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Afrika: Frankreich auf dem Rückzug | Mit offenen Karten | ARTE
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 71 Zeilen
- [Musik] Herzlich willkommen beien Karten. 13 wurde Frankreichspräsident François Oland in Bamaco, der Hauptstadt Malis
- als Held empfangen. Der damalige Präsident Mal hatte die französische Armee um Hilfe im Kampf gegen djihadistische Angriffe gebeten.
- Knapp 10 Jahre später tauchte in Bamaco bei Demonstrationen die Flagge von Wladimir Putins Russland auf. Die Machthaber haben gewechselt und
- Malis neue Regierung will keine französische Präsenz mehr im Land. Ähnliches ist auch in anderen ehemaligen Kolonien Frankreichs in Afrika zu
- beobachten. Dort ist Frankreich vor dem Hintergrund neuer Einflüsse und Machtverhältnisse auf dem Rückzug. Ein Blick auf unsere Karten. Zunächst sehen
- wir uns an, wie es mit Frankreichs Militärpräsenz in den Ländern südlich der Sahara noch vor 5 Jahren bestellt war. Stützpunkte gab es in Jibuti, der
- zentralafrikanischen Republik, dem Chat, Niger, Mali, Burkina Faso, Senegal, der Elfenbeinküste und Gabun. Im Rahmen von Verteidigungsabkommen waren dort
- insgesamt 3150 Soldaten stationiert und Jibuti, Njamena und Abidjan waren die wichtigsten Stützpunkte.
- Nun zur heutigen Lage. Die französischen Truppen haben bereits Mali und die zentralafrikanische Republik sowie Niga und Burkinafaso verlassen.
- 2024 verlangten der Chat und Senegal die Schließung der Stützpunkte in Jamena, Faja und Abche sowie in Dakar. Anfang kündigte der ivorische Präsident Watara
- die Rückgabe des Stützpunkts in Abidjan vor den Wahlen im Dezember an. Im Februar verließen die letzten französischen Soldaten den
- Marinestützpunkt, auf dem sie seit 1960 stationiert waren. Übrig bleiben nur ein großer Stützpunkt in Jibuti mit 1500 Soldaten und eine symbolische Präsenz in
- Libre Wele. Das ist das Ergebnis einer langen Entwicklung. Die Zahl der französischen Soldaten in Afrika ging ständig zurück,
- seit dort die Staaten ihre Unabhängigkeit erlangten. 30.000 waren es 1960, 10190 und 6600 2014.
- Seit dem Ende des Algerienkriegs 1962 führte Frankreich über 50 militärische Operationen in Afrika durch und ist damit eine Ausnahme unter den ehemaligen
- Kolonialmächten. Zum Verständnis dieser Ausnahmestellung hilft ein Blick auf die Geschichte der französischen Kolonien in Afrika. 1885
- teilten auf der Kongokonferenz Europas Staaten das Jahrhundertelang durch den Sklavenhandel geschwächte Afrika untereinander auf.
- Frankreich eroberte riesige Gebiete vor allem in Zentral und in Westafrika und unterwarf ein Volk nach dem anderen durch Waffen oder Verhandlungen.
- Zu Beginn des Ersten Weltkriegs reichte sein afrikanisches Kolonialreich von Marokko bis Madagascar. Das Zentrum seiner Kolonien bildeten
- Französisch-Westafrika und Französischorialfrika. Die Ausbeutung der Bevölkerung und der Bodenschätze erfolgte ausschließlich
- zugunsten des Mutterlands und die Besitzungen verliehen Frankreich den Status einer Weltmacht. Doch ab 1945
- entstanden Unabhängigkeitsbewegungen. 1958 wurde Guinea unter Oppositionsführer Ahmed Sekutouré als erste französische
- Kolonie südlich der Sahara unabhängig. Bei einem Referendum wurde der Beitritt zu der von de Goa als Ersatz für das Kolonialreich geschaffenen französischen
- Gemeinschaft abgelehnt. 1960 wurden nach Guinea dann 14 weitere französischsprachige Länder unabhängig. Doch die Abhängigkeit von Frankreich war
- damit nicht beendet und bei den nun mehr postkolonialen Beziehungen, auch Franzik genannt, zog afrikapolitischer Berater Jacques Fokar alle Felden.
