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El (Gott)

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. El als höchster Gott und Gottesbezeichnung
  2. 2. El in Ugarit
  3. 3. Götterfamilie und Mythen
  4. 4. Bedeutungsverlust und Ablösung
  5. 5. Vätergott und Identifikation mit JHWH
  6. 6. Gottesnamen, Eigenschaften und Namen mit El

El als höchster Gott und Gottesbezeichnung

El war im 2. Jahrtausend v. Chr. der Name des höchsten Gottes der Ugariter. Die Israeliten übernahmen den Namen und identifizierten El mit JHWH, dem einzigen Gott des Tanach. Häufiger dient allerdings Elohim, der hebräische Plural von Eloah, als alternative Bezeichnung für JHWH.

El entwickelte sich in vielen semitischen Sprachen zugleich zu einem Gattungsbegriff für „Gott“, „göttliches Wesen“ oder „göttliche Natur“. Außerdem erscheint El als theophores Element, also als „gott-tragender“ Bestandteil von Personen- und Ortsnamen. In biblischen Namen verweist dieses Element auf JHWH.

El in Ugarit

Die Bezeichnung El ist erstmals um 1400 v. Chr. in Keilschrifttexten aus Ugarit belegt. Je nach Zusammenhang bezeichnet das ugaritische Wort ʾil entweder den Gott El selbst oder allgemein einen Gott; der Plural oder Dual lautet ʾilm. In mythologischen Texten wird El unter anderem „Erbauer des Erbauten“, „Vater der Menschheit“ und „Schöpfer der Schöpfung“ genannt. Der Singular bezeichnet überwiegend den Eigennamen, während der Plural meist allgemein „Götter“ bedeutet. So heißt die Sonnengöttin Šapšu „Leuchte der Götter“.

Für einen Teil der ugaritischen Bevölkerung nahm El zeitweise die Stellung des obersten Gottes ein. Seine Beinamen waren „König“, „der Freundliche“ und „Stier“. Die Anrufung „Stier-El“ betont seine Stärke und Macht und deutet darauf hin, dass der Stier sein Symbol war.

El wurde als alter, königlicher Gott in Menschengestalt dargestellt. Bildnisse zeigen ihn mit grauen Haaren und königlicher Kleidung. Eine 13 Zentimeter hohe Bronzeskulptur stellt einen sitzenden, bärtigen Gott mit ägyptischer Atef-Krone, langem Mantel, Sandalen und segnend erhobener rechter Hand dar; ihre Identifikation mit El ist nicht eindeutig. Auf der 47 Zentimeter hohen „El-Stele“ aus Serpentin sitzt ein bärtiger Gott mit langem Mantel und Hörnerkrone einem betenden König gegenüber, der Szepter und Opferkrug hält.

Die wichtigsten Zeugnisse über Els Verehrung stammen aus Ugarit in der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. Ein überliefertes Gebet ruft El, seine Söhne und ihre Versammlung an, bittet El und Aschirat um Gnade und Unterstützung und fordert El auf, Zaphon und Ugarit mit Lanze und Streitaxt zu Hilfe zu kommen.

Götterfamilie und Mythen

In der ugaritischen Mythologie gilt El als Schöpfer der Erde. Seine Wohnung wird an der Quelle der beiden Ströme der unterirdischen Tiefe verortet. Im „Mythos der freundlichen und schönen Götter“ überrascht und schwängert er die Göttinnen Athirat und Šapšu an einem Brunnen. So zeugt er zunächst Šahar, die Gottheit der Morgendämmerung, und dessen Bruder Šalim, den Gott der Abenddämmerung, später außerdem anonyme Dämonen. Die Gesamtheit der von ihm gezeugten Götter heißt Banu Elima, „El-Söhne“.

Els Erstgemahlin Athirat ist die Göttermutter. Ihr Name erscheint auch in Formen wie Elat und Qudšu, die „die weibliche Gottheit“ beziehungsweise „die Heilige“ bedeuten. Als „Herrin Athirat des Meeres“ besitzt sie einen eigenen, von El getrennten Wohnort und kann selbstständig Entscheidungen treffen. Siebzig Götter und Göttinnen gelten als gemeinsame Kinder von Athirat und El; weitere werden als Kinder Els und seiner Zweitfrau Šapšu bezeichnet.

