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Götter in der Bibel
Sie stehen für die altorientalische Welt des Polytheismus, mit dem sich Israels Glaube an den einen Gott auseinandersetzte. In der Begegnung der …
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Kernidee und religionsgeschichtlicher Rahmen
In der Bibel erscheinen neben JHWH, dem Gott Israels, viele andere Gottheiten. Sie stehen für die polytheistische Umwelt des Alten Orients, also für Religionen mit mehreren Göttern und Göttinnen. Die Bibel spiegelt, wie Israel sich mit diesen Gottesvorstellungen auseinandersetzte: Manche Vorstellungen wurden übernommen oder mit JHWH verbunden, andere wurden abgewehrt, verboten oder als Götzendienst gedeutet.
Die ältere biblische Sicht beschreibt Israels Geschichte oft so: Am Anfang habe Israel nur JHWH verehrt, sei dann zu fremden Göttern abgefallen, durch Propheten zum 1. Gebot zurückgerufen worden, und schließlich habe die Kultreform Josias die Alleinverehrung JHWHs durchgesetzt. Außerbiblische Funde stellen dieses Bild in Frage. Die heutige Bibelforschung sieht den JHWH-Monotheismus meist nicht als Anfangspunkt, sondern eher als Ergebnis einer längeren Entwicklung. Diese Entwicklung kam mit der Kanonisierung der Tora im 4. Jahrhundert v. Chr. vorläufig zum Abschluss.
Polytheismus wird im Artikel religionsgeschichtlich erklärt: Ihm liegen animistische Vorstellungen zugrunde, nach denen Natur und Welt von Geistwesen belebt sind. Für bestimmte Lebensbereiche, Gefahren und Hoffnungen wurden Götter als ansprechbare personale Wesen gedacht, zum Beispiel für Regen, Fruchtbarkeit, Krankheit, Krieg oder Tod. Manche Völker stellten Götter menschenähnlich dar, manche tiergestaltig oder als Mischwesen. Im mesopotamischen und kanaanitischen Pantheon waren Götter und Göttinnen meist menschenähnlich.
Kanaanäische Gottheiten und ihr Einfluss
Das kanaanäische Pantheon hatte für Israel besondere Bedeutung. An seiner Spitze stand El, dessen Name „Starker, Mächtiger, Erster, Gewaltiger, Führer, Gebieter, Oberhaupt“ bedeuten kann. El war höchster Gott, Götterkönig, Himmelsgott, Fruchtbarkeitsgott, Göttervater, „Schöpfer der Erde“ und „Vater der Menschheit“. Er galt als Vorsteher der Götterversammlung und Gatte der Aschera. In der Bibel erscheint sein Name in vielen Orts- und Personennamen; außerdem sehen Forscher in biblischen Gottesnamen wie Elohim und Zusätzen wie Zebaoth Spuren älterer Vorstellungen.
Baal bedeutet „Eigentümer, Herr, Besitzer, Gatte“. Er war Fruchtbarkeits-, Wetter-, Regen- und Sturmgott, außerdem ein sterbender und wiederauferstehender Gott. Sein Kult wurde in der Bibel besonders scharf kritisiert. Baal erscheint als Gegner JHWHs, etwa im Kampf Elijas gegen die 450 Propheten des Baal auf dem Berg Karmel. In vielen biblischen Texten wird Baal allgemein zur Bezeichnung für falsche Götter oder „Götzen“.
Aschera war höchste kanaanäische Göttin, Göttin der Mutterschaft, Liebe und Fruchtbarkeit sowie Himmelsgöttin. Sie galt als Gattin Els und „Mutter der Götter“. Ihr Symbol waren Kultpfähle oder heilige Holzobjekte. Der Artikel nennt, dass Manasse von Juda ihr Bildnis neben dem JHWH-Bild im Jerusalemer Tempel aufstellte und sie dort als dessen Frau verehren ließ; Josia entfernte sie später im Rahmen seiner Kultreformen. Bei Jeremia erscheint sie als „Himmelskönigin“ oder „Herrin des Himmels“.
