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Elija
So ist die schon in der byzantinischen Kunst thematisierte Himmelfahrt des Elija eine Präfiguration der Himmelfahrt Christi. Auch das Erscheinen des Mose …
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Grundfigur und Bedeutung
Elija, auch Elia oder Elias genannt, ist ein biblischer Prophet. Nach den ökumenischen Loccumer Richtlinien lautet die Namensform Elija. Sein hebräischer Name bedeutet „Mein Gott ist JHWH“. Er wirkte im zweiten Viertel des 9. Jahrhunderts v. Chr. im Nordreich Israel, zur Zeit der Könige Ahab und Ahasja.
Elija ist vor allem wichtig als Prophet, der den Glauben an JHWH gegen die Verehrung anderer Götter verteidigt. In den biblischen Erzählungen tritt er besonders gegen den Baalskult auf. Baal von Tyros galt im Nordreich als Gott von Regen und Fruchtbarkeit. Elijas Ankündigung einer Dürre ist deshalb nicht nur eine Naturkatastrophe, sondern eine religiöse Kampfansage: Nicht Baal, sondern JHWH bestimmt über Regen, Leben und Tod.
In der jüdischen, christlichen und islamischen Tradition bleibt Elija eine bedeutende Gestalt. Im Judentum gilt er nach Mose als wichtigster Prophet und als erwarteter Wegbereiter des Messias. Im Neuen Testament wird seine Wiederkunft mit Johannes dem Täufer und mit Erwartungen an Jesus verbunden. Im Koran erscheint er als rechtschaffener Gesandter Gottes. Auch im Bahaitum, in kirchlicher Verehrung, Kunst und Brauchtum spielt Elija eine Rolle.
Elija im Tanach
Nach dem 1. Buch der Könige stammt Elija aus Tischbe im Ostjordanland, das zum Nordreich Israel gehörte. Deshalb wird er „Tischbiter“ genannt. Der Artikel deutet diese Bezeichnung so, dass Elija zu den Israeliten ohne Grundbesitz gehörte und damit zu den frühen Benachteiligten des im 9. Jahrhundert v. Chr. entstehenden Großgrundbesitzes.
Elija tritt zuerst in 1 Kön 17 als Prophet auf, der eine Dürre über das ganze Land ankündigt. Diese Dürre soll nach Jak 5,17 drei Jahre und sechs Monate gedauert haben. Während dieser Zeit wird Elija im Wildbachtal Kerith östlich des Jordans auf wunderbare Weise durch Raben ernährt. Als auch dort die Dürre spürbar wird, geht er nach Zarephath beziehungsweise Sarepta, das zu Sidon gehört und im heutigen Libanon lag. Dort nimmt ihn eine Witwe auf, obwohl sie nur noch eine letzte Ration Mehl und Öl besitzt. Durch Gottes Segen werden Mehl und Öl immer wieder erneuert. Als der Sohn der Witwe stirbt, erweckt Elija ihn durch ein Wunder von den Toten.
Ein zentraler Abschnitt ist die Machtprobe auf dem Berg Karmel. König Ahab sucht Elija und gibt ihm die Schuld an Israels Unglück. Elija weist die Schuld zurück und sagt, Ahab und sein Haus hätten die Gebote des HERRN verlassen und seien den Baalen gefolgt. Auf dem Karmel versammelt Ahab das Volk, 450 Baalspropheten und 400 Propheten des Heiligen Pfahls der Aschera. Die Propheten sollen je einen Stier auf Holz legen; der wahre Gott soll durch Feuer antworten. Die Baalspropheten beten lange und verletzen sich nach ihrem Ritual, doch es geschieht nichts. Elija baut den Altar JHWHs wieder auf, lässt Opfer, Holz und Graben mit zwölf Krügen Wasser übergießen und betet. Darauf fällt Feuer des HERRN herab und verzehrt Brandopfer, Holz, Steine, Erde und Wasser. Das Volk ruft: „JHWH ist Gott, JHWH ist Gott!“ Danach tötet Elija die 450 Baalspropheten am Bach Kischon. Die 400 Propheten der Aschera werden danach nicht mehr erwähnt. Anschließend setzt der Regen wieder ein und die Dürre endet.