Die Göttergesellschaft versammelt sich regelmäßig vor El auf einem hohen Berg. Dort wird über Handlungen entschieden, denn die untergeordneten Götter müssen seinen Weisungen folgen. Ba’al darf beispielsweise den Meeresgott Yam erst töten, nachdem er Els Erlaubnis erhalten hat. Ba’als Schwester Anat erreicht Els Zustimmung für dieses Vorhaben erst durch die Androhung von Gewalt.

Bedeutungsverlust und Ablösung

Mit dem Eindringen der sogenannten Seevölker um 1200 v. Chr. und der Zerstörung Ugarits wandelte sich Els Stellung plötzlich. In den folgenden zweihundert Jahren verlor er in der Region zunehmend an Bedeutung. Seit etwa 1000 v. Chr. erscheint auch der Name seiner Erstgemahlin Athirat nicht mehr. Ba’alšamen auf Phönikisch beziehungsweise Be’elšamen auf Aramäisch löste El um diese Zeit endgültig als bevorzugten Gott ab.

Die Bibel nennt die Philister als Bewohner der palästinischen Küste und als frühe Gegner der Israeliten in vorstaatlicher Zeit. Sie gelten als mit den Phöniziern verwandt, die in der Küstenregion vom zerstörten Ugarit bis Sidon siedelten. Athirat wurde später nur noch bei den Philistern erwähnt, während auch dort Ba’alšamen beziehungsweise Be’elšamen El verdrängte.

Bei Philon von Byblos beginnt der Stammbaum der phönikischen Gottheiten mit Eliun und Beruth. Ihre Nachkommen Uranos und Ge beziehungsweise Gaia begründen einen sieben Generationen und mehr als 40 Gottheiten umfassenden Stammbaum. Darin besiegt El, mit Kronos gleichgesetzt, als Erwachsener seinen Vater Uranos und übernimmt dessen Herrschaft.

Vätergott und Identifikation mit JHWH

Im 1. Buch Mose wird El mit den Namen halbnomadischer Sippenhäupter verbunden, denen er erschienen sein soll: „Gott meines Vaters“, „Gott unserer Väter“, „Gott Abrahams“, „Gott Isaaks“ und „Gott Jakobs“. Ursprünglich konnte „Gott meines Vaters“ den besonderen Gott einer einzelnen Familie meinen. Nachdem sich mehrere Sippen zu einem Stamm zusammengeschlossen hatten, entstand daraus die gemeinsame Bezeichnung „Gott unserer Väter“.

Ob Abraham, Isaak und Jakob fiktive Stammväter oder wirkliche Personen waren, ist umstritten. Tontafeln aus Mari um 1900 v. Chr. belegen jedenfalls Namen wie Abram, Isaak und Jakob für einzelne aramäische Personen. Vermutlich begegneten sich während einer zweiten aramäischen Wanderungswelle um 1500 v. Chr. halbnomadische Gruppen aus Mesopotamien, Syrien oder von der Sinai-Halbinsel in Kanaan. Ihre Gottheiten wurden wahrscheinlich miteinander gleichgesetzt, sodass Formeln wie „Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“ entstehen konnten.

Albrecht Alt entwickelte 1929 daraus die These vom „Gott der Väter“ als Vorstufe der JHWH-Religion. Kennzeichnend sei nicht die Bindung an einen festen Ort, sondern die dauerhafte Beziehung zu einer Menschengruppe. Die Vätergötter benötigten weder ein festes Heiligtum noch Priester; die priesterlichen Aufgaben übernahm der Familienvater. Wahrscheinlich wurden sie ohne Bilder verehrt. Sie begleiteten und schützten die Sippe und sollten Land, Nachkommen sowie Frieden mit Nachbarvölkern sichern. Opfer wurden ihnen erst im Kulturland dargebracht.