Astarte war Göttin des Venusgestirns, der Fruchtbarkeit, Liebe und Schönheit. In der Bibel erscheint sie oft als weibliche Entsprechung zu Baal und als allgemeine Bezeichnung für weibliche nichtisraelitische „Götzen“. Anat war Kriegs-, Liebes-, Schutz- und Fruchtbarkeitsgöttin, Schwester und Gattin Baals; ihr Name erscheint in der Bibel nicht direkt. Weitere genannte Gestalten sind Schamasch als Sonnengott, Atargatis als syrische Mutter-, Schutz- und Fruchtbarkeitsgöttin sowie verwandte Kultformen.
Babylonische und benachbarte Götter
Auch das babylonische Pantheon erscheint in biblischen Bezügen. Marduk, hebräisch Merodach oder Mordechai, war höchster Gott Babylons, Schöpfer- und Himmelsgott, Weltenherrscher und Stadtgott von Babylon. Er besiegt im Mythos den Chaosdrachen Tiamat. Nabu, biblisch Nebo, war Götterbote, Gott der Weisheit, Wissenschaft, Astrologie und Schreibkunst sowie Inhaber der Schicksalstafeln. Sein Name steckt in Herrschernamen wie Nebukadnezar, Nabopolassar oder Nabonid; auch der Berg Nebo wird genannt.
Tammuz war ein babylonischer Frühlings-, Fruchtbarkeits- und Hirtengott, dessen jährlicher Tod mit Trauerritualen verbunden war. Diese Wehklagen werden bei Ezechiel erwähnt und kritisiert. Tiamat erscheint nicht namentlich, klingt aber in biblischen Motiven vom Kampf gegen den Chaosdrachen, in der Urflut Tehom und teilweise im Leviathan-Motiv an. Bel bedeutet „Herr“ und kann als Name oder Titel für Marduk oder Enlil erscheinen; Jesaja, Jeremia und Baruch erwähnen ihn kritisch. Nergal war Kriegs-, Jagd-, Unterwelts- und Pestgott.
Von Nachbarvölkern nennt der Artikel unter anderem Moloch, Dagān/Dagon, Milkom, Kemosch, Beelzebul und Nanäa. Moloch war ein Gott der Ammoniter, dem laut Bibel im Hinnom-Tal Kinder geopfert wurden; dieser Kult wird als „Gräuel der Kinder von Ammon“ verurteilt. Dagon war eine phönizische Wetter-, Getreide-, Fruchtbarkeits- und Unterweltsgottheit und gilt in der Bibel als Kriegs- und Nationalgott der Philister. Milkom war Stammes- und Hauptgott der Ammoniter, Kemosch der Moabiter. Beelzebul, eigentlich „fürstlicher Herr“, wurde biblisch zu „Herr der Fliegen“ entstellt und später im Matthäusevangelium als Beelzebub zum „Fürsten der Dämonen“ herabgesetzt.
Griechische Götter im Alten und Neuen Testament
Griechische Gottheiten begegnen besonders in den Makkabäerbüchern und in der Apostelgeschichte. Zeus war höchster griechischer Gott, Götter- und Menschenvater sowie Himmels- und Wettergott. In den Makkabäerbüchern sollen auf Veranlassung von Antiochus IV. heilige Stätten in Jerusalem Zeus Olympios beziehungsweise Zeus Xenios geweiht werden. Auch der Tempel auf dem Garizim sollte nach Zeus benannt werden.
Hermes, römisch Merkur, war Götterbote, Führer der Toten und Begleiter der Menschen und des Zeus. In Lystra halten die Einwohner Paulus nach der Heilung eines Lahmen für Hermes, weil er das Wort führte; Barnabas halten sie für Zeus. Die Priester wollten ihnen ein Stieropfer darbringen. Als klar wird, dass Paulus und Barnabas keine Gottheiten sind und Paulus die Götter kritisiert, werden sie aus der Stadt vertrieben, und Paulus wird gesteinigt.
Artemis, römisch Diana, war Göttin der Jagd, Natur, des Mondes, Waldes, der Fruchtbarkeit und der Tiere. In Ephesos kritisiert Paulus ihren Kult. Kunst- und Silberschmiede, die vom Verkauf von Nachbildungen ihres Tempels lebten, zettelten einen Aufstand an und riefen zwei Stunden lang: „Groß ist die Artemis der Epheser“. Dort befand sich das Artemision, eines der sieben Weltwunder der Antike. Außerdem werden Dionysos als Weingott, Gott des Theaters, der Fruchtbarkeit und Ekstase, Apollon als Sonnen-, Orakel- und Heilgott sowie die Dioskuren Kastor und Polydeukes als Schutzgötter der Seefahrt erwähnt.
