Schriftexegese. Es betont Situationen, in denen Karl sich unter großen Widerständen bewährte, und enthält auch Berichte über eine Geistererscheinung und eine Vision.

Die „Wenzelslegende“ entstand wahrscheinlich zwischen 1355 und 1361, möglicherweise 1358. Sie verbindet eine Lebens- und eine Wundergeschichte des heiligen Wenzel und kompiliert ältere Überlieferungen. Karls Verehrung des Heiligen prägte auch seine religiöse Praxis. Die „Moralitates“ sind eine Sammlung philosophischer Sentenzen, geistlicher Texte und Überlegungen zu religiösen und moralischen Fragen. Sie erklären die Tugend des Königs als Pflicht, innerhalb der Gnade Gottes für Gerechtigkeit und das Wohlergehen seines Landes zu sorgen. Im sechsten Kapitel wird der Mensch mit Thubalcain gleichgesetzt: Wie dieser dem Eisen Töne entlockte, soll der Mensch durch Kasteiung zur Vollkommenheit gelangen. Die heute nicht mehr anerkannte Zuschreibung des „Fürstenspiegels“ an Karl geht auf den Herausgeber Samuel Steinherz zurück. In diesem Werk erklärt ein nicht näher benannter Kaiser seinem Sohn die richtige Regierungsweise; der Verfasser schöpfte besonders aus Augustinus und Petrarca.

Karl gilt unstrittig als hochintelligent, diplomatisch geschickt und als Förderer von Kunst und Wissenschaft. Positiv wird hervorgehoben, dass er die italienischen Verhältnisse nicht dauerhaft militärisch belastete und die Kaiserkrone ohne Blutvergießen sowie im Einvernehmen mit dem Papst erlangte. Kritisch beurteilt werden sein rascher Rückzug aus Italien, die Verpfändungspolitik, die brüchige Grundlage seiner Dynastie in Böhmen und sein teilweise unzureichender Schutz der Juden. Insgesamt wird seine Regierungszeit häufig als letzter Höhepunkt des mittelalterlichen Reiches bezeichnet, obwohl sein Kaisertum kaum noch dem früheren universalen Kaisertum entsprach.

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