Im 2. Buch Mose treten die Väternamen zurück; stattdessen erscheinen Bezeichnungen wie „Gott der Hebräer“ und „Gott Israels“. In der Berufung des Mose stellt sich der bereits als Vätergott bekannte El erstmals mit dem Eigennamen JHWH vor. Nach Ex 6,3 war er den Vätern als El Schaddai bekannt. Diese Einteilung der Heilsgeschichte wurde häufig der hypothetischen exilischen Priesterschrift zugerechnet.

Gen 14,18–24 berichtet, Abraham habe El mit JHWH identifiziert: Melchisedek, Priesterkönig von Salem, segnete ihn im Namen des El Aeljon, des höchsten Gottes und Schöpfers von Himmel und Erde. Abraham gab ihm den Zehnten seiner Kriegsbeute und bezeichnete seinen Gott als „JHWH, der Himmel und Erde gemacht hat“. Vermutet wird deshalb, dass die Jebusiter in Salem um 1200 v. Chr. El Aeljon verehrten. Der Stadtgott von Be’er Scheva hieß El Olam, „Gott der Ewige“. Ob die Melchisedek-Erzählung eine frühe Anerkennung eines kanaanäischen Schöpfergottes wiedergibt oder Jerusalem erst nachträglich als Ort der JHWH-Verehrung legitimieren sollte, ist umstritten. Eine weitere These nimmt an, Israeliten und Kanaaniter hätten zunächst denselben Gott El verehrt. El sei dann mit JHWH identifiziert worden, der zuerst als höchster, später als einziger Gott galt; zuletzt sei auch die Existenz anderer Götter bestritten worden.

Gottesnamen, Eigenschaften und Namen mit El

Die Bibel verbindet El mit unterschiedlichen Eigenschaften. Hagar nennt Gott nach ihrer Rettung vor dem Verdursten El-Roï, „Gott, der mich sieht“. Gen 33,20 spricht von „El, Gott Israels“.

El Schaddai setzt sich aus El und dem Epitheton, also Beinamen, Schaddai zusammen. Schaddai wird jedoch häufiger auch allein als Gottesbezeichnung verwendet. Seine Bedeutung ist unklar und die Deutungen widersprechen einander. Die Zürcher Bibel behandelt das Wort wie einen Eigennamen. Die Septuaginta versteht es im Pentateuch je nach Redesituation als „dein Gott“ oder „mein Gott“. Üblich ist die Übersetzung „der Allmächtige“, etwa in der Vulgata als omnipotens und in der Lutherbibel; die griechische Übersetzung des Buches Hiob verwendet Pantokrator.

Verschiedene Herleitungen führen zu weiteren Übersetzungen: Aus dem hebräischen Verb schaddad, „gewalttätig sein“ oder „verheeren“, ergeben sich „Gewaltiger“ oder „Zerstörer“. Eine Verbindung mit schad, „Brust“, wird ebenfalls erwogen. Vom akkadischen schadu, „Berg“ oder als Verb „sich erheben“, werden „Gott der Erhabene“ und „Gott der Höchste“ abgeleitet. Das neuassyrische schaddaju, „Bergbewohner“, führt zur Übersetzung „Gott der Berge“. Bernhard Lang verbindet den Namen dagegen mit dem ägyptischen Gott Sched und deutet Schaddai als Herrn der Fluren beziehungsweise der Gebirgssteppe.

El begegnet außerdem in zahlreichen theophoren Namen:

  • Isra-El bedeutet „der mit Gott streitet“ oder „Gottesstreiter“.
  • Isma-El bedeutet „Gott hört“.
  • Bet-El bedeutet „Haus Gottes“. Der Ort war ein Kultort Els im späteren Nordreich Israel. Seine Herkunftserzählung berichtet von Jakobs Vision der Himmelsleiter und der Errichtung eines Steinmals.
  • Penu-El bedeutet „Gottesgesicht“.

Auch Samuel, Joel, Gabriel und Immanuel sind Satznamen mit dem Gottesbestandteil El.

Lernvideos zu El (Gott)

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