Mythische Wesen und Spuren des Monotheismus
Neben Göttern nennt der Artikel gottähnliche mythische Wesen. Behemoth ist ein Ungeheuer, das einem Flusspferd ähnelt. Leviathan ist ein schlangenartiges Meerungeheuer, das wohl mit der mesopotamischen Tiamat und dem kanaanitischen Lotan verbunden ist. Weitere Namen sind Rahab, Tannin, Beliar, Reschef, Satan, Aschmodai, Lilith und Azazel. Lilith erscheint bei Jesaja als Nachtgespenst oder weiblicher Dämon in verlassenen Orten und Ruinen; Azazel wird in Levitikus im Zusammenhang mit dem Jom-Kippur-Fest genannt, wenn der Sündenbock in die Wüste geschickt wird.
Die Bibel enthält nach dem Artikel viele Spuren des früheren Ringens um den Glauben an den einen Gott. Teile des Volkes, einzelne Stämme, Könige, Oberschichten, Priester und Hofpropheten wandten sich zeitweise anderen Göttern und Göttinnen zu. Religionsgeschichtliche Forschung sieht JHWH nicht von Anfang an selbstverständlich als alleinigen Gott aller Stämme Israels, sondern als Gott, der allmählich diese Stellung erhielt. Dabei wurde JHWH im Prozess der Ansiedlung in Kanaan mit El, dem Schöpfer- und Hauptgott Kanaans, identifiziert.
Umstritten ist, wie genau diese Entwicklung verlief. Einige Forscher nehmen an, dass El mit Aschera und Baal früher teilweise parallel mit JHWH verehrt wurde und später abgestoßen wurde. Andere meinen, der ursprünglich alleinstehende JHWH habe bei der Gleichsetzung mit El dessen Partnerin Aschera und Kinder abgestoßen, aber Funktionen wie Fruchtbarkeit und Segen übernommen. Wahrscheinlich begann die Durchsetzung und Vereinheitlichung des JHWH-Glaubens nach der Reichsteilung um 900 v. Chr., wurde durch die Tempelreform Joschijas verstärkt und mit der Fixierung des Pentateuch seit dem babylonischen Exil abgeschlossen.
Ugarit als Beispiel für Kanaan
Für die kanaanäische Götterwelt gilt Ugarit als besonders wichtiges Beispiel. Der Artikel weist darauf hin, dass dieser Abschnitt in Wikipedia nicht ausreichend belegt sei; die Angaben sind also mit Vorsicht zu verwenden. Ugarit war eine Stadt an der Mittelmeerküste im heutigen Nordsyrien und wurde etwa 1185 v. Chr. von den Seevölkern zerstört. Ihre Tontafelarchive enthalten Epen, Mythen, Gebete, Götter- und Opferlisten, zeremonielle Texte und Vorschriften.
Die Texte beschreiben Orakel, Leberdeutung, Opferzeremonien, Begräbnisrituale mit Ahnenbeschwörungen sowie Beschwörungstexte gegen Naturkräfte, Krankheit, Unfruchtbarkeit, Dämonen, Folgen von Trunkenheit und Schlangengifte. Vergleiche mit anderen kanaanäischen Texten und Götternamen lassen diese Vorstellungen als exemplarisch für Kanaan von Ugarit bis zum Negev erscheinen, bis weit ins 1. Jahrtausend v. Chr. hinein.
Der Artikel sieht in der Sinai-Erzählung Spuren solcher Motive: Während Mose auf dem von Wolken verhüllten Berg ist, verehrt das Volk unten ein goldenes Kalb. Mose deutet es als Götzenbild und vernichtet es. In älteren biblischen Textschichten erscheinen für JHWH noch Attribute kanaanäischer Gottheiten, etwa „Herr der himmlischen Heerscharen“, „Elohim“ und „Zebaoth“. Später grenzt die Bibel JHWH scharf von Naturerscheinungen ab: Er ist nicht einfach Gewitter, Sturm oder Erdbeben, sondern hat Macht über die Natur, ohne selbst die Natur zu sein.