- Zur Bewahrung seines Einflusses, den es für seine Sicherheit und Rohstoffversorgung für strategisch wichtig erachtete, wurde Paris zunächst
- auf politischer Ebene aktiv. Man unterstützte befreundete Staatschefs wie Felix Unifenbeinküste, Leopold Zangor in Senegal, Omach Bongo
- in Gabun und Paul Bia in Kamerun. In wirtschaftlicher Hinsicht bekam man durch Investitionen einen privilegierten Zugang zu Märkten und Bodenschätzen.
- Erdöl aus Gabun und der Republik Kongo, Uran für die Atomkraftwerke aus Niger. Sodan kontrollierte man die Währungspolitik der jungen Nationen
- durch den an den Franc gekoppelten CFA Fran. In kultureller und wissenschaftlicher Hinsicht entsandte man Entwicklungshelfer und junge
- Menschen aus Afrika Studierten in Frankreich. Schließlich schloss man Verteidigungsabkommen und intervenierte
- zur Unterstützung autoritärer Ein Parteienregime. In Kamerun kam es sogar zu einem Krieg mit Unterstützung französischer Truppen
- gegen eine Oppositionsbewegung bis 1971. Der kalte Krieg zwischen dem Westen zu dem Frankreich gehörte und dem Ostblock
- spielte sich auf seinem Höhepunkt auch südlich der Sahara ab. In diesem Kontext galt Frankreich als Gendarm Afrikas und es brach die Beziehungen zu Ländern ab,
- die sich Zuseher der UDSS annäherten, wie Mali unter Modibo Keita und Benin unter Mathieu Keriku. 1990 deutete die im westfranzösischen
- Labol von Präsident Miteron angekündigte Unterstützung Frankreichs für die Demokratisierung im französischsprachigen Afrika auf eine
- neue Epoche hin. Doch als seine Regierung 1994 in Rwanda das für den Völkermord verantwortliche Regime von Präsident Habiari zu lange unterstützte,
- warf das für lange Zeit einen Schatten auf den Ruf Frankreichs. 21. Jahrhundert gelangte auf dem jüngsten Kontinent der Welt und in
- Frankreich eine neue Generation an die Macht. Ein neuer afrikanischer Nationalismus entsteht, andere wirtschaftliche und
- politische Akteure und neue Einflüsse verdrängen die ehemalige Kolonialmacht. Durch das Anheizen der Proteste gegen den sogenannten französischen
- Neokolonialismus wurde Putins Russland zu einem direkten Konkurrenten Frankreichs in Afrika. In dener Jahren profitierte unter
- anderem die Wagnergruppe von der Ausbreitung djihadistischer Gruppen und der politischen Instabilität, um die französische Armee in mehreren Ländern
- zu ersetzen. In Mali, Burkinafaso, der zentralafrikanischen Republik und Niger. Dabei ist Mali ein typisches Beispiel für die Strategie Russlands, einer
- Kombination aus Angebot von Schutz und Propaganda, um Frankreich zu diskreditieren. In Bimaco hatte 2013 Präsident Jonkunda
- Traure aufgrund der Bedrohung durch djihadistische Angriffe die französischen Truppen zu Hilfe gerufen. Doch im Laufe der Jahre stockte deren
- Operation Bachkan. Da sie die Angriffe nicht verhindern konnten, verloren sie in den Augen der Bevölkerung ihre Legitimität
- und Russland schürte durch Desinformationskampagnen in den sozialen Medien den Hass auf Frankreich.