Nach dieser Machtprobe flieht Elija, weil Königin Isebel ihn töten lassen will. Er geht nach Be’er Scheva, dann in die Wildnis. Ein Engel fordert ihn auf, zum Berg Horeb zu reisen. Dort zeigt sich JHWH nicht in den Machtdemonstrationen, sondern in einem „sanften Säuseln“. Elija erfährt, dass es in Israel noch 7000 Anbeter JHWHs gibt, die Baal nicht dienen. Er erhält den Auftrag, Hasael zum König von Syrien, Jehu zum König von Israel und Elischa zu seinem Nachfolger zu salben.
Später kündigt Elija König Ahab den Tod an, nachdem Ahab sich mit Hilfe Isebels den Grundbesitz Nabots angeeignet hat. Ahab stirbt drei Jahre danach, Isebel 15 Jahre später durch König Jehu. Auch Ahabs Sohn Ahasja wird von Elija verurteilt, weil er nach einem Unfall Baal-Sebub, den Gott von Ekron, und nicht JHWH befragt. Elija kündigt ihm den Tod an. Zwei militärische Einheiten von je 50 Mann, die ihn gefangen nehmen sollen, werden durch Feuer vernichtet; erst die dritte bleibt am Leben, weil ihr Hauptmann Elija um sein Leben bittet.
Nach 2 Kön 2,1–18 wird Elija durch einen feurigen Wagen mit feurigen Rossen von Elischa getrennt und in einem Sturmwind zum Himmel entrückt. Sein Tod wird nicht erzählt. Daraus entstand im Judentum früh der Glaube, Elija sei nicht gestorben, sondern lebend in den Himmel aufgenommen worden. Maleachi kündigt seine Wiederkunft vor dem kommenden Gerichtstag Gottes an: Elija soll Israel zur Umkehr zu Gott, zu seinen Geboten und zur Versöhnung untereinander bewegen.
Judentum und Neues Testament
Im Judentum ist die Erwartung Elijas bis heute wichtig. Er gilt als Symbol für Standhaftigkeit in Zeiten von Unterdrückung und Götzenanbetung. Bei Pessach wird seine erwartete Ankunft symbolisch dargestellt: Bei jedem Sederabend wird in den Abschnitten Barech und Hallel ein weiterer Becher für Elija aufgestellt und gefüllt. Wenn es zur Leerung seines Bechers kommt, wird die Wohnungstür geöffnet, damit er eintreten könne. Danach wird ein Lobgebet gesprochen, das Hallel aus den Psalmen 113–118, und die Tür wieder geschlossen. Weil Elija vor seinem Tod entrückt wurde, erscheint er in der jüdischen Tradition immer wieder als Mittler zwischen Gott und den Menschen.
Das Neue Testament greift diese Erwartung auf. Manche Juden sahen in Jesus von Nazaret den wiedergekommenen Elija, vermutlich weil einige Heilungen Jesu den Wundertaten Elijas und Elischas ähnelten. Auch die neutestamentlichen Berichte von Totenerweckungen Jesu werden literarisch als Überbietung solcher früherer Wunder gestaltet. Bei der Kreuzigung missverstanden einige Umstehende Jesu aramäischen Ruf nach Ps 22,2 als Ruf nach Elija, der als Anwalt ungerecht verurteilter Juden galt.
Viele Urchristen sahen Johannes den Täufer als den wiedergekommenen Elija, der dem Messias den Weg bereitet. Im Lukasevangelium kündigt der Erzengel Gabriel dem Vater Zacharias diese besondere Rolle seines künftigen Sohnes an. Allerdings war diese Deutung nicht einheitlich: Nach Joh 1,21 verneint Johannes, Elija zu sein. In Mt 11,14 und Mt 17,10–13 erklärt Jesus dagegen selbst, Johannes der Täufer sei der Elija, der nach Mal 3,23 als Wegbereiter des Herrn wiederkommen soll. Die Karmeliten verehren Elija außerdem als Mitbegründer ihres Ordens.