- Nach zwei Militärputschen durch junge Offiziere kündigte Paris seine Absicht an, seine Truppen aus Mali abzuziehen. Die neue Militärregierung bat die
- russische Wagnermiliz um Hilfe und kündigte das Verteidigungsabkommen mit Frankreich auf. 2022 zog Frankreich seine letzten
- Soldaten aus Mali ab. Damit begann sein Rückzug aus der Sahelregion. Doch auch in wirtschaftlicher Hinsicht bekommt es Frankreich mit neuen
- Konkurrenten zu tun. So ist das seit langem in Afrika präsentlich China inzwischen der wichtigste Handelspartner des Kontinents
- weit vor Frankreich und den anderen Ländern Europas. Chinas Unternehmen investieren in Häfen, Bahnstrecken, Gaspipelines, Stadien und
- Einkaufszentren und seine Banken leihen das Geld für die Finanzierung der Projekte. Chinesische Medien und Konfuzius
- Institute bauen Chinas kulturellen Einfluss in Afrika aus. Aber auch andere Länder haben ihren wirtschaftlichen Einfluss südlich der
- Sahara ausgebaut und so ist Frankreich nur mehr einer der Partner der afrikanischen Staaten. Angesichts der neuen Lage hat Frankreich
- seine Afrikapolitik verändert. Die Handelsbeziehungen und die französischen Investitionen richten sich nun auch auf Länder außerhalb des ehemaligen
- Kolonialreichs, auf Südafrika, Nigeria und Angola. Wirtschaftliche Schwergewichte des Kontinents. Frankreich diversifiziert auch seine
- Versorgung mit strategischen Rohstoffen aus Afrika und anderen Regionen. So kaufen französische Unternehmen inzwischen mehr Erdöl aus Angola und
- Nigeria als aus Gabun und der Republik Kongo. Frankreichs Atomkonzern Oranu ersetzt das Uran aus Niga durch Uran aus
- Zentralasien, Australien und bald auch Namibia. Und der wegen Korruptionsvorwürfen in Togo in Schwierigkeiten geratene Bolor
- Konzern hat seine zahlreichen Hafenkonzessionen und Logistikaktivitäten abgestoßen. Frankreichs schwindender Einfluss in
- Afrika kommt auch auf politischer Ebene zum Ausdruck, z.B. in der Elfenbeinküste. Dort versuchte Frankreichspräsident
- Macron den seit 2011 amtierenden Präsidentenara diskret davon abzubringen, sich für eine vierte Amtszeit zur Wahl zu stellen.
- Vergeblich, Watara will mit 83 Jahren zum vierten Mal antreten. Soweit zum schwindenden Einfluss Frankreichs in Afrika aufgrund einer
- tiefen Abneigung gegen die ehemalige Kolonialmacht, aber auch aufgrund neuer Einflüsse, unter anderem Russlands und Chinas.
- Doch es gibt weiter ein besonderes Verhältnis zu Frankreich, auch durch den CFA Franc, ein Überbleibsel aus der Kolonialzeit für die einen, ein Symbol
- wirtschaftlicher Stabilität für die anderen. Und auch die französische Sprache ist in Afrika noch weit verbreitet. Frankreichs
- Weg in den kommenden Jahren ist nicht einfach. Es muss neue Beziehungen zu Afrika knüpfen, ohne die Last der kolonialen Vergangenheit.
- Mehr zum Thema der heutigen Sendung finden Sie in Afrika in Ketten Reportagen aus den Kolonien des französischen Journalisten Albert Londra
- aus den 20er Jahren. Damit endet unsere heutige Ausgabe. Wir sehen uns nächste Woche wieder am gleichen Ort und zur gleichen Zeit. Bis
- dahin finden Sie alle unsere Videos auf arte.tv. Dort können Sie auch unsere Newsletter abonnieren. Bis bald. [Musik]
Zum Nachlesen
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