Elija in Koran und Bahaitum
Im Koran heißt Elija Ilyās; in der arabischen Bibelübersetzung lautet der Name Īliyā. Er wird in zwei Suren erwähnt. In Sure 6:85 steht er in einer Reihe von „Rechtschaffenen“ zusammen mit Zacharias, Johannes und Jesus. In Sure 37:123–132 wird er als einer der von Gott Gesandten beschrieben. Dort tritt er gegen die Verehrung Baals auf und ruft seine Leute dazu auf, gottesfürchtig zu sein und nicht Baal, sondern Gott, den Herrn ihrer Vorväter, zu verehren. Die Gegner bezichtigen ihn der Lüge; zugleich bleibt über spätere Generationen der Segenswunsch „Heil sei über Ellas!“ erhalten. Der Koran zählt ihn zu Gottes gläubigen Dienern.
Im Bahaitum glauben Anhänger, Elija sei 1844 in Schiras im Iran als Bāb zurückgekehrt. Diese Rückkehr wird nicht als körperliche Wiederkehr verstanden. Gemeint ist, dass im Bāb derselbe Geist wirkte, von dem auch Elija und Johannes der Täufer erfüllt gewesen seien. Die sterblichen Überreste des Bāb wurden auf dem Berg Karmel beigesetzt, also an dem Ort, an dem Elija nach der biblischen Erzählung seine Auseinandersetzung mit den Propheten Baals hatte.
Verehrung, Brauchtum und Darstellung
In der römisch-katholischen Kirche und in den orthodoxen Kirchen wird Elija als Heiliger verehrt. Sein Gedenktag ist in der Liturgie der römisch-katholischen, orthodoxen und armenischen Kirche sowie in der Lutherischen Kirche – Missouri-Synode der 20. Juli. In der koptischen Kirche ist es der 1. Januar, in der syrisch-orthodoxen Kirche der 1. Februar. Verschiedene Eliaskirchen sind ihm geweiht.
Auch in weiteren religiösen und kulturellen Zusammenhängen erscheint Elija. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage glaubt, Elija sei 1836 zurückgekommen, um Joseph Smith zu treffen. Die biblische Perikope über Elija ist Thema des Oratoriums „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. In Bulgarien und Serbien ist Elija als „Elija der Donner“ bekannt; sein Gedenktag am 20. Juli soll sommerliche Stürme, Hagel, Regen und Donner bringen. Alte Dampflokomotiven wurden im Volksmund wegen Elijas Himmelfahrt oft „feuriger Elias“ genannt. Auf griechischen Inseln wurden üblicherweise die jeweils höchsten Berge nach Elija benannt, als Profitis Ilias.
In der Kunst ist Elija seit frühjüdischer und christlicher Zeit präsent. Seine Bedeutung für die jüdische Religiosität zeigt sich in den frühen Fresken der Synagoge von Dura Europos in Syrien aus den Jahren 245–256 n. Chr. Auch in Drucken und Bilderhandschriften der Haggada wird er dargestellt. In der christlichen Bilderwelt hat Elija meist typologische Bedeutung: Ereignisse aus seinem Leben werden als Vorausdeutung auf neutestamentliche Ereignisse verstanden. Seine Himmelfahrt gilt als Präfiguration der Himmelfahrt Christi. Auch das Erscheinen von Mose und Elija bei der Verklärung Christi gehört in diesen Zusammenhang. Typologische Gegenüberstellungen zeigen etwa Elijas Ölwunder für die Witwe von Sarepta und die wundersame Brotvermehrung, die Erweckung des Sohnes der Witwe und die Erweckung des Jünglings von Nain oder Isebels Forderung nach Elijas Tod und Christus vor Pilatus.
In der äthiopischen Buchmalerei wird Elija häufig neben Henoch dargestellt, der einzigen weiteren Person, deren Himmelfahrt im Alten Testament beschrieben ist. Ein Beispiel ist die Handschrift Gunda Gunde 151 aus dem 16. Jahrhundert. Dort erscheint auch die Übergabe des Prophetenamtes an Elischa durch den Prophetenmantel, ohne christliche Typologie. Aus der niederländischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts sind zahlreiche szenische Darstellungen zu Elija bekannt. In der Stadtkirche Trebsen gibt es zudem ein ovales, großformatiges Deckengemälde von 1701, das die Himmelfahrt des Elia zeigt.